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Ausgabe:

1903 Nr. 5

Spalte:

144-145

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Guttmann, J.

Titel/Untertitel:

Die Scholastik des dreizehnten Jahrhunderts in ihren Beziehungen zum Judenthum und zur jüdischen Literatur 1903

Rezensent:

Bloch, Philipp

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143 Theologifche Literaturzeitung. 1903. Nr. 5. 144

Stande, mit feinenWorten die Anflehten anderer wieder- ich den Anfpruch, alle Quellen gefunden zu haben. Denn
zugeben. Er überfetzt fie vielmehr in gröfserer j mir waren nicht einmal fämmtliche Werke zugänglich, die
oder geringerer Ausdehnung bald wörtlich, bald | E. eingestandener Mafsen benützt hat. Noch weniger
etwas freier ins Schwedifche, fo Garns, Die KG von ] konnte es meine Aufgabe fein, einem Compilator hinter
Spanien; Paret, Priscillianus; die KG von Möller und alle Schliche zu kommen.

Müller; Bardenhewer, Patrologie; die Abhandlungen von ' So stellt fich diefe .akademisk afhandling1 im letzten

Hilgenfeld in Zeitfchr. f. wiff. Theol. Bd. 35; Herzog in Grunde dar als eine kecke Wikingerfahrt an die Kütten

Revue intern, de theol. vol. 2; Brandt in Theolog. Tijdschr. fremder, vorwiegend deutfeher Wiffenfchaft.

Bd. 25; Merkle in Theol. Quartalfchr. Bd. 78. In Cap. II Breslau Dierich

.über den kirchlichen Zustand im Abendland zur Zeit

Pr.'s1 wird auf S. 33 Anm. 2 u. a. auf Hauck, KG Deutfch-

lands, und die KGefchichten von Möller und Müller ver- Guttmann. Rabb. Dr. J.. Die Scholastik des dreizehnten

wiefen. Wer aber meint, E. verwerthe wenigttens Jahrhunderts in ihren Beziehungen zum Judenthum und zur

hier die Gedanken der Genannten m freier, felbft- jüdischen Literatur. Breslau 1902. M. & H. Marcus,
ftandiger Faffung, der irrt fich ganz gewaltig. ' „

Er überfetzt wiederum wörtlich oder fast wört- ; (V11> 188 =>• °0 M- 5-—

lieh. Ein Beifpiel genüge für viele. Man vgl. Dafs in den mancherlei Berührungen, welche zwifchen

der Scholastik in ihrer Blüthezeit und der jüdifchen Re-
Iigionsphilofophie offenfichtlich bestehen, nicht blofs eine
J statens mtresse, för 1 äufserliche Annäherung zweier verwandter Gcdanken-
att gifva statenfasthet och reihen zum Vorfchein kommt, dafs vielmehr wefentliche
styrkasöhtekejsarnaupp- Einwirkungen mehr oder minder intenfiver Art feitens

Müller, KGefch. Bd. I, 218: Edling, Priscillianus I, 40:

DiekirchlicheEinheit
(liefen Gefahren gegenüber

matiska afgör eiser er
h'öllo lag Hg kraft. Till
hennes förfogande ställde
statsmakten sin arm. Mot-
ständet mot kenne blef
undertryckt. Fran hereti-
kerna tog man deras kyrkor,

herzultellen und aufrecht
zu erhalten, haben alfo
erst die Kaifer im Inter-
effe und mit den Mitteln
des Reiches unternommen
.....Tat fächlich entwickelte
fich die Sache
fo, dafs nur die katholi-
fche Kirche mit den
Privilegien ausgestattet
wurde, die ihr
die bedeutende fociale
Anziehungskraft verliehen
. Ihre dogmati-
fchen Entfcheidungen
erhielten Gefetzes-
kraft, der Widerstand
gegen fie wurde unterdrückt
, die abgefetzten
Bifchöfe aus ihren
Städten ausgewiefen
und verbannt . . .

und fo geht es noch eine Weile fort. Eingefprengt find
in diefen Abfchnitt zwei Sätze aus Möller I, 333, an

fein Ende fchliefst fich ein Satz aus Löning 1,71 an. Aufser j fpeculative Ideen und Argumente ftattgefunden habe,
den fchon Genannten werden theils in Cap. II, theils in Es handelt fich dabei hauptfächlich um die Erage, in
den anderen ausgefchrieben: Harnack, DGefch. u. Gefch. welchem Maafse derartige Einwirkungen fich geltend ge-
der altchr. Lit; Bernays, die Chronik des Sulp. Sev.; Häbler, j macht und nachweisbar find. In der Beantwortung diefer
über die Astrologie im Alterthum in einem Zwickauer i Frage liegt der Kernpunkt des vorliegenden Buches, in
Gymnafialprogramm von 1879; Schepfs, Pro Triscilliano ihr finden die einzelnen, lofe aneinander gereihten Ab-
in Wiener Studien Bd. 15; Richter, das weftröm. Reich; I handlungen ihren höheren Zufammenhang. Der Verfaffer
Dierich, die Quellen z. Gefch. Pr'.s. E. übernimmt auch j hat fich allerdings nicht auf diefen Punkt allein befchränkt,
oft die Anmerkungen feiner Quellen, oder er wirft Be- ! fondern die Beziehungen jener hervorragenden Theologen
lege, die bei ihnen im Texte flehen, als Anmerkungen [ zum Judenthum überhaupt erörtert. Schon feit einer
unter feinen Text oder fucht Belege zum Text feiner ; Reihe von Jahren hat derfelbe die Ergebnifse feiner
Quellen, wo folche fehlen, und will fo den Eindruck I Unterfuchungen in verfchiedenen Zeitfchriften, wie in
der Selbständigkeit machen. Auf S. 60 verfpricht er einer Monographie über das Verhältnifs des Thomas von
die Beweife kurz zufammenzufaffen, die Schepfs in den I Aquino zum Judenthum u. f. W. mitgetheilt. Diefe verWiener
Studien für die Autorfchaft Pr.'s an allen tri: i streuten Auffätze find es, die gefammelt, jedoch erweitert
gegeben hat. Was thut er aber? Er fchreibt Schepfs' ; und ergänzt — wir weifen auf den intereffanten Artikel
eigene Zufammenfaffung auf S. 134, 136f., 141 der über Duns Scotus namentlich hin — und mit einer

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rätthalla kyrkans en- der jüdifchen Philofophen auf die fönst dem rabbinifchen
het. — Och fakttskt ge- Geistesleben fremd und abgeneigt gegenüberltehenden
staltade sig sahen sä, j Scholastiker fich hierin erkennbar machen, wird wohl
att den katolska kyrkan j heute von Niemandem mehr ernstlich bestritten. Als Joel
utrustades med privi- , 1857 gleich nach dem Erfcheinen der Auszüge aus dem
legier, somgäfvo kenne :bis dahin nur dem Titel nach bekannten /Quell des
en stark social drag- i Lebens' von Salomo ibn Gabirol, welche Münk aus einer
ningskraft. Hennes dog- hebräifchen Ueberfetzung veröffentlichte, in mehr allgemeiner
Weife den Nachweis verfuchte, dafs Gabirol oder,
wie er in der mittelalterlichen Latinität genannt wurde,
Avicebron auf die Scholaftik des 13. Jahrhunderts wie
,ein Ferment' gewirkt habe, ftiefs diefe Behauptung auf
Widerfpruch, der in einigen Nebenpunkten auch wirklich
begründet wurde (S. 12). Joel hat fich nur noch begnügt,
in gleicher Richtung eine Darstellung von dem .Vcrhält-
förbjod deras gndstjänstcr; j nifs Albert des Grofsen zu Maimonides' 1863 zu geben,
de afsatta biskoparna j welche wohl hier und da abgelehnt, doch nicht wider-
blefvo utvisade frän legt wurde (S. 87, Anm. 1). Die von Joel angeregten
sina städer och lands- Unterfuchungen hat Guttmann aufgenommen, hat die-
förvtsade ... : felben mehr 'fpecialifirt und vollständiger durchgeführt

und dadurch über jeden Zweifel feflgeftellt, dafs eine
erhebliche Beeinflussung der vom Augustinismus zum
Ariftotelismus übergegangenen Scholastik durch jüdifch-

genannten Zeitfchrift aus und zwar zunächst das
was Schepfs durch Sperrdruck hat auszeichnen
laffen. Das alfo nennt E. kurz zufammenfaffen! Nicht

gründlichen Arbeit über Albertus Magnus neu bereichert,
in Buchform unter dem obigen Titel uns vorgelegt werden
. Thomas von Aquino, der gröfste Scholastiker, wird

immer verweist er auf die Quelle, die er gerade abfehreibt. allerdings bei diefen Darlegungen nur ungerne vermifst,
Dem Wortlaut meiner Differtation bin ich öfter begegnet, : doch die Unterlaffung, zu der der Verfaffer aus äufseren
9 Mal ohne Hinweis. Die Anleihen, deren ich bis jetzt 139 Gründen genöthigt war, stört nach der ganzen Anlage
zähle, finden fich in den Capp. I—VIII, am zahlreichsten ; des Buches um fo weniger, als ja dem Aquinaten in

in I und II, S. I—47, fodafs diefe beiden zum gröfsten ; diefer Hinficht eine eingehende Einzelfchrift gewidmet
Theile auch in formeller Hinficht nicht E.'s Eigenthum ! ift. In ihrer Stellung zum Judenthum werden alfo befind
. Eine Ausnahme fcheinen Cap. IX und X zu machen. ■ handelt: Wilhelm von Auvergne, Alexander von Haies,
Doch ich will mich nicht dafür verbürgen, noch erhebe I Albertus Magnus, Vincenz von Beauvais, Bonaventura,