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Ausgabe:

1904 Nr. 13

Spalte:

381-382

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schmalzl, Peter

Titel/Untertitel:

Das Buch Ezechiel, erklärt 1904

Rezensent:

Volz, Paul

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Seite 1

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381 Theologifche Literaturzeitung. 1904. Nr. 13. 382

Schmalzl, Lyc.-Prof. Domcap. D. Peter, Das Buch Ezechiel, I Probleme, z. B. auf die pfychologifchreligiöfe Frage nach

erklärt. Mit 5 Abbildungen. (Kurzgefaßter wiffen-
fchaftlicher Commentar der heiligen Schriften des Alten
Teftaments. Auf Veranlaffung der Leo-Gefellfchaft
herausgegeben von Prof. Dr. Bernhard Schäfer. III. Abtheilung
. 3. Band, 1. Hälfte.) Wien 1901, Mayer & Co.
(XI, 473 S. gr. 8.) M. 10.-

Der vorliegende Kommentar hält fich an die für das

dem Vorgang der Vifion, die fich bei Ezechiel befonders
nahelegt, oder auf die epochemachende Stellung des
Propheten in der Gefchichte der Prophetie, fofern er fich
nicht bloß an das Volk, fondern auch an das Individuum
wendet, oder auf die neue und merkwürdige Wendung
der Vergeltungslehre bei Ezechiel. In Ez. 37 findet Verf.
das Dogma von der allgemeinen Auferftehung zwar nicht
ausgefprochen, aber doch vorausgefetzt, wie es auch fonft
im A.T. zu Haus fei; in Gog und feinem Kampf fieht er

ganze Kommentarwerk aufgeftellten Normen. Er giebt j ejne Zufammenfaffung aller der Gottesfeinde und ihrer
überall, außer da wo es ganz überflüffig ift. die Uber- Kämpfe bis auf den letzten in der antichriftlichen Periode
fetzung der Vulgata und des hebräifchen Textes neben- ; zu einem das Ganze zeitlos kombinierenden Bilde, wie er
einander, er legt als kritifch geficherten hebräifchen Text : überhaupt für die Erfüllung der von Ezechiel geweisfagten
den von Toy in der Hauptfchen Sammlung zu Grund, J Zuftände und PLreigniffe die fpäterjüdifche, die chriftliche
von dem er nur in dringenden Fällen abgeht, er bringt | und dieeschatologifcheZeit manchmal durcheinandergehen
in Fußnoten philologifche und kritifche Bemerkungen, und ineinander fließen läßt. Eigenartig ift des Verf. AnAngaben
über die anderen Überfetzungen, archäologifche j ficht über Kp. 40—48; Elz. wolle alle Teile feiner Vifion
und hiftorifche Notizen und Erläuterungen aus der he- I nur als Bilder aufgefaßt wiffen, die fich in diefer Form
bräifchen Grammatik, mit dem Beftreben, den Kommen- | niemals verwirklichen, aber meffianifche Wahrheiten ver-
tar den Studierenden und dem praktifch tätigen Klerus i anfchaulichen follen: die Idee des ewigen Wohnens Gottes
nutzbringend zu machen. Hinter jedem Abfchnitt folgt unter feinem Volk fei durch das Bild des Tempels dareine
Überficht über feinen Inhalt und über etwaige darin ; geftellt, die Idee der Heiligkeit des Volkes durch den
vorhandene Probleme. Bei der Erklärung wird immer j genau geregelten Kult, das friedliche, glückliche Wohnen
zuerft die patriftifche Exegefe (Hieronymus und Theo- i jm Land durch die Landesverteilung und diebefruchtende
doret) und die der früheren katholifchen Exegeten be- j Tempelquelle. Dabei werden auch die einzelnen kleinen
rückfichtigr, denn der Verf. findet, daß diefe meift fchon Stücke der Vifion allegorifch ausgedeutet, was den Verf.
diefelben Erklärungen und Textverbefferungen haben, die wiederum zu manchen Unwahrfcheinlichkeiten führt.

Ein forgfältiges Sachregifter erhöht den Wert diefer
Veröffentlichung, die, abgefehen von einzelnen Verirrungen
und Anhängfein, als eine tüchtige wiffenfchaftliche Leiftung
gefchätzt werden darf.

Leonberg. p. Volz.

jetzt von akatholifchen Autoren oft als eigene Entdeck
ungen ausgegeben werden. Die Einleitung befpricht die
Lebensumftände und den Charakter des Propheten, die
Befchaffenheit der damaligen Zeit, die Aufgabe des Propheten
und die formalen Eigentümlichkeiten feiner Weis-
fagung (Vifion, fymbolifche Handlungen und Allegorien),
Stil und Sprache des Propheten und Textgeftalt des
Buches. Die Auslegung teilt die Schrift des Propheten Seisenberger, Geiftl. Rath Prof. Dr. Michael, Die Bücher
nach dem darin vorgefundenen Plan: Kp. 1—321 Berufung, Esdras, Nehemias und Esther, überfetzt und erklärt. (Kurz-
322—32 Gerichtsweisfagungen (über Juda in vier Weis- gefaßter wiffenfchaftlicher Commentar zu den heiligen
fagungszyklen, dann über die Heidenyölker) 33—48 Heils- Schriften des Alten Teftamentes. Auf Veranlaffung
Verkündigung, zuerft in Eorm der Wortweisfagung, dann
in Eorm der Vifion.

Verf. ift von hoher Begeifterung für den harmonifchen
Bau, die Schönheiten, den Bilderreichtum' und die anfchaulichen
Schilderungen des Ezechielbuches erfüllt. Er

der Leo-Gefellfchaft herausgegeben von Prof. Dr. Bernhard
Schäfer. Abtheilung I, Band 4, 1. Hälfte.) Wien
1901, Mayer & Comp. (XX, 210 S. gr. 8.) M. 5.—

In einer Vorbemerkung befpricht Verf. einige wichhat
ein ganz entfchiedenes Gefchick, den Gedankengang tige Fragen, nämlich die Zeit der Heimkehr aus dem
der einzelnen Abfchnitte lebendig zu machen, und er babylonifchen Exil, die Liften der Heimkehrenden in Es. 2
bemüht fich, die exegetifchen Einzelfragen^ nach den | unfj Neh. 7, die Perfon Serubabels und feine Identifikation

mit Sefchbafar, wobei Verf. fich nicht beftimmt entfcheidet,
fondern nur die neueften Aufftellungen mitteilt. Der
Kommentar ift wie die andern Teile diefes Sammelwerkes
in der Weife angelegt, daß er die deutfche Überfetzung
des Vulgata- und des hebräifchen bezw. des LXX-Textes

Grundfätzen der kritifchen Forfchung anzufaffen und zu
beantworten. Die fymbolifchen Handlungen hält er mit
gefundem Blick für wirkliche Gefchehniffe; bei der Weis-
fagung vom tyrifchen König Kp. 21 befpricht er die
mythologifchen Züge, die dem Propheten vorfchwebten.

Während er fo die prophetifche Darftellung im großen nebeneinanderftellt und die notwendigen Erklärungen
richtig beurteilt, geht er andrerfeits zu weit, wenn er die fortlaufend in E"ußnoten gibt. Der Inhalt diefer Fußnoten
einzelnen Züge der Weisfagung als gefchichtlich wahr I ift ein wenig dürftig, denn fie bringen abgefehen von
beweifen und wenn er die einzelnen Stücke der Vifionen j einigen textlichen Änderungen und grammatikalifch-lexi-

mit einer allegorifchen Abficht ausfüllen will. Um die
gefchichtliche Wahrheit des geweisfagten Details darzu-
ftellen, muß er das Beweismaterial aus den Jahrhunderten

kalifchen Notizen im Grund nicht viel anderes als eine
kurze, allerdings recht anfprechende Zufammenfaffung des
Textes. In der Einleitung zu Efra und Nehemia vertritt

zufammenfuchen, wie er z. B. zum Erweis des völligen Verf. die Anficht, daß die beiden Bücher ein einheitliches,
Eintreffens der Worte über Tyrus die Erlebniffe diefer von Efra nach eigenen wie nach Nehemias Aufzeichnungen
Stadt bis 1291 aufzählt; außerdem bleibt als letzte j verfaßtes Schriftwerk feien; der Zweck desfelben fei nicht
Auskunft, die zuweilen beigezogen wird, immer noch die eine eigentliche Gefchichte der ,refuszitierten' Gottes

eschatologifche Erfüllung. Ebenfo ift wie gefagt die alle
gorifche Einzelausdeutung der Vifionen manchmal gezwungen
und unnatürlich; fo wird z. B. bei der Vifion
Kp. 1 Zug für Zug allegorifch gewendet und die ganze
Vifion als ein Kompendium der Predigt Ezechiels betrachtet
, es foll in ihr wie in der Gefamtweislagung des Propheten
die Menfchwerdung des göttlichen Reiches ver

gemeinde, fondern nur eine Darftellung der für die Refus-
zitierung wichtigften Ereigniffe aus der Zeit zwifchen 536
und 430. Verf. hält die beiden Bücher für durchaus zu-
verläffige Gefchichtsquellen, auch die Gefchlechtsregifter
und die Korrefpondenz mit dem perfifchen Hof erfcheinen
ihm als glaubwürdig. In einer etwas einfeitigen Charakter-
iftik der beiden Männer der Reftauration bezeichnet er

kündigt werden, wobei die Bewegung der Räder darauf als ihr Hauptverdienft die E urforge für die heiligen Bücher,
hindeute, daß diefes Gottesreich jetzt im Kommen begriffen Wiederholt betont er, daß die neuere Kritik, die die Einfei
. Hie und da vermißt man ein Eingehen auf die tieferen | führung des Pentateuchs mit Elfra in Zufammenhang bringe,