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Ausgabe:

1905 Nr. 20

Spalte:

541-545

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Stählin, Otto (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Clemens Alexandrinus. I. Band: Protrepticus und Paedagogus 1905

Rezensent:

Koetschau, Paul

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Theologifche Literaturzeitung 1905 Nr. 20.

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Papylus und Agathonike; die Akten der fcüitanifcben
Märtyrer; die Grabfchrift des Abercius; den Berliner
libcllus aus der decianifchen Verfolgung; die Infchrift
von Arykanda; Liebesmahl und Abendmahl nach der
ägyptifchen Kirchenordnung (cc 75ff.).

Marburg i'H. Rudolf Knopf.

Clemens Alexandrinus. Erfter Band. Protrepticus und Paeda-
gogus. Herausgegeben im Auftrage der Kirchenväter-
Commiffion der Königl. Preußifchen Akademie der
Wiffenfchaften von Prof. Dr. Otto Stählin. (Die
griechifchen chriftlichen Schriftfleller der erflen drei
Jahrhunderte. Band 12.) Leipzig, J. C. Hinrichs'fche

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Buchhandlung 1905. (LXXXIII, 352 S.) gr. 8 Denn SteUen wj| s_ ^ App Ig 2Q ^ s_ g| App ;

Vorlage von F nach einer HS korrigiert worden war, die
von P unabhängig war und in manchen Fällen einen
befferen Text bot als P'. Ref. kann diefer Annahme
nicht beiflimmen. Denn zunächft ift der Umfland auffällig
, daß fich diefe Korrektur in F nur auf das I. Buch
des Paed, erftreckt, dann aber aufgehört haben follte.
F'erner weift Stählin felbft willkürliche Änderungen und
Schreibfehler in F nach (S. XXVIII—XXX); warum foll
nun am Anfang des Paed., wo das Bemühen des Schreibers,
einen recht eleganten und korrekten Text herzuftellen,
wohl noch lebhafter als fpäter war, die Sache anders
liegen? Hat nicht vielleicht auch der fchlechte Zuftand
der erft lofe gewordenen und fpäter verloren gegangenen
fünf Quaternionen in P Anlaß zu einer größeren Anzahl
von — teilweife glücklichen — Änderungen in F gegeben?

M. 13.50; geb. M. 16

Otto Stählins Vorarbeiten zu feiner Clemensausgabe
über die Handfchriften, die Scholien und den at. Bibel

(vgl. auch S. 91, 6 f. 93, 17. 95, 3 f. 127, 33) beweifen, daß
die Vorlage von M zum Teil fchwer lesbar oder be-
fchädigt und lückenhaft gewefen ift; während der ge-

S. 244, 17). S. 239, 18 mißfällt dem Schreiber von F das
richtig überlieferte av&og, er fetzt dafür xaXXog in den
Text und av&og als Variante an den Rand. S. 285, 15
wird das richtige Wort pavrjdexat in F willkürlich mit
gayrjöexai vertaufcht. Ich meine, einem Schreiber, dem

text des Clemens AI. find vom Ref. in diefer Zeitfchrift wiffenhafte Schreiber von M das ausließ, was er nicht
1896 Nr. 4, 1898 Nr. 6, 1903 Nr. 17 unter Hervorhebung I lefen konnte, fetzte der gebildetere aber weniger ge-
der Sorgfalt und Gründlichkeit, die dem Lefer überall j wiffenhafte Schreiber von F das ein, was ihm gut dünkte,
entgegentritt, befprochen worden. Mit befonderer Freude 1 Dies willkürliche Verfahren von F ergibt fich deutlich
können wir nun die Vollendung des erften Bandes der j aus folgenden Stellen, wo P noch vorhanden ift. S. 195, 3
in jenen Vorarbeiten angekündigten neuen Clemensaus- ändert F die Stelle Mark. 14, 20 durch Einfetzung von
gäbe begrüßen und als Refultat genauer Prüfung feft- ev xm xgvßXicp nach Mt. 26, 23. S. 205, 12 korrigiert F
ftellen, daß wir in diefem erften Bande eine mufterhafte, | nach dem Text Homers saxgcoxo aus eöxgeoxai (vgl.
auf forgfältigften Kollationen beruhende, mit echt wiffen-
fchaftlicher Umficht und Gründlichkeit bearbeitete und
mit lobenswerter Korrektheit gedruckte Ausgabe des
Protrepticus und Paedagogus befitzen. Durch einzelne
wenige Ausftellungen, die Ref. zu machen hat, foll der

Wert der Gefamtleiftung ebenfowenig beeinträchtigt I lolche eigenmächtige Änderungen nachgewiefen find, ift
werden, wie durch abweichende Anflehten über die Her- ; auch anderes der Ärt zuzutrauen. Dazu kommt, daß F
ftellung diefer und jener Stelle. j gelegentlich den Text feiner Vorlage wirklich verbeffert,

In der Einleitung wird der Lefer über Clemens AI. z.B. S. 149, 25 richtig yevvaia ftatt ye via der korri-
und feine Werke fachgemäß orientiert. Dankenswert ift j gierten Vorlage P gefchrieben hat, während in M nur
zuerft ein vollftändigerÄbdruck der TcstimoniaS.lX.—XVI. , mechanifch yevia zufammengezogen ift. Die von Stählin
Dann folgt eine Uberficht über die H andfehriften (vgl. I S. XXX f. zur Stutze feiner Annahme angeführten Stellen
ThLZ. 1896 Nr. 4 Sp. 102), unter denen Paris.gr. 451 (P) | fcheinen dem Ref. nicht beweifend zu fein. Wenn man
a. 914 als einzige Textquelle des Protrepticus und Paeda- j die fofort als Fehler von M (P) oder als willkürliche
gogus den erften Platz einnimmt; die Befchreibung diefer — gute oder fchlechte — Änderungen von F zu charak-
Ärethas-HS. durch Stählin dürfte wohl als abfchließend terifierenden Varianten beifeite läßt, fo bleiben nur
zu bezeichnen fein. Über die von Arethas herrührenden folgende Stellen übrig. . S. 93, 21 f. b de eg7jX9-ev x7/g
Korrekturen ftellt Stählin S. XXII als Ergebnis feiner ; aogov {seil. Lazarus) F o 6h e§7]X.&ev xTjg y7/g M. Das
Unterfuchungen den Satz auf: .Arethas hat die meiften , letztere fcheint mir richtig zu fein, da nach Jon. 11,38
feiner Änderungen felbftändig ohne Benutzung einer HS : Lazarus in einem omß.aiov begraben lag; F hat, wie auch
gemacht; an einzelnen Stellen jedoch hat er eine HS,
wahrfcheinlich die Vorlage von P, benutzt. Wann dies
und wann jenes anzunehmen ift, kann nur von Fall zu
Fall entfchieden werden'. Die Scholien, welche teils

fonft in Bibelftellen, willkürlich geändert und aus Luk. 7,
J4 r7jg Oogov, was zur Lazarusgefchichte gar nicht paßt,
eingefetzt. 2. S. 90, 30 TÖ (tev avxov iva /uucoueOu aigov-
fievoi xo aya&ov, xb de ostojg exxgestcö/ie&u stagaixov-
der Schreiber Baanes, teils der Befitzer Arethas der Hand- I ßevoi xb cpavXov xrjg elxbvog M, wahrend die Schluß-
fchrift beigefchrieben hat, find am Schluß des Bandes J*«1**, in P lauten: siagaixovfievoi xb üaxegov. Auch
S. 293—340 korrekt abgedruckt; außerdem ift ihnen ein
forgfältiges Stellen-, Namen- und Wortregifter S. 341—351
beigefügt, ein vortreffliches Hilfsmittel für jeden Benutzer
der Scholien.

Für den Text des Paed, kommen außer P da, wo in

hier liegt, wie ich glaube, eher eine willkürliche Ver-
befferung in F, als die Lesart einer fonft unbekannten
von P unabhängigen HS vor. Denn die Lesart von M (P)
ift m. E. nicht zu beanftanden, vgl. S. 95, 10 f., und auch
der Schreibweife des Clemens entfprechend, vgl. z. B.
P jetzt 5 Quaternionen fehlen, die zwei vor diefem Ver- I S. 94, 28 f. 3. S. 92, 5 f. (Das befte ift nicht fündigen,
luft von P abgefchriebenen Codices Mutin. III D 7 s. X/XI das zvveitbefte ift nicht bewußt fündigen) xgixov (de xb)
(= M) und Laur. V 24 s. XII (= F, enthält nur Paed.) m Jtavv noXJ.olg xcbv axovöicov jieputeöelv, bsteg Idiov
in Betracht. Beide HSS. find unabhängig von einander, ; Jiaiduymyovjiivmv evyevoög. So Stähhn nach F, nur daß
ihr Zufammenftimmen ergibt alfo für Paed. I 1—96 i F wieM de xo ausläßt; M lieft ftatt xgixov: xal xb und
(S. 89—147, 6 der Ausgabe) die Lesart des Archetypus P. ftatt osteg idiov: xgixov de bsteg idibv xt. Der Schreiber
Da ferner M im Gegenfatz zu F eine fehr forgfältige und ! von M gibt offenbar auch hier feine Vorlage P getreutreue
Abfchrift von P ift (S. XXVII. XXX. XXXIX), To ; lieh wieder, diefe aber ift unklar und fehlerhaft gewefen.
wird man bei Differenzen zwifchen M und F annehmen Sie hat vermutlich im Text xal xb und am Rand als
müffen, daß M und nicht F die Lesart von P bewahrt hat. 1 Korrektur 7p xgixov de geboten. F hat diefe Korrektur
Nun betont aber Stählin S. XXX, daß viele Varianten an der richtigen Stelle mit Auslaffung von de, M aber
zwifchen F und M am Anfang des Paed, einen anderen j eine Zeile tiefer an falfcher Stelle eingefetzt. ö>o kommen
Charakter als fpäter zeigten, und fucht, da dort mehr- | wir auch hier ohne befondere Hilfsquelle von F aus. Ref
fach F eine beffere Überlieferung neben M verträte, dies j hat alle Stellen, wo nach Stählins Apparat F von M im
daraus zu erklären (S. XXXI), ,daß die aus P flammende j erften Buche des Paed, abweicht, genau geprüft und

*