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Ausgabe:

1905

Spalte:

689-690

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Maurer, Friedrich

Titel/Untertitel:

Völkerkunde, Bibel und Christentum. I. Teil: Völkerkundliches aus dem AltenTestament 1905

Rezensent:

Bertholet, Alfred

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung.

Herauso-eo-eben von D. Ad. Harnack, Prof. in Berlin, und D. E. Schürer, Prof. in Göttingen.

Jährlich 26 Nrn. Verlag: J. C. Hinrichs'iche Buchhandlung, Leipzig. Jährlich 18 Mark.

Nr. 26. 23- Dezember 1905. 30. Jahrgang.

Maurer Völkerkunde llibel und Chriftentum, ! Burton, Principles of literary criticism and the
Teil (Bertholet). ' synoptic problcm (Gregory)

Wünfche, Die Sage vom Lebensbaum und

Lebenswafler (Bertholet).
Schiaparelli, Die Aftronomie im Alten Tefta-

ment (Volt).
Lohmann, Tharfis oder Ninive (Volz).
Gelbhaus, Esra und feine relormatorifchen

Beftrebungen (Volz).

Schubert, v., Grundzüge derKirchengefchichte
(Krüger).

Graf, Die chriftlich-arabifche Literatur bis zur

fränkifchen Zeit (Bacher).
Göller, Der Liber Taxarum der päpftlichen

Kammer (Brandi).
Bibliotheca reformatoria Neerlandica uitgeg. door

Cramer en Pijper, 2. deel (Koehler).

Francke's(A. H.) Briefe an den Grafen Heinrich
XXIV. j. L. ReulS, herausg. von Schmidt
und Meufrl (Harnack).

Grabmann, P. Heinrich Denifle (Harnack).

Die Bibelfrage in der Gegenwart, fünf Vorträg-
von Kloftermann, Lepfius, Haullleiter,
Müller, Lütgert (Lobftein).

Hopf 1, Die höhere Bibelkritik, 2. Aufl.(Lobftein).

Stutz, Das preußifche allgemeine Landrecht
und der Eigentümer des Kirchenguts (Frantz).

Maurer Dr. Friedrich, Völkerkunde, Bibel und Chriftentum.

I Teil: Völkerkundliches aus dem Alten Teftament.
I eipzig, A. Deichert, Nachf. 1905. (VIII, 254 S.) gr. 8°

M. 5 —

Den bedeutendften Einfluß (seil, auf die moderne
Bibelauffaffung) von völkerkundlicher Seite hat Tylor aus

fchwerer Vorwurf ift Maurer daraus zu machen, daß er
meint, die Stiftshütte, die er übrigens vermutungsweife
für eine Fetifch- und Totenhütte hält (S. 67), fei Israels
Kultheiligtum gewefen, ehe es der Tempel zu Jerufalem
wurde (S. 64); aber ein ftarkes Stück ifts, daß Esra als
Wiederherfteller diefes Tempels erfcheint (S. 67); konfe-
quenter Weife läßt ihn Maurer auch die Mufterung der

ge

übt. Auf deffen grundlegende Forfchungen beruft fleh j mit Serubbabel heraufgezogenen Priefler (Esr. 2 es) vor

nehmen (S. 82); ja er datiert die ,Zeit nach Esra' feit 536
(S. 80), andererleits den Anbruch des Exils 605 (S. io)!
Laubhütten foll in den Nifan fallen (S. 16); Jebus foll als
letzte kanaanäifche Feftung in die Hände der Israeliten
gekommen fein (S. 194); und Gezer z. B.? Es foll jeder
Anhaltspunkt (außer rltS» und "fln? = Bahre) fehlen, daß
die Toten im Haufe begraben wurden (S. 12 A 3); aber
I Sam. 251? Übrigens ift wieder von bezeichnender Un-
genauigkeit der Satz (S. 34): ,Das Grab ift die Wohnung
des Toten und die Scheol der Aufenthaltsort feiner
iiephes'. Das Letekh ift nicht 18,2 L (S. 199) fondern 182,2.
Die Angabe über das Opfer Lev. 1419 ift falfch: ein Lamm

Stade in feiner Gefchichte Israels und betont hauptfächlich
auch das Völkerkundliche des A.T. Wir nehmen
diefen Gedanken auf und verfuchen das Völkerkundliche
des A.T. im nachfolgenden zufammenzuftellen' (S. 1) —
das ift des Verfaffers Programm. Es ift mir aus der Lektüre
feines Buches nicht recht klar geworden, wem zu
Nutzen das eigentlich gefchehen follte. Die altteftament-
liclie Wiifenfchaft wenigftens hätte nichts verloren, wenn
es ungefchrieben geblieben wäre. Auf Maurers Kenntnis
des A.T. wirft fchon folgender Paffus ein bedenkliches
Licht: ,Das A.T. wurde in drei Teile geteilt: 1) Tora . . .
2) Ketubim = Gefchichtsbücher (z. B. Chronik, Königs

bücher); 3)Nebiim == prophetifche Bücher' (S. 208). Es ift ; foll als Sünd- und Brandopfer zugleich dargebracht wor
felbftverftändlich. daß er bei folchen Anfchauungen dem ; den fein (S. 110)! Ein anderer Fehler fleckt in der Opfer-
zeitlichen Abftand der Angaben in Sam.-Reg. einerfeits, ; tabelle S. 81 etc. Greulich find die falfchen Transkrip-
Chron. andererfeits nicht Rechnung zu tragen verftanden tionen einer Menge hebräifcher Wörter wie tanar (S. 13)

hat (vgl. z. B. S. 192), gefchweige denn dem zwifchen
den verfchiedenen Gefetzesfchichten: mit einem ,oder'
llellt er einander widerfprechende gefetzliche Beftimmun-
gen einfach nebeneinander (z. B. S. 20). Er hat zwar
viel zufammengelefen, auch Spezialwerke; aber das Alles
erhöht nur den Eindruck, daß er von zweiter Hand lebt,
und nirgends fleht man ihn über das dilettantifche hinauskommen
. Was er z. B. über Totemismus fagt — es ift
lediglich die Aufzählung einiger Tiernamen von Perfonen
und Ortfchaften (S. 124D — verrät nur den abfoluten
Mangel an Verftändnis für die ganze Schwierigkeit der
betr. Frage. Das Material, mit dem er arbeitet, ift im
Ganzen, was man in einer biblifchen Archäologie zu finden
gewohnt ift. Die Anordnung läßt freilich viel zu
wünfehen übrig. Bei der Dreiteilung I. Familie, II. ftaat-
liches Leben, III. geiftiges Leben erwartet man nicht das
Bürgerrecht unter I besprochen zu fehen, ebenfowenig wie
den getarnten Kult mit Einfchluß der öffentlichen Fefte etc.

Aber fchlimmer ilt, daß im Einzelnen das Buch von
falfchen. unverstandenen oder halbverftandenen Angaben
geradezu ftrotzt. Die Seiten find bald gezählt, auf denen
folche ganz fehlen. Nur einige wenige Beifpiele feien
aus der Fülle, auf die ich geftoßen bin, zur Rechtfertigung
meines abweifenden Urteiles angeführt.

Daß das Verhältnis der Israeliten zu den Kanaanitern
Itets feindlich gewefen fei (S. 5), zeigt eine gänzliche Ver

lUrT, abonim (S. 27) = bJSa^, dalegeth und gaekatli

(S. 44) = npip und nrnp, cnoqtm (S. 145) = a-ipn etc.

Aber was Wunder? Des Verfaffers hebräifche Kenntniffe
beleuchtet der Satz (S. 206), daß die Kafusbildung mit
Hilfe eines befondern Status construetus gefchehe, dem
die Profixe (sie) b für Genetiv, 1 für Dativ vorgefetzt
würden! —Auch viel unrichtige Stellenangaben find mir
aufgefallen, z. B. S. 168: Jdc. 47 ftatt Ruth 47. Buddes
.Beiträge zur ifraelitifchen Religionsgefchichte' S. 43 A 2
habe ich als Buchtitel bisher nicht gekannt; gemeint ift
fein Buch: die Religion des Volkes Israel bis zur Verbannung
. —

Einzelne Druckfehler find wenigftens ergötzlich, fo
lebonah ftatt: ein Baumharz: ein Baumherz (S. 8o;am
Ende etymologifch von leb abgeleitet?) oder Tyrol'ftatt
Tylor S. 34 A 4!

Bafel- Alfred Bert hol et.

Wünfche, Auguft, Die Sagen vom Lebensbaum und Lebenswafier
. Altorientalifche Mythen. (Ex Oriente lux. Bd.I.
Heft 2/3.) Leipzig, E. Pfeiffer 1905. (IV, 108 S.) gr. 8°

M. 2—; geb. M. 2.50
Aus der Entwickelung der Sage vom Lebensbaum
und vom Lebenswaffer glaubt Wünfche zeigen zu können,
kennung eines°guten Teiles israelitifcher Gefchichte. Kein | daß man mit Baftians Annahme des ,Völkergedankens'

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