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Ausgabe:

1906 Nr. 1

Spalte:

21-24

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schönfelder, Albert (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Liturgische Bibliothek. Sammlung gottesdienstlicher Bücher aus dem deutschen Mittelalter. Bd. I - III 1906

Rezensent:

Achelis, Ernst Christian

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Theologifche Literaturzeitung 1906 Nr. 1.

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Liturgifche Bibliothek. Sammlung gottesdienftlicher Bücher
aus dem deutfchen Mittelalter. Herausgegeben von
Pfr. Dr. Albert Schönfelder. Erfter Band. Ritualbücher
. (I. Das Benedictionale der Diözefe Meißen
von 1512. — EL Die Agenda der Diözefe Naumburg
von 1502. — HL Die Ritualbücher der Erzdiözefe
Köln von c. 1485.) Paderborn F. Schöningh. 1904,
(XX, 100 S.) gr. 8° M. 4.50

Frei Ten, Prof. Dr. Jof., Manuale Lincopense, Breviarium
Scarense, Manuale Aboense. Katholifche Ritualbücher
Schwedens und Finnlands im Mittelalter. Mit Einleitungen
und Erläuterungen herausgegeben. Paderborn
, Junfermann 1904. (LXXI1I, 260 S.) 8« M. 7.50

Magistretti, Dr. Marcus, Manuale Ambrosianum. Ex co-
dice saec. XI olim in usum canonicae Vallis Trava-
liae in duas partes distinctum edidit. (Monumenta
Veteris Liturgiae Ambrosianae.) Mediolani, U. Hoepli.
Lex. 8° L. 40 —

L Psalterium et Kalcndarium praeviis Praefatione, Dissertatione
et Excerptis ex aliis codd. (181 et 202 p.) MDCCCCV. — II
Officia totius anni et allii ordines. (503 p.) MDCCCCIV.

Schönfelder veröffentlicht im erften Bande feiner
.Liturgifchen Bibliothek' drei Ritualbücher:

L Das Benedictionale der Diözefe Meißen von 1512,
gedruckt von Melchior Lotther zu Leipzig. Es ift, wie
die .Einleitung' gegen Machatfchek: GefchichtedesHoch-
ftiftes Meißen (1884) S. 545 bemerkt, das einzige Benedictionale
unter allen liturgifchen Drucken des Hochftiftes.
In der königl. öff. Bibliothek zu Dresden und in der
Univerfitätsbibliothek zu Breslau befindet fich je ein un-
verfehrtes Exemplar; das Breslauer wird in der Einleitung
genau befchrieben.

II. Die Agenda der Diözefe Naumburg von 1502 ift
nach dem in der königl. öff". Bibliothek zu Dresden befindlichen
Exemplar wiedergegeben. Sie ift mit der
Meißner nahe verwandt. Doch fehlen in der Naumburger
die Meißner Formulare der den. thuris, der ordo in vi-
gelias pcntecostes, die Bußdisziplin carena, der modus Signum
crucis affigendi, die commendatio animae, die se-
pultura parvulorum und die absolutio excommunicati, während
die Meißner Agende die Naumburger Formulare
der ben. avium, /actis et mellis, elcemosynarum und die
initia quatuor evangeliorum vermiffen läßt. Andere Abweichungen
werden S. XIII angegeben. Beide Agenden
fchließen fich nicht an die bekannt gewordenen Magdeburger
, fondern an die Breslauer Ritualien an, worüber
Jof. Jungnitz: Die Breslauer Ritualien (1892) zu vergleichen
ift.

III. Die Ritualbücher der Erzdiözefe Köln von c.
1485. Zwei Exemplare davon find noch vorhanden: in
der Gymnafialbibliothek zu Münftereifel und ein Pergamentdruck
im Britifchen Mufeum zu London (vgl. Voullieme:
Der Buchdruck Kölns [1903] Nr 1244).

Leider fleht die Ausgabe Schönfelders unter dem
Zeichen der .Koftenerfparnis'. Deshalb wird uns der Abdruck
der nach der Befchreibung eigentümlichen und
wertvollen Titelblätter vorenthalten, die Noten werden
nicht wiedergegeben, die Lektionen werden auch da, wo
fie zum erften Male vorkommen, trotz der Vorlage nicht
ausgedruckt. Der Herausgeber hat es fich überdies fehr
leicht gemacht; die zahlreichen Bibelftellen in den Formularen
werden nicht als folche mit ihrem Fundort bezeichnet
, die Hymnen z. B. in dem Meißner Officium
diei parasceues de passione (,CruX fidelis inter omnes'
,Pangue lingua gloriosi, ,Vagit in/ans inter arta' S. 13
[Z. 38 gehört das erfte Wort: ,seculi' zu Z. 37]) werden
ohne literarifche Anmerkung dargeboten, im Ordo ad
visitandum infirmum, ut oleo sancto inungatur des Kölner

I Ritualbuchs S. 938f.fi werden ,interrogationes Ancelini'
; genannt, eine Anmerkung berichtet, daß Herrn. Bun-
gart ,Ancelmil druckt, aber kein Wort belehrt uns, daß
die Interrogationcs Anselmi ad morientem (vgl. Adolph
Franz: Das Rituale von St. Florian aus dem 12. Jahrh.
[1904] S. 196f.) gemeint find, und woher die Schreibung
,Ancelini' flammt.

Wertvoll wird die Herausgabe alter Ritualien nur,
: wenn .Koftenerfparnis' keine wefentliche Rolle fpielt,
und wenn die Herausgeber ernfte Arbeit an ihr Werk
fetzen. Was Adolph Franz in dem Rituale von St.
Florian, auch was Jof. Freifen in dem fogleich zu erwähnenden
Werke geleiltet haben, dürfte für die Nachfolger
vorbildlich fein.

Seiner Ausgabe des Manuale Curatorum secundum
usum ecclesie Rosckildensis vom Jahre 1513 und des
Liber Agendarum ecclesie et diocesis Sleszwicensis 1512,
beide Paderborn 1898 (vgl. Th. Lit. Ztg. 1899 Sp. 614 f.),
hat Freifen 1904 das Manuale Lincopense (für die fchwe-
difche Diözefe Linköping) vom Jahre 1525, die Actus
i sacerdotales Brcviarii Scarensis (für die fchwedifche Diözefe
Skara vom Jahre 1498) und das Manuale Aboense
(für die finnländifche Diözefe Äbo vom Jahre 1522) folgen
laffen. Alle noch vorhandenen Manualbücher der
nordifchen Reiche find in diefen beiden Werken von
I neuem veröffentlicht. Unter dem Gefamttitel: Monufnen-
) ta Ritualis Ecclesiae Septentrionalis wird demnächft eine
j einfache Textausgabe der fünf Ritualbücher in einem
| Bande erfcheinen.

Die den Texten vorangeftellte ,Einleitung' (IX—
LXXIII) ift dadurch wertvoll, daß fie aufgrund eingehender
und umfaffender Forfchungen in den Bibliotheken
des Nordens von fämtlichen noch vorhandenen liturgifchen
Büchern aus dem katholifchen Mittelalter Schwe-
j dens — es find 2 Manualien, 7 Breviarien, 5 Miffalien, —
! von ihrem Inhalte, von charakteriftifchen Zügen, von den
1 Fundorten, genaue Kunde gibt.

Das Manuale Lincopense, defien Titelblatt und Schluß-
Zeichnung in Fakümiledruck wiedergegeben find, gibt in
14 Kapiteln (S. 5—128) die Ritualien der Taufe, der
Trauung, des Krankenbefuchs, der letzten Ölung, des
Begräbniffes u. f. w. Den Abdruck des Textes hat der
Herausgeber mit einem ausführlichen, fehr wertvollen
Kommentare begleitet, in welchem er bei jedem Akt
I die Parallelen aus allen erreichbaren nordifchen und eng-
lifchen, franzöfifchen und deutfchen Ritualbüchern anführt,
über die Herkunft der einzelnen Riten, über ihre Nachwirkung
im englifchen Common Prayer Book und in den
nordifchen lutherifchen Agenden Mitteilung macht. Eine
überaus mannigfaltige Ordnung innerhalb der katholifchen
Kirche des Mittelalters bis in die Neuzeit hinein tritt uns
da vor Augen, teilweife auch — vgl. befonders die Kapitel
Benedictio thalami und Introductio sponsi et sponsae
ad lectum und den Kommentar dazu S. 48 fi — eine
äußerft naive, nach unferen heutigen Begriffen alles An-
| ftandes und aller Scham entblößte Amtswirkfamkeit des
j Priefters, der fich durch feine Weihungen und Gebete
bemüht, alle böfen Geifter und Unholde von den Schlafenden
abzuwehren.— Das Breviarium Scarense (S. 131—
158) liegt nur im Textdruck vor: es enthält 8 Kapitel,
die in ziemlicher Unordnung die Riten der Trauung, der
Taufe, der Salbung, des Begräbniffes und an letzter
Stelle die forma absolutionis private confitentium enthalten
. — Vom Manuale Aboense wird das an nackten
; Figuren, Teufelsfratzen u. fi w. reiche Titelblatt fakfimi-
| lifch wiedergegeben. In 10 Kapiteln (S. 163—257) enthält
es außer den Ordines des Brev. Scarense einen
Ordo ad vigilias defunctorum, die Benedictio ignis in
sabbato sancto und die Consecratio fontis in vigilia pasce
et penthecostes. Berichtigungen und Nachträge' werden
auf S. 259 und 260 hinzugefügt.

Der Kenntnis der nordifchen Ritualien im Mittel-.
: alter und dem liturgifchen Studium hat der Herausgeber