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Ausgabe:

1903

Spalte:

137-142

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Blass, Friedrich

Titel/Untertitel:

Textkritische Bemerkungen zu Matthäus 1903

Rezensent:

Bousset, Wilhelm

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Theologifche Literaturzeitung. 1903. Nr. 5.

nitionen, wie der Text des Marcion hätten eine weit j hier aus fämmtlichen von ihm berücküchtigten neueren
gründlichere Behandlung verdient, während auf der anderen 1 Editionen (Tifchendorf, Weymouth, B. Weifs, Weftcott-
Seite die maffenhaften Literaturangaben über den Apolo- j Hort), auch wenn wir die Randlesarten und die Lesarten
«eten Ariftides (S. 777), der überhaupt,das neue Teftament | im Appendix von Wettcott-Hort mitrechnen, etwa
nicht nach dem Wortlaut anführt', höchft überflüffiger j 50 Stellen, an denen bald diefer, bald jener Herausgeber
Ballaft find. Bei Hippolyt wird ebenfalls wild durch- abweicht. Aber diefen fämmtlichen Herausgebern tritt
einander alle mögliche Literatur genannt. Wie wichtiges j Blafs, wenn wir die Stellen mitrechnen, an denen er Worte
und derBearbeitungharrendesMaterialinder neuen grofsen j des Matthäustextes in Klammern fetzt, allein mit rund
Textausgabe von Bonwetfch und Achelis (namentlich für 60 Sonderlesarten gegenüber.

die Apokalypfe) vorliegt, wird dem Lefer G.'s kaum klar Es ift daher die Frage für die neuteftamentliche Textwerden
. Unter Chryfoftomus find die Collationen Mat- kritik und Exegefe von befonderer Wichtigkeit, wie weit
thaei's von zahlreichen Handfchriften nicht genannt, obwohl die Verbefferungsvorfchläge, mit denen B. uns befchenkt,
Tifchendorf fie benutzt, während freilich vorher S. 765 die ficher fundirt find.

Arbeit Matthaei's auf diefem Gebiet vorübergehend Er- In der vorliegenden Befprechung mufs ich mich im

wähnun" findet. Wefentlichen darauf befchränken, die Aufftellungen B.'s an

Die/Angaben darüber, wie die Handfchriften dieEufe- j einem, allerdings dem für ihn wefentlichften Punkte nach-

. r*. . . - 1 1 r 1 ,T_____________1:___,. , f — AI- -:___ ]_______Li____11 n__-7_______ r-■ ,.

-------o--—

bianifchen Abfchnitte am Schlufs des Marcusevangeliums
überliefert haben, find ebenfalls nicht genau, ftimmen
wenigflens nicht mit Gregory's eigenen Angaben in Bd. I
überein. Unter den Handfchriften, die mit Abfchnitt 233 zu
V. 8 fchliefsen, find Nr. 77 und 371 hinzuzufügen, im
folgenden Abfchnitt (234: 9) ift 122 ftatt 121 zu lefen,
127 zu ftreichen, hinter 220 ,V. 10' in Klammern einzurücken
, unter der Rubrik 240: 19 ift 447 einzufügen. Auch
variiren hier die Verfe, bei denen der Abfchnitt 240 fteht,
beträchtlich, ohne dafs G. dies angiebt. Im folgenden
Abfatz find Nr. 89 und 126 einzufügen. Min. 298 Heil nach
Gregory 231 zu V. 2, könnte alfo in Klammern zu Handfchriften
557. 55S geftellt werden. In der Lifte auf S. 862
fehlen Nr. (95). 160. (173). 224. 263. 370. 401. 419. 435. 445.
Ich fetzte dabei voraus, dafs Gregory's Angaben im erften
Band richtig find.

In dem Ueberblick über die Ausgaben und text-
kritifchen Arbeiten ift zu beanftanden, dafs die Darftellung
mit der Charakterifirung der Arbeiten von Weftcott-Hort

zuprüfen. Als einen der werthvollften Zeugen für die
Reconftruction des urfprünglichen Matthäustextes betrachtet
B. die Homilien des Chryfoftomus l) zu unterem Evangelium
. Zahlreich find die Stellen, an denen er allein auf Grund
des Zeugnifses des Chr. feinen Text herftellt. Einen zu-
fammenfaffenden Beweis für diefe Schätzung des Chr. hat B.
leider nirgends gegeben. Er entfcheidet von Fall zu Fall.
Es wird aber doch nothwendig fein, dafs wir uns bei einer
BeurtheilungdesChr.-Textesein allgemeines Bild von deffen
Befchaffenheit und der Art des Chr. zu citiren machen.

Bei der Unterfuchung des Textes, den Chryfoftomus
vorausfetzt, gehe ich verfuchsweife von dem grofsen Citat
aus, das jener in feinem Kommantar p. 637 bietet. Hier
citirt er in einem Zuge das ganze Gleichnifs von den
Arbeitern im Weinberg Mt. 201—16. Wenn irgendwo, fo
haben wir hier die Gewähr, dafs Chryfoftomus feinen Text
auffchlug und ihn wörtlich wiedergab. Wie ift hier der
Text des Chr. befchaffen?

Auf den erften Blick ergiebt fich, dafs der Text

en

fo ziemlich aufhört. Nach den grofsen englifchen Text- j des Chryfoftomus vorwiegend "den i
kritikern fcheint für G. faft nichts mehr der Erwähnung nifsmäfsig wcrthlofen TvoulTderien K "d *erha,h'
werth zu fein. Ich kann mit d.efer nahezu kanonifchen j Weftcott-Hort als fwifch Ze'^.die
Schätzung der Arbeit diefer grofsen Textkritiker mich , die antiochenifche ^SS^^l^f^L V°Z2£
nicht befreunden. Ift auch fe.ther keine fo zufammen- 1 An nichtVreaKer J^ fr^^^u' "enncn dur<en.
faffende Arbeit mehr geleiftet, fo hat doch eine höchft ( P> IO) -Stdlen Reht er mit d

rege und emfige Weiterarbeit auch am Wefentlichen ftatt-
gefunden. Diefe hätte auch mit ihren Verkehrtheiten und
Einfeitigkeiten charakterifirt werden müffen. Blafs' Arbeiten
follten, auch wenn fie fich zunächft nur auf ein-
ze

Vertretern diefer Gruppe gegen die Zeugen eines älteren
Textes BsL cop. (D it. vg.).

1) V. 2. ov/Kpwvtjoag de 2) V. 6. evdexaxnv + aiQav 3) eaxutxag
-f- at>yovg 4) V. 7. + xai orav ?/ dixaiov Xqpiyeolte 5) V. 8. (ano)
Sog + avToig 6) V. 10. nXewva 7) V. 11.) ro" ava 8) cv> xai

--------- -— --- -- - ; avt0l ava dtjvaf,nnv 9) V. 12. tj/xiv avxovg (637 D. 638 A nach Mont-

. -u i u 'a • N T 'g bezogen, hier nicht lernen, faucon; dagegen 638 A nachFielcl, und 638 15 nach Montfaucon und Field

Ine Pucher jam» * . ^ allgemeine textkritifche . aVTOvg ,mv) .o) V. 15. + n" »vx n) V. 16. + zoUoi yao ewi

Denn es handelt lieh in innen um anK _ fc txXexxoi.

Dem flehen nur drei Fälle gegenüber, in denen Chr's
Text auf Seiten der älteren und befferen Zeugen fteht.

1) V. 12. Xeyovxeg ) ort 2) V. 13.00 evi avtwv unev (doch lafTen die
Handfchriften Matthaeis p rj das einev tranz fort) 3) V. 15. o iteXut noinaai
(doch haben Montfaucon und y Matthaei — gegen Matthaei 2. 6. 9. rj. p.
und Field: — noinaai 0 tXeXu)). Dazukäme vielleicht UOCI14) V. 10, wo X
BCD 33 u. a. xai eX&ovxeg, die meiden eX&ovxea de, Chr. nur xai lefeu.

Daneben theilt Chr. zwei Lesarten fpeciell mit dem
abendländifchen Text.

Grundfätze. Wer einen Einblick in den heutigen Stand
der Textkritik gewinnen will, wird neben Gregory jedenfalls
noch Neftle heranziehen müffen.

Göttingen. Bouffet.

Euangelium secundum Matthaeum cum variae lectionis delectu.

Edidit Fridericus Blafs. Lipsiae MCMI, B. G. Teubner.

(XVIII, 110 S. gr. 8.) M. 3.60

Blass, Prof. D. Dr. F., Textkritische Bemerkungen zu Mat- «) v. n xaL Xaßovxeg mit u V£ 2) v

thäus. (In:BeiträgezurFörderungchriftlicherTheologie. ^^fd^^^^
Herausgegeben von A. Schlatter und H. Cremer. IV. das xai gefichert.) 37 38 C beträch«ich. Doch fcheint

Jahrgang. lex». 4. Heft.) Gütersloh ioco, C. Berteis- | InBetracht kommen endlich noch folgende bemerken,
mann. (45 S. gr. 8.) M. 1.60 ,

Den Prolegomena, die Blafs in den Beiträgen zur hier mehri»r^M^l 5 p 'Ch darauf aufmerkfam, wie
Förderung chriftlicher Theologie zu einer neuen Text- R«U>3L. 01° rjurpurcodex Rossau cnsis (2T) in der
behandlung des Matthäus herausgab, ift die Edition des g , ^ von Chr- "fcheint.

Evangeliums mit einem reichhaltigen textkritifchen Apparat sah. Chr «rf m i'^fi?; t '"°v *c//2 Ferrargruppe, it [exe. b q.) vg.
auf dem Fufs gefolgt. Der Text, den B. uns hier fchenkt, 1 fOdg.I) ct. 4, tunVZTTl »Pr^rV V*" 3) £.W£L
zeigt im Vergleich mit demjenigen, der auf Grund der %frg**fab^^

bisherigen textkritifchen Arbeiten einigermafsen feftzu- u r' 6V D und 638 C. " ■ KruPI"

liehen fchien, ein recht fremdes Geficht. Wenn wir z. B. [ ~--

den Text der Bergpredigt ins Auge faffen, fo notirt 1 fonders aut'T"'"" Md 7 Ausgabel> von Montfa«con und Field be-
Neftle in der neueften Ausgabe feines Novum Testamcnlum ftam.-nts Cefammei7 w , "'• feinfr .?rofsen Aus8ab" ''es neuen Te-

geiammelten Varianten einer Reihe von Handfchriften.