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Ausgabe:

1905 Nr. 4

Spalte:

107-108

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Dufourcq, Albert

Titel/Untertitel:

Saint Irénée 1905

Rezensent:

Krüger, Gerhard

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Seite 1

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io7 Theologifche Literaturzeitung 1905 Nr. 4. 108

durchfchnitt durch das ganze, von ihm gelehrte Gebiet
geben foll. Die Bezeichnung Patrologie lehnt er mit
Bewußtfein ab, da auch die Schriftfteller der Neuzeit, wie
Metrophanes Kritopulos, Meletius von Athen u. a. zu
ihrem Rechte kommen follen. Auf der anderen Seite
werden die neuteftamentlichen Schriftfteller ausführlich in
den Bereich der Darfteilung hineingezogen. Eine ausführliche
Einleitung handelt von den Fragen, die jeder patrologie
' vorangefchickt werden, bringt alfo dem abend-
ländifchen Gelehrten nichts Neues, es fei denn die Be-
ftätigung des erfreulichen Eindrucks, daß Derbos der
abendländifchen Arbeit zu folgen weiß, wenigftens fo
weit es heb. um die Buchung ihrer Erzeugniffe in exakter,
auch typographifch (S. 64 1. Hoffmann ft. Hoffman, und
vgl. die Berichtigungen) forgfältiger Form handelt.

Die Art freilich, wie die älteften Schriftfteller behandelt
werden, wird bei uns nur ein leifes Schütteln des
Kopfes hervorrufen. Tradition ift Alles, Kritik Schall und
Rauch, trotzdem gelegentliche Verbeugungen nicht fehlen,
und der Verfaffer auch einmal ■— bei Beftreitung des
römifchen Aufenthaltes des Petrus — in Hyperkritik
macht. Bezeichnend für den Verfaffer ift die Unbefangenheit
, mit der er unferen Matthäus als Überfetzung des
,hebräifchen' nimmt und mit der die Echtheit des zweiten
Petrusbriefes auf Grund von Kan. 60 der Synode von
Laodicea als entfehieden betrachtet wird. Gibt's keinen
Ausweg, fo fchließt er auch wohl: ,Tlg oueog 6 'imävvrjq,
o Gvy/QapEvg xrjg dsroxaXvipeojg: 0 Oeog oidsvi Da hat
es freilich keinen Zweck, über Einzelheiten zu ftreiten.
Wir find fogar geneigt, auch hier nur das Gute zu fehen,
und das dürfte in unferem Falle darin liegen, daß felbft
das befcheidene Maß rein äußerlicher Kritik, das der
Verf. verwendet, den Studierenden in Athen fchon manches
erfchließen wird, was ihnen fonft ganz dunkel
bleiben würde.

Gießen. G. Krüger.

Dufourcq, Albert, Saint Irenee. (Aus: Les Saints.) Paris,
V. Lecoffre 1904. (II, 202 S.) kl. 8° fr. 2 —

Ich bekenne, daß ich an die Lektüre diefes Bändchens
nicht ohne Vorurteil herangegangen bin. Mir war
noch in Erinnerung, daß ich vor Jahren die in der gleichen
Sammlung {.Les Samts') erfchienene Biographie des
Hieronymus von Largent gelefen hatte, von der nicht
viel Rühmendes zu fagen war. Mein Vorurteil hat fich
als ganz unberechtigt erwiefen. Wir haben es bei dem
Buche Dufourcqs mit einer wiffenfehaftlich durchaus ernft
zu nehmenden Leiftung zu tun. Daß der Verf. über die
Leichtigkeit der Darftellung verfügt, die die Lektüre einer
Irenäus-Biographie fchmackhaft macht, bedarf ja keiner
Hervorhebung, da wir es mit einem franzöfifchen Autor
zu tun haben. Die Anlage der ganzen Arbeit verdeutlicht
man fich am beffen, wenn man fich die ,Welt-
gefchichte in Charakterbildern' gegenwärtig hält, in der
katholifche Gelehrte von Ruf auch für unfer Publikum
folche Themata wie Auguftin und Origenes behandelt
haben oder zu behandeln gedenken. Einer allgemeinen
Einleitung {Le monde romain et le monde chretien au
second siede de notre ere) folgt ein erftes Kapitel, das
la diristianisation du monde romain gnosticisme ou christi-
anisme zum Gegenftande hat. Dann geht D. zur Darfteilung
der personnahte de Saint Irenee über, fchließt
daran einen Überblick über die (antignoftifche)polemique
des Kirchenvaters, behandelt in drei großen Abfchnitten
feine dodrine und in einem Schlußkapitel la place de
Saint Irenee dans Ihistoire chretienne. Keine Phrafen
und keine Redensarten, alles fachlich und fachdienlich.
In den Anmerkungen — die, um den Vergleich abzu-
fchwächen, in den ,Charakterbildern' fehlen — finden wir
verftändige und fachkundige Auseinanderfetzungen mit
neueren Darftellern und Kritikern. D. kennt Arbeiten
wie Loofs'Irenäushandfchriften undTrinitätslehreMarzells,

Bonwetfchs Methodius, Preufchens Antilegomena, felbft-
verftändlich de Faye u. a. Er weiß auch, daß Hippolyts
Darfteilung des Bafilidianismus hinter der des Irenäus —
foweit die ältere Phafe in Betracht kommt — zurückzutreten
hat. Dem Problem des ,Paulinismus' bei Irenäus
ift er kaum nachgegangen. Was am Schluß des Buches
fleht, genügt nicht. Kennt D. Werners Arbeit nicht?
Ich finde fie nicht angeführt. Verfehen find mir nicht
aufgefallen. Zu erwähnen ift noch, daß D. gleichzeitig
mit der Monographie in der Sammlung La pensee
chretienne eine — wie es fcheint, das Original teil weife
kürzende — Überfetzung von adv. haereses veröffentlicht
hat.

Gießen. G. Krüger.

BXäxoq, Koöpäq, Aiäxovoq, 'H xsQaövnGoq xov 'Ayioxr
"Ooovg "A&oj, xai ca ev avxy povai xai 01 (tovaxoi, naXai
te xai vvv. MeXetri ißxoQixrj xai xQixixrj. BoXcp 1903.
(Leipzig, O. Harraffowitz.) (XXIII, 376 p.) gr. 8° M. 15 —

Es ift zum Erftaunen, wie fchnell die Literatur über
den Athos wächft! Es ift dies das vierte Werk über
Hagionoros, das ich binnen kurzer Zeit an diefer Stelle
habe anzeigen dürfen! Es ift dazu nur der Vorfchmack
von einem größeren, das auch fchon dem Drucke nahe
zu fein fcheint, eines Werkes von 200 Druckbogen, das
in drei Bänden erfcheinen foll, wie der Verfaffer am Ende
des Buchs fich vernehmen läßt. Diefe Ausficht wird mir
Gelegenheit geben, dem Verfaffer meine Wünfche für
feine kommende Arbeit auszufprechen.

Man muß dem Verfaffer für die vorliegende Leiftung
das Zeugnis geben, daß er fehr fleißig gefammelt hat.
Abgefehen von einer größeren Reihe Einzelheiten, die
m. W. vorher nicht bekannt waren, hat er auch ein
Typikon ausgegraben, das mir wenigftens entgangen war.
Es flammt aus dem Jahre 181O; und wenn es auch nur
von der Behörde in Theffalonich beftätigt ift, fo hat es
doch für die Verwaltung manche Norm abgegeben
(S. 122 ff.). Die Sammlung ift auch namentlich für die Ver-
hältniffeder Gegenwart auf Hagionoros fehr wertvoll. Nur
ein Hagiorit kann über die verwickelten Dinge der
heutigen Verwaltung fo genaue Auskunft geben. Verfaffer
hat den Stoff auch verarbeitet. Es ift fchon erfreulich
, daß er eine gewiffe Kritik übt und dem Abendländer
nicht zumutet, alle Sagen für Gefchichte zu
nehmen. Allerdings weiß ich nicht, ob ihm fein Lokalpatriotismus
nicht hie und da einen Streich gefpielt hat.
So follen die Roheiten, die der erfte Paläologenkaifer
Michael der Erzählung nach fich gegen die Athosmönche
hat zufchulden kommen laffen, als Gefchichte gelten.
Sie erhöhen den Ruhm der Orthodoxie, die die Hagiori-
ten gern für fich in Anfpruch genommen haben. Wenn
dagegen Berichte melden, daß unter dem Kaifer Alexios I
wlachifche Nomaden mit Weib und Kind und Vieh in die
ftillen Gefilde des heiligen Berges eingewandert und von
den Mönchen freundlich aufgenommen find, fo daß Protos
und Patriarch ihre Macht aufbieten mußten, um wenigftens
die Fundamente der Mönchsdisziplin zu retten, fo ift das
nach dem Verfaffer nur ein (pnixaXtov OviwdXr/pa lyyQaipmv
xai yeyovöxmv upcpißöXmv (S. 46), und Uspenskij und ich
werden getadelt, daß wir die Sache für authentifch hielten,
während ich wenigftens den Vorbehalt gemacht habe,
daß man es vielleicht nicht mit reiner Gefchichte dabei
zu tun habe (meine Athosurkunden S. 40). Die Bearbeitung
des Stoffs zeigt fich bei dem Verfaffer auch
darin, daß er wenigftens einzelne Stücke der Gefchichte
zu begreifen fucht, fo z. B. die Entwicklung des Athos-
mittelorts Karyes, auf den er den Begriff der Laura
und Skete anwendet und deffen Gefchichte er unter
diefem Gefichtspunkte entwickelt. In Verbindung fleht
damit die Entwicklung der Stellung des LTrxnxog des heiligen
Berges. Hier darf ich nun die Bitte ausfprechen: Ver-