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1906 Nr. 11

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325

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(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Die Psalmen. Sinngemäße Übersetzung nach dem hebräischen Urtext 1906

Rezensent:

Beer, Georg

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325

Theologifche Literaturzeitung 1906 Nr. II.

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des Ich noch nicht gegeben. Für das .zweifchneidige
Schwert' ip 149,0 ift Jef. 49,2 keine Parallele. Dort wird
der Mund des Knechtes mit einem fcharfen Schwert
verglichen, hier haben es die makkabäifchen Frommen

die Satansübergabe des Blutfchänders, aber auch ohne
das Lied der Liebe und ohne den Abendmahlstext. Ich
geflehe, daß es ein mir wenigftens rätfelhaftes hiftorifches
Senforium ift, das den Verfaffer bei der Entdeckung

in der Fauft (m^). In der Einleitung befchäftigt fich K. diefes höchft mittelmäßigen, blut- und herzlofen Paulus
mit dem dreijährigen Vorlefungs-Zyklus des Pfalters und geleitet hat und an Stelle vermeintlich unauflöslicher

den fogenannten Stufenliedern.

Straßburg i. E. Georg Beer

Die Pfalmen. Sinngemäße Überfetzung nach dem hebräi-
fchen Urtext. [Neue Titelausgabe (1900).] Freiburg
i. B., Herderfche Verlagshandlung 1903. (VIII, 254 S.)
kl. 12° M. I.80; geb. M. 2.40; in Leder M. 3 —

Laut Vorwort liegt diefer Pfalmenüberfetzung zugrunde
das ,verdienftvolle Werk' von Dr. Melchior
Mlcoch, k. k. Profeffor in Olmütz 1890. , sctteriuin

juxta Vulgatam Lattnam et versteuern textusortgmalts , f d oder di . d Erklärer diefer Rriefe, wenn er irgend

Schwierigkeiten ein gefchichtliches Rätfei ohnegleichen
fetzt, die durch Addition und allmähliche Anfammlung
und Ergänzung von lauter Zwerggeiftern fich bildende
Riefengeftalt des Paulus, die im Menfchlichen wie im
Theologifchen nichts auch nur annähernd fo Originales,
Einmaliges, Unerfindliches neben fich hat.

Indes das alles müßten wir in Kauf nehmen. wenn
Völters Beweisführung eine zwingende wäre. Er geht
von der alten Beobachtung aus, wie unendlich viele
Riffe und Sprünge, Widerfprüche und dann auch wieder
Wiederholungen die überlieferten Paulusbriefe aufweifen.
Er wiederholt vielfach Bedenken, die längft geäußert

heiratet etc. Die Überfetzung will, an den Urtext lieh I gewiffenhaft zu Werke ht erheben muß: die noch-
fchließend, mehr finn-, als wortgetreu fein. Einige 1
Proben: tp 1,5b ,und [die Sünder werden] in die Seligkeit
nicht eingeh'n mit den Guten'! tp 27 BW» W

,Und, feit ich bin, habe ich dich auch gezeugt ! rp 15,1. gelium j Kor dann fur fich {eih(i die ängltlich

,Wer darf mit dir in einem Zelte wohnen ! El 15 wird abergiaubifche Stellungnahme des Apoftels zu den elöco-

vor der Kommunion gebetet, rp 22 ift betitelt: ,üs m z^&vra T> Kor_ IOu_23 gegenüber der freien I. Kor. 8,

malige Aufnahme des Themas Hurerei 1. Kor. 6,12fr., nachdem
es in Kap. 5 erledigt ift, die feltfam verfchiedene Motivierung
der apoftolifchen Entfagung erft für das Evan-

vollbracht — Todeslied Chrifti am Kreuz'. V. 32 ift
IPlplS = Erlöfungsopfer und niö» = es ift vollbracht.
Das nennt unfer — zum Glück anonymer — Verfaffer
ein ,Psallitc sapienter".

Straßburg i. E. Georg Beer.

Völter, Prof. Dr. Daniel, Paulus nnd feine Briefe. Kritifche
Unterteilungen zu einer neuen Grundlegung der pau- .

linifchen Briefliteratur und ihrer Theologie. Straßburg fvvifchenftuck 2. Kor. 6,14-7,1 und gegen die Zugehörig

© O ! Uoif imn Kan TO-.TT -711 H Kor rr.ai.ßa-,........1---- T„ J„.

10,11—22 gegenüber der freien I. Kor. 8,
den auffallend unjüdifchen Brauch, daß der Mann unverhüllt
betet 1. Kor. 11, den Einfchub des 13. Kapitels
mitten in die fortlaufende konkrete Erörterung derGeift.es-
gaben 1. Kor. 12 und 14, die doublettenartige Parallele
Petrus, die Zwölfe — Jakobus, die Apoftel alle 1. Kor.
15,5.7, die trockene, profaifche Anmerkung 1. Kor. 15,50
zu dem vorausgehenden Jubelruf, zu fchweigen von den
Bedenken, die allgemein fchon gegen das verdächtige

keit von Kap. 10—13 zu 2. Kor. geäußert wurden. In der
E., J. H. E. Heitz 1905. (VII 331 S.) gr. 8« M. 7- | reichen Vermehrung folcher Angriffspunkte liegt ganz

zweifellos ein Verdienft der Völterfchen Schrift. Nur
fchrumpft leider dies Verdienft fofort wieder zufammen
dadurch, daß der Verfaffer fich über die Bedeutung diefer
Bedenken nicht klar geworden ift. Man kann ja aus den
meiften derfelben mit mehr Recht Kapital für die .Echtheit
' diefer Briefe herausfchlagen, fofern durch fie nicht
mehr und nicht weniger bewiefen wird, als daß wir es mit
wirklichen, lebendigen, ganz und gar perfönlichen Briefen
zu tun haben, die für die Lefer nach 19 Jahrhunderten
gerade ungefähr fo rätfelhaft und bedenkenerweckend
fein mußten, wie fie es tatfächlich find. Völter fchreibt
z. B.: ,Einem aufmerkfamen Lefer des Römerbriefs
müffen fofort die Heben erften Verfe des-
felben zu kritifchen Bedenken Anlaß geben'.
Nun, zum .Nachdenken' find fie gewiß, aber nicht mehr
als etwa der Eingang von 2. Kor. oder Gal. auch, die
gerade fo ftark von der gewöhnlichen Art des Briefeingangs
fich entfernen. Diefe .Bedenken' find in der Tat
das einzig probate Mittel, in das Verftändnis eines Autors
wie Paulus hineinzukommen, wenn man fie nicht als Rufer
nach dem kritifchen Meffer, fondern als lauter Aufforderungen
anfieht, es ja nicht leicht zu nehmen und keine
Mühe zu fcheuen, bis ein folcher Rapport von Lefer
und Brieffchreiber zuftande kommt, da der eine den
andern gerade in dem, was ihm zuerft .Bedenken' machte,
verlieht. Erft in diefem Fall ift die Exegefe eine wirk-

1Jchw-;4[beT-it und zugleich eine Freude geworden; während
die VolterfcheArt — und fie ift ja weit genug verbreitet—
mir nicht anders vorkommt als eine Flucht vor dem
Verliehen, bloß weil es nicht ,fofort' gelingen will.

Es find vor allem zwei Mittel, durch die Völter feine

Da es für die hiftorifche Forfchung ein Dogma
fchlechterdings nicht geben darf, fo geht es nicht an,
die Angriffe auf die Echtheit fämtlicher Paulusbriefe
einfach zu ignorieren, zumal wenn uns der neuefte
Angreifer verfichert, daß ,nur' von einem Unternehmen,
wie er es wagt, ,für das Verftändnis des Paulinismus
wie des Urchriftentums überhaupt Heil zu erwarten
ift'. Überdies gibt fich die Völterfche Kritik durchaus
als Vermittelungskritik, die durch ihre weitgehende
Ausfcheidung von Interpolationen in 1. 2. Kor. Rom.,
Phil, gerade den feilen echten Kern diefer Briefe zu
retten fich bemüht und in der Tat an Rom. und 1. Kor.
nur die Methode betätigt, der 2. Kor., Phil., Kol. längft
bei gut anerkannten deutschen Kritikern zum Opfer gefallen
find. Freilich der Galaterbrief findet auch bei ihm
als Ganzes keine Gnade. Dagegen bleibt x. Kor. pau-
linifch mit Ausfcheidung von 2,g-ic 3,10-15 4,17 5,3-5 6

7,25—40 8,5b Ob 9,13—18 20b 21. 22—27 IO,l-22 1 1,2-10 23—28 12,13
13 14,1 33b—30 15,7 23-28 32» 45 51 52 50. In 2. Kor. ift zu-

nächft 10,1—13,10 der 2. Kor. 2,4 charakterifierte Zwifchen-
brief; auf ihn folgt der ebenfalls echte Brief 2. Kor. I—9
13,11-13, aber mit Entfernung von 2. Kor. 1,21.22 2,ieb—4,0
4,16—5,11 5,10. 6,14—7,1 8,9. Sehr kurz wird der paulinifche
Römerbrief: 1,1 5b—17 5>1-12 15—1921 6,1—13 16-23 12. 13. 14
15,1-0 14-ie 23b-33 16,21-24, während 16,1—20 von Paulus nach
Ephefus gefchrieben ift. Der Philipperbrief fchrumpft auf
1,1.2 (ohne Ovv Imoxöjcoiq xal öiaxovotq 1,3-7 12—20 (Streichung
einiger Worte in 1» und 20), 1,2520 2,17. 18 25-30 4,10-21
zufammen. Es ift ein überaus magerer, unorigineller Paulus,
den wir da in den Händen behalten: ein Philipperbrief ohne
.Chriftus ift meinLeben', ohnedieChriftologieunddieRecht

fertigungsftelle, ein Römerbrief.deffenganzer lehrhafterTeil Verkürzung der Paulusbriefe erreicht. Einmal der ftilifti-

fichauf die gereinigten Kapitel 5 und 6 befchränkt. ein 2. Ko- fche Grundfatz des Paffens und Nichtpaffens. ,1 Kor. 4,17

rintherbrief ohne das Widerfpiegeln der dog«, ohne die Er- paßt nicht zu Vers 10 und überhaupt nicht in den ganzen

kenntnis Chrifti nicht nach demFleifch, ohne Auferftehungs- Zufammenhang; man kann denn auch Vers 17 aus der

leib und Chriftusfehnfucht, ein erfter Korintherbrief ohne Mitte zwifchen Vers 10 und Vers is herausnehmen, ohne