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Ausgabe:

1905

Spalte:

257-258

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Lagrange, Marie-Joseph

Titel/Untertitel:

Etudes sur les religions sémitiques. Deuxième édition, revue et augmentée 1905

Rezensent:

Schürer, Emil

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung,

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. in Berlin, und D. E. Schürer, Prof. in Göttingen.

Jährlich 26 Nrn. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig. Jährlich 18 Mark.

Mr. 9. 29. April 1905. 30. Jahrgang.

Lagrange, Etudes sur les religions söinitiques,

2. ed. iSchürer).
Paslack, Exegetifche Bemerkungen zu Matth.

6, 9—13 und Luk. II, 2—4 (Schürer).
Baijon, Commentar op de katholieke brieven

'Carl Clemen).
Baijon, Commentar op den brief van Paulus

aan de Filippiers (Derf.).
Goguel, L'apötre Paul et Jesus-Christ (Holtz-

mann).

Völter, Die Offenbarung Johannis (Holtz-
mann).

Wernle, Die Anfänge unterer Religion, 2. Aufl.
(Schürer).

Bifchoff, Thalmud-Katechismus (Fiebig).
Acta Pauli, herausg. von C. Schmidt, 2. Ausg.

ohne Tafeln (Jülicher).
hovvalnv ieitpava. The letters and other re-

mains of Dionysius of Alexandria ed. by

Feltoe (Jülicher).

Kirchengefchichtliche Abhandlungen, herausg.
von Sdralek, 3. Bd. (Otto Clemen).

Knoke, Dr. Martin Luthers Kleiner Katechismus
nach den alterten Ausgaben (Albrecht).

Diener-Wyß, Calvin (Köhler).

Stange, Theologifche Auffätze (Joh.Wendland).

Houtin, L'americanisme (Lobstein).

Saintyves, La reforme intellectuelle du clergc*
et la libertd d'enseignement (Lobstein).

Nie bergall, Die Kafualrede (Drews).

Lagrange, P. Marie-Joseph, Etudes sur les religions semi-
tiques. Deuxiemeedition, revue et augmentee. (Etudes
bibliques.) Paris, V. Lecoffre 1905. (XVI, 527 p.)
gr. 8"

Das Vorwort der erften Auflage diefer Studien ift
vom November 1902 datiert, das der vorliegenden zweiten
vom Mai 1904. Zwifchen beiden liegt alfo nur'ein Zeitraum
von I lU Jahren. Da über die erfte in der Theol.
Litztg. eingehend berichtet worden ift (1904 Nr. 3), fo
find hier nur die Neuerungen der zweiten hervorzuheben.
Sie find trotz des kurzen Zwifchenraumes nicht unerheblich
. Zwei Abfchnitte find ganz neu hinzugekommen:
einer über die heiligen Zeiten (Les temps sacres p. 275 —
313, § 1 Le calcndrier, § 2 Les fet es) und einer über den
Charakter und die hiftorifche Entwickelung der femitifchen
Religionen überhaupt (p. 438—468, § 1 Physionomic
generale, § 2 Les origincs, § 3 Syncretisme Interieur, § 4
Syncretisme avec l'etranger, influences reeiproques, § 5
Progris 011 decadence, § 6 Dernieres destinees des anciens
religions sen/itiques). Aber auch im übrigen haben zahlreiche
Ergänzungen und Verbefferungen ftattgefunden,
am meiften in dem Abfchnitt über die heiligen Steine
(S. 187fr.) und über das Opfer (S. 247 fr.). Anlaß dazu
gaben namentlich die in den Jahren 19^2—1904 er-
fchienenen neuen Publikationen, welche das Vorwort
p. XIIsq. verzeichnet. Unter den Rezenfionen der erften
Auflage hebt L. die von Baudiffin in der Zeitfchr. der
DMG. 1903, S. 812—837 als befonders wertvoll und lehrreich
hervor. Zu bedauern ift, daß L. die zahlreichen
Artikel Baudiffins zur femitifchen Religionsgefchichte
in der neuen Auflage von Herzog-Haucks Real-Ency-
klopädie, welche ihren Gegenftand jedesmal mit erfchöp-
fender Gründlichkeit behandeln, nicht benützen konnte,
da fie ihm in Jerufalem nicht zur Hand waren. Letzterer
Umftand ift um fo befremdlicher, als dem Verf. fonft die
europäifche Literatur, foweit fie irgend beachtenswert ift,
zur Verfügung geftanden hat und von ihm forgfältig benützt
worden ift.

Lagranges Arbeit will keine erfchöpfende Darfteilung
der femitifchen Religionsgefchichte geben. Sie
bietet nur ,Studien über die femitifchen Religionenindem
fie namentlich die allen gemeinfamen Ideen und
Stoffe behandelt, von den fpeziellen Gottheiten aber nur
die wichtigften zur Illuftration des Gottesbegriffs heranzieht
. Inwiefern dabei theologifche Vorausfetzungen die
Darfteilung beeinflußt haben, ift von dem Rezenfenten
der erften Auflage hervorgehoben worden. Im allgemeinen
aber fleht diefe Arbeit eines katholifchen Theologen
den Forfchungen evangelifcher Theologen und nicht-
theologifcher Gelehrter ebenbürtig zur Seite. Es find die

Traditionen des Altmeifters de Vogüe, die hier noch
lebendig und wirkungskräftig fich zeigen. Wie de Vogüe
fo ift auch Lagrange in erfter Linie Epigraphiker. Er
hat namentlich um die Erforfchung der nabatäifchen
Infchriften von Petra fich wefentliche Verdienfte erworben
. Daß er auch umfaffenderen religionsgefchichtlichen
Aufgaben gewachfen ift, dafür liefert diefes Werk einen
höchft dankenswerten Beweis.

Göttingen. E. Schürer.

Paslack, Paft. H. Ewald, Exegetische Bemerkungen zu
Matth. 6, 9—13 und Luk. 11, 2—4. Ein Vortrag, teilweife
gehalten auf der Fellinfchen Sprengelsfynode
am i.Juni 1904 a. St. Straßburg, J. H. E. Heitz 1905.
(51 S.) gr. 8° M. 2 —

An Selbftgefühl läßt es der Verf. diefer neuen Auslegung
des Vater-Unfers nicht fehlen. Wir erfahren gleich
auf den erften Seiten Folgendes:

,AUe diefe [bisherigen] Erklärungen oder auch nur
die wichtigften unter ihnen hier zu berückfichtigen, halte
ich nicht für geboten, weil mein Standpunkt, von dem
aus ich das Vaterunfer betrachte, ein durchaus anderer
ift, als die Standpunkte es find, von denen aus es bisher
betrachtet worden ift' (S. 5).

,Das Vaterunfer hat meiner Anficht nach folgende
Geftalt, in der es von Chrifto urfprünglich gelehrt worden
ift,_gehabt: LJdxsQ, dyiao&vxco tu ovoua Oov elfttrco
to Jtvevua oov xo ctyiov top' ■q/xäg xdl xairo.piod.xm ?)uäv
xbp dgxop jump xop IpxovOiov [sie] dlöov r//ilp rb xaQ-'
rj/iepaV xdi d(pEqr)ulP xd oepEiXn/iaxa rjucöv, mq xai rjuelq
d<pr)xctUEV xolq ocpßcXExaiq r)ucöp. Das Vaterunfer in der
gegenwärtigen Geftalt beruht auf Veränderungen und Zu-
fät/.en, die es zu dem Zwecke erhalten hat, um es geeignet
zu machen, auch von Chriften als Gebet benutzt
zu werden' (S. 7).

,Das Vaterunfer in feiner urfprünglichen Form wird
fich in allen feinen Teilen als altteftamentliches Gebet
erweifen. Es konnte auch kein anderes fein, weil die
Jünger Jefu damals, als diefer es fie beten lehrte, noch
ganz auf altteftamentlichem Boden ftanden; denn den
heiligen Geift hatten fie noch nicht empfangen, der fie
befähigt oder berechtigt hätte, fich in ihren Gebeten an
Gott in anderer Weife oder in anderem Sinne zu wenden,
als fie das in dem Bunde zu tun berechtigt waren, den
Gott mit feinem Volke Ifrael gefchloffen hatte' (S. 7).

Nach Empfang des heiligen Geiftes aber, alfo nach
dem Pfingftfeft, ,mußte auch das Vaterunfer im chriftlichen
Sinne umgearbeitet werden, um es für neuteftamentliche
Zwecke, alfo für Chriften brauchbar zu machen; denn

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