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Ausgabe:

1906 Nr. 16

Spalte:

458-460

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bright, James Wilson (Ed.)

Titel/Untertitel:

Evangelium secundum Matthaeum 1906

Rezensent:

Morsbach, Lorenz

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Theologifche Literaturzeitung 1906 Nr. 16.

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beobachtende, frifch erzählende Reifende wie Rohrbach
haben uns Land und Leute anfchaulich gemacht. Die
Orientmiffion, die nach den entfetzlichen Maffakers begonnen
hat, (ich des armen Volkes (es ift eins der be- |
klagenswerteften der ganzen Gefchichte) anzunehmen, I
erhält uns in direkter Fühlung mit ihm. Eine Reihe J
jüngerer armenifcher Gelehrter ift in Deutfchland ge-
wefen und hat in deutfcher Sprache Forfchungen über
ihre heimifche Gefchichte, zumal ihre Kirchengefchichte
veröffentlicht. Das alles hat uns in lebhafter Weife ge- J
rade im letzten Dezennium mit Intereffe für das begabte,
tapfere, treue Volk erfüllt und uns in ihm einen Zweig
der Chriftenheit erft eigentlich kennen gelehrt, der es
wahrlich verdient, daß wir ihm nicht nur praktifche j
Sympathie für feine Gegenwart, fondern auch forgfaltige
hiftorifche Mitarbeit hinfichtlich feiner bewegten, vielfach
reichen Vergangenheit widmen. In der Kürze gut orientierend
war neuerdings, was Loofs, Symbolik I,
1902, S. 86 ff. gegeben hat; er idealifiert die Verhalt-
niffe des armenifchen Chriftentums nicht, wird ihnen j
aber gerecht. Die deutfche katholifche Theologie hatte ;
fchon länger an Vetter in Tübingen einen Kenner der |
armenifchen Literatur, fie befitzt jetzt an dem Verfaffer
des oben bezeichneten Werks einen zweiten felbftandigen
Kenner diefes Gebiets. S. Weber (Profeffor m Frei-
burg i. B.) ift der armenifchen Sprache offenbar völlig
kundig; er benutzt allenthalben gerade auch die modernen
armenifchen Arbeiten. Nach der Art, die die
katholifchen Theologen unter uns lieben, hat er eine
lange Tafel der benutzten Werke feinem Buche voran-
geftellt; man kann daran zunächft fehen, wie ausgedehnt
die wiffenfchaftliche Forfchung über Armenien fchon ift.
Sein eigenes Werk fügt fich als eine gute Zufammenfaffung
des ganzen Materials, welches für den ins Auge gefaßten
Zeitabfchnitt in Betracht kommt, mit hinein. Es ift
gelehrt und kritifch umfichtig. Auf das Detail einzugehen
, verbietet fich um deswillen, weil es nur bei genauerer
Angabe des Standpunkts der Kontroverfen I
möglich wäre, auch nur anzudeuten, was W. Eigenes
bietet. Der Titel des Werkes, der mißverftändlich gefunden
werden kann, ift in dem Zufatze näher definiert.
W. will die Gefchichte der armenifchen Kirche nur
foweit verfolgen, als fie noch im Zufammenhange mit
der ,katholifchen' Kirche ftand, alfo ehe fie ,fchismatifch'
wurde, was im Verfolg der an das Konzil von Chalcedon
fich anfchließenden Wirren gefchah. Es bezeichnet nun 1
die Schranke des überall gewiffenhaft arbeitenden Mannes,
daß er die urfprüngliche armenifche Kirche gar zu gern
,gut katholifch', möglichft auch in Fühlung mit Rom, ericheinen
läßt. Ich rede nicht von Tendenz bei ihm,
denn er hat gewiß keine eigentliche Abficht, das Bild im
katholifchen Sinn zu ,verfchönen'. Nicht feiten berührt
er auch wunde Punkte der bisherigen Art, die Quellen
aufzufaffen und Zufammenhange der Entwicklung herzu-
ftellen. Gegenüber von Gutfchmid war fchon Geizer
vielfach konfervativ, aber feine geiftvolle kühne Weife, j
die Dinge zu ,verliehen', ruft bei W. doch auch wieder !
neuen Widerfpruch hervor. Mehr als eine überfehene j
Notiz, die der /Tradition' zugute kommt, zieht W.
hervor und wird damit gewiß auch nicht überall Ablehnung
finden. Aber mannigfach befolgt er eine Methode
, die der Hiftoriker nicht billigen kann, nämlich daß er
die Quellen nicht eigentlich prinzipiell wertet. Waitz hat
doch nicht mit Unrecht immer wieder betont, daß man
nicht bei einem Schriftfteller, deffen Sachkenntnis mit
Recht im wefentlichen bezweifelt werde, in denjenigen
Einzelheiten, die fich vielleicht mit anderweitigen guten
Nachrichten reimen laffen, plötzlich hiftorifche Baufteine
erkennen dürfe. Wer das Altertum innerlich mit mehr
Gleichmut betrachtet, als W., fieht allenthalben, daß die
Armenier weder innerlich, noch äußerlich (in der Wahrung
der ,hierarchifchen Ordnungen') fo ,katholifch' waren, als
er fie zu erkennen meint. Ihre fchließliche /Trennung'

ift nicht fo auffällig, nicht fo bloß pragmatifch bedingt
gewefen, als fie bei W. erfcheint. Die urfprünglichen
Beziehungen zu Syrien, die W. natürlich nicht überfieht,
find intenfiver und praktifch folgenreicher gewefen, als er
meint. Das Buch von T er-Minaffiantz, auch die darin
verwertete neuefte Quelle, die wenigftens den letzten
Teil von Weber noch berührt, war für ihn noch nicht
zugänglich. Und ficher wird er auch da wieder manches
in feiner Weife ausgleichen können. Aber ich glaube
nicht, daß W. das allgemeine Urteil über Armeniens
Chriftentum ,vor der Trennung' auf feine Seite ziehen
wird, fo gewiß fein gediegener Fleiß, feine immer fachlich
gehaltene Erörterung der Forfchung erhebliche
Dienfte leiften.

Göttingen. F. Kattenbufch.

Angelfächfifche Bibeltexte; geiftliche und weltliche Epik.

Evangelium secundum Matthaeum. The Gospel of Saint
Matthew in West-Saxon edited from the Manuscripts
by James Wilson Bright, Ph. D. Prof. in the Johns
Hopkins University. Boston and London, Heath&Co.
•1904. (147 S.) 160 S — 40

Evangelium secundum Marcum. The Gospel of Saint Mark
in West-Saxon edited from the Manuscripts by James
Wilson Bright, Ph. D. Prof. in the Johns Hopkins
University. Boston and London, Heath & Co. 1905.
(84 S.) 16« $-4o

Evangelium secundum Johannem. The Gospel of Saint John
in West-Saxon edited from the Manuscripts, with
introduction and notes by James Wilson Bright,
Ph. D. Prof. in the Johns Hopkins University. Boston
and London, Heath & Co. 1904. (XXXIX, 260 S.)
i6° 60

Judith. An Old English Epic Fragment edited by Albert
S. Cook, Prof. in Yale University. Boston and London
Heath & Co. [ohne Jahr]. (XXIV, 72 S.) 160 $ — 40

Juliana, edited by William Strunk, Jr., Ph. D., Assistant
Prof. in Cornell University. Boston and London,
Heath & Co. 1904. (XLIV, 133 S.) 160 f—40

The Battie of Maldon and Short poems from the Saxon Chro-
nicle, edited with introduction, notes and glossary
by Walter John Sedgefield, Litt. D., Lecturer in the
Imperial University of St. Petersburg. Boston and
London, Heath & Co. 1904. (XXIII, 96 S.) 160 £ — 40

Die unter dem Titel ,Belles-Lettrcs-Series' begründete
und von Prof. Edw. Miles Brown in Cin-
cinnati herausgegebene Sammlung foll die bellen engli-
fchen Schriftwerke aller Zeiten dem Studierenden und
Literaturfreund in zuverläffigen und handlichen Ausgaben
zugänglich machen. Das zum Verftändnis Nötigfte
foll in kurzen Einleitungen und Anmerkungen niedergelegt
werden. Auch an fonftigen nützlichen Zutaten,
wie Gloffaren, P'akfimiles, Porträts ufw. wird es nicht fehlen.
Uberfichten über die wichtigften bibliographifchen Hülfs-
mittel find dankenswerte Beigaben. Viele amerikanifche
und englifche Gelehrte haben ihre Mitwirkung zugefagt.
Es find über 200 Bändchen in Ausficht genommen. Natürlich
werden bei einem fo großgeplanten Unternehmen
und fo verfchiedenen Mitarbeitern nicht alle Bändchen den
gleichen Wert haben; fie follen überhaupt weniger dem
wiffenfchaftlichen Fortfehritt dienen, als vielmehr die
Kenntnis der engl. Literatur in weitere Kreife tragen,
zumal auch das Studium des älteren Englifch an den
amerikanifchen Univerfitäten mit in den Rahmen einer
allgemeinen Bildung einbezogen ift.

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