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Ausgabe:

1906

Spalte:

401-404

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Wordsworth, Johannes

Titel/Untertitel:

Novum Testamentum Domini Nostri Jesu Christi Latine secundum editionum Sancti Hieronymi. Partis secundae fasciculus primus: Actus Apostolorum 1906

Rezensent:

Dobschütz, Ernst

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof in Berlin, und D. E. Schürer, Prof. in Göttingen.

Jährlich 26 Nrn. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig. Jährlich 18 Mark.

Nr. 14. 7. Juli 1906. 31. Jahrgang.

Novum Testamentum Domini Nostri Jesu Christi
Latine secundum editionem S. Hieronymi edd.
Wordsworth et White II, 1 (v. Dob-
schütz).

Harnack, Lukas der Arzt, der Verfafler des
dritten Evangeliums und der Apoftelgefchichte
(Harnack und Schürer).

Holzhey, Die Thekla-Akten (Rolffs).

Allard, Dix legons sur le martyre (Knopf).

Jordan, Rhythmifche Profa in der altchriftlichen
lateinifchen Literatur (Kattenbufch).

Jordan, Rhythmifche Profatexte aus der älteften
Chriftenheit (Derf.).

Fritz, Die handfchriftliche Überlieferung der
Briefe des Bifchofs Synesios (Dräfeke).

Luthers Werke, herausg. von Buchwald, Ka-
werau, Köftlin, Rade, Schneider u. A., 3. Aufl.
(Boflert).

Luthers Dichtungen, ausgewählt von Vefper
(Boflert).

Likowski, Die ruthenifch-römifche Kirchenvereinigung
genannt Union zu Breft (Kattenbufch).

Mach, Die Krifis im Chriftentum und die Religion
der Zukunft (Niebergall).

Pfennigsdorf, Perfönlichkeit, chriftliche Le-
bensphilofophie für moderne Menfchen (Derf,).

Müller, Joh., Die Bergpredigt (Derf.).

Walter-Simon-Preisaufgabe.

Nouum Testamentum Domini Nostri Jesu Christi Latine secundum
editionum Sancti Hieronymi. Ad codicum manu-
scriptorum fidem recensuit Johannes Wordsworth,
S. T. P., Episcopus Sarisburiensis, in operis socie-
tatem adsumto Henrico Juliano White, A. M. Partis
secundae fasciculus primus: Actus Apostolorum.
Oxonii, e Typographeo Clarendoniano MDCCCCV.
(XVI, 228 p.) 40 s. 12. 6

Langfam nur, aber ficher fchreitet die große Oxforder
Vulgataausgabe voran. 1889 begonnen, war der
Evangelienband 1898 durch den Epilogus abgefchloffen
worden. Erft 1905 hat uns die Apoftelgefchichte gebracht
. Nicht zum Schaden der Sache. Die Herausgeber
haben faft alle Kollationen felbft angefertigt, unterftützt
nur durch den sorgfältigen Rev. G. M. Youngman. So
bieten fie jetzt unbedingt zuverläffiges. Sie haben ferner
in noch ftärkerem Maße als bei Luk. und Joh. die vor-
hieronymianifchen Texte berückfichtigt. In dem Apparat
zum Vulgatatext findet man das vollftändige Material
für die vetus latina verborgen. Das war gerade bei AG
von befonderem Werte, da hier, wie Blaß gezeigt hat,
merkwürdige, fehr alte und beachtenswerte Textformen
in der altlateinifchen Überlieferung erhalten find. Das
war freilich auch eine befonders fchwierige Aufgabe und
der Apparat ift dadurch riefig angefchwollen. Bei AG
fehlt die /^Text-Spalte der Evangelien, da keine Hand-
fchrift bekannt ift, die wie der Brixianus als Repräfentant
des von Hieronymus feiner Revifion zugrunde gelegten
Textes gelten könnte. Dennoch nimmt der Vulgatatext
hier eher noch fchmäleren Raum ein: mehr als zwei Drittel
der Seite werden von dem umfaffenden Apparat abforbiert.
Das ift aber nicht etwa Ablenkung von der Hauptaufgabe
des Werkes. Erft fo läßt fich Hieronymus' Arbeit
ftudieren und beurteilen. Erft fo ift überhaupt nach-
zuweifen, daß hier Arbeit des Hieronymus vorliegt;
war doch allen Ernftes bei dem Mangel äußerer Zeug-
niffe in Abrede geftellt worden, daß Hieronymus feine
Revifion über die Evangelien hinaus fortgefetzt habe.
Die Herausgeber verweilen dem gegenüber auf die zahlreichen
Stellen, wo alle Vulgatahandfchriften gefchloffen
den Vertretern des altlateinifchen Textes gegenüber-
ftehen Andererfeits waren die Zeugen für letzteren
auch darum nicht zu entbehren, weil er an vielen Punkten
bis tief in die Vulgataüberlieferung hineinreicht.

Die Textherftellung ruht auf 17 Handfchriften des
6.—10. (eine des 13.) Jahrhunderts. 10 davon waren für
die Evangelien benutzt ADG CT6 F KVW,; die andern
werden in Kap. 1 der praefatio kurz befchrieben: IM 0
SU BR bedeuten alfo hier etwas anderes als im Evan-

D

G

C

F

0



T

SU





&

KBVR







W

gelien-Bande; vielleicht wären dafür Sigla wie h oder
Ma praktifch gewefen. Die Herausgeber gruppieren,
ohne eine Stemma zu wagen, etwa folgendermaßen:

1. unabhängige A

2. abgeleitete IM

3. rezenfierte

4. fcholaftifche

W ift nur als Typus des mittelalterlichen Textes berückfichtigt
(neben den Korrektorien); die alkuinfche
{KB VR) und theodulffche (6>) Rezenfion nützen fich auf
die uns noch bekannten älteren Texte; auch IM 0 T SU
find nur abgeleitet. So ruht die Textkonftitution in der
Hauptfache auf den fünf unter fich unabhängigen Zeugen
A D G C F. Man kann auch von 2—3 Gruppen
fprechen, die fich meift gegenüberftehen A IM DO:
C T O :: F SU KBVR IV. G fteht für fich, indem es
bald mit der A-, bald mit der /'-Gruppe geht und dadurch
, wie die Herausgeber sagen, den Ausfchlag gibt.
Zum äußeren Zeugenverhör treten übrigens ftets Erwägungen
innerer Art: die Art des Hieronymus, das
Verhältnis zu den altlateinifchen Textformen und den
griechilchen Vorlagen wird forgfältig berückfichtigt.
Das wohl abgewogene Urteil der Herausgeber wird meift
Zuftimmung verdienen.

An einigen Stellen meinen übrigens auch diefe
ftreng konferyativen Textkritiker nicht mit der hand-
fchriftlichen Überlieferung auskommen zu können,
fondern zur Konjektur greifen zu müffen: 320 fchreiben
fie f cum für ut cum oder et cum der Handfchriften:
Hieronymus habe vermutlich ein folches ut seines Textes
am Rande in cutn korrigiert; 421 quid omnes f clarifica-
bant deum in eo quod facttim erat f ftatt des von der
Mehrzahl der Handfchriften gebotenen quia omnes clari-
ficabant id quod factum erat in eo quod acciderat, wo fie
mit Recht Vermifchung zweier Wiedergaben von estl rm
yeyovovi erkennen, deren eine dann das Objekt deum
(noch in CT) verdrängt habe. 15 211 fetzen sie suffocato
gegen alle Handfchriften in Klammern, weil Hieronymus
es nicht anerkenne, der, wo er es erwähnt, den
Plural setzt.

Den Wert diefer kritifchen Ausgabe zeigt am beften
ein Vergleich mit Hetzenauers möglichft getreuem
Nachdruck der Clementinal. Ich zähle in den 10 erften
Kapiteln, abgefehen von den Orthographica wie elemosvna.
israhel, hierusalem, adstiterunt, exsurgens und Formen
wie audisse, exiebant, 143 Varianten, darunter 13, bei
denen der clementinifche Text durch keine der 17 Handfchriften
, 33 bei denen er nur durch eine oder zwei

1) Falfch fteht bei Hetzenauer 738 ut ft. et und 10^ con-
venerunt ft. ant.

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