Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1906

Spalte:

225-227

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Jastrow jr., Morris

Titel/Untertitel:

Die Religion Babyloniens und Assyriens. 1. u. 2. (1. Lfg.) Bd 1906

Rezensent:

Jeremias, Alfred

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. in Berlin, und D. E. Schürer, Prof. in Göttingen.

Jährlich 26 Nrn. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig. Jährlich 18 Mark.

Nr. 8. 14- APriI !9o6. 31. Jahrgang.

Jaftrow, Die Religion Babyloniens und Aflyriens

(A. Jeremias).
Mozley, The Psalter of the Church (Rahlfs).
^ägeli. Der Wortfehatz des Apoftels Paulus

(Deißmann),

Thieme, Die Infchriften von Magnesia am
Mäander und das Neue Teflament (Derf.).

Blaß, Die Rhythmen der afianifchen und römi-
fchen Kunflprofa (Derf.).

Die Kultur der Gegenwart, herausg. von Hinneberg
, Teil I Abt. VIII: Die griechifche und
lateioifche Literatur und Sprache (Derf.).

Moulton, A Grammar of New Testament Greek
(Deißmann).

Balmer, Die Romfahrt des Apoftels Paulus und
die Seefahrtskunde im römifchen Kaiferzeit-
alter (Schürer).

Refch, Gotth., Das Apofteldecret nach feiner
außerkanonifchen Textgeftalt unterfucht [Texte
und Unterfuchungen von Gebhardt und Harnack
N. F. XIII, 3] (Knopf).

Maier, Der Judasbrief, feine Echtheit, Ab-
faffungszeit und Lefer [Biblifche Studien herausg
. von Bardenhewer XI, 1—2] (Harnack).

Rendtorff, Die Taufe im Urchriftentum im

Lichte der neueren Forfchungen (Heitmüllerl.
The New Testament in the Apostolic Fathers, by

a committee of the Oxford Society of historical

Theology (Knopf).
Struckmann, Die Gegenwart Chrifti in der hl.

Euchariftie nach den fchriftlichen Quellen der

vornieänifchen Zeit (Götz).
The Bodleian Manuscript of Jerome's Version of the

Chronicle of Eusebius, reproduced in collotype,

with an introd. by Fotheringham (Harnack).
Vitae Sancti Bonifatii rec. Levison (G. Ficker).

Jaftrow jr., Prof. Dr. Morris, Die Religion Babyloniens und

Affyriens. Vom Verfaffer vollftändig durchgefehene und
durch Um- und Überarbeitung auf den neueften Stand
der Forfchung gebrachte deutfehe Überfetzung. I.Band.
Gießen, A. Töpelmann 1902/04. (XI, 552 S.) gr. 8°

M. 10.50; geb. M. 13 —
— Dasfelbe. 2. Band. Ebd. 1905. (1. Lieferung, S. I—80.)
gr. 8° M. 1.50

Im Jahre 1898 erfchien die englifche Originalausgabe
des Werkes. Jaftrow wollte mit feinem Buche .einem
künftigen Werke über die babylonifch-affyrifche Religion
die Wege ebnen', indem er unter Berückfichtigung der
getarnten affyriologifchen Literatur das Material zufam-
mentrug. Daß fich Jaftrow diefer fammelnden und fichtenden
Arbeit mit großem Gefchick und erftaunlichem
Fleiße unterzogen hat, ift allgemein anerkannt worden.
Nur hat man beklagt, ,daß dem Verfaffer die eigne fach-
männifche Beurteilung der keilfehriftlichen Originaltexte
abgehe, fo daß feine Ausführungen darum fall durchweg
auf den ihm zu Gebote flehenden Tranfkriptionen und
Überfetzungen der Originaltexte durch andere beruhen'.
Diefer Mangel hat einem der Kritiker zu einem geradezu
vernichtenden Urteil Anlaß gegeben. Ich konnte mich
dem Verdikt gegen das englifche Werk nicht anfchließen.
Ein ftrenger Fachmann würde fich überhaupt nicht dazu
verftanden haben, auf Grund des vorliegenden Materials
eine Gefchichte der Religion Babyloniens zu fchreiben.
Das Material bleibt mangelhaft, folange uns Tempelarchive
fehlen, die uns über die Gefchichte der Kulte
Auffchluß geben. Die vorliegenden Texte find Hymnen
und Zaubertexte und mythologifche Fragmente, die fich
auf einen Zeitraum von drei Jahrtaufenden verteilen,
ohne daß wir fie chronologifch ordnen könnten. Wenn
der Verfuch einer Darftellung gemacht werden follte,
mußte er von einem Außenseiter kommen. Daß das
Bedürfnis nach einem folchen Buche vorhanden war, beweift
der Umftand, daß dem Verfaffer das dringende Verlangen
nach einer deutfehen Überfetzung vorgelegt wurde.
Im Sommer 1902 lag die erfte Lieferung vor. Das Werk
tollte in Jahresfrift beendet fein und die Fortfehritte widerspiegeln
, die die Affyriologie feit dem Erfchetnen der
miglifchen Ausgabe gemacht hat. Es ift anders gekommen
. Ende 1905 liegt erft die 8. Lieferung vor und
damit die 1. Lieferung des 2. Bandes. Die Lektüre diefer
erften Hälfte hat mich davon überzeugt, daß die Verzögerung
dem Buche fehr zuftatten gekommen ift.
Jaftrow hat durch raftlofes Studium fich in den Stand

gefetzt, ein Buch darzubieten, das über die urfprünglichc
englifche Ausgabe hoch emporragt. Der Vorwurf fach-
männifcher Unzulänglichkeit hat den fleißigen Mann
nicht verdroffen gemacht, fondern hat ihn zu ernfter
Vertiefung in die Keifchriftforfchung angefpornt. Auch
in der neuen Geftalt will Jaftrows Buch gewiß in erfter Linie
als eine Zufammenftellung des Materials gelten und erft
in zweiter Linie als ein Beitrag zur Kenntnis der baby-
lonifchen Religion durch den Verfuch einer Darlegung
ihres Entwicklu ngsganges. Und man muß fagen, daß
Jaftrow feine Aufgabe gut gelöft hat. Vor allem ift
das Buch lesbar. Es wird wenige gelehrte Schriftfteller
geben, die wie der Verfaffer die englifche und deutfehe
Sprache in gleich mufterhafter Weife handhaben. Auch
fehlt es Jaftrow nicht an der wichtigen Begabung zu
anfehaulicher Schilderung. Der Lefer bekommt etwas
zu fehen. Das Hauptmittel der Veranfchaulichnng find
natürlich reichliche Literaturprobeu. Im erften Halbbande
find wie in der englifchen Ausgabe wohl aus-
fchließlich bereits bearbeitete Texte wiedergegeben. Das
kann fchon deshalb nicht als Vorwurf gelten, weil die zu
Gebote flehenden Texte der hier behandelten Gebiete
wohl lämtlich von dem oder jenem Affyriologen kommentiert
worden find. Die kritifche Sichtung der /Vorarbeiten
zeigt, daß Jaftrow wohl imftande ift, die Überfetzungen
zu kontrollieren und eigene Interpretationen zu
bieten. Nach meinem Gefchmack zeigt er das zu oft
durch philologifche Erörterungen in den Anmerkungen,
aber man wird es begreifen, wenn Jaftrow das Bedürfnis
hatte, den Kritikern Specimina feiner Wiffenfchaft zu geben.
In diefer Hinficht hat mich die 8. Lieferung, die Klagelieder
und Bußgebete enthält, überrafcht. Jaftrow hat offenbar
in dem letzten Jahre fehr fleißig in den Keilinfchriften
ftudiert, fo daß er fich hier imftande zeigt, eigene Überfetzungen
zu liefern. Freilich bedeutet es gerade bei
diefem Kapitel ein Mißgefchick, daß Zimmerns prächtiges
Heft .Babylonifche Hymnen und Gebete' (Alter Orient,
J. C. Hinrichs, Bd. VII, Heft 3) noch nicht benutzt werden
konnte. Befitzern des Jallrowfchen Buches fei bei diefer
Gelegenheit die Anfchaffung diefes kleinen babylonifchen
Liederbuches (Preis 60 Pfennige) als Ergänzung dringend
empfohlen. Die Probe auf Leistungsfähigkeit, die Jaftrow
mit der neueften Lieferung gegeben hat, läßt für die
künftigen Kapitel, z. B. über Omina, fehr gutes erhoffen.
Syftematifche Kapitel, wie die über Dämonen und Geifter,
über das Leben nach dem Tode brachten fchon in der
englifchen Ausgabe neue, fehr beachtenswerte Gesichtspunkte
.

Ein entfehiedener Mangel des Buches liegt m. F.

225 226