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Ausgabe:

1906 Nr. 13

Spalte:

383-388

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Burn, A. E.

Titel/Untertitel:

Niceta of Remesiana, his life and works 1906

Rezensent:

Kattenbusch, Ferdinand

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3^3

Theologifche Literaturzeitung 1906 Nr. 13.

384

Seine Analyfierung der Stellung Pius' V und Gregors XIII
zur Hugenottenfrage ift übrigens befonders fein und
lefensvvert. In bezug auf die Beurteilung des Erfteren
wird man geneigt fein, ihm völlig beizuftimmen — der
ausführliche Vergleich mit Bernhard von Clairvaux lag
V. näher als er einem anderen Betrachter liegen würde —,
während Gregors Benehmen nach der Blutnacht, auch
wenn man, wie V., alle den Papft entlaftenden Faktoren
zu Hülfe ruft, doch nicht einwandsfrei fein dürfte, ein Urteil,
das ich übrigens felbft aus V.s hier leicht apologetifch
gefärbten Worten herauszuhören vermeine. Auch die
Erklärung der Worte: ,Hugonottorum strages1- auf der
Medaille als Ja defaite des Huguenots, meme en bataille
rangee' dürfte eine unerlaubte Abfchwächung enthalten;
der Zufatz fleht fogar im Widerfpruch zu V.s eigenen
Ausführungen, die den Gedanken an Ermordung zum
mindeften der Führer als auch dem Papfte ganz geläufig
erfcheinen laffen. Verfchweigen darf ich auch nicht, daß
fich zu Anfang diefer Abhandlung der fehr merkwürdige
Satz findet: ,La chretiente (fo! ohne Zufatz) se trouvait,
au XVIe siede, en presence de deux ennemis redoutables,
les Turcs est /es protestants.' Die Protestanten hatten,
wie V. nicht vergeffen durfte, alle eine auch dem Katholiken
gültig erfcheinende Taufe erhalten!

6. S. 293—387. La condamnation de Galileo. Aus
diefem Auffatz, der zu der vielverhandelten Frage für
den, der mit den neueren deutfchen Arbeiten (warum
nennt der Verf. Reufch nicht?) vertraut ift, kaum neues
beibringt, zitiere ich einen der Schlußfätze: Certes, pour
une erreur commise, il ne convient pas tenir eternellement
en suspicion la prudejice bien connue des Congregations
romaines. Mais, malgre tout, Jes gens de peu de foi'
. . . craignent comme instinctivement que ce qui est arrive
une fois ne se renouvelle. Et cette frayeur, cette tentation de
doutc, qu' 011 le veuille ou, non, est une consequence lointaine
et durable de la condamnation de Galilee.' Hoffentlich
ift das, wenigftens für deutfche Katholiken, felbftver-
Itändlich.

Fremdsprachliche Zitate und Autorennamen find im
wefentlichen richtig wiedergegeben; doch las ich S. 152
Tobel Statt Löbell, und S. 203 Loevenfeld ft. Löwenfeld.

Gießen. G. Krüger.

Burn, A. E., D. D., Niceta of Remesiana, his life and works-
Cambridge, University Press 1905. (CLX, 194 p.) 8°

Der Mann, deffen opera hier von dem durch vortreffliche
Beiträge zur Gefchichte des altkirchlichen Tauf-
fymbols unter uns wohl bekannten A. E. Burn (f. meine
Anzeige feines Werks An Introduction to the Greeds
and to the Te Deum in diefer Zeitfchrift 1901, Nr. 7)
herausgegeben find, ift von der neueren patriftifchen
Forfchung erft wieder entdeckt worden und war doch
in alter Zeit ein angefehener und viel gelefener Mann.
Freilich fchwebt über feiner Perfon feit früh ein gewiffes
Dunkel. Gennadius, der die Mehrzahl feiner Werke
gekannt hat, nennt noch feinen Bifchofsfitz; daß er die
Stadt Remefiana in Dacia (nahe bei Naiffus = Nifch im
füdlichen Serbien) meint (die Handfchriften bis auf eine,
die von Le Quien benutzt war, neuerdings aber erft von
Zahn geltend gemacht ift, bieten eine unklare Namensform
, das hat auch der Identifizierung des Mannes im
Wege gestanden), ift jetzt wohl allgemein anerkannt.
Er muß dann an den dacifchen Bifchof gedacht haben,
den Paulinus von Nola in zweien feiner Carmina be-
fungen hat. Aber fo oft nun auch fpäter eines Nicetas,
Nicetus, Niceas etc. gedacht wird, der unzweifelhaft mit
dem einen oder andern der von Gennadius namhaft
gemachten Werke feines Daciers als Autor in Verbindung
Steht, fo wird nie wieder mehr von ihm bezeugt
als das unbestimmte Prädikat episcopus; nur eine
fehr fpäte Handfchrift der explanatio symboli (Cod. Chis.,
saec. XIV) Sagt ,Nicete Aquilejensis'. Schon Baronius fand

ein Intereffe fich mit dem Nicetas des Gennadius zu beschäftigen
und glaubte ihn, ehe eine feiner Schriften wieder
gefunden war, für den Aquilejenfer (Zeitgenoffe Leos
des Großen) erklären zu follen. Das wirkte dann, als
die von Gennadius charakterisierten Schriften tatfächlich
zum Teil vollständig, zum Teil wenigstens fragmentarifch
aufzutauchen begannen, vorläufig wie ein Vorurteil weiter,
(zumal als Cod. Chis. es zu bestätigen Schien). Der erfte,
der wieder auf den Dacier aufmerkfam machte, war
J. P. Zabeo, der aber nicht beachtet wurde, dann folgte
nach faft einem Jahrhundert, 1894, G. Morin, der es bemerkte
, daß der Autor des Te Deum ein Nicetas fei,
fpäter noch befonders Zahn und (Schon in feinen früheren
Arbeiten) Burn. Ich meinerfeits habe wider Caspari
befonders dafür geftritten, daß der Verfaffer der explanatio
symboli jedenfalls nicht der Nicetas von Aquileja fei.
doch konnte ich mich nicht entfchließen, ihn als den
Nicetas Dacus anzuerkennen. Die Sache fteht nämlich
fo, daß Gennadius vom Te Deum überhaupt nicht Spricht
und einen Nicetas namhaft macht, der nur dogmatifche
Schriften verfaßt hat. Umgekehrt ift aus den Carmina
das Paulinus direkt nur zu entnehmen, daß der Nicetas
Dacus ein Dichter geistlicher Hymnen (mehrerer? eine
andere als das Te Deum hat bisher noch niemand gewagt
, ihm zu vindizieren) war. Empfahlen die Carmina die
Hypothefe Morins, fo doch nicht mehr. Da ich in der
Form des Symbols, die die explanatio Nicetae behandelt,
fehr deutliche Merkmale der Verwandfchaft mit den
wefteuropäifchen, fpeziell den gallifchen Symbolen zu
erkennen meinte, trat ich für den Gedanken ein, daß
Gennadius eine Verwechslung begangen habe, indem er
feinen Nicetas für den dacifchen hielt, während er in
Wirklichkeit ein gallifcher Bifchof (ungefähr derfelben
Zeit wie der dacifche, alfo um 400) gewefen fei. Zweifellos
hat diefer Gedanke feine Schwierigkeiten, Burn lehnt
ihn ab und ich will ihn nicht urgieren. Ein neckifcher
Zufall bleibt es allerdings mindestens, daß Gennadius
nichts von den dichterifchen (bezw. hymnologifchen)
Werken, die man im Blicke auf Paulinus ganz unbedenk-'
lieh dem Dacier zufchreiben darf, weiß und nur dogmatifche
Traktate ihm beilegt, die man nach der Charakteristik
feiner Art bei Paulinus ihm nur allenfalls
zufchreiben ,kann'. Aber es ift ja freilich faft wahr-
fcheinlich, daß Gennadius durch die handfehriftliche
Betitelung feines Nicetas veranlaßt ift, ihn als episc.
civitatis Remesianae zu bezeichnen. Ich habe zuletzt,
einer Idee I. Kirfchs folgend, mich dem Gedanken zugeneigt
, daß Nicetas geborener Gallier gewefen fein
könne. Dem fteht jedenfalls nichts im Wege. Denn
wenn Paulinus die Stadt Scupi (= Uesküb in Albanien)
als ,patriae' des Nicetas ,nahe gelegen' bezeichnet, fo
ergibt der Zufammenhang, daß der Begriff ,Heimat' hier
nicht zu preffen ift, um daraus das Geburtsland feines
Freundes zu erfchließen: es kann füglich hier der Bifchofsfitz
desfelben gemeint fein (oder man müßte direkt
denken, daß Nie. in Remefiana felbft, wo er Bifchof war,
auch geboren fei). Wenn Burn aus einer neuerdings von
Morin edierten Confessio des Hieronymus in der die
communio sanetorum (wie im Symbol des Nicetas) vorkommt
, fpeziell noch erfchloffen hat, daß Nie. gerade

j auch durch fein Symbol dacifche Herkunft zu vermuten
gebe, fo ift zu bemerken, daß Hieronymus zwar von der
Balkanhalbinfel (Stridon in Dalmatien) flammte, aber in
Rom getauft wurde, alfo R zum Symbol hatte. Nicht
unwichtig ift, daß Burn für die explanatio eine Handfchrift
gefunden hat, die ,creatorem codi et terrae' als
ein Stück des Symbols des Nie. erfcheinen läßt, während

! andererfeits Mercati gezeigt hat, daß diefer Zufatz zur
Zeit des Nie. in der Tat wahrfcheinlich dem dacifchen
Symbol angehört habe; allein da bleiben Bedenken
kritifcher Art hinfichtlich der betreffenden Handfchrift
der explanatio des Nie. beftehen. Es bleibt leider dabei,
daß die letztere Schrift des Nie. keinesfalls unbedingt