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Ausgabe:

1904 Nr. 4

Spalte:

116-120

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Doumergue, Emile

Titel/Untertitel:

Jean Calvin. Les hommes et les choses de son temps. Tome II 1904

Rezensent:

Lobstein, Paul

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115 Theologifche Literaturzeitung. 1904. Nr. 4. 116

Vorwort) eines langjährigen Aufenthalts an Ort und Stelle
bedarf, um zu einem maßgebenden Urteil über Land und
Leute des Orients zu gelangen. Und endlich, was den
Wert der mündlichen Erkundigungen belangt, fo ift es
doch menfchlich, den Fremden im gewünfchten Sinne die
eigne Kirche erfcheinen zu laffen. Daß namentlich die
Griechen hievon eine Ausnahme machen, habe ich in

mifchen, die diefen Teil durchziehen. Ich habe meine
Stellung zu diefem vortrefflichen Werk genommen, als
ich dasfelbe in diefer Zeitfchrift Jahrgang 1891 Nr. 9, 1892
Nr. 3, 1893 Nr. 1 anzeigen durfte. Ich habe immer mehr
die Überzeugung gewonnen, daß Kattenbufch den Geift
der orthodoxen Kirche wirklich erfaßt und ihm zu einem
wahren Ausdruck verholfen hat. Daß man im Einzelnen

meinem mehr als fechsjährigen Aufenthalt im Orient nicht | andrer Meinung fein kann, tut dem nicht Abbruch. Auch
beobachtet. Faffe ich das Gefagte zufammen, fo find die Beths Ausführungen bieten im Einzelnen viel Beachtens-
Fartien des Werkes m. E. wertvoll, wo Verfaffer aus den wertes und find immer anregend zu lefen. Im allgemeinen
objektiven Quellen darftellt. Und deren hat er viele i fcheint er mir, wie gefagt, der orthodoxen Kirche zu viel
benutzen können. Das Übrige ftellt nicht das Wefen der moderne Ideen anzudeuten. So kann ich ihm darin nicht
orthodoxen Kirche — auf diefe befchränken fich meine 1 folgen, wenn er die Co?ifessio orthodoxa etc. nach Mesoloras
Bemerkungen —, fondern mehr oder weniger die religiöfe [ Vorgang wieder zu den fymbolifchen Büchern der grie-
Meinung der aufgeklärten Kreife der Griechen dar. M. E. ; chifchen Kirche rechnet (S. 277). Ich freue mich, daß
haben wir zur Zeit nicht mehr Symboliken der orthodoxen auch Loofs in feiner Symbolik fich dahin erklärt hat.
Kirche nötig, fondern eine Gefchichte der orientalifchen Ebenfo wenig kann ich ohne weiteres anerkennen, daß
Kirchen in der neueren Zeit, die die Quellen des Abend- j das alte Dogma von der Menfchwerdung des Logos feine
und Morgenlandes kritifch verwerthet. Aber für diefe 1 alte dominierende Stellung zu Gunften der Opfertheorie
find noch nicht die genügenden Vorarbeiten gefchaffen. 1 in der Euchariftie aufgegeben hat (S. 280). Man wird zu
Gehe ich zur Besprechung der Einzelheiten über, fo warten haben, bis die Kirchenregierung von Konftantinopel
hebe ich aus dem erften Teile anerkennend z. B. die treff- 1 einmal in diefer Sache genötigt fein wird zu reden, dann
liehen Ausführungen über das bulgarifche Schisma, die ] werden die alten Töne wieder klingen, ebenfo wie jetzt
Frage nach dem Befitz der Klöfter, über den Streit der in der Frage nach dem Recht des Bibellefens der Laien
Konfeffionen um die heiligen Stätten hervor. Zwar hätten und der Bibelüberfetzung der Patriarch Joakim und feine
auch hier wohl ältere Quellen benutzt werden können, j Leute den Gedanken der griechifchen Kirche wiederge-
wie fie namentlich von Papadopulos Kerameus u. a. zu- ; funden haben (S. 375), den Dofitheos von Jerufalem vor
gänglich gemacht find. Auch mit den Darftellungen der ' 2 Jahrhunderten zuletzt ausgefprochen hat [Confessio
Verfaffungen bin ich im allgemeinen einverftanden. Aber
wo Verfaffer auf ältere Daten zurückgreift, ift die Sache
doch mehrfach unficher. Z. B. ift die AiöaCxaltu jtatQixrj
des Patriarchen Anthimos (übrigens nicht von Konftantinopel
, fondern von Jerufalem), auf die Verfaffer S. 6
wohl anfpielt, entweder gefälfeht oder unter dem Druck
der Türken gefchrieben, alfo für die dortige Beweisführung
nicht brauchbar. ,Günftige Bedingungen für geiftige Reg-
famkeit' haben die Türken den Griechen bei der Eroberung
des Reichs fchon darum nicht geladen, weil fämt-

Dosithei bei Kimmel, monumenta fidei eccl. Orient. I. S. 465).
Lebhaft polemifiert Beth auch gegen den Gedanken, daß
der Priefter in der orthodoxen Kirche befondern Charakter
den Laien gegenüber habe. Aber die Gebete bei der
yiiQOTOvia verleihen dem orthodoxen Priefter die yap'c xov
jtavaytov xvevßaxog (Euchologion. Ausgabe von Venedig
1851 S. 163 und fonft), ebenfo wie der römifche Priefter
durch den ürdinator den heiligen Geift empfängt. Ich
gebe aber zu, wie ich auch Kattenbufch gegenüber feiner
Zeit feftgehalten habe, daß das Altevangelifche in der
liehe Schulen zerftört wurden (S. 7). Die Rechte der I orthodoxen Kirche das Ethifche bei dem orthodoxen
Patriarchen dem Sultan gegenüber find nach dem, was Priefterftande mehr zur Geltung kommen läßt. Über die
darüber bekannt ift, doch minimal gewefen. Auch die j Beichte habe ich in den G. g. A. 1898 Nr. 11 eine Reihe
Regelung diefer Rechte unter Patriarch Samuel (S. 9), j von Stellen aus neueren orthodoxen Schriftftellern ange-
deffen Regierungszeit übrigens nicht richtig angegeben « führt, die das Katholifierende bei diefem Sakrament darwird
, ift keineswegs bis jetzt gefchichtlich ficher. Was i legen. Heute verweife ich außerdem auf Sakellaropulos
Verfaffer fagt, entflammt den Forfchungen des Konft. j a. a. O. S. 448. Ebenfowenig bin ich mit Beth in der
Ükonomos, neuerdings macht Gedeon ganz andre Auf- | Geringfehätzung des Mönchthums einverftanden. Auch
Heilungen darüber. Die Ausfuhrungen des Verfaffers über ein moderner Schriftfteller wie Beth, Alfred Schmidtke fagt
die Verfaffung der orthodoxen Kirche habe ich an Stich- in feinem ,Klofterland des Athos' Leipzig 1903, daß das
proben nachgeprüft. Da ift z. B. aufgefallen, daß die I Mönchtum feiner Kirche eine vergeiftigte von Hierarchie
Darftellung der Eigenfchaften des zu wählenden Patri- i und gottesdienftlichen Aufführungen befreite Frömmigkeit
archen (S. 21) nicht genau mit der maßgebendem Quelle, | erhält (S. 165). Es unterfchätzt Beth auch die Gebräuche des

den yevixol xavoviGßol harmoniert. Es fehlt fchon die
allgemeine Beftimmung, daß der Patr. ex tov OvvöXov

Fadens, des Kerzenweihens, befonders aber den Heiligenkultus
und den Wunderglauben in der orthodoxen Kirche.

xcbv IsQaQXOJv genommen werden darf und am Ende die Doch verbietet der Raum, auf diefe Dinge weiter einzu-
Angabe der politifchen Eigenfchaften des Kandidaten, | gehen. Nur darf ich mit meinem Widerfpruch nicht zu-
die ganz gewiß nicht ohne Bedeutung find. Es ift ja j rückhalten. Im Übrigen aber will ich damit fchließen, auch

für diefe Ausführungen zu erklären, daß fie jeder mit In-
tereffe lefen wird.

Hannover. Ph. Meyer.

fchwer, gefetzliche Beftimmungen genau darzuftellen. Man
wird leicht weitläuftig oder zu kurz. Es hätte fich immerhin
empfohlen, mehr auf den Wortlaut zurückzugehen. Die
Angabe über die Rechtsbefugniffe des Patriarchen, daß
fich folche ,lediglich auf familiäre Rechtsfragen' (S. 25)
erftrecken, kann man wohl nicht billigen. Vielleicht hätte I Doumergue, E., Jean Calvin. Les hommes et les choses de
dem Verfaffer hier ein modernes Kirchenrecht wie das ; son { tome jj. Les premiers essais. Lausanne

von Sakellaropulos, Athen 1898 geholfen, der fich hier- j Jr n .. , ,-.Tr „ „ .
über an mehreren Stellen auslaßt. Bei der Darfteilung der j G. Bndel. (XII, 815 p. gr. 4.) M. 24.-

Verfaffung von Hellas wäre wohl die xQiaxovxaexnQiq i Nach verhältnismäßig kurzer Zeit ift der zweite Band
exxXvoiaöxixrj des Konft. Oekonomos zu benutzen gewefen. j diefes großartig angelegten und prächtig ausgeftatteten
Diefe gibt eine große Reihe von Quellen. Im Übrigen Werkes erfchienen. Während der erfte Band (Th. Lztg.
will ich gern noch einmal erklären, daß Verfaffer in an- j 1900, Nr. 15) das Leben Calvins bis zur Herausgab«
regender Form in diefem Teil viel Gutes geboten hat. i der Institutio in ihrer Urgeftalt zur Darftellung brachte,
Für den zweiten Teil fchicke ich voraus, daß ich keine j fchildert das vorliegende Buch Calvins Leben bis zur
Veranlaffung habe, mich in die fortgehenden Auseinander- ; Rückkehr des Reformators nach Genf; es umfaßt fomit
fetzungen mit der Konfeffionskunde von Kattenbufch zu ; eine Zeitdauer von 5—6 Jahren, und führt den Titel Les