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Ausgabe:

1905

Spalte:

417-418

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Frohnmeyer, Johs.

Titel/Untertitel:

Bilderatlas zur Bibelkunde. Ein Handbuch für den Religionslehrer und Bibelfreund 1905

Rezensent:

Schürer, Emil

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. in Berlin, und D. E. Schürer, Prof in Göttingen.

Jährlich 26 Nrn. Verlag: J. C. HinrichsTche Buchhandlung, Leipzig. Jährlich 18 Mark.

Nr. 15. 22. Juli 1905. 30. Jahrgang.

Frohnmeyer und Benzinger, Bilderatlas zur
Bibelkunde (Schürer).

Efchelbacher, Das Judentum und das Wefen
des Chriftentums (Fiebig).

Adolf Harnack und die Naturwifienfchaft (Harnack
).

Butler, The Lausiac history of Palladius, II.
The greek text (Preuschen).

Schriften des Vereins für fchleswig-holfteinifche
Kirchengefchichte, II. Reihe, III. Bd., 1.—3.
Heft (Cohrs).

Jahrbuch des Vereins für die evangelifche Kirchengefchichte
Weftfalens, J. Jahrg. (Derf.).

Zeitfchrift des Vereins für Kirchengefchichte der
Prov. Sachfen, I. Jahrg. (Derf.).

Kalkoff, Die Anfänge der Gegenreformation in
den Niederlanden (Cohrs).

M saolüiQag, SvuSoXixfj xijg AqS-oSö^ov
avaxoXixnq lxxlr]olag, T. II, 2 (Kattenbusch).

Pioarjq, 2,v0xrj(ia SoyuaxixTjt; T. I (Kattenbusch
).

Seligmann, Judentum und moderne Weltan-
fchauung (Fiebig).

Mitteilungen der Gefellfchaft für deutfche Er-
ziehungs- und Schulgefchichte, begründet von
Kehrbach, 15. Jahrg. 1. Heft (Knoke).

Frohnmeyer, Schulrat Dr., und Dr. J. Benzinger, Bilderatlas
zur Bibelkunde. Ein Handbuch für den Religionslehrer
und Bibelfreund. 501 Abbildungen mit erläuterndem
Text. Stuttgart, Th. Benzinger 1905.
(VIII, 189 S.) 4"- M. 6 —; geb. M. 7.20

Illuftrationen zur Veranfchaulichung der biblifchen
Gefchichte, mit Einfchluß der Realien, hat es bisher teils
in den Bilderbibeln, teils in den biblifchen Wörterbüchern
gegeben. Für das moderne Paläftina kam dazu noch
das fchöne, aber wegen des hohen Preifes nicht allgemein
zugängliche Werk von Ebers, und Guthe. Ein Werk,
welches in fyftematifcher Weife das ganze in Frage
kommende Gebiet umfaßte, fehlte noch. Diefe Lücke
wird durch die Arbeit von Frohnmeyer und Benzinger
in dankenswerter Weife ausgefüllt. Die 501 Illuftrationen
, welche es bietet, erstrecken fich über fünf
Gebiete: I) Zur biblifchen Geographie, 2) Zur Gefchichte
Israels, 3) Zum Kultus, 4) Alltagsleben der alten Israeliten
, 5) Zur biblifchen Naturgefchichte: Tierwelt und
Pflanzenwelt. — Jedem diefer fünf Abfchnitte ift ein erläuternder
Text vorangefchickt (zufammen etwa vierzig
Seiten: I—12, 85—92, 114—117, 133—140, 166—174).
Der Text ftellt in knappfter Form einen Zufammenhang
zwifchen den Illuftrationen her und bietet zur Orientierung
fo viel als für das Verftändnis unerläßlich ift. Die Auswahl
der Illuftrationen darf im ganzen als eine fehr
zweckmäßige bezeichnet werden; die Reproduktion felbft
ift fo gut als bei dem billigen Preife nur irgend erwartet
werden kann. Von den Landfchafts- und Städtebildern
ftehen einzelne zu dem Zweck, der ,Bibelkunde' zu dienen,
kaum noch in Beziehung; auch find nicht alle charakte-
riftifch und typifch. Von der Mehrzahl darf dies aber
doch gefagt werden. Bei ,Samaria' hätten wir gern auch
die Säulenftraße des Herodes gefehen. — Die zweite
Abteilung (,Zur Gefchichte Israels') gibt befonders Abbildungen
nach ägyptifchen und affyrifch-babylonifchen
Denkmälern. Von einigen Denkmälern der römifchen
Zeit (Relief des Titusbogens, römifche Kaiferbüften und
Münzen) wären etwas beffere Nachbildungen erwünfeht
gewefen. — Die wertvollften Abfchnitte fcheinen mir
der dritte und vierte, denn hier find die Abbildungen
zum Verftändnis der Dinge am notwendigften. Wir
möchten daher, fo dankenswert das Gebotene ift, für
eine neue Auflage eine noch reichere Ausftattung diefer
Abfchnitte (unter Verzicht auf manche Landfchaften in
Abfchnitt I) empfehlen. Bei den Kultusgegenftänden
könnten z. B. Abbildungen der Gebetsriemen (Phylak-
terien) und der Mefufa, fowie des Synagogenfchrankes
mit den Gefetzesrollen (etwa nach Garrucci, Storia della
Arte cristiana vol. VI tav. 490) noch aufgenommen
werden; auch Schofar und Lulab mit Ethrog follten

nicht fehlen (Trompeten find S. 163 n. 386 nach dem
Titusbogen gegeben). Als befonders inftruktiv möchte
ich die den ägyptifchen Denkmälern entnommenen Abbildungen
in Abfchnitt IV hervorheben. — Am wenigften
befriedigend find meines Erachtens die naturgefchicht-
lichen Bilder in Abfchnitt V, namentlich die Tierbilder.
Sie find in einheitlichem Stil von einem Künftler gezeichnet
, der wohl die Abficht hatte, das Charakteriflifche
in kräftigen derben Strichen zum Ausdruck zu bringen,
diefer Aufgabe aber nicht gewachfen war. Hier wäre
Erfatz, womöglich nach guten Photographien, wünfehens-
wert. Daß folche für manche Fälle fchwer zu erreichen
find, will ich mir nicht verhehlen.

Nach dem Titel ift das Werk beftimmt ,für den
Religionslehrer und Bibelfreund', alfo nicht direkt zum
Gebrauch in der Schule. Das beruht auf richtiger
Schätzung, denn für den Schüler bietet es zu viel
Specialia; auch kann bei größerer Schülerzahl dem Bedürfnis
der Veranfchaulichung nur durch große Wandtafeln
genügt werden. Aber den genannten Intereffenten
darf es angelegentlich empfohlen werden.

Göttingen. E. Schürer.

Eschelbacher, Rabb. Dr. Jofeph, Das Judentum und
das Wesen des Christentums. Vergleichende Studien.
(Schriften, herausgegeben von der Gefellfchaft zur
Förderung der Wiffenfchaft des Judentums in Berlin.)
Berlin, M. Poppelauer 1905. (VI, 172 S.) gr. 8°

M. 2.50; geb. M. 3 —

Harnacks, Wefen des Chriftentums'hat auch auf jüdifcher
Seite eine Flut von Gegenfchriften hervorgerufen. E.
will diefe jüdifchen Gegenfchriften zufammenfaffen und
möglichft allfeitig auf Harnacks ,Angriffe gegen das
Judentum' reagieren. In 8 Abfchnitten behandelt er
folgende Themata: 1) Das Verhältnis von Judentum und
Chriftentum im allgemeinen, 2) Der gefchichtlichc Zufammenhang
des Chriftentums mit dem Judentum, 3) Die
Lehre vom Reich Gottes in ihrem jüdifchen Urfprunge
und in ihrer chriftlichen Entwicklung, 4) Die Lehre von
Gott dem Vater und dem unendlichen Wert derMenfchen-
feele, 5) Die beffere Gerechtigkeit und das Gebot der
Liebe, 6) Der Gang der chriftlichen Religion durch die
Gefchichte, 7) Uberblick über die jüdifchen Niederlaffungen
außerhalb Paläftinas, 8) Das Chriftentum in feiner felb-
ftändigen Entwicklung. — In dem 1. Abfchnitt fagt E.
S. 19 mit Recht, ,daß, was Harnack als das „Wefen des
Chriftentums" verkünde, etwas ganz anderes fei, als was
nach dem alten Kanon: „quod Semper, ubique, ab Omnibus
creditum est" feit den erften Zeiten des Chriftentums
gelehrt worden ift und noch heute von der ungeheuren

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