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Ausgabe:

1906 Nr. 15

Spalte:

428-430

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

The Coptic Version of the New Testament in the Northern Dialect, otherwise called Memphitic and Bohairic. Vol. III and IV 1906

Rezensent:

Dobschütz, Ernst

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Theologifche Literaturzeitung 1906 Nr. 15.

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überwiegt der religiös-ethifche perfönliche Gefichtspunkt j The Coptic Version of the New Testament in the Northern

gegenüber dem rituellen, wie das auch 1620—22 zeigt, wo
betont wird, daß es die Sünden des Volkes aus der
volklichen Gemeinfchaft zu entfernen gilt. Nach einer
kurzen Erörterung über den Geltungsbereich der Sündopfer
unterfucht H. im letzten Kap., woher es kommt,
daß diefer Sühnebegriff eine derartige zentrale Bedeutung
in P gewinnt, daß die Kappara wefentlich in der Blutmanipulation
liegt und an ntfttn und BttJX vorwiegend
geknüpft iß. Jene erfte Tatfache erklärt fich aus dem
gefteigerten Sündengefühl und aus der Bedeutung der
Sündenvergebung für die Reinheit der Gemeinde und
damit für den Fortbeftand der Bundesgemeinfchaft. Daß
das an das Heiligtum applizierte Blut das Sühnemittel ift

Dialect, otherwise called Memphitic and Bohairic.
With Introduction, Critical Apparatus, and Literal
English Translation. Voll. III and IV. Oxford, Clarendon
Press 1905. gr. 8° s. 42 —

III. The Epistles of S. Paul. Edited from Ms. üriental 424 in
the British Museum. (LXVIII, 535 p.) — IV. The Catholic Epistles
and the Acts of the Apostles Edited from Ms. Oriental 424. —
The Apocalypse. Edited from Ms. Curzon 128 in the care of the
British Museum. (III, 591 p.)

Den in Jahrg. 1899 Nr. 10 Sp. 296 angezeigten
beiden Evangelienbänden des nordägyptifchen Neuen Teerklärt
fich aus den aus der ältern Zeit herübergeretteten ! ßaments hat Horner dankenswert rafch die beiden Schluß

Vorftellungen der urfemitifchen Religion und fpeziell aus
der Auffaffung des Opfers als fakramentalen Gemein-
fchaftsbandes. In Zeiten des Niederganges hielt man

bände folgen laffen. Sie enthalten nach der bei den
Kopten üblichen Reihenfolge die Paulusbriefe, kathol.
Briefe und Apoftelgefchichte, und fchließlich die Apo-

die beftehenden Religionsformen nicht für ausreichend, | kalypfe. Erftere drei find merft vereinigt (in 10 von 21
die Gunft der Gottheit zu erlangen, man fuchte nach Handfchriften), letztere ift nur in 2 Handfchnften mit den
neuen Mitteln, die Sünde zu fühnen. Wollte ein neues drei epiftohfchen Teilen des Neuen Teftamentes vereinigt,
kultifches Syftem den religiöfen Bedürfniffen des Volkes fon" meift furTT19|1 .überliefert, wie dies ja auch bei den
genügen, fo mußte es Gewähr bieten für ein dauerndes Griechen der Fall ift, ein letztes Anzeichen der fpaten
religiöfes Gemeinfchaftsband. Das tat das kultifche Syftem Aufnahme in den Kanon. Bei den Paulusbriefen fteht
von P und fpeziell in feinen Sühnopfern, die in der vor überwiegend Heb. vor den Päd nur in 4 jungen Hand-
P liegenden Gefchichte eine gewiffe Vorbereitung fanden, fchriften ift die abendlandifche und fpatgnechifche Stellung
— Das ift in kurzen Zügen der Inhalt diefer durch am Ende a er Pauhnen eingedrungen; von der a tagyp-
gefundes ruhig abwägendes Urteil, fichere Methode und tifchen Stellung inmitten der Gemeindebriefe findet fich
klare Darfteilung ausgezeichneten Arbeit, deren Wert I keine bPur menr-

erheblich hinausgeht über das, was man von einer folchen | Horners Ausgabe ruht für Paul auf 19, für Kath.
Erftlingsarbeit zu erwarten berechtigt ift. Handelt es i auf 10, für Act. auf 12 Handfchr. (Lagarde hatte nur
fich auch nicht um neue Ergebniffe, die H. herausgeftellt 1 je 4); für Apoc. auf 11. Keine ftellt fich direkt als Fort

hätte, fo gebührt ihm doch das Verdienft, ältere Anfchau-
ungen neu beleuchtet und in vieler Beziehung ficherer

fetzung einer der Evangelienhandfchriften dar, obwohl
z. B. die Vorlage von A hier nach Horner mit H evv eine

fundamentiert zu haben, auch da und dort in neuerer Handfchr. gebildet zu haben fcheint. Sie find allefamt
Zeit hervorgetretene Behauptungen auf das richtige Maß 1 jünger als die Evangelienhandfchriften, nur 2 gehen ins
reduziert oder als unbegründet dargetan zu haben, ich I 12. Jahrh. hinauf; 3 Bll. der Brit. Mus. enthalten leider
erinnere nur an die Überfchätzung der babylonifchen j allzukurze Fragmente des 9. und 10. Jahrh.
Luftrationsriten ufw. Freilich wird es der Arbeit auch Horner hat wiederum eine Handfchrift, Curzon, jetzt
nicht an Widerfpruch fehlen. Ref. denkt z. B. an die j Brit. Mus. Or. 424 v. J. 1307 zugrunde gelegt, der er
Darlegungen überLev. 16: fo ift die Behauptung unrichtig, j auch in den Äußerlichkeiten, Über- und Unterfchriften,
daß v. II—28 nicht die vv. 6—10 vorausfetzt, tatfächlich Kapitel und Versabteilung u.a. ganz folgt. Er hat fich
ift in v. 11 der v. 6 wiederaufgenommen; ebenfowenig ift aber hier öfter als bei den Evangelien veranlaßt gefehen
die Verbindung von v. 5 mit v. 2—4 wahrfcheinlich, die | im Text von diefem Führer abzuweichen. Und das ift
von den Bedingungen handeln, unter denen der Priefter gut. Denn die Wahl ift, wie wohl fchon bei den Evan-
in das Innere Heiligtum vor die Kapporet gehen darf, [ gehen, nicht die glücklichfte gewefen. Der Fehler ift in-
vielmehr gehört v. 5 mit v. 7ff", zufammen, während v. 12.13 t fofern nicht fchlimm, als Horner im Apparat ja das voll-
mit v. 2—4 zu verbinden find, was H., der v. 12. 13 aus- ftändige Variantenmaterial vorlegt, dazu auch reichliche
fcheidet, offenbar nicht erkannt hat. Auch von einer Mitteilungen über die griechifchen Zeugen. Aber der
Ausfcheidung lediglich von v. 20—22 kann keine Rede Lefer muß diefe auch mit eigener Kritik verwenden; die
fein, denn diefe vv. fetzen v. 5. 7 ff. voraus, die andrerfeits | Aufgabe hat der philologifch auf das fauberfte arbeitende
v. 20—22 fordern, fo daß auch von hier aus fich die Herausgeber ihm nicht abgenommen, ja — leider müffen
Unrichtigkeit der Behauptung ergibt, daß v. 11—28 die wir fagen — nicht einmal erleichtert. Es fcheiden fich
vv. 6—10 nicht vorausfetzen bezw. fie ignorieren vgl. S. 90, mehr oder weniger deutlich zwei Gruppen von Handfchr.,
fowie die der andern, daß v. 6—10 an 2—5 gefchweißt die nicht nur in Feinheiten des Koptifchen Ausdrucks,
feien. Mindeftens mißverftändlich ift die Darlegung auf ! fondern auch in der Art des benutzten griechifchen
S. 60, daß in der Zeit Ez.s, wo man ,den Gedanken der Textes von einander abweichen. Soviel ich fehe, hat
Heiligkeit auf dem ethifchen Gebiet auch in das Gebiet urfprünglich ein mit sA u. ä. verwandter Text zugrunde
der rituellen Reinheit hinüberfpielte, alfo naturalifierte', gelegen; fpäter ift nach jüngeren Texten korrigiert worden,
diefe Heiligkeitsforderung nun raffinierter und komplizier- Das Problem kompliziert fich aber dadurch, daß die
ter wurde. Tatfächlich liegt die Sache hier nicht anders bohairifche Überfetzung nicht für fich betrachtet werden
wie bei den Sühnopfern: man knüpfte über die Propheten, ! darf, fondern im Zufammenhang mit der fahidifchen,
die den Begriff der Heiligkeit ethifiert hatten, an die j von der übrigens eine kritifche Ausgabe durch Horner
Anfchauungen der älteren Zeit an und gab ihnen eine erft in Ausficht fteht. Es genügt, einige Partien zu verneue
Bedeutung. — Doch diefe und ähnliche Bedenken gleichen, um fich zu überzeugen, daß beide nicht unab-
und Fragezeichen, die man da und dort machen könnte, ] hängig voneinander fein können: fie bieten nicht nur
follen das oben ausgefprochene Urteil nicht erfchüttern, oft diefelben griechifchen Varianten (z. B. Apc. 2 15 laffen
daß diefe Arbeit ein höchft erfreulicher und wertvoller beide ofioicog unausgedrückt, ebenfo 615 xai 01 fieyioxavei;,
Erftling eines jungen Theologen ift. 42 fchreiben beide öaQÖivco st. öctgötco und Iis Omfia st.

Straßburg i. E. W. Nowack. ftT©^«), fondern auch die gleichen freien Umschreibungen

in koptifcher Ausdrucksweife und in der Stellung (s. z. B.
I Theff. 1 s. 11. is.). Dabei ift es freilich nicht von vorn
herein klar, auf welcher Seite die Abhängigkeit liegt: