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Ausgabe:

1904 Nr. 25

Spalte:

680-685

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Weiß, Johannes

Titel/Untertitel:

Das älteste Evangelium. Ein Beitrag zum Verständnis des Markus-Evangeliums und der ältesten evangelischen Überlieferung 1904

Rezensent:

Bousset, Wilhelm

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Theologifche Literaturzeitung. 1904. Nr. 25.

680

(S. 23), fondern ihm galt pj-TÄ als Subftantiv nach dem
Mufter von n3J5ö. — Zur Überfetzung von 5533 (Pf. 847)
mit,Birnen' (S. 44) f. Low, Aram. Pflanzennamen, S.209. —
Die Einleitung (S. 5—16) bringt einige Bemerkungen über
die Eigentümlichkeiten der Saadjafchen Bibelüberfetzung,
mit genügender Berückfichtigung der Literatur über den
Gegenfland, die auch in den Anmerkungen fleißig benutzt ift.

Budapeft. W. Bacher.

Sluys, David Mozes, De Maccabaeorum libris I et II quae-

stiones. Specimen litterarum inaugurale, quod____pro

gradu doctoratus summisque in litterarum classicarum
disciplina honoribus ac privilegiis . . . consequendis
facultatis examini submittet D. M. S. Amstelodami
1904. (126 S. gr. 8.)

Die beiden Abhandlungen, welche in diefer Differ-
tation vereinigt find, handeln 1) über die Glaubwürdigkeit
und Abfaffungszeit des zweiten Makkabäerbuches
(S. 1—79), 2) über die in beiden Makkabäerbüchern angewandte
Seleuciden-Ära (S. 80—121).

1. Bei Behandlung des erften Themas bahnt fleh der
Verfaffer feinen Weg zum Refultat durch eine kritifche
Mufterung der fünf neueften Unterfuchungen über den
Gegenfland. Er läßt der Reihe nach Revue paffleren:
1) Kofi er s, De Polemiek van het Tweede Boek der Mak-
kabe'en {Theol. Tijdschrift XII, 1878, p. 491—558), 2) Willrich
, Juden und Griechen vor der makkabäifchen Erhebung
, 1895, Derf., Judaica, 1900, 3) Büchler, Die
Tobiaden und die Oniaden im II. Makkabäerbuche und
in der verwandten jüdifch-helleniftifchen Literatur, 1899,
4) Schlatter, Jafon von Kyrene, 1891, 5) Niefe, Kritik
der beiden Makkabäerbücher, 1900. Die Auseinander-
fetzung mit diefen füllt faft den ganzen Inhalt der Abhandlung
. Der Verf. zeigt, daß die drei zuerft Genannten
das zweite Makkabäerbuch zu ungünftig beurteilen, die
beiden zuletzt Genannten zu günftig. Er felbft nimmt '
eine mittlere Stellung ein. Infofern wird man feinem
Urteil im großen und ganzen zuflimmen können. Seine
eigenen pofitiven Aufftellungen fcheinen mir freilich
keinesweg immer glücklich und überzeugend. Namentlich
inbetreff der Briefe an der Spitze des Buches wagt
er zum Teil noch kühnere Vermutungen, als feine Vorgänger
. Er bezieht das Datum 1, 9 ,im 188. Jahre' zu
dem folgenden Briefe (hierin mit anderen Auslegern über-
einftimmend). Was vorhergeht, fleht er als einen fchlechten
Auszug aus einem älteren Briefe vom J. 169 aer. Sei. an,
aber fo, daß 1, 2—6 fpätere Interpolation fei. (Zu 1, 7
wäre noch zu berückfichtigen gewefen, daß der von
Peyron herausgegebene Lateiner die Zahl 177 bietet, f.
dazu Mercati, Revue biblique 1902, p. 203—211.) Auch
in dem Briefe vom J. 188 aer. Sei. nimmt S. eine große
Interpolation an, die fo umfangreich ift, daß fie die
Hauptmaffe des uns Vorliegenden ausmacht, nämlich 1,18b
bis 2, 16a. Dies alles foll fpäterer Einfchub fein, indem
fleh urfprünglich 1, 18a und 2, i6t> unmittelbar an einander
angefchloffen haben. Endlich (teilt Sluys den Text
von 1, 10 in fehr freier Umbildung der handfehriftlichen
Überlieferung folgendermaßen her: oi ev rfj 'lovöaiq xal
7] ytqovola xal 'lovöaq 'AgiöxoßovXoq 'Oviq ajto rov
rmv xQiörmv legamv ytvovq xal rolq av Älyvjixca Iov-
öaioiq x. r. X. (S. 66). Ich glaube picht, daß die Gründe
für diefe ftarken Eingriffe in die Überlieferung fleh als
überzeugend erweifen werden. Auch die Anficht, daß
Jafon von Cyrene, aus welchem der Verf. des 2. Makkabäerbuches
feinen Stoff gefchöpft hat, ein heidnifcher
Schriftfteller gewefen fei, ift durch das S. 75 Ausgeführte
keineswegs ausreichend begründet. Sie ift unvereinbar
mit der Tatfache, daß das 2. Makkabäerbuch nur |
ein Auszug aus jenem größeren Werke ift. — Die Ab-
faffung unferes Buches fetzt S. vermutungsweife in den
Anfang des erften Jahrhunderts vor Chr., aber mit dem

I Zufatz, daß fleh im Grunde die Zeit nicht beftimmen
laffe (S. 79: Potius igitur manus abstineamus a quoque
conatu scriptoris aetatis definiendae — Die Arbeit von
! Herkenne, Die Briefe zu Beginn des zweiten Makkabäerbuches
(Biblifche Studien von Bardenhewer VIII, 4,
1904), hat dem Verf. noch nicht vorgelegen. Daß er die
I Phantafien von Win ekler über II Makk. 1, 10 ff. (Alt-
orientalifche Forfchungen, Dritte Reihe, Bd. I Heft 2
1902, S. 97 ff.) nicht berückfichtigt hat, ift wohl nicht als
Unglück anzufehen.

2. Die zweite Abhandlung ift überfchrieben De aera
Seleucidarum, qua Maccabaeorum libri utuntur (p.8o—121).
Sie handelt aber faft ganz über die Ära des erften
Buches. Der Ära des zweiten Buches find nur die letzten
fünf Seiten gewidmet (S. 116—121), aufweichen die Anficht
ausgefprochen wird, daß das 2. Buch die gewöhn-
, liehe Seleuciden-Ära, vom Herbft 312 an, gebrauche.
1 Für die Ära des erften Buches aber nimmt S. das
J Frühjahr 311 als Ausgangspunkt an (wie Gibert und
j Unger, f. meine Gefch. des jüd. Volkes I3 S. 38). Bei
diefem Anfatz ergibt fleh ein unvereinbarer Widerfpruch
zwifchen den Angaben des 1. Makkabäerbuches über die
Sabbathjahre (I M. 6, 49. 53) und der fieberen Tatfache,
daß zur Zeit der Belagerung und Erorberung Jerufalems
durch Herodes im J. 37 v. Chr. ein Sabbathjahr lief {los
Antt. XIV, 16, 2. XV, 1, 2). S. kann diefe Infta nz gegen
feinen Anfatz nur dadurch befeitigen, daß er die eine
Notiz bei Jofephus (XIV, 16, 2) für Interpolation erklärt
S. 100 und die andere (XV, 1, 2) falfch überfetzt S. 99
{svaiOtrjxEi foll heißen coepit, es heißt aber ,war eingetreten
'). Damit fpricht er feinen Aufftellungen felbft
das Urteil.

Göttingen. E. Schür er.

Weiß, Prof. D. Johannes, Das älteste Evangelium. Ein

Beitrag zum Verftändnis des Markus-Evangeliums und
der älteften evangelifchen Überlieferung. Göttingen
1903, Vandenhoeck & Ruprecht. (XII, 414 S. gr. 8.)

M. 10.— ; geb. M. 11.—

Der vorliegende wertvolle Beitrag zum Verftändnis
des Markusproblems zerfällt in drei Abfchnitte. Der erfte
Teil behandelt im allgemeinen den literarifchen und re-
ligiöfen Charakter des Markusevangeliums; ein zweiter
Teil unterfucht im einzelnen die Kompofition des Evangeliums
und feine Quellen; ein dritter faßt die gewonnenen
Refultate zufammen und handelt vom Verfaffer des
Evangeliums.

Den wertvollften und förderndften Beitrag zur Löfung
der Frage liefert entfehieden der erfte Abfchnitt des
Buches. Eine ausführliche Charakterifierung der antiken
Memoiren- und Biographien-Literatur führt zu dem Refultat
, daß das Markusevangelium mit diefen Formen antiker
Literatur wenig oder gar nichts gemein habe. Es fehlt
ihm vor allem alles, was die antike Biographie zur Biographie
macht: Jugendgefchichte, Perfonalbefchreibung
des Helden, eine wirkliche Chronologie. Auch legt Markus
nirgends Gewicht auf die innere Entwickelung des Lebens
Jefu. Was man hier im Markusevangelium und namentlich
in der Szene von Caefarea Philippi hat finden
wollen — fo urteilt Weiß in Übereinftimmung mit Wrede
meines Erachtens mit völligem Recht — hat man erft
in den Markus hineininterpretiert.

Markus hat vielmehr fein Evangelium nicht als Werk
der Literatur, fondern in dem ganz praktifchen Intereffe
der Miffion gefchrieben. Er will ,Evangelium' verkünden.
Das führt den Verfaffer zu der Unterfuchung, was im
neuen Teftament unter svayyäXiov zu verliehen fei. Zuerft
wird der Begriff in den Worten Jefu unterfucht.
M. E. hätte hier noch beftimmter hervorgehoben werden
können, daß der /Terminus' avayyäXiov überhaupt erft
von der Gemeinde geprägt fei, und daß alle — nicht nur