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Ausgabe:

1906 Nr. 13

Spalte:

388-390

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Loofs, Friedrich

Titel/Untertitel:

Nestoriana. Die Fragmente des Nestorius gesammelt, untersucht und herausgegeben 1906

Rezensent:

Kattenbusch, Ferdinand

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Theologifche Literaturzeitung 1906 Nr. 13.

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fonders hat ihn die Frage nach der eigentlichen Kunft-
form des Hymnus noch fortgefetzt befchäftigt. Leider
verbietet es der Raum, darauf hier einzugehen. Er ftellt
fich in einen gewiffen Gegenfatz zu W. Meyer, deffen Autorität
auf diefem Gebiete er durchaus anerkannt, doch
aber nicht unbedingt Ausfchlag geben läßt. Er glaubt

alle irgendwie wichtigen Notizen über Nie. hat B. nach
den beften Handfchriften (vielfach neuen, von ihm erft
beigebrachten) kritifch feftzuftellen gefucht. Daß Defi-
derien übrig bleiben, ift nicht auffallend. C. H. Turner
hat im Journ. of Theol. Stud. VII, 1906, Jan. S. 203 ff.
manche fehr einleuchtende konjekturale Textbefferungen

im Unterfchiede von ihm, daß das Te Deum allent- 1 empfohlen; er fügt auch für viele Stellen weitere Nachhalben
Rhythmus zeige (freilich fo, daß ein Schwanken
zwifchen dem Quantitäts- und dem Akzentuationsfyftem
anzunehmen wäre). Ich wage von mir aus keinen Ent-
fcheid. Sehr fein, und ich möchte auch glauben richtig,
ift die Idee, daß der Hymnus drei Strophen habe (von
je vier kurzen Doppelzeilen), jede mit einem Refrain
wenn auch nicht ganz fachlich gleicher Art. Der Hymnus
gewinnt gerade bei diefer Idee eine eigentümliche Schönheit
und einleuchtende liturgifche Geftalt. Im einzelnen
hat B. für die richtige Zeilenteilung (wie ein Vergleich
zwifchen S. CXXII—III in gegenwärtigem Buche und S.2/2f.
der Introduktion ergibt) Obfervationen von Meyer mit
verwertet.

IV. Opera dubia. Unter diefem Titel bringt B. zuerft
S. 92—in in zwiefacher Rezenfion einen Traktat, der
unter den Titel de ratione Paschae, bzw. aePascha, teils als
ein Werk des Athanafius, teils des Martin von Bracara,
teils auch anonym überliefert ift. Gennadius nennt unter
den fechs libelli instruetionis, die er kenne, auch zuletzt
einen mit dem Titel ,de agni pasclialis victima'. Der
Traktat, den B. bietet, ift eine Rechtfertigung der kirch

weifungen von Anfpielung auf Bibelworte bei. (Burn
felbft hat feiner Ausgabe eine Note on the Biblical Text
used by Niceta von F. C. Burkitt beigefügt und übrigens
felbft redlich das Seine getan, um die Bibelftellen, die
Nie. benutzt, deutlich zu machen). Alles in Allem ift B.s
Arbeit nur zu rühmen.

Göttingen. F. Kattenbufch.

Loofs, Prof. Dr. Friedrich, Nestoriana. Die Fragmente
des Neftorius gefammelt, unterfucht und herausgegeben
. Mit Beiträgen von Stanley A. Cook,
M. A., und Priv.-Doz. Dr. Georg Kampffmeyer.
Halle a. S., M. Niemeyer 1905. (X, 407 S.) gr. 8° M. 15 —

Eine echt Loofs'fche Arbeit an Gelehrfamkeit, Scharf-
finn und überlegter Methode! Den erften Teil, S. I—160,
d. h. die Unterfuchung der Quellen, alle kritifchen
Fragen als folche, hatte L. fchon als Ofterprogramm der
Univerfität Halle, Wittenberg für 1903 und 1904, veröffentlicht
. Das vorliegende Buch bringt nun dazu,
liehen Art der Ofterberechnung. Der Titel, den Gennadius j außer gewiffen Nachträgen, wie fie in folchem Falle
bezeichnet, läßt nicht gerade an ein folches Thema denken. | nach einiger Zeit gar nicht zu vermeiden find (es find
Aber B. hat recht, daß der Traktat, den er bringt, wenig- wenige und keinerlei bedeutende; L. hat eben gar nicht

ftens in der einen (kürzeren) Rezenfion mehr erbaulich,
als chronologifch geartet ift. Der Traktat ift in beiden
Rezenfionen bereits früher gedruckt worden. Mehr als
eine Möglichkeit, daß er (eventuell würde auch ich nur
an die kürzere Form denken) von Nie. verfaßt, fpäter
etwa von Martin von Bracara bearbeitet (auch etwas
anders nüanciert) worden fei, exiftiert vorerft nicht, fcheint
B. auch nicht behaupten zu wollen. — Zu zweit bringt B.
hier einen Traktat de lapsu virginis. Daß Nie. einen
folchen verfaßt habe, neben den libelli, die für die com-
petentes beftimmt waren, gehört auch zu den Angaben
des Gennadius. Es exiftiert nun ein Traktat diefer Art,

eher begonnen, feine mühfamen Studien publici juris zu
machen, als er wirklich nach allen Seiten Umfchau gehalten
), auf S. 165—388 die /Texte'. Ich bin durchaus
nicht in der Lage, eine Rezenfion des Werkes zu
fchreiben, vielleicht ift das zurzeit niemand. Denn
nur wer fich felbftändig und gründlich mit der Überlieferung
hinfichtlich der Schriften des nicht zwar .großen',
doch aber vor anderen gehäffig verkleinerten, literarifch
übermäßig fchnöde behandelten, zwar auch nicht hervorragend
edelen, doch feinen Hauptgegnern, Cyrill und
Caeleftin, auch feinen halben Freunden, einem Johannes
von Antiochien gegenüber Sympathie erweckenden, ,ehr-

der teils dem Hieronymus, teils dem Ambrofius, einmal j liehen' Neftorius befaßt hat, könnte vielleicht mit L.

aber doch auch, und zwar in dem älteften Manufkript
dem Nie. zugefchrieben ift. Er hat in letzterem den
Titel Epistula (Nicetae episcopi) de lapsu Susannae detwtae
et cujusdam lectoris, B. ftellt ihn unter den Titel ad lap-
sam virginem libellus und gibt auch ihn in zweierlei
Recenfion, einer kürzeren und einer längeren (in welcher
er fpeziell handfehriftlich dem Nie. vindiziert ift). Daneben
ftellt er noch einen ganz anderen Text, den ihm Morin
zugeführt hat und für den diefer den Nie. in Anfpruch
nehmen möchte, während B. felbft doch für die erftere Form
einzutreten geneigt bleibt. Morin ift auf feine Idee dadurch
geführt, daß in feinem Text von einer foeben geftor-
benen und durch ,augusti prineipes' erfetzten persona
regalis' die Rede ift, indem ihn das an die notorifche
Zeit des Niceta, nämlich den Tod des Theodofius, 395

irgendwo ernftlich ftreiten oder ihm mit wirklicher
Autorität zur Seite treten wollen. Schon fein Art.
.Neftorius' in PRE XIII ruht auf den Studien, die L.
jetzt in ihrer Vollftändigkeit vorlegt, und war im-
ftande, dem Manne, der fich nie bewußt geworden, ein
.Ketzer' zu fein, der fich als Orthodoxen (zum Teil
fogar in den üblichen unangenehmen Formen) empfunden
hat und das im Grunde fo gut durfte, wie feine Gegner,
eine fehr lehrreiche, vielfach neue Schilderung zu gewähren
. Es fcheint, daß man demnächft eine weitere
wichtige, bisher für völlig verfchollen gehaltene Schrift
wieder zu erhalten erwarten darf. Dr. H. Gouffen, z. Z.
katholifcher Divifionspfarrer, glaubt den jiber Pleraclidis1
wieder gefunden zu haben (auch eine hiftorifch wertvolle
vita Nestorii), und Loofs felbft hat fich überzeugt, daß

erinnert. Aber diefer Anhalt ift doch fehr unficher. Die die fyrifche Handfchrift G.s, die Bedjan edieren wird,

Frage wird noch weiter zu diskutieren fein. Ob die
kürzere oder längere Rezenfion der Schrift, die B. dem
Nie. vindiziert, die urfprüngliche fei (ß. glaubt daß es
erftere fei), ift auch noch näher zu prüfen. Es gibt, worauf
Souter 'Journ. of Theol. Studios VI, 1905, April) auf-
merkfam gemacht hat, eine ganze Reihe noch zu vergleichender
weiterer Handfchriften (fie alle nennen nur,
faft zu gleichen Teilen, entweder Ambrofius oder Hieronymus
).

Wieviel Forfchungsfleiß und kritifche Mühwaltung
in Burns Ausgabe des Nie. niedergelegt ift, konnte in
Vorftehendem nur fehr undeutlich zur Anfchauung gebracht
werden. Nicht nur die Texte felbft, fondern auch

.zweifellos ein echtes Werk des Neftorius' bietet (S. 4 u. 69).
Es ift begreiflich, daß L. fich die Frage vorgelegt hat,
ob er mit feinen Texten nicht zurückhalten folle, bis
jene (wichtige Edition vorliegt, da nach ihr .vielleicht
manche der Fragen, welche bei einer Unterfuchung der
Neftorius-FYagmente fich aufdrängen, lösbarer oder
leichter lösbar werden, als es jetzt der Fall ift'. Er hat
doch mit Recht geurteilt, daß feine Arbeit nicht nur
ihren felbftändigen Wert habe, fondern gerade auch
der Würdigung neuer Neftoriana in der rechten Weife
den Weg bereite. Man kann aus L.s Darlegungen entnehmen
, wieviel Verwirrung an den Stellen, an die man
fich als Editionen und Hauptfonderarbeiten zu wenden