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Ausgabe:

1905 Nr. 18

Spalte:

497

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Jacobi, Max

Titel/Untertitel:

Das Weltgebäude des Kardinals Nikolaus v. Cusa 1905

Rezensent:

Elsenhans, Theodor

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497

Theologifche Literaturzeitung 1905 Nr. 18.

498

AugufHnismus hatte zuteil werden laffen, mußte in der
Folgezeit wieder aufgehoben werden, und daraus erklären
fich auch die wirtfchaftlichen Erfcheinungen. Sommerlad
hat mehr Wert darauf gelegt, die kirchlichen Ideen, die
den wirtfchaftlichen Erfcheinungen zugrunde liegen, aufzuzeigen
, als diefe felbft im einzelnen darzulegen; auch
befchreibt er nicht die Ausbreitung der Kirche in dem
behandelten Zeitraum und ihre dadurch bedingte wirt-
fchaftliche Tätigkeit. Aber dafür werden wir dadurch
entfchädigt, daß er immer den Blick gerichtet hält auf
die allgemein-gefchichtliche Entwickelung. Und das
macht diefen Band fehr anziehend. Als die zwei Glanz-
leiftungen, die die deutfche Volkswirtfchaft in diefem
Zeitraum zu einem wefentlichen Teile der Kirche zu verdanken
hat, werden aufgewiefen: die Mobilifierung des
Grund und Bodens in der Zeit der Karolinger und die
Anfänge einer Mobilifierung des Edelmetallgeldes in den
Zeiten der fächfifchen Kaifer. S. legt dar, welch' be-

der predicanten tho Munfler. — 2. Van erdeflcher unnde tytliker
gewalt. Bericht uith Gotlyker fchryfft.

Dem verdienten Herausgeber von Kerffenbrochs Wiedertäuferchronik
, dem Biographen Johanns von Leiden
und Bernhard Rothmanns, Detmer war es nicht befchie-
den, feine Abficht einer vollftändigen Ausgabe von Rothmanns
Schriften zu verwirklichen. Nur die ,Bekenntniffe
van beyden Sacramenten' hatte er noch für den Druck
fertig gcftellt, als ihn der Tod am 25. Jan. 1904 abrief.
Jetzt wurde von der Gefamtausgabe Abftand genommen,
da für 3 Schriften Rothmanns Neudrucke des 19. Jahrh.
vorliegen. Diefer Entfchluß ift zu bedauern, denn nur
von der ,Reftitution' gibt es eine handliche, befriedigende
Ausgabe von Knaake (Halle, Niemeyer 1888), das Büchlein
,Von der Rache' muß man bei Bouterwek, Zur Literatur
und Gefchichte der Wiedertäufer (Bonn 1864) fuchen,
während das ,Von Verborgenheit der Schrift des Reiches
Chrifti' von Hochhuth (Gotha 1857) herausgegeben ift.

deutenden Anteil die Kirche an dem Aufkommen der Dagegen hat fich Archivar Krumbholtz in Münfter ent

Geldwirtfchaft gehabt hat. Meinem Verftändnis wäre
der Verfaffer mehr entgegengekommen, wenn er als den
Zentralpunkt, um den fich feine Ausführungen gruppieren
, nicht den Auguftinismus hingeftellt hätte, fondern
das, was ich den asketifchen Gedanken (oder die negative
Stellung zur Welt) nennen möchte. Je nachdem
diefer an Boden gewinnt oder verliert, ergeben fich die
Probleme auch für die Gefchichte der wirtfchaftlichen
Tätigkeit der Kirche. Freilich fpielt ja auch im ,Auguftinismus
' das asketifche Element eine große Rolle.
Halle a. S. Gerhard IHcker.

Jacobi, Dr. Max, Das Weltgebäude des Kardinals Nikolaus

V. Cusa. Ein Beitrag zur Gefchichte der Naturphilosophie
und Kosmologie in der Frührenaiffance. Berlin,
A. Kohler 1904. (V, 49 S.) gr. 8° M. 1.20

Die vorliegende kleine Schrift will ,eine kurze, nicht
nur für Fachkreife beftimmte Erörterung der naturhifto-
rifchen Verdienfte des gewandten Kirchendiplomaten'geben
und fchildert zuerft das Leben des Cufaners in kurzem
Überblick, dann ,fein Weltgebäudc', wobei ein Umriß feiner
philofophifchen Lehren vorausgefchickt wird (S. 7ff.). Die
dabei gegebenen Andeutungen über die in diefem eigenartigen
Übergangstypus fich kreuzenden Einflüffe, wie auch
die Darfteilung feiner Philofophie, ift doch, auch wenn
man den befchränkten Zweck der kleinen Schrift in Be-

tracht zieht, gar zu di^^wübv&W^ Dagegen | Matthys^nd dem ^ütekö^'l&k« he^örgehoben

fchloffen, der Bearbeitung der Bekenntniffe durch Detmer
die noch ungedruckte letzte Schrift Rothmanns ,Van
erdeffcher unnde tytliker gewalt' beizugeben und eine
Einleitung vorauszufchicken, in welcher er den Boden
unterfucht, auf dem das Täufertum in Münfter erwachfen
ift. Er gibt zuerft einen Überblick über die politifchen,
geiftigen und fozialen Strömungen vor der Reformation
des 16. Jahrhunderts, wobei die Kellerfche Hypothefe
von den Altevangelifchen mit Stillfchweigen übergangen
ift, wie auch W. Köhler in feinem Art. ,Die Wiedertäufer
in Münfter' RE 13, 540 keine Rückficht mehr darauf
nimmt. Dann gibt er eine kurze Darftellung der Reformation
in ihren verfchiedenen Schattierungen und des Kampfs
mit den Wiedertäufern und beleuchtet weiter die kirchlichen
und fozialen Bewegungen in Münfter vor Rothmanns
Auftreten, wobei er fich mit Tibus auseinanderfetzt
, der die Richtigkeit des von Cornelius in dunkeln
Farben gezeichneten Bildes des Klerus im weltlichen
Deutfchland beftritten hatte. Zuletzt behandelt er Rothmanns
religiöfe Entwicklung, feine Schriften und ihren
zeitgefchichtlichen Hintergrund in Münfter. Die ganze
Einleitung beweift eine fchöne Sachkenntnis und ein
nüchternes Urteil. Ref. hätte gewünfeht, daß der Mangel
an Befonnenheit und hiftorifchem Sinn, an richtiger Würdigung
der heiligen Schrift, von welcher die fünf Bücher
Mofes und die Propheten die wichtigften Stücke für
Rothmann find (LXIV), und an Fertigkeit gegenüber von

geben die Ausführungen über die Erdbewegung im Welt- wäre. Aber zuzugeben ift Krumbholtz, daß Rothmann
fyrteme des Cufaners, über feine Anteilnahme an den >ein ehrlicher Fanatiker' war. Es ift auch nicht zu ver-
Reformbeftrebungen zur Verbefferung des juhanifchen kennen, daß feine Bekenntniffe von beiden Sakramenten
Kalenderfyftems, über feine Artrophyfik und Kartographie, eine tüchtige Leiftung find, welche den Standpunkt der
Erdphyfik und Mathematik unter reicher Benutzung der Täufer befonders der Kindertaufe gegenüber fehr geLiteratur
eine bequeme Zufammenftellung vieler Einzel- , wandt vertreten, während die letzte Schrift Rothmanns

heiten aus dem Weltbild des philofophifchen Kardinals,
deren Lektüre nur durch eine Überfülle von, teilweife auch
gewagten, Bildern (z. B. ,Was Wunder, daß er zwar das
gelobte Land fehen, es allen Erleuchteten weifen konnte,
aber felbft noch nicht die Elaftizität befaß, völlig über
den Rahmen der Zeit hinauszufchnellen', S. 13) etwas beeinträchtigt
ift. Das in Ausficht geftellte ausführlichere ! cobum fratrem Domini Kufino Torano Äqiäleicnse inter

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doch ganz ein Kind des Augenblicks und der aller Gefchichte
hohnfprechenden, Rache fchnaubenden Schwarm-
geifterei ift, die fich hinter die Vifionen Daniels verfchanzt
Der Text und Kommentar der .Bekenntniffe' ift befriedigend
. S. 71 hätte Z. 28 eine Erläuterung bedurft. Rothmann
beruft fich hier auf Kecognitionum libri X ad Ia-

Werk des Verf. ,Die Weltanfchauung des Nikolaus Cufanus'
verfpricht wertvolle Beiträge zum Verftändnis diefer viel-
geftaltigen Gedankenwelt zu liefern.

Heidelberg. Th. Elfenhans.

[Bernhard Rothmann.] Zwei Schriften des Münsterschen
Wiedertäufers Bernhard Roth mann. Bearbeitet durch
Oberbiblioth. Dr. Heinrich Detmer (|) und Staats-
Archivar Dr. Robert Krumbholtz. Mit einer Einleitung
über die zeitgefchichtlichen Verhältniffe. Dortmund
, F. W. Ruhfus 1904. (LXX, 132 S.) gr. 8°

1. Bckenntuifie Vau beyden facramenteu, doepe unde nachtmaele,

.---- ............... HttC I "

prete. Cui accedit non poenitenda epistolarum pars vetus-
tissimorum episcoporum, gut ab liinc annis 1200 Romanac
ecclcsiac praefuerunt (a lo. Sichardo illustratd) Basilcac
(1526).

Schwierig war die Edition der letzten Schrift
Rothmanns, die in einer mannigfach fehlerhaften Ab-
fchrift erhalten ift, und von welcher noch dazu ein Stück
fehlt, weil der Abfchreiber wahrfcheinlich ein Blatt des
Originals in der Eile überfchlagen hat. Krumbholtz bietet
einen vielfach verbefferten Text mit wertvollen Erläuterungen
. Hier noch einige Vorfchläge. S. 87 Anm. darf
wohl an Dan. 8 u erinnert werden. S. 88 Z. 6 ift ,funder'
nicht ,feit', fondern fonderliche, wichtige oder auch private.

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