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Ausgabe:

1906 Nr. 10

Spalte:

294-296

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Dussaud, René

Titel/Untertitel:

Notes de Mythologie Syrienne. I et II - IX et Index 1906

Rezensent:

Baudissin, Wolf Wilhelm

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Theologifche Literaturzeitung 1906 Nr. 10.

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r okalifierung fteht von vornherein im Widerfpruch zur | und Verlag breiten Raum zur Verfügung hellen. Nur
altorientalifchen Weltanfchauung. Jedes „Land" ift ein j dadurch werden die unzähligen wertvollen Einzelbeo-
Mikrokosmos, darum hat jedes Land ein Paradies als ; bachtungen Hommels zu gebührender Geltung kommen.
Antitypus des himmlifchen Sitzes des summus deus. So J Leipzig. Alfred Jeremias,

ift Damaskus mit feinen heiligen Flüffen (2 Kg. 5, 12) ein -_

mikrokosmifches Paradies, ebenfo Tyrus (Lz. 282«.); in : Du[faud, Rene, Notes de Mythologie Syrienne. I et II—IX

altkanaanäifcher Zeit galt die Gegend von So d orn und et Index PariSj £ Leroux 1903. 1905. (p. 1—66 et
Gomorrha als Paradies (Gen. 1310, wo .gleich Ägypten- 67_i8q av üg) 8o
land' Gloffe ift). In der israelitifchen Zeit ift Z,on-Mor,jah j °7 i»9 av hg.) gr.

der Gottesfitz (vgl Ez. 47 7ff.). Wenn der Erzähler von 1 Der Verf.,dem wir unter verfchiedenen Unterfuchungen
Gen. 3 das Paradies fchildert, fo redet .er von einer zur Archäologie und Religionsgefchichte namentlich Stu-
älteren Ära, die jenfeits der israelitifchen Ära liegt. Er | dien über Gefchichte und Religion der Nofairier (1900) vermag
die Farben gemifcht haben, aber jedenfalls ift ihm i danken, hat in den Notes eine Reihe von Abhandlungen
der Mittelpunkt jener alten Ära Babylonien, zu deffen I zufammengeftellt, die bis auf eine Ichon in Zeitichriften
Bereich das Weftland' gehörte. Babilu heißt ja das veröffentlicht worden waren, die meiften in der Revue
Gottestor die hohe Pforte'; babyl. auch tin-ter, d. h. ArcJieologique. Sie find aber zum Teil umgearbeitet
.Wohnung 'des Lebens'. Die Entdeckung Hommels be- (S. 183) und, fo die über das phönizifche Pantheon, er-
fchränkt fich für mich darauf, daß er einen folchen j heblich erweitert worden. Die Bezeichnung Syrienne im
Paradiesfitz auch für den entfprechenden arabifchen 1 Titel ift gemeint wie De dis Syris für Seidens Syntag-
Mikrokosmos gefunden hat. mala, fodaß das alte Phönizien mit einbegriffen ift.

Ein ziemlich breiter Raum (S. 298—338) wird einer ; Wenn ich Duffauds Buch in der Nähe des berühmten
fpeziellen durch die gegenwärtigen Ausgrabungen der 1 alten Buches glaube nennen zu dürfen, fo will das
deutfchen Orientgefellfchaft allerdings aktuellen Frage t große Lob, das damit ausgcfprochen wird, befagen, daß
gewidmet: der Topographie Babylons. Hommels j die Notes zu den guten, foliden und nützlichen Büchern
Beobachtungen und Problem-Formulierungen werden ge- gehören, deren Reihe auf diefem Gebiet mit dem in
wiß gebührende Beachtung finden. Endgültige Entfchei- j feiner Art unübertrefflichen Seidens anfängt. Sonft find
düngen werden nur an Ort und Stelle möglich fein, und : die Notes und die Syntagmata fehr verfchieden. Duffaud
nachdem die Funde in authentifcher Bearbeitung vor- | gibt nur Einzelheiten, Seiden das Ganze, foweit es
liefen werden. Im vorliegenden Handbuch wird jedoch i feiner Zeit zu Gebot ftand. Aber wie Seidens Buch die
der Topographie Babylons eine Bedeutung beigelegt, die erfte Fundgrube ift für die Nachrichten aus der griechi-
ihr bei der Frage nach dem Wefen und der Art der fchen, römifchen und rabbinifchen Literatur, hat Duffaud
altorientalifchen Kultur nicht zukommt, was natürlich | uns ein anderes Gebiet für die Kenntnis der .fyrifchen'
Hommels Verdienft um die Behandlung und Löfung der Religion im Grunde zum erften Mal erfchloffen, die bild-
Frage nicht fchmälern foll. Die Berliner topographifche liehen Darftellungen aus der griechifch-römifchen Epoche.
Keilfchrifttafel (Reisner, Hymnen p. 142), die Hommel Was Renan und fonft reifende Forfcher und andere Archäo-
S. 323 fr. behandelt, fchildert übrigens, wie Zimmern ge- | logen davon bekannt gemacht und erläutert haben, waren
fehen hat, das himmlifche Babylon, wie die Apokalypfe doch nur zerftreute Momente, die vorzugsweife unterkunft-
Johannis das himmlifche Jerufalem fchildert, und ift des- j gefchichtlichenGefichtspunkten beurteilt wurden. Duffaud
halb für die Topographie der wirklichen Stadt Babylon der Syrien wiederholt zum Zweck archäologifcher For-
mindeftens mit Vorficht zu verwenden. fchungen bereift hat, gibt für einzelne Vorftellungsreihen,

Auf eine Befprechung der Hommelfchen Polemik in weiterm Umfang nur für den Sonnendienft, eine zugegen
die hiftorifch-kritifche Schule der altte- fammenhängende Darftellung und Unterfuchung diefes
ltamentlichen Forfchung, (vgl. die Zufammenfaffung 1 Materials nach feinem religionsgefchichtlichen Werte.
S. 317—320) muß ich hier verzichten. Wertvoll find jeden- Die auf fyrifchem Boden bis dahin überhaupt be-
falls die Beobachtungen, die an Kloftermanns Bedenken j kannten Bildwerke find ja überaus dürftig im Vergleich
anknüpfen. Bei der Jahve-Elohim-Frage betont Horn- j mit dem, was auf andern Gebieten des Orients uns
mel mit Recht die Namensänderung, die der ägyptifche 1 jetzt vorliegt, und was der Verf. bietet, ift alles aus
Pharao bei dem Sohne Jofias vollzieht (El-jakim wird Jo- j fehr fpäter Zeit. Aber ich bin doch erftaunt, wie
jakim). Die Stelle empfiehlt fich als Ausgangspunkt ; die Zufammenftellung des Wenigen und Geringfügigen
für die Löfung eines Problems, das fo wichtig ift, wie fchließlich etwas ganz Refpektables ergibt und wie

die Quellenfcheidung felbft. Aber Hommel unterfchätzt
entfehieden die große Bedeutung und den Umfang der
geficherten Refultate in der Schule Wellhaufens. Ein
befonderes Verdienft hat fich Hommel dadurch erworben,
daß er die hebräifchen Perfonennamen für die Erforfchung
der altisraelitifchen Tradition von neuem herangezogen
hat. Er knüpft damit an eine alte Arbeit Eberhard
Neftles an. die feiner Zeit durch die Annahme fchablonen-
hafter Erfindung der Namen in fpäterer Zeit für wertlos
erklärt worden ift. Das riefige Material der keilinfchrift-
lichen Perfonennamen, das Hommels Schüler L. Ranke
inzwifchen bearbeitet hat, zeigt uns, daß jenes Urteil
nicht haltbar ift. Die Perfonennamen bilden in der Tat
einen wertvollen Prüfftein für die Echtheit der Traditionen
und find für die Erforfchung der religiöfen Gedankenwelt
von höherer Bedeutung, als man bisher angenommen hatte.

Wir erwarten die Fortfetzung und den Schluß des
Werkes mit Spannung. Die Verzögerung foll uns nicht
verdrießen, fie wird der Gediegenheit der Darfteilung zu
gute kommen. Ein großer Vorzug des Buches ift die
faft vollkommene Korrektheit des Druckes. Die Sorgfalt
Hommels wird uns gewiß auch zuverläffige, vollftändige
Regifter bringen. Für die Regifter follten Herausgeber

viel fich aus kleinem machen läßt durch unermüdliche
Beobachtung und Deutung. Allerdings, zuweilen fieht
der Verf. doch wohl mehr als wirklich da ift. Daß z. B.
die blumenartige Rofette auf der Oberfchwelle S. 22 aus
dem Bilde der Sonne entftanden fein foll, will mir nicht
in den Sinn. — Auch was ich fonft noch zu beanftanden
habe, bitte ich nur als dem ausgefprochenen Lob untergeordnet
anfehen zu wollen.

Nach dem zuerft erfchienenen Hefte war mir nicht
ganz deutlich, was der Verf. mit feinen Unterfuchungen
bezwecke: etwa nur eine Darftellung des Heidentums
auf fyrifchem Boden in der römifchen Zeit? Er will
mehr als das: die fpäten Erfcheinungen find ihm der
Ausgangspunkt, um von da aus rückwärts zu fchreiten
in ältere Perioden. Diefe Rückfchlüffe, die fich mehr im
zweiten Hefte geltend machen, find nicht gerade die
ftarke Seite des Buches. Selbftverftändlich ift hier am
wenigften eine Übereinftimmung zu erzielen. Aber davon
abgefehen, das Material, das der Verf. dazu verwertet,
ift nicht vollftändig genug. Er bleibt hier zu fehr Archäologe
, um zu fichern Schlüffen zu kommen. Gewiß, er hat
eine große Belefenheit in den Nachrichten aus griechifcher
und römifcher Literatur; aber er geht ihnen doch nicht