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Ausgabe:

1904 Nr. 25

Spalte:

687

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schulthess, Friedericus

Titel/Untertitel:

Lexicon syropalaestinum 1904

Rezensent:

Schwally, Friedrich

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687

Theologifche Literaturzeitung. 1904. Nr. 25.

688

Schulthess, Fridericus, Lexicon Syropalaestinum. Adiu-
vante Academina Litterarum Regia Borussica. Bero-
lini MCMIII, in aedibus G. Reimer. (XVI, 226 p.
Lex. 8.) M. 10.— ; geb. M. 12.—

Das Erfcheinen meines Idiotikon des chriftlich-
paläftinifchen Aramäifch, das ich im Winter 1892/3
ausarbeitete, fiel in eine fehr ungünftige Zeit, indem von
da an, befonders durch das Verdienfi zweier gelehrter
englifcher Frauen, Dr. Agnes Smith Lewis und ihrer
Schweiler Margaret D. Gibbon, eine große Reihe neuer
und umfangreicher Texte bekannt wurden. Es war deshalb
ein entfchiedenes Bedürfnis, diefe neuen Texte
lexikalifch aufzuarbeiten und diefes Material mit dem
alten zu vereinigen. Schultheß hat fich diefer Aufgabe
mit Gefchick und Sorgfalt unterzogen. Nach der
fprachwiffenfchaftlichen Seite hat er fich, wahrfcheinlich
um den Umfang des Buches nicht zu fehr anfchwellen
zu laffen, große Befchränkung auferlegt. Um fo weniger
kann es meine Aufgabe fein, hier an ihm Kritik zu üben.
Ich bemerke nur, daß nm ,Worffchaufel' nicht zu arab.

fondern zu affyr. rahahu gehört.
U- Die paläftinifch-aramäifchen Texte find befonders
wichtig für das Griechifch der auf ein femitifches Original
zurückgehenden Stücke des Neuen Teftamentes.
Während die ältere Forfchung bei jeder Abweichung
von der klaffifchen Gräzität fofort einen Hebraismus
witterte, find viele Neuere in ein anderes Extrem verfallen
und wollen alles aus dem Vulgärgriechifchen erklären
. Im Grunde ift das eine fo verkehrt, wie das
andere. Möge diefe erfreuliche Publikation dazu beitragen,
auch hier Wandel zu fchaffen.

Gießen. F. Schwally.

Kugener, M. A., Vie de Severe par Zacharie le Schola-
stique, texte syriaque publie, traduit et annotd par

M.-A. Kugener (Patrologia Orientalis, Tome II. ' und dagegen vieles ergänzt und vcrbeffert, fo_ daß

Köstlin, Julius, Martin Luther, fein Leben und feine
Schriften. Fünfte neubearbeitete Auflage, nach des
Verfaffers Tode fortgefetzt von Prof. u. Konfift.-Rat
D. Gufiav Kawerau. Zwei Bände. Berlin 1902/3,
A. Duncker. (XVI, 797 u. XII, 728 S. gr. 8.)

M. 10.—; geb. M. 12.—

Mit gemifchten Gefühlen nimmt man Köftlins Stan-
dardwork zur Hand. Schmerzlich ifts zu fehen, wie Köft-
lin, der mit zäher Energie die Neubearbeitung feiner
Theologie Luthers vollendet hatte, allmählich die Kräfte
bei der zweibändigen Biographie des Reformators verfugten
, und er drei Tage vor feinem Ende die Arbeit
aufgeben mußte, ohne weiter in feiner Revifion gekommen
zu fein, als zur Rückkehr Luthers nach Wittenberg
. Es blieb ihm erfpart, fich noch mit dem Schmutz
und den Anklagen in Denifles Luther befchäftigen zu
müffen, aber zu bedauern ift, daß Köfllin nicht mehr
felbff mit der ihm eigenen Ruhe und Klarheit den ungerechten
Richter abfertigen konnte. Auf der andern
Seite freuen wir uns, daß Kawerau es übernahm, die
unterbrochene Arbeit weiterzuführen. Denn niemand
war dazu mehr berufen, als er, der Köftlins ganze Art
und feinen Geift verftand und zugleich den Stoff be-
herrfchte, der feit dem erften Erfcheinen des Werks 1883
ganz ungemein gewachfen war, wie Kawerau im dritten
Teil des Handbuches der Kirchengefchichte von Möller
bewiefen hatte. Die Arbeit Kaweraus fetzt S. 508 des
erften Bandes ein. Doch konnte er in den Anmerkungen
auch zu diefem Teil des Werkes noch wertvolle Nachträge
und Verbefferungen geben. Vergl. zu S. 250, 403,
420 (Luthers Schlußwort in Worms in einer Wolfen-
büttler Handfchrift), 457, 494. Aber die folgenden Zweidrittel
des Ganzen find von Kawerau ganz durchgearbeitet
und revidiert. Köfllin hatte fchon da und dort
gekürzt, wie z. B. in fehr fiarker Weife in der Einleitung

Fascicule 1). Paris 1903, Firmin-Didot et Qe- (115 S.
gr. 8.)

Um die Publikation kirchenhiftorifch wichtiger fyri-

Kawerau die Richtlinie gegeben war, in der Köfllin
weiter gearbeitet hätte, wenn er gekonnt hätte. Jetzt
liegt das Werk fo vor, daß es noch lange das unentbehrliche
Nachfchlagebuch für die Forfcher bilden wird,

fcher Quellen haben fich in den letzten Jahrzehnten be~ zumal Kawerau in der Vorrede noch die neuefte von
fonders franzöfifche Gelehrte verdient gemacht. Von ihnen | ihm nicht mehr benutzte Literatur angegeben hat.

ift auch das großangelegte Quellenwerk der ,Patrologia
Oricntalis' begründet worden, von deren zweitem Bande
die vorliegende Vita des Severus von Antiochien (a. D.

Der nicht geringfte Vorzug des Werks liegt einer-
feits in feiner Vollfländigkeit, wie z. B. Kolde fie in

die voruegenae vna aes Severus von ^nuoemen ja.ju. feiner Biographie bei dem befchränkten Raum nicht er-
512-518) durch feinen Stud^ upd fa der treff]ichen Analyfe von

lafticus, den erften Teil bildet. Der Text war fchon , Luthers Schriften, andererfeits in den reichhaltigen An-
früher von M Spanuth, Gottingen 1893, herausgegeben j merkunge deren Zuverläffigkeit von Kawerau überall
und[einige Jahre fpater von dem unermüdlichen Abbe j neugeprsuft wurde. Gerade diefe Anmerkungen ermög-
M. Nau uberfetzt worden. Kugener ift es nun gelungen, 1 ]ichen'es auch jüngeren Gelehrten, in die Lutherforfchung

die Uberfetzung in fehr verbefferter Geftalt vorzulegen
und auch den Text an einigen Stellen zu emendieren,
wobei ihm feine ausgezeichnete Kenntnis des patriftifchen

einzutreten und mitzuarbeiten. Beide Vorzüge beleuchtet
ein Vergleich mit der fchönen zweibändigen Biographie
Zwingiis von Stähelin, bei deren Benutzung

Griechifch - denn die Vita ift aus dem Griechinnen über- ma* doch immer wieder füf dag Detajl auf den ^
{<*2t~ §ute. -enfte leiftete. Freilich hat auch er nicht Mörikofer zurückgreifen muß, während der Apparat der
alle Schwierigkeiten beteiligen können Das ratfelhafte ; Anmerkun 7en außer den ganz wenigen Quellennach-
rt^ttWnsp S,35 muß nach dem Zufammenhang Ex- | weifungen fehlt. Die Bereicherung läßt fich allenthalben

tr/.i rtt it'iTon I _ I • /-> /H nfton^ bovine hnon /<o Ati^nr Borrr Alnw - 0 ___ _ _ 0 _ _ ___

tremitäten, Gliedmaßen' bezeichnen. Vielleicht liegt eine
Verderbnis aus "pmnpN = axQcoxrjQia vor, wenn

erkennen. Hier fei nur verwiefen auf das von Köfllin
felbft erweiterte Kapitel ,Luthers Romreife und Rück-

nicht gar ein koptifches Wort S. 12 ift die Phrafe ; kehr nach Wittenberg' und auf die reichen Angaben
pm KbW *t»m ttTTW falfch wiedergegeben durch ; über die Tifchreden | 4? ff füf welche immer neue
Mir style brillant et travaz/le1 ^Ratt durch ^eganz ihres ( Sammlungen zu Tage gefördert werden, die uns Luther,
Stiles und ihrer■Manieren' Die: Biograph.e ift fehr an- , fdne Gattm und&feinben zen Verkehr menfehlich
ziehend gefchrieben und für die Kenntnis der kirchlichen , jmmer naher bri aber für die hämifchen Sammler

wie der gefellfchafthchen Verhaltniffe in den byzan- VQn Stercora Lut£eri einen fetten Biffen bieten. Vgl. das
tinifchen Provinzen Ägypten und Syrien am Ende des zufammenfaffende Urteil über die Tifchreden II, 481, zu
5. Jahrhunderts von allergrößter Wichtigkeit. Agyptologen dem man die Frage nur hinzufügen möchte: Warum
feien auf S. 27-35 aufmerkfam gemacht, wo die Plun- haben denn die Freunde Ecks oder etwa auch Cochleus'
derung des Ifistempels von Menuthis gefchildert wird. und Emfers nicM auch Tifchreden von diefen Männern
Gießen. Fr. Schwally. gefammelt, und wie würden denn wohl diefe Tifchreden

ausfehen?