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Ausgabe:

1906

Spalte:

289-294

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hommel, Fritz

Titel/Untertitel:

Grundriß der Geographie des Alten Orients. 2., neubearb. Aufl. des ‚Abrisses der Geschichte des Alten Orients‘. 1. Hälfte: Ethnologie des Alten Orients. Babylonien und Chaldäa 1906

Rezensent:

Jeremias, Alfred

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. in Berlin, und D. E. Schürer, Prof. in Göttingen.

Jährlich 26 Nrn. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig. Jährlich 18 Mark.

Nr. 10. I2- Mai I9°6- 31. Jahrgang.

Hommel, Grundriß der Geographie und Ge-
fchichte des Alten Orients, f. Hälfte (Alfr. Jeremias
).

Duffaud, Notes de Mythologie Syrienne (Bau-
dissin).

Paläftinajahrbuch d. deutfchen evangelifchen Infli

Kaulen, Einleitung in die heilige Schrift, 3. Teil
(Schürer).

Heinrici, Beiträge zurGefchichte und Erklärung

des Neuen Teftamentes. III (Holtzmann).
v. d. Goltz, Tifchgebete und Abendmahlsgebete
in der altchriftlichen und in der griechifchen

tuts für Altertumswiffenfchaft d. heiligen Landes Kirche [Texte und Unterfuchungen von Geb-
zu Jerufalem, herausg. von Dalman (Schurcr). 1 hardt und Harnack n f xiv, 2 bl (Drews).

. . J___*r__1____1_______-r.,..™..-.-. lh.lf.ln J . /

Brederek, Konkordanz zum Targum Onkelos
(Bacher).

Kleinert, Die Profeten Israels in fozialer Be
ziehung (Volz).

Oriens Christianus 3. Jahrg. (Ph. Meyer).

Scher er, Die Codices Bonifatiani der Landesbibliothek
zu Fulda (Kattenbusch).

Vogt, Erzbifchof Mathias von Mainz, 1321—

1328 (Werminghoff).
Faitlovitch, Notes d'un voyage chez les Fala-

chas (Bacher).
Jalaguier, De l'Eglise (Lobstein).
Jalaguier, Theologie generale (Derf.).
Farn eil, The Evolution of Religion (Tröltsch).
Jordan, Comparative Religion, its genesis and

growth (Tröltsch).
Wächtler, Evangelifche Pfarramtskunde (E.

Chr. Achelis).

Hommel Prof. Dr. Fritz, Grundriß der Geographie und Ge- j dem Nachbargebiete dargeboten werden foll, fo hat er
rchichte des Alten Orients. Zweite, neubearbeitete Auflage
des ,Abriffes der Gefchichte des Alten Orients'.
Erfte Hälfte: Ethnologie des Alten Orients. Baby-
lonien und Chaldäa. (Handbuch der klaffifchen Altertumswiffenfchaft
, herausgegeben von Iwan von Müller.
Dritter Band, I. Abteilung, 1. Hälfte.) München 1904,
C. H. Beck. (VI, 400 S. m. 1 Karte.) gr. 8° M. 7.50

Iwan von Müller hat für die Neuauflage feines Handbuches
der klaffifchen Alltertumswiffenfchafft für die Geographie
und Gefchichte des Alten Orients, deren Bearbeitung
Fritz Hommel anvertraut ift, 50 Druckbogen
eingeräumt. Die Hälfte des Bandes, S. 1—400, liegt uns
zur Befprechung vor. Sie kommt nicht viel über die ,faft
zur Hälfte des ganzen angefchwollene Einleitung' hinaus,

das gute Recht, die Vorführung geficherter Forfchungs-
refultate zu verlangen. Und dann wird er in dem Buche
Hommels nicht das Gewünfchte finden. Hommel behandelt
oft die letzten Fragen, während der Benutzer des
Handbuches Belehrung über elementare Dinge fuchen
wird. Und die Fülle der hier aufgeflapelten Baumaterialien
wird ihn verwirren, während er vielleicht nur eine befchei-
dene Unterkunft in einem eingerichteten Häuschen fuchte.
Es ift für die Zukunft; äußerft wichtig, daß der alte Orient
bei den Klaffikern und Indogermanisten Verftändnis findet.
Denn Griechenland war in vorgriechifcher Zeit von orien-
talifcher Kultur überflutet, der ,Hellenismus' bedeutet zum
guten Teil Übernahme orientalifcher Kultur durch die
macedonifche Herrenbevölkerung, die römifche Welt ift
in ihren Anfängen durch die Etrusker, deren Kultur orien-
talifch ift, tief beeinflußt, und die von Europa feit der

die nach dem proviforifchen Vorwort grundlegend für j Mitte des zweiten Jahrtaufends nach Kleinafien wandern

das Verftändnis des gefamten vorderen Orients' ift. Fritz
Hommel ift ohne Zweifel der gelehrtefte unter allen Affyrio-
logen. Keiner ift wie er auch auf ägyptologifchem Gebiete
bewandert und keiner beherrfcht wie er die Gefamtheit
der femitifchen Disziplinen. Mit unermüdlichem Fleiß
fucht er das maffenhaft zuftrömende Material der Onen-
taliftik zu durchforfchen und zu verwerten. Der Satz:
,Wer Bücher fchreibt, hört auf zu lefen', gilt jedenfalls
von ihm nicht. Keine Spezialftudie entgeht Hommels
Aufmerkfamkeit und überall findet er Anknüpfungen für
neue Beobachtungen und Hypothefen. Faft kein Druckbogen
findet fich in feinen Werken, in denen nicht Ergänzungen
, Richtigftellungen und Nachträge zu dem früher
gefagten gebracht werden, und die Zeugnis davon ablegen,
wie Hommel raftlos an fich felbft und an der Wiffenfchaft
weiter arbeitet. So bringt diefer vorliegende Halbband
hinter dem 14. Bogen zehn enggedruckte Seiten Nachträge
und Berichtigungen für Bogen 2—14. Dazu treibt Hommel
feine impulfive Art, Tagesfragen, die in Fachzeitfchriften
gehören, und polemifche Auseinanderfetzungen (vgl. die
Zurückweifungen Jenfens, S. 232 u. 237) in den Text aufzunehmen
. Kein Wunder, daß der Strom der Darftellung
breit dahinfließt.

Schon diefer Tatbeftand nötigt uns zu dem Urteil:
Das Riefenwerk Fritz Hommels hat in einer Sammlung
von Handbüchern der klaffifchen Altertumswiffenfchaften
nicht die ihm gebührende Stätte gefunden. Der Vorteil
des billigen Preifes wiegt die Nachteile nicht auf. Wenn
dem Studierenden oder dem Gelehrten der klaffifchen
Altertumswiffenfchaft eine Darftellung der Geographie

den ,indogermanifchen Völker' find von vorderafiatifcher
Kultur und Religion beeinflußt. Wenn die Verftändigung
überaus langfam vorwärts fchreitet, fo muß man zugeben,
daß die Orientaliftik einen guten Teil Schuld daran trä^t.
Und wenn wir die Befürchtung ausfprechen müffen, daß
Hommels Buch einen Rückfchlag gewonnener Pofitionen
zur Folge haben wird, fo foll damit keineswegs die hohe
wiffenfehaftliche Bedeutung des Hommelfchen Werkes
herabgefetzt werden. Nur ein Beifpiel: Hommel wird
fich gewiß darüber befchwert fühlen, daß Hirt in feiner
Urgefchichte Europas die Forfchungen Hommels beinahe
ignoriert. Ich erkläre mir das daraus, daß hier die
Hommelfchen Grundideen in der Tat durchaus irreführend
und unhaltbar find. Der Widerfpruch gegen die Hypo-
thefe von den doppelten Indogermanen wird zur Ignorierung
der wirklich wertvollen Einzelbeobachtungen verleitet
haben. Hommel mifcht Gold mit Sand. Seine
Anmerkungen, die oft in knappfter Form eine Fülle von
Material behandeln und die den Text an Umfang weit
über das doppelte übertreffen, find eine Fundgrube für
künftige Forfchungen. Aber man fucht dergleichen nicht
in einem Handbuche. Jedenfalls werden die Einzelfchätze
erft dann für die meiden verwertbar erfcheinen, wenn
ausführliche Regifter das Auffinden erleichtern. Wirkliche
Lefer wird das Buch nicht in großer Zahl finden.
Man mag das bedauern, aber es ift erklärlich.

Referent muß fich darauf befchränken, aus dem überaus
reichen Inhalt des Buches einzelne Punkte zur Befprechung
herauszugreifen. Hommel hat fich von jeher
um die Erforfchung der älteften babylonifchen Mo-

und Gefchichte des alten Orients zur Orientierung auf | numente bemüht. Sehr anerkennenswert ift z. B. der

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