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Ausgabe:

1905

Spalte:

586-588

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Stähelin, Felix

Titel/Untertitel:

Der Antisemitismus des Altertums in seiner Entstehung und Entwicklung 1905

Rezensent:

Schürer, Emil

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. in Berlin, und D. E. Schürer, Prof. in Göttingen.

Jährlich 26 Nrn. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig. Jährlich 18 Mark.

Nr. 22.

28. Oktober 1905.

30. Jahrgang.

I.ewin, Die Scholien des Theodor bar K6nl zur
Patriarchengefchichte (Greßmann).

Stähelin, Der Antifemitismus des Altertums
(Schürer).

Vollmer, Jefus und das Sacaeenopfer
(Schürer).

Wieb er, De apocalypsis Pauli codicibus (v. Dob-
schütz).

Bonwetfch, Die Theologie des Methodius von
Olympus (Loofs).

Bauer und Strzygowski, Eine alexandrinifche
Weltchronik (Dräfeke).

Alphandery, Les id£es morales chez les Hete-
rodoxesLatins au debut duXIIIe siücle(Lempp).

Schnürer, Franz von AffiTi (Lempp).

Ehlers, Konfirmanden-Unterricht für Konfirmierte
(Drews).

Stutz, Die kirchliche Rechtsgefchichte (Frantz).

Notiz zu Sp. 562.

Lewin, Dr. Martin, Die Scholien des Theodor bar Koni zur
Patriarchengefchichte (Genefis XII—L). Herausgegeben
und mit einer Einleitung und Anmerkungen verfehen.
(Diff.) Berlin, Mayer & Müller 1905. (XXXVII, 35 S.)
gr. 8° M. 2.40

Was wiffen wir von Theodor bar Koni? Nach Affe-
mani wurde er 893 zum Bifchof von Läsöm geweiht.
Aber Georg Hoflmann und Pognon äußerten bereits
Zweifel an diefer Anfetzung, und jetzt fucht Lewin das
Ende des 6. oder den Anfang des 7. Jahrhunderts als die
Blütezeit unferes Theodor wahrfcheinlich zu machen. Bar
Kevänai (fo ift wohl mit Sachau zu vokalifieren = Sa-
turninus) lebte in Kaskar und wurde dort mit den Man-
däern und ihrem Dialekt vertraut. Erhalten ift uns fein

rianifchen Dogmatik, welche hinfichtlich des Alters
z. B. nur wenig hinter den causae fcstorum zurückbleibt'.

Auf diefe dankenswerte Orientierung läßt dann Lewin
den fyrifchen Text der Scholien zu Gen. 12—50 folgen.
Es find mehrfach ftarke Verderbniffe nachweisbar, wie
fchon aus den Varianten einer nachträglich kollationierten
Handfchrift hervorgeht. Soweit man nach den mitgeteilten
Varianten fchließen darf, ift fie durchaus nicht
fchlechter, wie der Herausgeber urteilt, fondern beffer
als das der Edition zugrunde gelegte Manul kript. Auch
aus inneren Indizien muß man annehmen, daß der Text
an einigen Stellen in Unordnung geraten ift. Z. B. findet
fich 2 u eine im Zufammenhang unverftändhche Notiz
über die Krone, die Sinon vom Himmel empfing. Auch
6iff. wird der Zufammenhang durch die Notiz über die

,Scholienwerk' in mehreren Handfchriften, die fich auf Engelerfcheinungen der Hagar unterbrochen,
zwei Familien zurückführen laffi n. Die Scholien behan- Der fynfche Text ift im großen und ganzen korrekt

dein zunächft (Buch 1—9) in der Form von Frage und
Antwort einzelne Probleme im Anfchluß an den Text
des Alten und Neuen Teftamentes. Auf eine Befprechung

gedrukt. Einige Fehler, die fich trotzdem eingefchlichen
haben, wird jeder von felbft verbeffern. Die beigefügten
Anmerkungen enthalten manche wertvolle Beobachtung.

von dogmatifchen Sätzen, kirchlichen Einrichtungen und Doch find fie kein hinreichender Erfatz für die deutfehe
häretifchen Anfchauungen folgt (Buch 10) ein Religions- Uberfetzung, deren Fehlen ich dem Verfaffer zum Vor-
gefpräch zwifchen einem Hanif und einem Chriften. Den ! wuff mache. Wir follten wie die Engländer und Fran-
Schluß (Buch Ii) bildet eine äußerft intereffante und zofen kein orientalifches Buch ohne Uberfetzung drucken!
wertvolle Sektengefchichte, die bereits der franzöfifche I Icn nafte aucn nier gern von Lewin gelernt, der den
Konful Pocnon in Aleppo teilweife ediert hat: lnscriptions Anfchein erweckt, alles verftanden zu haben, obwohl ich
mandattes* des coupes de Khouabir (Paris 1898). Einen das bezweifle (vgl. die falfchen Verbefferungtn zu 64f)
Nachtrag daraus veröffentlichte Nöldeke (ZDMG Bd. 53). Und doch find manche von Theodor überlieferten Tra-

--• •- --■ • " ' -------1-----> A----.•:— c_j— I Hitlonen hörhft intorpff-jnf imrl , .r,___

Mitteilungen über das Scholienwerk und Auszüge finden
fich bei Baumftark (im Orlens christianits I) und bei
Wright (im Katalog der Manufkripte von Cambridge).

Unfere Kenntnis Theodors wird durch die vorliegende
Schrift etwas erweitert, da wir durch fie einen Einblick
in feine exegetifche Kunft gewinnen. Als Neftorianer
berührt fich der Verfaffer aufs engfte mit Theodor von
Moplueftia, den er häufig zitiert und noch häufiger ftill-
fchweigend ausfehreibt, doch unterfcheidet er fich von
ihm durch ftärkeres Hervorheben der Allegorefe. Außerdem
werden zitiert: Bafilius, Gregor von Nazianz, Diodor,

ditionen höchft intereffant und verdienten, weiteren
Kreifen zugänglich gemacht zu werden. Befonders weife
ich die Affyiiologen hin auf die Namen der Könige, die
von Nimrod bis Abraham geherrfcht haben (2 iff.). Als
letzter wird OiEaiEJ (oder DUttba) genannt, wohl zweifellos
= riXyafiog, wie Lewin erkannt hat. Der vorletzte
Name (vgl. die Note S. 25) UIX darf vielleicht mit Eufj-
yoQog kombiniert werden, der uns bei Aelian und Eufeb
begegnet (vgl. Zimmern KAT3 S. 565 Anm. 3). Auch
fonft finden fich in den Scholien einige beachtenswerte
Einzelheiten, lodaß wir dem Herausgeber zu Dank ver-

dem werden zitiert: nauuus, urcgui vu.. x.«^.«..*., ^.v,^., ■ fjjcntet fmfj
Theodoret, Dionyfius Areopagita, Aphrem u. a. Zahl- ■ V
reiche fachliche Parallelen bietet die bekannte .Schatz- J Kiel. Hugo Greßmann.

höhle'.

.Entbehrt auch Theodor', fo faßt Lewin feine Unter- Stähelin, Felix, Der Antiremitismus des Altertums in feiner

fuchungen zufammen, ,als felbftändiger Schriftfteller einer
hervorragenden Bedeutung, fo ift doch fein Scholienbuch
in mannigfacher Beziehung für uns wertvoll. Zunächft
ift der Wert feiner Nachrichten über manche bisher wenig
bekannte Sekten bereits allgemein anerkannt worden.
Dem ftellt fich auf exrgetifchem Gebiet würdig an die
Seite feine Bedeutung als eine der hervorragendften Fundgruben
für verloren gegangene Auslegungen des Theodor
von Mopfueftia . . . Auch in dogmengefchichtlicher Beziehung
ift fein Werk .. . eine treffliche Quelle der nefto-

Entftehung und Entwicklung. Bafel, C. F. Lendorff
1905. (VI, 55 S.) gr. 8° M. 1.20

Der Verf. hat bereits in feiner .Gefchichte der klein-
afiatifchen Galater bis zur Errichtung der römifchen
Provinz Afia' (Bafel 1897) eine die theologifche Inter-
effen-Sphäre berührende wertvolle Studie aus dem Gebiet
der alten Gefchichte geliefert. Diefer neuen Arbeit
liegt ein populärer Vortrag zugrunde, der aber in
,neuer, vielfach erweiterter und veränderter Bearbeitung'

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