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1905 Nr. 21

Spalte:

564-566

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Verhandlungen des II. Internationalen Kongresses für Allgemeine Religionsgeschichte in Basel , 1904 1905

Rezensent:

Zillessen, Alfred

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563 Theologifche Literaturzeitung 1905 Nr. 21. 564

ewigt (S. 56, pl. XX n. 31); denn nach Lage der Dinge | die Lefung von BAB — 2. Ab in Grab IV (S. 71) ift
handelt es fich hier höchft wahrfcheinlich nicht um einen 1 ebenfo unficher.

Verftorbenen, fondern um einen Befucher der Grabftätte.
Sehr merkwürdig ift eine aus 4 langen Zeilen beftehende
Infchrift (S. 57) in welcher ein Mädchen ihrem Geliebten
meldet, daß fie nichts für ihn tun könne; fie fei an einen
Anderen gebunden, während fie doch nur ihn liebe
(xaraxtlyai ytß-' Iteqov Ok yeya (piXovod); bei Aphrodite
beteuert fie ihre Freude darüber, daß fie wenigftens fein
Gewand als Pfand habe; er folle tun, was er wolle, aber
nicht an die Mauer klopfen, da dies Geräufch mache,
aXXa 61a xcov frvQtov VEvyaOi xslrai (,durch die Türen
mit Winken ift es gültig'). Man muß wohl annehmen, daß
die heimliche Grabftätte als Stelldichein benützt wurde
(fo Thierfch; die von Peters S. 72—75 verfuchte alle-
gorifche Deutung als Zwiegefpräch zwifchen dem Tod
und einer Verftorbenen ift fehr gekünftelt). Auffallend
ift die gute griechifche Bildung, welche diefes Mädchen
durch ihre korrekte Orthographie und ihre Schrift verrät;
die Schrift ift ähnlich derjenigen der ägyptifchen Papyri
aus dem Ende des dritten Jahrhunderts vor Chr.

Grab II (S. 29—33, 64—69) ift mit dem vorigen verwandt
, aber von geringerem Umfang und dürftigerer Ausstattung
. Doch kommen auch hier Malereien vor (zwei
Mufikanten, Tafel XVI). Unter den Namen überwiegen
diegriechifchen(Kleopatra, Heliodoros, Zenodoros, Apollo-
phanes, Perfis, Philotion, Apollodoros); femitifch find
Baöcov (S. 65) und BaXoaXco (S. 66). Auch in diefer
Grabanlage finden fich fidonifche Beziehungen; denn
BaXdaXm ift = nblbya, was auf einer fidonifchen Infchrift
vorkommt; und die Philotion (S. 66) wird ausdrücklich als
Xiömvia bezeichnet. Aber gerade der letztere Umftand
fpricht dafür, daß die Mehrzahl der hier Beftatteten nicht
Sidonier waren

Außer diefen Grabanlagen haben auch die bei den
Ausgrabungen auf dem Teil Sandahanna gemachten Funde
Anhaltspunkte dafür geliefert, daß der Hellenismus im 3.
und 2. Jahrh. v. Chr. auch in Marifa eingedrungen war,
f. Excavations in Palestine by Bliss and Macalister, London
1902. Ihr volles Licht erhalten diefe Funde aber erft
durch die Aufdeckung unferer Gräber. Nun begreifen
wir auch, weshalb Marifa durch Pompejus die Freiheit
erhielt. Im Allgemeinen ift dies ja nur in betreff der
helleniftifchen Kommunen gefchehen. Sie wurden von
der Herrfchaft der Juden befreit, um wieder fich felbft
und der griechifchen Bildung zurückgegeben zu werden.
Das Intereffe für letztere — die vermutlich auch unter
jüdifcher Herrfchaft nicht ganz erlofchen war — muß
auch bei Marifa für das Vorgehen des Pompejus ent-
fcheidend gewefen fein. Gabinius hat dann für Wieder-
herftellung der Stadt geforgt (Jos. Antt. XIV, 5, 3; Bell.
Ind. I, S, 4). Aber die neue Exiftenz war nur von kurzer
Dauer, denn die Parther haben der Stadt gründlich und
für immer ein Ende bereitet (Antt. XIV, 13, 9. B. I. I,
13, 9). Seitdem verfchwindet Marifa unter der jüdifchen
Bevölkerung von Idumäa.

Die Herausgeber haben fich durch die reichen Auf-
fchlüffe, welche ihre mühevolle und mit ficherer Beherr-
fchung des Materiales zu Ende geführte Arbeit uns gewährt
, ein hervorragendes Verdienft erworben.

Göttingen. E. Schürer.

Verhandlungen des II. Internationalen Kongreffes für Allgemeine
Religionsgelchichte in Bafel, 30. Auguft bis 2. Sep-

nic! wdicij. tember 1904. Bafel, Helbing & Lichtenhahn 1905.

Lber Grab III und IV ift nicht viel zu fagen. Neben y I* ' s -T3

griechifchen Namen finden fich auch hier einige femitifche j C * All, 382 S.) Lex. 8 M. 8 —

(wie immer, in griechifcher Form). Neben dem üblichen Beiwerk, aus dem nur erwähnt

Eine befondere Erörterung erfordern noch die Jahr es
daten. Nach der von den Herausgebern S. 77 aufgehellten
Tabelle finden fich folgende Jahreszahlen. In
Grab I: IZP(ii7) oder EP(i6ö) [die Lefung ift unficher,
Lagrange las ZP= 107], AOP (171), A/,P (194). In Grab
II: GKP (125), AMP (144), HMP (149). ANP (154), (-JSP
(169), OP (170), HOP (17%). In Grab III: BOP (179). Da
man wohl nur an die feleucidifche Ära denken kann, wie

fei, daß der Kongreß unter Orellis Vorfitz tagte und daß
fich unter den 322 eingefchriebenen Mitgliedern 12 aka-
demifche Theologen aus Deutfchland befanden, bringt
der Bericht meift kürzere oder längere Refümees (bei den
meiften ift der Erfcheinungsort des Vortrages angegeben)
über die in 4 Plenar- und einer Schlußlitzung mitgeteilten
17 und die in den 7 Sitzungen der 8 Sektionen verhandelten
54 Vorträge. Ausführlich find abgedruckt von

die Herausgeber auf Grund umfichtiger Erwägungen an- den erftern 5: J. Weber, Über den Befuch eines lamai-

nehmen, fo ergeben fich als Endpunkte (wenn man von ' ftifchen Klofters in Tibet (Tibet nicht Hort und Fefte des

dem unsicheren erften Datum abfieht): 125 Sei. = 188/187 Buddhismus, diefer vielmehr dort nur verflacht und mit

vor Chr. und 194 Sei. = 119/118 vor Chr. Letzteres (nach ; vielen fremden Rel.-Beftandteilen verfetzt); E. Guimet,

dem Fakfimile pl. XIX n. 19 ficher zu lefen) ift deshalb
merkwürdig, weil es bereits in die Zeit des Johannes
Hyrkan fällt, der Marifa erobert und die Idumäer zur

Lao Tzeu et le Brälunanisnie (neue Fingerzeige zum
Verftändnis des Tao-te-king); Ä. W. Nieuwenhuis,
Religiöfe Zeremonien beim Häuferbau der Bahau-Dajak

Befchneidung gezwungen hat. Doch kennen wir die . in Borneo; Paul Sarafin, Über religiöfe Vorftellungen
Zeit diefer Eroberung nicht näher. — Ein Rätfei find die bei den niedrigften Menfchenformen (d. Weddas in Cey-
in Grab I fich findenden Jahreszahlen A, B, G (1, 2, 5). Ion u. d. Toala in Celebes, beides cymotrichifcher Klein

Da Marifa durch Pompejus die Freiheit erhielt, liegt es
wohl am nächften, an die pompeianifche Ära zu denken').
Erwähnt fei noch, daß die vorkommenden Monatsnamen

flamme) und S. J. Curtiß, Spuren altfemitifcher Religion
in den Mittelpunkten des Islams und des Chriftentums
in Syrien (Kult derfelben Heiligen dunkeln alten Urüberwiegend
die macedonifchen find; in Grab I: Avötqov, fprungs durch Muh. und Chriften; Quellen-, Stein-, Baum-
navrj(uov) S. 54, Ai(ov) S. 55, in Grab II: AjteXXaiov, kult, Refte der uralten Opferfitte ohne Altar und Feuer,
Eavdixov (S. 64), Ha.vny.ov (S. 65), in Grab III: Havrjyov j alles von den Gebildeten abgelehnt, aber nicht bekämpft;
(S. 69). Äuf einigen der Späteren Grabfchriften treten j bemerkenswert die mehrfach auftauchende Anfchauung
auch femitifche Monatsnamen auf. Sicher fcheint aber nur ; von der göttlichen Befruchtung kinderlofer Frauen —
in Grab I: Aß ßi = 12. Ab (S. 45): denn die Frage, ob j auch bei den totemiftilchen Auftraliern). Von den Sek-
oXcoovX = Elui (S. 49f.), möchte ich nicht bejahen, und tionsvorträgen find außer einigen kleineren in extenfo mit-
- ' geteilt: K. Keßler, Mandäifche Probleme in ihrer reli-

I) Die angeblich um die Zeit yon Chrifli Geburt beginnende Ära gion Sgefchichtlichen Bedeutung (zwei ältefte Beftandteile
von Eleutheropolis, weiche Ihierfch bevorzugen will (S. 80 Anm.L hat 5 » . . • b utr u„~ TZl0^^„e

nicht exiftiert. Auf Grund der Münzen ift f.cher nachweisbar, daß die der mand. Religion: ein reines altaramaifches Pdement
Ära von Eleutheropolis zur Zeit des Septimius Severus, Ende 199 oder und das von d. Einwanderern vorgefundene alte baby-
Anfang 200 nach Chr. begonnen hat. Die Gründe, um derentwillen lonifche in aram. Gewände; indifche, jüdifche, chriftliche,

Kubitfchek eine um 200 Jahre früher beginnende Ära annehmen will, parf,fche Einflilffe; noch problematifch die Kosmologie
find ganz haltlos. S. überhaupt: Kubitfchek, Jahreshefte des öfterr. f. . . ... <•*.__, , r-- v„_a„n ,,„„ Ss-

archäol. Inft. vi, 1903, S. 50-54 »"d Beiblatt, Kol. 9,-92. Abel, Revue Anklangen an die altbab. Welt-E.-Vorftellung, die

MHiqut 1903, p. 425—430, und 1904, p. 266—270. Engelnamen auf et, auch die jüdifchen, die altaram. t-ie-