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Ausgabe:

1906 Nr. 13

Spalte:

373-376

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Wünsche, August

Titel/Untertitel:

Monumenta Judaica. Prima pars. Bibliotheca Targumica. Aramaia. Die Targumijm zum Pentateuch. I. Bd., 1. Heft 1906

Rezensent:

Bacher, Wilhelm

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Theologifche Literaturzeitung 1906 Nr. 13.

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des Unternehmens meinen Bedenken nicht Recht geben,
vielmehr eine kräftige Anregung der LXX-ftudien die
Folge der mit fo bewährten Kräften und offenbarer
Hingebung unternommenen Arbeit fein möge.

Königsberg. Giefebrecht.

Monumenta Judaica. Prima pars. Bibliotheca Targumica.
Aramaia. Die Targumijm zum Pentateuch. Herausgegeben
von Auguft Wünfche, Wilhelm Neumann,
Moritz Altfchüler. (I.Band. I.Heft.) Wien, Aka-
demifcher Verlag MDCCCCVI. (XXI, 58 S. m. 2 Tafeln.)
Fol. M. 10 —

Diefem erften Hefte des feit längerer Zeit angekündigten
Unternehmens ging ein aus 9 unpaginierten Blättern
beftehendes Probeheft voran, deffen Inhalt faft ganz im
erften Hefte wieder ericheint. Was hier (p. V—XII)
unter dem Titel ,Plan und Prinzipien der Monumenta
Judaica' eine Einleitung zum ganzen Werke fein foll
(von Dr. Jakob J. Hollitfcher, Leiter der M. J. unterzeichnet
), begreift faft alles in fich, was im Probeheft
unter der Überfchrift: ,Was wir wollen' auch von den
— auf dem Titelblatte genannten — Herausgebern unterzeichnet
ift Das Verzeichnis der Quellen und Literaturwerke
(p. XV—XVI) und die Liften der Abbreviaturen
(p. XVII—XXI) flehen auch im Probeheft, ebenfo das
erfte Blatt des hauptfächlichen Inhaltes des erften Heftes,
des in lateinifcher Umfchrift und deutfcher Überfetzung
gebotenen Targum Onkelos zu Gen. I—18 (p. 3$—58).
Als Einleitung zur Erften Abteilung erhalten wir größere
Exzerpte und Erörterungen über ,die mündliche Überlieferung
' (S. 3—20) und über ,Namen und Leben des
Onkelos' (S. 21—28), ferner ein ,Transfkriptions-Alphabet'
(S. 29) und Bemerkungen zu demfelben (S. 31—32). Der
Ünkelos-Überfetzung felbft ift eine Vorbemerkung voraus-
gefchickt (S. 33) über das bei der Arbeit befolgte Verfahren.
Aber ohne weiter auf deren Inhalt einzugehen, will ich vor
allem die Arbeit felbft in Augenfchein nehmen, mit der
das Unternehmen aus dem Gebiete der Verfprechungen
auf das der Ausführung übergeht. Diefem erften Hefte,
das nur den Anfang der Genefis enthält, foll in einer
Reihe weiterer Hefte die ganze Onkelos-Überfetzung
folgen, vorläufig ohne textkritifche oder fonftige Noten.
Aus den vorliegenden achtzehn Kapiteln kann man
jedenfalls erfehen, was für Erwartungen an diefe erfte
Abteilung der Monumenta Judaica geftellt werden können.
Leider muß ich das Ergebnis meiner diefem Anfange
der Arbeit gewidmeten Prüfung kurz in dem Wunfche
zufammenfaffen, daß die Arbeit lieber gar nicht, als in
der hier zutage tretenden Weife fortgefetzt werden möge.

Zunächft was die Transfkription des Targumtextes
betrifft, fo ift, abgefehen von der berechtigten Frage, für
wen diefelbe eigentlich beftimmt ift, die gewählte Art
der Transfkription eine möglichft unglückliche. Es ift
nämlich nicht das gefprochene, fondern ausfchließlich
das gefchriebene Wort zur Grundlage der lateinifchen
Umfchrift genommen, und zwar mit allen Zufälligkeiten
des gefchriebenen und punktierten Textes, wie fie namentlich
in dem Gebrauche der Dehnbuchftaben gegeben find.
So wird z. B. jedes Schewa, auch das ruhende, mit umgekehrten
e (a) wiedergegeben, jedes 1, auch nach kurzem
Vokal, mit j, jedes X, auch wo es ruht, mit'. Die Partikel
1, wo fie zu !| (= 'u) wird, erfcheint in diefer Transfkription
als ,wü'. Durch diefe fonderbare Transfkriptions-
weife, die von aller grarnmatifchen Präzifion Abftand
nimmt und z. B. gar keine Konfonantenverdoppelung
kennt, entliehen faft durchaus verzerrte, falfche Wortbilder
, die dem Auge weh tun und den Lefern ärgern.
Alfo lieber gar keine, als diefe Transfkription! Aber noch
trauriger, weil den eigentlichen Zweck des Unternehmens
berührend, ift der Eindruck, den die Überfetzung des
Targums macht. Wenn man eine der wichtigften jüdifchen

Bibelüberfetzungen als ,Denkmal des Judentums' dem
Verftändniffe derer, die die Sprache der Überfetzung nicht
beherrfchen, durch eine Überfetzung zugänglich machen
will, muß vor allem die forgfältigfte Genauigkeit in der
Wiedergabe des Sinnes der Überfetzung angeftrebt werden
. Aber die vorliegenden Teile der deutfchen Überfetzung
des Targum Onkelos zeigen auf Schritt und Tritt
folche Unrichtigkeiten und Mißverftändniffe, daß man
mit Bedauern daran denkt, es könnte jemand aus diefer
Überfetzung erfahren wollen, wie im Onkelos die betreffende
Bibelftelle erklärt ift. Eine Reihe von Beifpielen
möge dies Urteil begründen. G. 1 17 lautet hier: ,Da
fagte Jehowah: es fproffe das Land Grünes, Gras mit
Samen, die Samen bringen, und Fruchtbäume, die Früchte
tragen nach ihrer Art, fo daß man fie fäen könne auf
dem Lande'. Den Lefern diefer Zeitfchrift brauche ich
nicht zu zeigen, wie weit diefe Verdeutfchung von dem,
was im Targum wirklich zu lefen ift, abfteht. Nur
als eine der ftetigen Sonderbarkeiten der Überfetzung
erwähne ich, daß Xjnx (n«) auch fonft überall, auch in
Gen. 11, mit ,Land' überfetzt ift. Wenn in 117 ,Erde'
fleht, fo ift das, wie es fcheint, Unachtfamkeit, denn der
parallele Paffus in 1 u hat ,Land'. — I si: ,fehr im Einklang
mit einander' (= KTfib Jipn). — 21: ,fie vervoll-
kommten (sie) fich' (ft: wurden vollendet). — 27: ,die
Seele, die lebendig ift' (ft.: Hauch des Lebens). — 3m:
,bis du zurückkehrft zu der Erde' (ft.: bis du der Erde
zurückgegeben wirft). — 41«: ,das er früher bearbeitet
hatte' (ft.: das für ihn bereitet war). — 421: ,Lemechs
Sohne' (ft.: feinem Sohne Lemech). — 53: ,nach feinem
Bilde, das ihm gleich ift' (ft.: . . Einen, der ihm gleicht).
— 61. 4: ,die Kinder der Riefen' (ft.: die Söhne der
Großen, Mächtigen). — 6in: .follen hineingehen'(ft.: follft
du hineinbringen). — 85: ,das Waffer verging und verminderte
fich' (ft.: d. W. wurde immer weniger). — 91:
.befeeltes Fleifch und Blut' (ft.: Fleifch mit feiner Seele,
feinem Blute). — 125: ,die fie angehalten hatten zu den
Gefetzen' (ft.: die fie der Lehre unterworfen, d. h. zu Pro-
felyten gemacht hatten). — 147: ,alle Bauern von Amalek'
(ft.: alle Gefilde der Amalekiter). — 1410: /Und die Ebene
des Feldes war [voll] Gräben und Hügeln von Lehm'
(ft.: die Ebene der Gefilde war voller Gruben, die Asphalt
heraufkommen laffen). — 15 17: ,und ein brennendes Feuer
ift herabgekommen' (ft.: und Feuerfackel, die hindurchging
). — 1614: ,den Brunnen des lebendigen Engels, der
fich hier gezeigt hat' (ft.: Brunnen des Engels des Ewiglebenden
, der fich ihr zeigte). — 184: .Nehmt' (ft.: man
nehme).

Zudiefen unrichtigen Überfetzungen einzelner Stellen,
deren Lifte zu vermehren nur der Raum verbietet,
kommen dann die verfchiedenen Abfonderlichkeiten,
welche die Überfetzung charakterifieren und zum Teile
wenigftens auch Irrtümer darftellen. So wird «12 niemals
mit ,erfchaffen', fondern mit .werden laffen' überfetzt;
iW>ip"l heißt ,Raum'. Das find zwei Einzelheiten, denen
eine dogmatifche Annahme zugrunde liegen mag, die
aber keineswegs den Sinn des Targums felbft wieder-
I geben. Aber was foll man dazu fagen, daß in Kap. 17
I ftatt Vorhaut ftets ,Verftockung' gefetzt ift und der
unbefchnittene Mann (in V. 14) der ,verftockte Männliche
' ift? Statt Bund (aram. D^p) ift immer .Vertrag'
gefagt. Wahre Monftrofitäten finden fich in der Wiedergabe
der Eigennamen. Bei denfelben ift meift die oben
gekennzeichnete Methode der Transfkription angewendet;
daher heißt es z. B. 1041: Nijnweh. Dabei aber wird
zwifchen fi und n, zwifchen © und © oder 0 (auch S)
kein Unterfchied gemacht; jenen entfpricht ftets h, diefen
ftets f. Diefer Ungenauigkeit fleht die Pedanterie gegenüber
, daß die nomina gentilia durch eine auf die aramäi-
fche Wortform gepfropfte deutfehe Wortbildung wiedergegeben
werden. Demzufolge heißen dieÄygpter .Misraer'
(12 12, aber auch 131, wo es irrtümlich ftatt .Misrajim' fleht).
Abraham (1413) ift der .Ibraaher' (d. i. Hebräer); Mamre