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Ausgabe:

1904 Nr. 5

Spalte:

139-141

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Gressmann, Hugo

Titel/Untertitel:

Studien zu Eusebs Theophanie 1904

Rezensent:

Ryssel, Viktor

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139

Theologifche Literaturzeitung. 1904. Nr. 5.

140

Überlieferung der Brieffammlung (S. 57—194). Daran I
reihen fich mehrere fehr lehrreiche Anhänge, nämlich
(1) Zur Überlieferung der echten Libelli, (2) Zur Überlieferung
der Opera spuria — ein Abfchnitt von be-
fondrer Wichtigkeit, aus dem wir zum erften Male uns
gründlich über den Eintritt der Spuria in die Sammlung
und ihre Gefchichte zu orientieren vermögen —, (3) Über
echte außerhalb eigentlicher Cypriancodd. überlieferte
Werke Cyprians, (4) Handfchriftlich überlieferte Über-
fetzungen und Kommentare zu Werken Cyprians, (5)
Literaturverzeichnis, (6) Handfchriftenverzeichnis nebft
einer Lifte der verlornen Handfchriften. Gekrönt wird
die ganze Unterfuchung durch drei große Tabellen, die
einen ebenfo unverdroffenen Lefer verlangen, wie es der
Typograph gewefen ift. Die erfte Tabelle ftellt den Inhalt
der Handfchriften in der überlieferten Ordnung dar;
die zweite bietet die handfchriftliche Bezeugung der
Schriften Cyprians; die dritte bringt die Genealogie der
handfchriftlichen Überlieferung.

Eine Skizze der Refultate zu geben, ift ganz unmöglich
; aber man darf fagen, daß über das Chaos nun das
Licht aufgeftrahlt ift. Jedes unnütze Wort ift vermieden.
Der Verfaffer fchreibt knapp und kurz, manchmal fall
zu kurz. Er fchreibt für die Mitarbeiter und fetzt überall
die Kenntnis des bisherigen Standes der Arbeiten
voraus. Man kann das am betten an dem Abfchnitt über
die Chronologie der Briefe ftudieren; hier ift auf nicht
mehr als 10 Seiten (S. 24—33) das gefagt, was dem Verf.
nach Fechtrup, Ritfehl, Benfon und Nelke noch
nötig fchien.

Daß wir eine neue Ausgabe der Werke Cyprians
brauchen, zeigt die Arbeit des Verfaffers wie im Ganzen
fo in vielen einzelnen Ausführungen. Aber die Bedeutung
und der Wert der Härtel lchen Ausgabe fcheint
mir doch unterfchätzt zu fein. Ihre Mängel beurteile
ich nicht anders als der Verfaffer; aber man foll doch
nicht überfehen, welchen Fortfehritt fie gegenüber den
früheren Ausgaben bezeichnet, und daß wir erft durch
fie zu einer Handfchriften-Klaflifikation gelangt find, die
in ganz wefentlichen Punkten richtig ift und auch dem
Verfaffer als Grundlage gedient hat. Es ift aber ferner
nicht zu vergeffen, daß fich die Anforderungen an
patriftifche Ausgaben feit einem Menfchenalter fehr bedeutend
verändert und verfchärft haben: nicht nur den
Aberglauben an führende Handfchriften haben wir aufgegeben
, fondern unfer Auge ift auch gefchärft worden
für Details der Überlieferung (Wortformen, begleitende
Zugaben ufw.), die man früher gering fchätzte. Endlich
verlangen wir vom Editor bei Schriften, die in der Überlieferung
lebendig geblieben find, daß er in dem Wuft
der zufälligen Varianten die Spuren diefes Lebens auffindet
und nachweift. In allen diefen Beziehungen wird
Härtel heute nicht anders denken und dazu mit uns
wünfehen, daß er genauer auf die Bibelzitate Cyprians,
die für die lateinifche Bibel von grundlegender Bedeutung
find, geachtet hätte. Möge v. Soden für die neue
Ausgabe Cyprians fich noch weiter in fo gründlicher
Weife vorbereiten. Sie kann dann in keine beffern
Hände gelegt werden als in die feinen.

Berlin. A. Harnack.

Gressmann, Priv.-Doc. Lic. Dr. Hugo, Studien zu Eusebs

Theophanie. (Texte und Unterfuchungen zur Gefchichte
der altchriftlichen Literatur. Herausgegeben
von Oscar von Gebhardt und Adolf Harnack. Neue
Folge. Achter Band, Heft III.) Leipzig 1903,
J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. (XI, 154 u. 69 S.
gr. 8.) M. 8.—

Das Buch ift eine Vorarbeit für die geplante Textausgabe
der Theophanie Eufebs. Für diefe müffen — was
Lee, der Herausgeber der fyrifchen Überfetzung der

Theophanie, und Mai, der Herausgeber der griechifchen
Fragmente, feinerzeit verfäumt haben — die zahlreichen
Überbleibiel des griechifchen Urtextes mit der aus
der fyrifchen Überfetzung durch Rückfchluß zu eruierenden
Textvorlage des Syrers fortlaufend konfrontiert werden,
weil durch den genauem Nachweis der Grenzen der
Identität bezw. durch Aufzeigung aller Verfchiedenheiten
beider Texte und durch deren Erklärung aus Mißdeutung
oder Verderbnis zugleich der griechifche wie der fyrifche
Urtext beider Werke hergeftellt werden kann. Diefe
mühfame und fchwierige Arbeit, der fich der Verfaffer
gewachfen zeigt, hat alfo von einer Sammlung aller
Refte des griechifchen Urtextes auszugehen. Und zwar
handelt es fich dabei nur zum kleinern Teile um die
bereits erwähnten Fragmente der griechifchen Theophanie
felber; vielmehr ift uns eine viel reichlichere Ausbeute
durch die fchon von Lee nachgewiefenen zahlreichen
Paralleltexte in anderen Werken Eufebs erhalten. So ift
von der Laus Constantini mehr als die Hälfte in den
drei erften Büchern der Theophanie enthalten; das dritte
Buch der Demonstratio evangelica deckt fich faft ganz
mit dem fünften der Theophanie, aber auch das vierte
findet fich, wenngleich nur teilweife, wieder, und in den
Präparationen find die im zweiten Buche der Theophanie
eingefchobenen Citate aus fremden Schriftftellern enthalten
. Diefe an fich gewiß merkwürdige Tatfache kann
bei der bekannten Vorliebe Eufebs, fich felber auszu-
fchreiben, nicht allzufehr überrafchen; fie erklärt fich aber
fpeziell bei der Theophanie aus der Abficht des Verfaffers,
gewiffermaßen feine Dogmatik fyftematifch darzuftellen.
Auch ergibt eine Vergleichung der verfchiedenen Schriften,
daß die Theophanie nach der Praeparatio und der
Demonstratio evangelica, aber vor der Laus Constantini
gefchrieben ift, welche Schlußfolgerung im Zufammen-
halt mit einzelnen hiftorifchen Anfpielungen innerhalb
der Theophanie felber die Abfaffung auf das Jahr 333
anzu fetzen rät.

Während nun die Bemühungen Greßmanns, für noch
mehr Stellen der Theophanie griechifche Paralleltexte
aufzufinden, nur eine dürftige Nachlefe bot, befteht das
Hauptverdienft feiner Arbeit darin, daß er eine genaue
Vergleichung Wort für Wort anftellt und an beiden
Texten ftrenge philologifche Kritik übt. Diefe text-
kritifche Arbeit ift aber überhaupt erft durch die Her-
ftellung eines kritifchen Textes der Laus durch Heikel
(im 1. Bande der von der Kirchenväter- Kommiffion
herausgegebenen Werke Eufebs, Leipzig 1902) möglich
geworden, wogegen eine Textausgabe der Theophanie
nach dem Erfcheinen der Praeparatio und der Demonstratio
evangelica möglich fein wird. Wie methodifch nun der
Verf. bei feiner Arbeit vorgegangen ift, beweift die Tatfache
, daß er eine Inhaltsangabe und Charakteriftik der
Theophanie zur Förderung der Exegefe und befferen
Erkenntnis des Zufammenhanges der eigentlichen Bemühung
um die Herftellung des urfprünglichen Textes
vorausfehickte und ein fyrifch-griechifches Wortregifter
anfertigte, das auf Grund der griechifchen Paralleltexte
die Ausdrucksweife des fyrifchen Überfetzers fixiert und
fo für die fehr fchwierigen Teile der Theophanie, wo
das griechifche Original fehlt, wertvolle Dienfte leiftet.
Auf Grund diefes Gloffars und einer noch anzufertigenden
Regiftrierung der Eigenarten des fyntaktifchen Ausdrucks
des Syrers, insbefondere der Art feiner Wiedergabe des
griechifchen Periodenbaues, wird es auch gelingen, eine
deutfehe Lberfetzung des fyrifchen Textes anzufertigen.
Das von Greßmann S. 49 ausgefprochene Bedenken,
man werde nur feiten die Gewähr haben, daß man richtig
verftanden bezw. überfetzt habe, muß fich bei forgfältiger
Ausnutzung diefer Hilfsmittel auf die Stellen befchränken
laffen, wo entweder ein Mißverftändnis des Syrers oder,
was noch häufiger vorkommt, eine innerfyrifche Textverderbnis
vorliegt. Wo dagegen diefe Hinderungsgründe
bei der Wiedergabe des Sinnes und Zufammenhanges