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Ausgabe:

1905

Spalte:

321-322

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Laur, P. Elfred

Titel/Untertitel:

Die Prophetennamen des Alten Testamentes 1905

Rezensent:

Bertholet, Alfred

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. in Berlin, und D. E. Schürer, Prof. in Göttingen.

Jährlich 26 Nm. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig. Jährlich 18 Mark.

Nr. 11. ' 2 7- Mai 1905. 30. Jahrgang.

Laur, Die Prophetennamen des Alten Tefla-
mentes (Bertholet).

Lods, Les Israelites croyaient ils & la vie fu-
ture5 (Bertholet).

Walter, Der religiöfe Gehalt des Galater-
briefes (Holtzmann).

Koetfchau, Beitrage zur Textkritik von
Origenes' Johannescommentar. Harnack,
Analecta. Klo Hermann, Ueber des Didy-
mus von AI. in epist. can. enarratio [Texte
und Unterf. N. F. XIII, 2] (E. Kloflermann).

Reil, Die frühchriftlichen Dartlellungen der
Kreuzigung Chrifti (Hennecke).

Leclercq, L'Afrique ch^tienne, 2 tomes (Hennecke
).

Babut, Le concile de Turin (G. Ficker).
Lübeck, Adoniskult und Chriftentum auf Malta
(Schürer).

Frankl, Der Jude in den deutfchen Dichtungen
des 15., 16. und 17. Jahrhunderts (Bifchoff).

Benedicti XIV Papae opera inedita, publ.
Heiner (G. Ficker).

Dechent, Herder und die äfthetifche Betrachtung
der heiligen Schrift (Stephan).

Koppelmann, Kritik des fittlichen Bewußt-
feins (Ritfchl).

Fahrion, Das Problem der Willensfreiheit
(Ritfehl).

Warberg. Religion und Kultur (Lülmann).
Mitteilungen zur jüdifchen Volkskunde, herausg.

von Grunwald, Neue Reihe I, I (Schttrer).
Brann, Gefchichte des jüdifch-theologifchen

Seminars in Breslau (Schürer).

Laur. P. Elfred, S. O. Cifi, Dr. theol., Die Prophetennamen I handelt (denn er hat ftch zum Ziel gefetzt, fie alle zu
des Alten Testamentes. Ein Beitrag zur Theologie des fammenzuftellen, um aus der Kombination der Bedeu

,, ... „ t T7 ;i____„ /e^B„„.i,t TTnivprfifhf« : tungen, die fich ihnen abgewinnen laffen, zur Erkenntnis

Alten 1 eftamentes. rreiburg (ocnweiz), univeriiiars- , , , „ < n ■ r . r . 1

des Wefens der Prophetie emporzuftetgen), find folgende:

2) ntn und mh 3) rrirri tyxbtt 4) rrirT' -73? 5) nsi oder

HB?» (es heißt S. 103' zweimal HEStt) 6) B'ntti» 7) 'pn3
8)'n?'l9) P^rj IO) B",F7*^!J ^ u) D!?P-'

Buchhandlung 1903. (VI, 164 S.) gr. 8° M. 4
,Was R^n: urfprünglich bedeutet, ift verhältnismäßig
wenig wichtig; denn was die Propheten waren, lehren

uns ja die gefchichtlichen Nachrichten deutlich genug. ihrer Etymologie nach wüf der Verfaffe'r diefe Namen

Nicht von diefen fondern von einer Etymologie des | in zwei Klaffen einteilen: ,Nämlich folche Namen, welche
Wortes K"03 bei Beftimmung des Wefens des Prophetis- I eine Rezeption, eine gewiffe Pafßvität in fich fchließen,
mus auszugehen, ift ebenfo herkömmlich als bei diefem j und f0lche, welche eine Äußerung, eine Aktivität, ausSachverhalt
unmethodifch' — diefe Worte Stades zitiert drücken. Bei der erften Klaffe können wir unbedenklich
der Verfaffer gelegentlich (S. 41 f.), und er findet fie 1 folgende Namen einreihen: Seher, Schauer, Späher, Wäch-
etwas kühn. Ich geftehe, daß mir die Lektüre feines ter bei der zweiten Klaffe die Namen: Sprecher, Prüfer,

Buches Stades Urteil nur beftätigt hat. Was ift uns
zum Verftändnis der alten Nebiim, wie fie uns z. B.
I Sam. 10 begegnen, damit geholfen, daß X^aj = der
.Worte Sproffer' (S. 23), fpeziell .Sprecher Gottes' (S. 26)
fein foll? Der Hinweis auf Ex. 7 1 vgl. mit 4 ic ift fchön
und gut, aber zutreffend doch erft, wenn man zugibt,
daß die Nebiim im fpäteren Sinne, die allerdings ,der
Mund Gottes' waren, wefentlich verfchieden find von den

Hirte, Mann Gottes, während wir zunächft die übrigen
Namen der erften oder zweiten Klaffe beizählen können,
je nachdem wir den Knecht in feiner Beeinfluffung durch
feinen Herrn, oder in der Ausführung feiner erhaltenen
Arbeit, den Boten in Beziehung zu feinem Sender, oder
der Ausführung feiner Sendung, den Mann des Geiftes
im Zufammenhange mit dem Geifte oder in der Tätigkeit
zu einem dritten betrachten' (S. 150f.). Im .Manne

Nebiim im alten; und diefes Zugeftandnis bringt nun j Gottes'tritt uns dann noch ein Weiteres entgegen näm-
einmal der Verfaffer, in bewußtem Gegenfatz namentlich lich dje Kraft des propheten, wenn nötig, Wunder zu
zu Krätzfchmar, mit dem er fich eingehend auseinander- | wjrken (S. 152). Die Rezeption befteht im Empfange
fetzt, trotz gewiffen Konzeffionen (vgl. z. B. S. 59) nicht , göttlicher Offenbarung, die Aktivität in ihrer Verkündigung

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über fich; denn mit der Unterfcheidung der DiXiB* resp.
rj^Xinrn 15a einerfeits und des X13D (Laur fagt irrtümlich
S. 61 zweimal irrjrT) K^3, während der nicht vorkommende
construetus lauten müßte!) andererfeits als der beiden
Klaffen der fekundären und der primären Propheten
ift's noch nicht getan. Dem Gewicht der berühmten
Stelle, wo Arnos jede Gemeinfchaft mit X"OD und "J3.

fo daß der Prophet als Prophet fo viel gibt als er als
Seher erhält (S. 151). Sehr wohl; aber man vergleiche
dazu, was wir von den alten Nebiim tatfächlich erfahren,
und es zeigt fich auf's neue, wie ftark es fich rächt, bloß
auf Namen hören zu wollen, wo beftimmte gefchichtliche
Nachrichten deutlich genug fprechen könnten. Aber bei
allem Fleiß und guten Beftreben tritt der Verfaffer mit

Ria: ablehnt, ift der Verfaffer nicht gerecht "geworden. . zu wenig Sinn für die Beweglichkeit der gefchichtlichen

Wehn er dagegen das B"1833ritt (I Sam. ior.) von sK3:r»" I Erfcheinungen an das Problem heran, und gerade in

(I Reg. 1829 vgl. I Sam.' 1810) trennen will (S. 35f.), ; diefer Richtung wird eine Namensunterfuchung am aller-

fo halte ich das für ebenfo willkürlich, wie wenn er das [ wenigften im Stande fein korrigierend zu wirken- denn

Begriffspaar X3:rtt1 53©tt (Jer. 292«) auseinanderreißt
(S. 38—41). Es ift zum minderten naiv, wenn er meint,
die Tatfache, daß die Bedeutung des griechifchen x(>o(pr)T?)c,
der des hebräifchen sra: fchr nahe komme, bilde einen
indirekten Beweis für die Richtigkeit der für JOBS von
ihm angegebenen Bedeutung. Eine Etymologie ift ihm

Namen bleiben, während ihre Träger andere werden
können. Damit komme ich auf den zu Anfang angedeuteten
Widerfpruch zurück.

Störend ift in Laurs Buch eine ziemlich große Zahl
von Druckfehlern in den hebräifchen Wörtern (z. B. S. 12.
17- l8- 33- 38. 61. 121. 124. 131), auch in Zahlen (z. B.

übrigens entgangen, die mir überhaupt zu wenig Beach- i I Sam. 1019 ft: 191», S. 47) und Eigennamen. So ift aus

tung gefunden zu haben fcheint. Julius A. Bewer hat in
The America?! Journal of Sem. Lang, and Ist. XVIII Nr. 2
vorgefchlagen, Nabi zu affyrifchem 833 = ,to carry off,
to tear ■ away violently' zu Hellen, alfo = ,one who is
carried away (hy a supernatural power)'.

Die weiteren Proplietennamen, die der Verfaffer be-

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Benzinger: Benziger (S. 39. 54. 57), aus Riehm: Rhiem
(S. 91 f.) geworden. Giefebrecht wird noch als Greifs-
walder Profeffor aufgeführt.

Bafel. "Alfred Bertholet.

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