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Ausgabe:

1904 Nr. 9

Spalte:

254-256

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

André, D. L. E. Tony

Titel/Untertitel:

Les Apocryphes de l’Ancien Testament 1904

Rezensent:

Schürer, Emil

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Theologifche Literaturzeitung. 1904. Nr. 9.

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Mafora mit Sicherheit hinausgehen können — dann wird
gewiß der Arbeit K.s als einer methodifchen Materialien-
fammlung ehrend gedacht werden. Für etwaige neue
kritifche a.t.liche Textausgaben halte ich die Verwertung
der Erträgniffe der K.fchen Studie im allgemeinen noch
nicht angebracht. Für die Beurteilung der fogenannten
Varianten, n. b. innerhalb der von der Hf. gefleckten
Grenzen, wird aus ihr fchon jetzt Nutzen zu ziehen fein.
Wer etwa einige philologifch intereffierte a.t.liche Uber-
ftudenten unter feinen Zuhörern hat, möge ihnen K.s Arbeit
als Saat auf Hoffnung zum Studium empfehlen!

Ruprechtsau b. Straßburg i. E. Georg Beer.

Sycz, Dr. S., Ursprung und Wiedergabe der biblischen Eigennamen
im Koran. Frankfurt a. M. 1903, J. Kauffmann.
(64 S. gr. 8.) M. 2.—

Als Zufammenftellung nützlich; die bisherigen Kennt-
niffe aber kaum erweiternd, ja nicht einmal alle früheren
Unterfuchungen zufammenfaffend. Das ,biblifch' auf dem
Titel ift nach dem erften Satz des Vorworts foviel wie
.altteftamentlich'; doch behandelt der letzte Teil auch
,die Familie 'Imran' oder neuteflamentliche Namen. Daß
das fprachwiffenfchaftliche Intereffe des Verf. nicht fehr
tief geht, zeigt die Bemerkung zum Namen Jefus-Jofua:
,Der Wechfel von e und 6 ift im Hebräifchen nicht feiten...
Dabei ift gleichgültig ob das e oder das ö das Urfprüng-
liche ift'. Das ift doch ein fehr wefentlicher Unterfchied.
Über die arabifche Form des Namens David (Da ud) heißt
es nur: ,1m Koran, wie fonft im Arabifchen, heißt der

Glück, Rabb. Dr. Rudolf, Die Scholien des Gregorius Abul-
farag Barhebraeus zu Genes. 21—50 Exod. 14.15. Leviticus —
Deuteron, u. Josua auf jüdische Quellen untersucht. Überfetzt
und mit Anmerkungen verfehen. (Beiträge zur
Gefchichte der Bibelexegefe.) Frankfurt a. M. (1903),
J. Kauffmann. (75 S. gr. 8.) M. 2.—

Die Arbeit folgt einem Fingerzeig, der in diefer Zeit-
fchrift (1895 Nr. 9 Sp. 227 f.) gegeben wurde, ift aber nicht
fehr ergebnisreich. Denn trotz der Verficherung der Einleitung
, nur folche Quellen [? Stellen?] anzuführen, in denen
Barhebräus mit den jüdifchen Exegeten aufs genauefte,
faft wortweife übereinftimmt, wird vieles beigezogen, was
Barhebräus durchaus nicht aus jüdifchen Quellen haben
muß. Seine eigene jüdifche Abdämmung ift gar nicht
berückfichtigt, und ganz unnötig ift es, ,die infolge der
Kreuzzüge ftattgefundenen Maffenauswanderungen und
Vertreibungen der Juden' beizuziehen, um erklärlich zu
finden, daß ihre literarifchen Schätze auch dem Barhebräus
zugänglich fein konnten. Am meiften ift mir aufgefallen,
daß Barhebräus Gen. 49, 0 wie die von Glück angeführten
jüdifchen Quellen davon verfteht, daß Juda den Jofeph vom
Tod errettet habe. Aber ich weiß nicht, ob fich nicht
felbft diefe Deutung bei kirchlichen Schriftftellern belegen
ließe. Anderes liegt fo nahe, daß nicht an Entlehnung
oder Beeinfluffung gedacht werden muß. — Leider muß
ich wieder hervorheben, daß die Arbeit nicht mit der
Sauberkeit hergeftellt ift, die zu erwarten man berechtigt
ift. In Jofua 1, 1 bemerkt Barhebräus wie andere, daß das
Vau, mit dem das Buch beginnt, Anfchluß an den Pen-
tateuch beweife. Statt eines fyrifchen Vaw fleht S. 71
im Text ein Kreis, von dem der Verf. bei der Korrektur
fehen mußte, daß das ein Fehler ift; aber er läßt ihn
flehen. Zugleich überfetzt er ebenda, daß Jofua ,nach dem
gänzlichen Ableben und Entfchlafen Mofes diefes
Buch fchrieb', ftatt: daß Jofua, nachdem er die Worte
(l6ft) vom Entfchlafen und Begraben Mofes vollendet
hatte (= Deut. 34, 10 ff.), dies Buch fchrieb. Ein anderer

König David ganz genau wie im Hebräifchen: i>jfi>
(= TH), natürlich hat Muhammed nur von diefem Namen
gehört'. — Die Frage, ob bei einzelnen Namen auch
graphifche Beziehungen zu berückfichtigen find, wird
gar nicht aufgeworfen. Die Form z. B. (= hlfj*»)

für den Namen des Johannes ift fchon aus graphifcher
Verwechslung mit 1** (== "W) erklärt worden. Nach

ir u 1 tw~ SaTü ■ r„„ /lq c j ^ r u Uberfetzungsfehler zu Dt. 16, s ,daß es eine Offenbarung

Karabacek (Wiener Akaderme 135 (1896) S. 10) findet fich ; frf ftatt: bekannt ift, daß das Paffaopfer gebraten und
aber die herkömmliche Schreibung fchon auf einem Ton- j nicht gekocht wurde. — In der Einleitung wird auch
fiegel des 7 Jahrhunderts mit der gnechffchen Wmder- Nicolaus von Lira erwähnt und gefagt, daß er ,in einem
gäbe laste (Imäle). - Warum Abraham gewohnlich Ibra- j bekannten Hexameter jene vierfache Auffaffung der
him heißt (durch Angleichung an dm Vokale von Ifmail), 1 Exegefe zufammengefaßt'. Ift der Vers: Litera %-esta
hätte auch Erwähnung verdient Ebenfo wäre ein Wort } docet ufw_ wirkiich von inm? Als probe gebe ich die
über die Namen der zwei mehrfach erwähnten Engel aus j erp.e Bemerkung

Gen. 6. Harut und Marut erwünfcht gewefen. Richtig j Gen< 22> u Ueft die Pefchit0) was auch bei Ball und
wird für Tfa = Jefus der Gleichklang mit Mufa j Spurrell nicht angeführt ift, ny-firi ftatt WT1, du haft

hervorgehoben; eine Unterfuchung über das 'Ain prothe- bekannt gemacht, daß du Gott fürchteft; das umfchreibt
ticum1, die der Anfangsbuchftabe des Namens verlangt | Barhebräus: du haft (es; nicht: dich, wie Glück überfetzt)
hätte, fehlt. Mehrfach ift LagardesÜberficht beigezogen; Engeln und Menfchen gezeigt. Dazu nun als Parallele:
aber das Vorbild gründlichfter fprachwiffenfchaftlicher j ,Ahnlich erklärt Rafchi: Nunmehr weiß ich, was ich
Unterfuchung der Namen, das er dort gegeben, hat nicht | Satan und den Nationen auf ihre Frage: Welche Verpflich-
genügend gewirkt. Zur Erklärung des Namens Adam j tung Rh dir gegenüber habe, antworten kann. Ich kann
hätte auch die Frage angeführt werden können, die der | jetzt offen ihnen entgegentreten, indem fie fehen, daß du
Jude Abdia ben Salom dem Muhammed vorlegte, warum gottesfürchtig bift.

Adam fo heiße und deffen Antwort: quia creatus de So auch RSBM: Nun fehe ich es, und es ift auch
Inno terrarum omttium, non unius.sienim de uno creatus i jedem klar, daß du gottesfürchtig bift'.

leicht ein Heft zu füllen.

Maulbronn. Eb. Neftle.

esset, nulla esset inter homines noticia creationis; fo nach ! Wenn man folches als Parallelen gelten läßt, ift es
Mahometis Abdallae filii Thcologia dialogo explicata Hermanne
- Nellingauncnsi interprete (1543)- Dafelbft noch andere
, intereffante Notizen über den Sündenfall, die auch
in der Jezvish Encyclopedia, welche fonft auf die moham-
medanifche Literatur forgfältig Rückficht nimmt, nicht
alle fich finden. Das Biblifche im Islam würde eine gründliche
Monographie verdienen, aber umfaffendere Studien

erfordern, als fie diefer Arbeit zugrunde liegen. Vgl. auch daß es f h um j Ausgabe oder Überreizung

Ed. Kon.g lm Theol. Litblatt 1903, 23. der A^okryphen handelt. Es ift Iber keines von Siden

Andre, D. L. E.Tony, Les Apocryphes de l'Ancien Testament.

Florence 1903, O. Paggi. (350 p. gr. 8.)

Nach d em Titel diefes Buches könnte man ver-

Maulbronn. Eb. Neftle.

fondern eine hiftorifch-kritifche Unterfuchung derfelben,
alfo eine ,Einleitung in die Apokryphen des A. T.'
Das Wort ,Apokryphen' wird dabei im Sinne der
Luther'fchen Bibel genommen: es find diejenigen Stücke