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Ausgabe:

1904

Spalte:

649-651

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hölscher, Gustav

Titel/Untertitel:

Die Quellen des Josephus für die Zeit vom Exil bis zum jüdischen Kriege 1904

Rezensent:

Schürer, Emil

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Theologische Literaturzeitung

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. in Berlin, und D. E. Schürer, Prof. in Göttingen.

Jährlich 26 Nm. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig. Jährlich 18 Mark.

Nr. 24.

26. November 1904.

29. Jahrgang.

Hölfeher, Die Quellen des Jofephus für die
Zeit vom Exil bis zum jüdifchen Krieg
(Schürer).

Bugge, Die Hauptparabeln Jefu (Holtzmann).

Rademacher, Die übernatürliche Lebensordnung
nach der paulinifchen und johanneifchen
Theologie (Holtzmann).

Steinführer, Der Engel Gefetz, I.Teil (Hollmann
).

Origenes' Johanneskommentar, hrsg. von

Preufchen (Koetfchau).
Strzygowski, Koptifche Kunft (Leipoldt).
Ohr, Die Kaiferkrönung Karls des Großen

(Böhmer).

Haußleiter, Die Univerfität Wittenberg vor

dem Eintritt Luthers (Koehler).
Paulus, Die deutfehen Dominikaner im Kampfe

gegen Luther, 1518—1563 (Koehler).
Auflegung teutfeh des Vatter vnfers für die

ainfeltigen layen Doctor Martini Luther,

hrsg. von Seitz (Koehler).

Hölscher, Dr. Guft., Die Quellen des Josephus für die Zeit
vom Exil bis zum jüdischen Kriege. Diff. Leipzig 1904,
Teubner. (85 S. gr. 8.) M. 3.—

Von den bisherigen Unterfuchungen über die Quellen
des Jofephus in der zweiten Hälfte der Archäologie und
in den entfprechenden Abfchnitten des Jüdifchen Krieges

kanonifiert werden folle, daß Jofephus die großen Ge-
fchichtswerke des Strabo und Nicolaus Damafcenus,
welche er in Buch XIII und XIV häufig zitiert, fo gut
wie gar nicht benützt habe, vielmehr im wefentlichen das
Werk eines Anonymus abgefchrieben und in dasfelbe
nur jene Zitate aus den ganz fporadifch benützten Werken
des Strabo und Nicolaus eingeflickt habe. Diefe fchwach

unterfcheidet fich diefe neue durch ein viel genaueres Ein- | begründete Hypothefe ift augenfeheinlich wieder im Ab
dringen in das Detail und den Verbuch einer noch viel j flauen. Auch Hölfcher tritt ihr entgegen und nimmt an,
weiter durchgeführten Zuweifung der einzelnen Stücke 1 daß Jofephus einen großen Teil feines Stoffes aus jenen
an die verfchiedenen Quellen. Mit ebenfo viel Fleiß wie j Hauptwerken gefchöpft habe. Nicht recht verftändlich
Scharffinn analyfiert der Verf. den Text Stück für Stück, ift mir, wie Hölfcher S. 2 fchreiben kann, daß ich mich
um die Vorlagen aufzufpüren, jeder ihren Anteil zuzu- ! felbft der Anonymushypothefe ,neuerdings (Gefch. I,
weifen und fie dann in ihrer Gefamtheit zu charakteri- j 3. Aufl.) in dem Sinne zuneige', daß ich ebenfalls ,einen
fieren. Man wird lebhaft an die Methode der Pentateuch- ! Univerfalhiftoriker als Hauptquelle betrachte, aber diefen
kritik erinnert, wie fie heute von vielen geübt wird. Hier ! mit Nicolaus oder Strabo identifiziere'. Ich habe die
begnügt man fich ja auch längft nicht mehr damit, die ! Anonymushypothefe auch noch in der 3. Aufl. fchlecht-
Hauptfchichten im großen und ganzen nachzuweifen, fon- ; hin abgelehnt und nur angenommen, daß Jofephus in
dem man weiß von jedem Vers und Versteil, ob er von , manchen Partien den einen jener Hiftoriker zu Grunde
Ji J» J3 oder P1 P2 P3 ufw. herrührt. Ich geftehe, daß iege und ihn durch den andern ergänze. 2) Ein weiterer

ich diefe fubtile Methode nicht für gewinnreich halte,
und muß dies Urteil auch bezüglich des analogen Verfahrens
von Hölfcher ausfprechen. Seine Ausführungen

Hauptpunkt, in welchem Hölfcher mit mir übereinflimmt,
ift der, daß die Darftellung im Jüdifchen Krieg' bis zum
Tode des Herodes im wefentlichen aus Nicolaus Dama-

würden viel überzeugender wirken, wenn er fich größere feenus gefchöpft fei, und daß die Übereinftimmungen

Befchränkung auferlegt und feine Kraft auf diejenigen
Punkte konzentriert hätte, an welchen einigermaßen
fichere Refultate zu erreichen find. Auch gegen die

zwifchen ,Archäologie' und Jüdifchem Krieg' aus dem
Umflande zu erklären feien, daß auch für die ,Archäologie
' Nicolaus eine Hauptquelle gebildet habe. Die

Gründe und Gefichtspunkte, mit deren Hülfe er die fcheinbar einfachere Erklärung Niefes, daß Jofephus bei
Scheidung der Textflücke zu gewinnen fucht, habe ich er- Bearbeitung der Archäologie feinen Jüdifchen Krieg'
hebliche Bedenken. Er operiert in der ftärkften Weife mit benützt habe, vermag den Tatbeftand keineswegs be-
denVerfchiedenheite^ friedigend zu erklären, da in manchen Fällen, wo die Übereinftimmungen
fehr ftarke find, die Archäologie ausführlicher
ift.

Auf Strabo führt Hölfcher alle .Syriaca', d. h. alle

des Jofephus: Archäologie und Jüdifcher Krieg. JedesMinus
und Plus, jede Verfchiedenheit inderAnordnungdesStoffes,
jede auch noch fo geringe fachliche Abweichung wird

nicht etwa auf eine verfchiedene Art der Quellenbe- Mitteilungen aus der Seleuciden-Gefchichte zurück (S. 39).
nützung von Seite des Jofephus, auf größere oder ge- Das mag überwiegend richtig fein. Da aber Jofephus
ringere Sorgfalt in der Arbeit, fondern auf verfchiedene öfters die Übereinftimmung des Strabo und Nicolaus

Quellen, die ihm vorgelegen haben follen, zurückgeführt.
Auch fonft wird meines Erachtens viel zu wenig mit der
Selbftändigkeit und Freiheit des Schriftftellers, die unter

hervorhebt (Antt. XIII, 12, 6; XIV, 6, 4), hat er offenbar
manches bei Nicolaus ebenfo gelefen, wie bei Strabo.
Für Antt. XIV nimmt H. mit Recht wegen der Harken

Umftänden auch in Willkür und Nachläffigkeit fich äußert, ; Überftimmung mit Bell. lud. den Nicolaus als Hauptgerechnet
. Alle Unebenheiten, die bei Jofephus zu be- quelle an. Richtig wird auch hervorgehoben daß fich von
obachten find, follen ih ren Grund in der Verfchieden- ! jp XV an ,das Quellenverhältnis fichtlich ändert' (S. 23).
heit der Quellen, nicht in ihm felbft haben. In vielen j Hier tritt offenbar noch eine andere Quelle ein, welche
diefer Fälle würden m. E. die Gründe zu der vorge- die Regierung des Herodes behandelte. Dagegen vernommenen
Quellenfcheidung hinwegfallen, wenn die an- l mag icn nicht beizuftimmen, wenn H. diefe andere

gedeuteten Gefichtspunkte mehr beobachtet worden
wären.

Die Refultate, zu welchen der Verf. gelangt ift,
ftimmen in einigen Hauptpunkten mit den Anfchauungen

Quelle auch im XVI. Buch noch fortgehen läßt und annimmt
, daß ,erft kurz vor dem Tode des Herodes
wieder Nicolaus die Führung übernimmt' (S. 31. 32).
Schon im Anfang von B. XVI geht |ofephus zur

überein, die ich felbft gegenüber Anderen vertreten habe. Familiengefchichte des Herodes über (Zerwürfnis mit
rechne dahin 1) die Ablehnung der ,Anonymushypo- j feinen Söhnen), für welche doch Nicolaus höchft wal
fe'. Es fchien eine Zeit lang, als ob die Meinung | fcheinlich die Hauptquelle ift. Auch die Gefchichte v

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