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Ausgabe:

1906 Nr. 8

Spalte:

248-251

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Struckmann, Adolf

Titel/Untertitel:

Die Gegenwart Christi in der hl. Eucharistie nach d. schriftlichen Quellen d. vornizänischen Zeit 1906

Rezensent:

Goetz, Karl Gerold

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Theologifche Literaturzeitung 1906 Nr. 8.

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Was geboten wird, ift im wefentlichen eine Mate-
rialienfammlung. Es follen alle Stellen aufgezeigt werden
, an denen die apoftolifchen Väter Bekanntfchaft und
Benutzung Ntlicher Schriften aufweifen. Um den Be-
ftand möglichft entfprechend zur Darftellung bringen zu
können, haben die Bearbeiter ein feines, abgeftuftes
Syftem angewandt, das fie inftand fetzt, Sicherheit, Wahr-
fcheinlichkeit, Möglichkeit der Benutzung zum Ausdruck
zu bringen. Für jeden einzelnen der apoftolifchen Väter
werden die Ntlichen Schriften in vier Klaffen eingeteilt.
Den Grund der Einteilung gibt der Grad der Kenntnis
ab, die der betreffende Autor von dem Ntlichen Buche
hat oder zu haben fcheint: Unter A flehen die Schriften
des NT., die er ficher, unter B, die er höchft wahr-
fcheinlich, unter C, die er wahrfcheinlich, unter D, die er
vielleicht kennt. Bei jeder einzelnen Schrift des NT.,
die unter einem der aufgezählten Buchltaben erfcheint,
wird dann in Parallelkolumnen die Stelle des gerade behandelten
Vaters und daneben das Ntliche Zitat, die
Anlehnung, der Anklang abgedruckt. Dabei geftattet
eine Untergliederung, die der eben angeführten Obergliederung
entfpricht (a, b, c, d), bei jeder Einzelftelle
anzugeben, ob hier fichere, höchft wahrfcheinliche, wahr-
fcheinliche oder mögliche Verwendung der Stelle vorliegt
. Ohne Buchftabenangabe, als unclassed werden
ganz fchwache Berührungen, zufällige Anklänge angeführt,
und weiter auch Berührungen mit der fynoptifchen
Tradition im allgemeinen, Stellen, bei denen nicht gefagt
werden kann, Mt, Lk. oder Mk. habe vorgelegen.

Der Nutzen einer Zufammenftellung wie der vorliegenden
ift leicht einzufehen: fie dient der Textkritik und
vor allem der Literarkritik, weiter aber auch der hiftori-
fchen Betrachtung des urchriftlichen Schrifttums im allgemeinen
. Die Zufammenftellung muß aber, das find die
beiden Grundbedingungen, vollftändig und dann vorfichtig,
mit Anwendung der nötigen Kritik, ausgearbeitet fein.
Und diefe beiden Grundbedingungen erfüllt die Oxforder
Arbeit. Vollftändigkeit war ja, bei den guten Vorarbeiten
der Ausgaben und bei der gegenfeitigen
Unterftützung, nicht fo fchwer zu erreichen. Schwieriger
aber war es, bei der Klaffifizierung fich nicht zu vergreifen
. Gerade bei einem Werke englifcher Herkunft
wäre es vielleicht nicht verwunderlich, wenn Benutzung
Ntlicher Schriften bei den frühften Vätern zu
rafch und zu oft angenommen würde. Das Oxforder
Kommittee hat fich die größte Zurückhaltung aufgelegt.
Mit einwandfreier Vorficht ift die Klaffifizierung vorgenommen
, find die Schlüffe aus dem Material gezogen,
ja öfters find die Herausgeber entfchieden zu vorfichtig
gewefen und haben die Wahrfcheinlichkeit der Benutzung
einer Ntlichen Schrift oder Schriftftelle zu gering an-
gefchlagen. Im einzelnen werden eben natürlich immer
hie und da abweichende Beurteilungen möglich fein, aber
das tut der Brauchbarkeit der Sammlung keinen Eintrag.

Ein paar Bemerkungen über folche Einzelheiten
mögen hier am Schluffe flehen. In Did. 95 foll Mt. 7 g
nur möglicherweife (d) benutzt fein (S. 27). Hier geht
die Vorficht entfchieden zu weit, nicht minder auch in
den gleich darauf folgenden Ausfuhrungen über die
Benutzung der Bergpredigt in Did. 8 1 f. — I Kor. 6 9 f.
fchwebt ficher bei Ign. Epli. 161 vor, ebenfo auch I Kor.
1 is. 30 bei Ign. Epli. 18 1 und I Kor. 5 7 bei Ign. Magn. 10s;
ftatt der ly-klaflifizierung war eine folche mit a am Platze
(S. 64t.). — Bei Ign. Smyrn. 3 2 neigen die Herausgeber
dazu, Anfpielung auf Lk. 243», nicht auf das Hebr.-ev.
anzunehmen (S. 79h). Das ift doch wohl keine empfehlenswerte
Annahme, wenn auch die Angaben der Kirchenväter
über die Herkunft des Zitates nicht einhellig find.
— Vorzüglich find die Ausführungen über die Benutzung
des Joh.-ev. durch Ign. (S. 83). — Von höchfter Vorficht
zeugt die Klaufel, die über das Verhältnis von Polyk.
Phil. 22 zu I Petr. 39 urteilt (S. 88). — Zu günftig find
die Angaben über die Anklänge Herrn, sim. IX 135. 7

174 184 und Eph. 43-u, 5 25 f. 1 1:1 4:10 (S. 106; die Zufammenftellung
über Hermas und das NT. war mir der
intereffantefte Abfchnitt des Buches). — Vorzüglich in
ihrer Zurückhaltung find die Darlegungen über Herrn, und
Jak. (S. 108 ff.), über Herrn, und I Petr. (S. 115 ff), fowie
die Abweifung der Aufftellungen von Taylor: The Wit-
ness of Hermas to the Four Gospels (S. 117 f.).

Marburg i/H. Rudolf Knopf.

j Struckmann, Prieft. Dr. theol. Adolf, Die Gegenwart Chrifti
in der hl. Eucharistie nach den fchriftlichen Quellen der
vornizänifchen Zeit. Eine dogmengefchichtliche Unter-
fuchung. (Theologifche Studien der Leo-Gefellfchaft,
herausgegeben von A. Ehrhardt und F. M. Schindler. 12.)
Wien, Mayer & Co. 1905. (XXII, 332 S.) gr. 8« M. 8 -

Die Unterfuchung Struckmanns über die Vorftellungen
von der euchariftifchen Gegenwart Chrifti in der vornizänifchen
Überlieferung verdient die Aufmerkfamkeit befon-
ders des Dogmenhiftorikers fowohl wegen der Quellenkenntnis
und Vertrautheit des Verfaffers mit der ein-
fchlägigen katholifchen und proteftantifchen Literatur als
wegen der Klarheit der Darftellung. Sie führt (S. 324)
zu dem Ergebnis: ,Die nächfte Auffaffung des Ausdruckes
Leib und Blut Chrifti der vornizänifchen Väter
ift und bleibt die wörtliche, d. h. die Elemente des euchariftifchen
Brotes und Weines find wirklich der verklärte
Leib und das verklärte Blut des erhöhten Chriftus.

I Wenn die Alexandriner Kiemensund Origenes fymbolifch
Leib und Blut Chrifti gleich Lehre Chrifti fetzen/durch
welche unfer Geift genährt wird, fo kennen und aner-

| kennen fie die reale Deutung, wenn auch Origenes nach

j feiner gefamten Richtung erfterer Deutung den Vorzug

j gibt'. Diefem Ergebnis Struckmanns wird man jetzt, anders
als es wohl noch vor wenigen Jahrzehnten gefchehen wäre,

| proteftantifcherfeits nicht fo gar viel abmarkten wollen.
Unfere neueften Dogmenhiftoriker geliehen ja für die
meiften vornizänifchen Schriftfteller wenigftens eine Auffaffung
ziemlich realiftifcher Art von Leib und Blut Chrifti
im Abendmahl zu. Und die wiffenfchaftliche Forfchung
hat es aufgegeben, fymbolifche Anflehten einfach im herkömmlichen
, konfeffionellen Sinne bei den Vätern zu finden.
Immerhin ift noch nicht überallÜbereinftimmung und völlige
Klarheit erreicht. Und auch Struckmanns Schrift wird
uns nicht dazu verhelfen, wenn fie uns gleich wieder diefem
Ziele näher bringt durch ihre trotz dem konfeffionellen
Standpunkte hervorragende wiffenfchaftliche Tüchtigkeit.
Bei der Didache zum Beifpiel wird dem Kundigen auch
Struckmanns Zuverfichtlichkeit die fortdauernde Unficher-
heit der Sachlage nicht verdecken. Bekanntlich ift in

I den Euchariftiegebeten der Didache nie ausdrücklich vom
Leib und Blut Chrifti die Rede, fondern es laffen fich darin
höchftens Anfpielüngen auf fie feftftellen. So verbirgt fich
nach der Meinung einiger in den Worten vom heiligen

i Weinftock Davids eine Anfpielung aufs Blut; aber ficher
bewiefen ift fie bisher nicht. Und gefichert wird fie

I meines Erachtens auch nicht durch das, was Struckmann
als entfeheidenden Beweis dafür anfieht (S. 13), nämlich
den Erfatz der Worte vjisq xrq aylaq afixü.ov Aaßiö
rov otatööq Oov x. x. X. in Const. Apost. VII, 25 durch die
Worte vjtEQ rov xiftiov ai/iaroq 7. Xp. ixyy&ivxoq vjtto
vpmv. Denn es fcheint mir fehr fraglich, ob diefe Überarbeitung
klaren Auffchluß über die Auffaffung der Worte
vom heiligen Weinftock Davids in nachnizänifcher Zeit
als Blut Chrifti gibt, wie Struckmann meint. Mich dünkt,
fie zeige viel eher, daß der Üeberarbeiter die Worte vom
h. Weinftock Davids als für die damalige Vorftellung
vom Kelchinhalt ungenügend oder unpaffend anfah und
ihm darin gerade der deutliche Hinweis auf das Blut
Chrifti fehlte, fonft hätte er fie gewiß nicht befeitigt und
durch andere erfetzt. Daher mißlingt eigentlich Struckmann
bei den euchariftifchen Gebeten der Didache fchon