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Ausgabe:

1904 Nr. 19

Spalte:

532-535

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Lambert, John

Titel/Untertitel:

The sacraments in the New Testament 1904

Rezensent:

Heitmüller, Wilhelm

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Theologifche Literaturzeitung. 1904. Nr. 19.

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jetzigen Geftalt des Dtn. direkt das Urdtn. zu rekonftru- ! lieh fpät zu Stande gekommenen M. T. von Jof. 6 nicht

ieren und dann die Übergangsftadien zwifchen ihm und
dem jetzigen Dtn. zu fuchen? Müßte nicht richtiger von
der jetzigen Geftalt Schritt für Schritt rückwärts gehend

dartun. Die von G. gegebene Erklärung von Jef. 4, 5 f.
löft die Schwierigkeiten, die M. T. bietet, nicht, ja G.
erneutert alte längft erkannte Fehler wie z. B. die Be-

die Urform gefucht werden? Andernfalls macht man j ziehung von 1©5> in v. 5 vgl. die Stellung von Qüli und
eine Vorausfetzung, die kaum zu Recht beftehen dürfte, j läßt zur Löfung fowohl die Parallele im Exod. wie den
daß nämlich bei allen Umarbeitungen die urfprüngliche Text der LXX unbeachtet. Aus der Tatfache, daß die

Anordnung zwar verloren gegangen, die Einzelglieder
aber intakt erhalten find. Nach alledem kann ich mich
C.s Rekonftruktion des Urdtn. gegenüber nur ablehnend
verhalten.

Halle a. S. C. Steuernagel.

Gressmann, Priv.-Doz. Lic. Dr. Hugo, Musik und Musikinstrumente
im Alten Testament. Eine religionsgefchicht-
liche Studie. (Religionsgefchichtliche Verfuche und
Vorarbeiten, herausgegeben von Albrecht Dieterich
und Richard Wünfch. II. Band. x. Heft.) Gießen 1903,
J. Ricker. (32 S. gr. 8.) M. —.75

Es war eine dankenswerte Aufgabe, die im A. T. fich
findenden Äußerungen über Mufik und mufikalifche In-
ftrumente unter hiftorifchem Gefichtspunkt zu behandeln.
Im erften Teil legt G. dar, daß die Anfänge der Mufik
in prähiftorifchem Dunkel liegen. Urfprünglich nur von
Laien ausgeübt, habe fich bald ein befonderer Berufs-
ftand der Mufiker gebildet, der zunächft auch die Pflege
der religiöfen Kultmufik übernommen habe, bis eine be
fondere Zunft von Kultmufikern hervortrat. Wie die
Mufik den Zweck verfolgt habe, Leben und Kult zu ver-
fchönern, fo habe fie auch im Dienfte der Zauberei ge-

ftanden: bald habe fie die Aufgabe gehabt, den Donner I G. darf man kaum zweifeln, daß Aharon nichts weiter

Mufik als Gefchenk der Gottheit angefehen wird, läßt
fich der enge Zufammenhang von Religion und Mufik
(S. 14) nicht ableiten. Aus der Wertung der Sänger
und Mufiker als a">i<S5, d. h. als prophetifch begeiflerte
I Chr. 25, iff. folgt nicht, daß auch .mufizieren'

heißt; G.s Behauptung, daß X©53ft ItZJ der ccqxojv tcöv
mömv LXX ift, wäre nur dann wahrfcheinlich, wenn es
ficher wäre, daß die Erklärung ,Oberfter der Laft' eine
Mißdeutung ift, was aber keineswegs zugeftanden ift;
jedenfalls ift auf die Gloffe I Chr. 15,27 D"m©z3ri nichts
zu geben. Für die Deutung des StTBÜ vom ,Aufheben
des Hauptes zur feierlich-rythmifchen ävacpmwrjöiq beim
Gefang' fehlt jeder Beweis. Die Zufammenftellung der
Sängerin Debora wie der Sängerin Mirjam mit den
Nebiim, welche ,die Leiden und Freuden des Volkes
mit ihrer Poefie begleiten', verkennt die Eigenart der
letzteren, die auch recht unzutreffend den ,echten' Propheten
gegenübergeftellt werden, deren Begeifterung fich
ungefucht einftellte, während man fie bei den ,andern'
mit künftlichen Mitteln herbeizuführen fuchte. Sehr
zweifelhaft fcheint mir auch G.s Anficht, daß die Mufik
für Saul nicht ein Beruhigungs- fondern ein Erregungsmittel
war, das den krankhaften Trieb fteigerte, die Ek-
ftafe zum Durchbruch brachte und fo homöopathifch durch
eine vehemente Entladung Erleichterung fchuf. — Nach

nachzuahmen und hervorzurufen, bald Unheil und als eine Perfonifikation des jinx ift; die von ihm als BeDämonen
abzuwehren. Anderfeits verfolgte fie auch den ! weis beigebrachten Analogien Q*OR und DrTOfcC ufw.
Zweck, die Gottheit aufmerkfam zu machen und herbei- | dürften aber kaum genügen, fo zweifelfüchtige Gemüter
zurufen oder, wenn fie zugegen ift, fcheuem Refpekt | wie Ref. zu überzeugen. — Der Titel der Schrift läßt
Ausdruck zu verleihen. Entfprechend der höheren reli- ! übrigens nicht ahnen, daß wir in ihr auch eine ziemlich

giöfen Auffaffung trete im Laufe der Zeit eine Um
Wandlung der aus alter Zeit beibehaltenen Sitten ein
teils gelten folche mufikalifche Bräuche nur noch als
äfthetifcher Schmuck des Gottesdienftes, teils finken
fie zu Erinnerungszeichen für die Gottheit herab. Da-

ausführliche Erörterung über den Namen trnSD, über nbaD,
fowie Vermutungen über fiovöa S. 13, öapßvxrj etc. finden.
Ich fürchte, daß G. auch bei diefen Etymologien nicht
viel Zuftimmung finden wird: angefichts des affyr. nabälu
,zerftören' und nabultu ,Leichnam' fcheint mir die Zuver-

neben wurde die Mufik von früh an als Heilzauber gegen j ficht recht kühn, daß man kaum leugnen könne, daß

fT323 = Leichnam ,urfprünglich das uneigentliche (bauchförmige
) Gefäß' bedeute. — Die S. 6 fich findende Behauptung
, daß Ref. die Schellen vom Gewand des
Hohenpriefters als Abwehrmittel gegen den Zorn der
Gottheit anfehe, ift unrichtig; Arch. II S. 118 beweift, daß
Ref. mit G. und Wellhaufen in der Auffaffung durchaus
übereinftimmt. — S. 9 Z. 4 v. u. 1. I Sam. 1, 13 u. Z. 2
v. u. L II Sam. 6, 15.

Straßburg i./E. W. Nowack.

Lambert, Rev. John C., B.D., The sacraments in the New

Testament. Being the Kerr Lectures for 1903. Edinburgh
1903, T. & T. Clark. (XX, 430 p. gr. 8.)

10 sh. 6 d.

Gegenüber der ritualiftifchen Überfchätzung einerfeits
und der modern-kritifchen .Entwertung' der Sakramente
andererfeits wollen die hier vorliegenden Kerr Lectures
{Glasgow College of the United Free Church) eine gründliche
kritifche Unterfuchung der neuteft. Lehre von den
Sakramenten geben. — Über die Quellen, die Schriften
des neuen Teftaments, fpricht fich der Verf. in der t. Vor-
lefung aus {Scope and sources of the inquiry). Die fpezi-
fifche Sonderftellung der neuteft. Schriften innerhalb der
übrigen altchriftl. Literatur, d. h. ihre kanonifche Art, ift
ftreng feftzuhalten. Die hiftorifche Rechtfertigung des
töfes beim Zufammenbruch der Mauern eben zu dem j Anfpruches der neuteft. Schriften, mit einzigartiger Au-

den Wahnfinn benutzt: wie Prophetie und Dichtung
werde fie als Kunft aus einer enthufiaftifchen Erregung
des Gefühls geboren und fei darum zugleich ein wertvolles
Mittel, diefe Ekftafe hervorzurufen.

Im zweiten Teil, der die mufikalifchen Inftrumente
behandelt, hat G. ftarken Wert auf die etymologifche
Erklärung der Namen gelegt; er felbft weift aber darauf
hin, daß die Etymologie uns leider nicht viel weiter
führt, als die im Ä. T. enthaltenen dürftigen Nachrichten:
meift lernen wir auf diefem Wege nur das Material
kennen, aus dem das Inftrument gefertigt war.

Die Arbeit ift klar gefchrieben, zeigt eine ziemlich
ausgebreitete Belefenheit und gefundes Urteil und hat
das ganze in Betracht kommende Material verarbeitet.
Eine eigentliche Bereicherung unferer Kenntniffe bedeutet
fie nicht: ihr Wert liegt darin, daß fie das weit-
zerftreute Material in verftändiger Weife verwertet und
fo einen klaren Überblick ermöglicht. An nicht wenig
Stellen fordert die Arbeit freilich den Widerfpruch heraus
: fichere Beweife dafür, daß fchon in alter Zeit Ifrael
einen Stand von Berufsmufikern hatte, haben wir nicht;
das Signalblafen fordert ihn ebenfowenig, wie die Jericho-
gefchichte ihn beweift S. 4; vollends fehlen uns alle Nachrichten
darüber, daß es fchon in der vorexilifchen Zeit
einen priefterlichen Stand der Mufiker gab (S. 4f.). Die
Vermutung, daß der Schall der Lärmtrompeten bei der
Eroberung Jerichos die magifche Vorbildung des Ge

Zweck diefes hervorzurufen fei, läßt fich aus dem ziem- | torität zu uns zu reden, ift damit gegeben, daß die Haupt-