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1905 Nr. 20

Spalte:

547

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Baco, Metaphysica fratis Rogeri 1905

Rezensent:

Deutsch, Samuel Martin

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547

Theologifche Literaturzeitung 1905 Nr. 20.

548

[ßaco.j Metaphysica fratris Rogeri ord. fratr. min. De viciis
contractis in studio theologie, edidit Robert Steele.
E. s. t.: Opera hactenus inedita Rogeri Baconi, Fase. I.
London, A. Moring 1905. (VIII, 56 p.) gr. 8°

Kart. M. 4.60

Wer die vorliegende ed. prineeps mit der Erwartung
in die Hand nimmt, eine Metaphyfik Bacos zu erhalten,
wird fich freilich fehr getäufcht finden. Von Metaphyfik
kommt in dem hier veröffentlichten, und foviel bekannt
allein erhaltenen, Stücke aus der Einleitung in Bacos
Metaphyfik wenig vor. Es will vielmehr nur die Fehler
des theologifchen Studiums, die fich px curiositate
philosophiae' ergeben und die Gegenmittel wider fie
behandeln, wobei Baco freilich fo manches hineinzieht,
deffen Zufammenhang mit dem Gegenftande nicht eben
deutlich ins Auge fpringt. Er handelt von der Notwendigkeit
der Befchäftigung mit der heidnifchen Philo-
fophie, durch deren Autorität wir die Ungläubigen be-
fiegen können, und benutzt als Beifpiele die Trinitäts-
lehre, die Lehre von der Schöpfung und von der Sünde.
Etwas länger verweilt er bei der Lehre vom Staat, als
deffen Hauptzweck er die Verehrung Gottes anfleht.
Dann weißt er nach, wie die griechifche und die ara-
bifche Philofophie gerade folche Zeichen als die vollkommene
Offenbarung Gottes verbürgend aufftellen, die
fich in Chriflo erfüllt finden. Am eingehendften be-
fchäftigt er fich mit den Zeichen, die fich aus der
Aftronomie ergeben, und ergeht fich dabei in ausführlicheren
afirologifchen Auseinanderfetzungen. Für das
Genauere verweifen wir auf die forgfältige Inhaltsangabe
des Herausgebers S. VI—VIII, die freilich den inneren
Zufammenhang oft auch nicht an den Tag zu bringen
vermag. — Erftaunlich erfcheint auch in diefer Abhandlung
die Belefenheit Bacos, und eigentümlich ift die
Mifchung freierer Anflehten mit einer Menge von Aberglauben
, in dem der Verf. feiner Zeit Tribut leidet.

Der Herausgeber hat den Traktat aus der einzigen
bekannten Hdfchr. Bibliotheque nationale f. lat. 7440 veröffentlicht
; die Fehler find meift richtig verbeffert, doch
haben wir folgende Stellen bemerkt (z. T. viell. Druckfehler
): S. 13 1. 16 ceterisque, 1. ceteris que (= quae);
S. 14 1. 9 dieiis 1. viciis; S. 25 1. 26 oracionis 1. —es;
ibid. 1. 27 eveniat 1. eveniant; S. 31 1. 24 si navem suis
ferat ventus, 1. secundus; S. 38 1. 27 vicarius deum illo,
1. cum; S. 39 1. 8 creatur, 1. creatus; S. 41 1. 11 testatur
1. testantur; S. 44 1. 30 cum Superbo regnante 1. tum.

Äußerft dankenswert ift der mühevolle Nachweis der
vielen Zitate, namentlich aus den verfchiedenen Kommentaren
zu Ariftoteles und anderen z. T. noch ungedruckten
Quellen. Von großem Intereffe find die im Anhang
mitgeteilten Stellen aus noch nicht veröffentlichten
Schriften Bacos. — Der Herausgeber ftellt, wenn die
gegenwärtige Schrift die Druckkoften deckt, die Veröffentlichung
der communia naturalia und der Fragmente
der communia mathematica in Ausficht; es ift lebhaft zu
wünfehen, daß ihm dazu die Gelegenheit nicht fehlen möge.

Berlin. S. M. Deutfch.

Hus, Johann, Von Schädlichkeit der Tradition. Nach dem
Altenburger Originaldruck neu herausgegeben von
Conftantin von Kügelgen. (Zeitgemäße Traktate
aus der Reformationszeit, Heft 6.) Leipzig, R. Wöpke
1905. (XXII, 8 S. m. Bildnis.) 8° M. 1 —

Der Herausgeber bietet hier einen Abdruck der Über-
fetzung W. Links von dem kurzen (mit der Vorrede
des Otto von Brunfels nur 4 Bl. umfaffenden) aber ent-
fchiedenen und nachdrücklichen Traktate des Huß ,Von
Schädlichkeit der Tradition' (in der lateinifchen Ausgabe
der Werke von Huß, Nürnberg 1715: de pemicie tradi-
tionum humanarum). Vorausgefchickt ift eine ausführliche
Einleitung, die viele intereffante Einzelheiten enthält
, darunter jetzt auch die von dem Rez. (Th. Litz.
1903 Nr. 23) vermißte Auskunft über die erfte Ausgabe
der Gefangenfchaftsbriefe des J. H. von 1536 (A. 14
S. XVIII ff.), die, obwohl etwas fpät kommend, doch
willkommen ift.

Berlin. S. M. Deutfch.

Boerner, Dr. Guft., Die Annalen und Akten der Brüder des
gemeinlamen Lebens im Lüchtenhofe zu Hildesheim.
Eine Grundlage der Gefchichte der deutfehen Bruder-
häufer und ein Beitrag zur Vorgefchichte der Reformation
. Fürftenwalde (Spree), Seyfarth 1905. (III,
in S.) gr. 8° M. 2.40

Im J. 1903 hat R. Doebner bisher faft unbekannte
,Annalen und Akten der Brüder des gemeinfamen Lebens
im Lüchtenhofe zu Hildesheim' herausgegeben, die nicht
nur über den Lüchtenhof, fondern z. T. über die ge-
I famte nordweftdeutfehe Vereinigung der Häufer, deren
! Mittelpunkt Münfter bildete, die wertvollften Auffchlüffe
| geben. Diefe Schriftftücke unterzieht der Verf. einer fehr
genauen methodifchen Unterfuchung, die ihn zu einer
Reihe beachtenswerter Ergebniffe führt. Verfaffer des
größten und wichtigften Teiles der Annalen (1440—1494)
ift Dieburg, der im Jahre der Gründung des Haufes, 1440,
als Novize eintrat und von 1476 bis an feinen Tod 1494
Rektor war. Als folcher hat er an den jährlich zu Münfter
ftattfindenden Kolloquien teilgenommen und den Be-
ftrebungen, diefe in ein Generalkapitel zu verwandeln
und die zugehörigen Häufer gemeinfamen Statuten und
l einer ftraffen Oberleitung zu unterwerfen, kräftig wider-
ftanden. In feiner religiöfen Denkweife ift er ftreng kirchlich
, zeigt aber die Neigung, das Heil des Menfchen nicht
unbedingt von äußeren Mitteln abhängig zu machen.
Doch möchten wir bei S. 47, wo erwähnt wird, daß er
für den Fall des Interdikts fügt: adultus per solam peni-
tenciam sanetificabitur et salvabitur daran erinnern, daß
auch die mittelalterlich kirchliche Lehre für den Notfall
das voium sacramenti dem Sakramente felbft gleichftellt,
und demnach ein Fragezeichen zu dem Satze machen
,das ift nun die Kirchenlehre nicht mehr'. — Da Joh.
Bufch in der reformatio monasteriorum cap. 54 und 55
von dem Lüchtenhofe handelt, fo bot fich hier die Gelegenheit
zu einer Nachprüfung desfelben S. 23—41, die
fehr zuungunften feiner gefchichtlichen Zuverläfligkeit
ausfällt und die neuerdings mehrfach gegen feine Glaubwürdigkeit
erhobenen Bedenken beftätigt. — Aus dem
die Protokolle der Kolloquien zu Münlter behandelnden
Abfchnitte erwähnen wir nur die genauere Feftftellung
der Gründungsjahre mehrerer Häufer, nämlich Wefel 1435,
der Lüchtenhof 1440, Kaffel 1455, Roftock 1462, Marburg
1477, Magdeburg 1482. — Der Abfchnitt über die
Statuten ift mit derfelben Sorgfalt gearbeitet, wie die
vorhergehenden Teile des ungeachtet feines verhältnismäßig
geringen Umfanges recht viel gefchichtlich In-
tereffantes bietenden Schriftchens.

Berlin. S. M. Deutfch.

Thomae Hemerken a Kempis, canonici regvlaris ordinis
S. Avgvstini, opera omnia. Voluminibus Septem
edidit additoqve volumine de vita et scriptis eivs
dispvtavit Michael Josephvs Pohl. Volumen VI. Ser-
mones ad novicios. Vita Lidewigis virginis. Adiectis
epilegomenis, adnotatione critica, indieibvs tabvlis
photographicis ex avtographo edidit. Friburgi Brisg.,
Herder MDCCCCV. (III, 511 p.) ten. 8<> M. 4.40;

geb. M. 6— u. M. 6.40

Der bekannte gründliche Kenner des Thomas a
Kempis, der auch zu den entfehiedenften Verteidigern