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Ausgabe:

1903 Nr. 4

Spalte:

107-109

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Gollancz, Hermann

Titel/Untertitel:

The ethical treatises of Berachya, son of Rabby Natronai Ha Nakdan 1903

Rezensent:

Guttmann, Julius

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io7 Theologifche Literaturzeitung. 1903. Nr. 4. 108

bacher der ruffifchen und Strzygowski der römifchen | Hanel, gedruckten Fabelnfammlung, die den Titel:

Schwefterzeitfchrift (Byz. Zeitfchr. 1894 S. 433 und 1901 I D^byi© iblÖÜ (Fuchsfabeln) führt und zum grofsen Theil

S. 736) zu Theil werden liefsen. Ebenfo wie die bei- j der franzöfifchen Fabelnfammlung des Marie de France

den anderen, fo verfolgt auch die römifche Zeitfchrift | (XII. Jahrhundert) nachgebildet ift. Eine handfchriftlich

rein wiffenfchaftliche Zwecke. Ich habe wenigflens in
dem mir vorliegenden erften Bande nichts bemerkt,
was auf andere Ziele, etwa kirchenpolitifche, fchliefsen
läfst. Als geiftiger Urheber des Oricns Christianus
ift Möns. A. de Waal anzufehen, der Vorfteher des
Collegium am Campo Santo dci Tcdeschi zu Rom.
Unter den Namen der Mitarbeiter find viele deutfche
zu finden, von denen ich nur den A. Ehrhard's nenne.

vorhandene, in der Form eines Dialogs zwifchen einem
Onkel und feinem Neffen gehaltene Abhandlung, die
den Titel: tnlbston (die Fragen) oder im (mein

Onkel und mein Neffe) führt und die Herr Gollancz
fpäter zu ediren gedenkt, ift, wie Steinfehneider nach-
gewiefen hat, eine hebräifche Bearbeitung der Quaestiones
naturales des Adelard von Bath, der, um 1120 lebend,
als einer der erften mit der Wiffenfchaft der Araber ver-

Der Inhalt der Zeitfchrift gliedert fich in drei Abthei- , trauten abendländifchen Gelehrten in diefer Schrift,
lungen : I. Texte und Unterfuchungen, 2. Auffätze, I gleichfalls in Form eines Zwiegefprächs zwifchen Onkel
3. Mittheilungen, Befprechungen und Literaturbericht, j und Neffen. Anflehten der Araber über verfchiedene
Es kann nicht meine Aufgabe fein, auf den Inhalt I Fragen aus dem Gebiete der Phyfik zur Darftellung bringt,
der einzelnen Artikel einzugehen, doch foll wenigflens In diefem Berachja glaubte Rapoport in feiner grund-
der Hauptinhalt kurz erwähnt werden. Mit den Alt- 1 legenden Biographie des berühmten Gaon Saadia ben
chriftlichen Kirchenordnungen, Liturgik etc. befchäftigt Jofef auch den Urheber einer hebräifchen Bearbeitung
fich der Herausgeber A. Baumflark u. a. in folgenden von Saadia's religionsphilofophifchem Werke: Kitäb al-
Auffätzen: ,Eine ägyptifche Mefs- und Taufliturgie aus Amänät 70a'l Ctiquädät erblicken zu dürfen, die im
dem 6. Jahrhundert'. ,Die nichtgriechifchen Paralleltexte j Gegenfatz zu der fich ftreng an den Wortlaut des Textes
zum achten Buche der apoftolifchen Conftitutionen', ,das | haltenden Ueberfetzung des Jehuda ibn Tibbon einen

maronitifche Synaxar zum 29. Juni'. Mehr oder weniger
zur Didache-Literatur gehört der von Marius Beffon
herausgegebene Rccucil de sentences attribue ä Isaac le
Syrien. Oskar Braun giebt Notizen über den neftoriani

mehr paraphraftifchen Charakter an fich trägt. Diefer
fchon von Zunz (Gef. Schriften III, S. 231 ff.) und Stein-
fchneider (zuletzt Hebr. Ueberfetzungen S. 440 f.) abgelehnten
Vermuthung tritt auch Gollancz entgegen,

fchen Katholikos Timotheus I (achtes Jahrhundert) und [ hauptfächlich aus dem Grunde, weil Berachja des Ära'
beginnt eine Veröffentlichung feiner Briefe. In die Kund- | bifchen unkundig gewefen fei, da fich in den uns vor

gefchichte gehören die Artikel von Strzygowski über die
Sophienkirche in Salonik und Hans Graeven: ,Ein Chriftus
typus in Buddhafiguren'.

Möge die Zeitfchrift einen glücklichen Fortgang
haben und damit zugleich einen neuen Beweis dafür

liegenden Schriften diefes Autors keine Spur einer
Benutzung eines arabifchen Originalwerkes nachweifen
laffe. Wir neigen uns im Wefentlichen derfelben Anficht
zu, obwohl noch einige bisher nicht genügend berück-
fichtigte Momente in Betracht zu ziehen wären, die wir

liefern, dafs die Wiffenfchaft einen Ort des Friedens 1 an einem anderen Orte zu erörtern uns vorbehalten,
geben kann, den confeffionelle und politifche Intereffen ! Die literarifche Thätigkeit Berachja's befchränkte

nicht ftören. fich, wie wir gefehen haben, im Wefentlichen auf die

Hannover Ph Meyer I Ueberfetzung und Bearbeitung von Schriften anderer

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Gollancz, Hermann, M. A., D. LUV, The ethical treatises

of Berachya, son of Rabbi Natronai Ha Nakdan. Being ^^l^^^^A^i i-us'Z7he7r^7xic%

Autoren. Die beiden hier zur Veröffentlichung gelangenden
Schriften entbehren aber noch mehr als die bisher
bekannten jeder felbftftändigen literarifchen Bedeutung.

the compendium and the Masref. Now edited for the , führt den Titel: TTDinn "IBD, was der Herausgeber mit
firft time from mss. at Parma & Munich, with an J ,Cornpendium' wiedergiebt, wofür aber wohl finngemäfser

,Das Buch der Collectaneen' zu fetzen wäre. Die zweite
(S. 116—153 des hebr. Textes) wird als Epttafl "IBO bezeichnet
, was nach der Erklärung des Verfaffers (S. 116)
.Buch der Läuterung' bedeuten foll. Beide Schriften beliehen
faft durchweg aus Excerpten, die wortgetreu und
nur mitunter gekürzt den Werken früherer jüdifcher
Autoren entnommen find, jedoch mit dem Unterfchiede,
dafs die erde auch Stellen allgemein-philofophifchen Inhalts
aufgenommen hat, während die zweite, in gewifser
Beziehung ein Auszug aus der erften, nur folche Stellen

english translation, introduetion, notes &c. With 3
facsimiles. London 1902, D. Nutt. (LVI, 361 und IX,
153 S. Lex. 8.) 21s.

In dem vorliegenden Buche werden zum erften Mal
nach Handfchriften der de Roffifchen Sammlung zu
Parma und der Königlichen Staatsbibliothek zu München
zwei Schriften veröffentlicht, die beide den Autornamen
des R. Berachja bar Natronai Hanakdan an fich tragen.
An diefen Namen knüpft sich eines der fchwierigften

Probleme der jüdifchen Literaturgefchichte des Mittel- I enthält, die dem Gebiete der Ethik angehören. In dem

alters, das von dem Herausgeber in der Einleitung

(S. XI—LIII) forgfältig und eingehend erörtert und auf aus der Paraphrafe von Saadia's Amänät, die den Haupt-
Grund des in feiner Publication dargebotenen neuen inhalt diefer Schrift ausmachen, folchen aus Bachja ibn

n^inn ISO begegnen wir neben zahlreichen Excerpten

Materials nach mancher Richtung hin feiner Löfung
näher gebracht wird. Als die Heimath Berachja's, die
Jofeph Jacobs nach Elngland verlegen wollte, wird mit
grofser Wahrfcheinlichkeit Südfrankreich und als die Zeit
feiner literarifchen Thätigkeit, die nach Zunz und Stein-
fchneider in die zweite Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts
fallen follte, die Mitte des zwölften Jahrhunderts

Pakuda's Herzenspflichten, aus Gabirol's Ethik (Veredlung
der Eigenfchaften der Seele), aus der dem Gabirol
zugefchriebenen Spruchfammlung, die den Titel: ,Perlen-
lefe' führt, aus Abraham ibn Esra's Bibelcommentar fowie
einer Stelle aus deffen Jesod Moreh und einer aus dem
Wörterbuch des Salomon ibn Parchon. Die Gabirol'fche
Ethik und die Perlenlefe find in der Ueberfetzung des

nachgewiefen. Auf die hier in Betracht kommenden j Jehuda ibn Tibbon benutzt. Bei den Herzenspflichten
Fragen des Weiteren einzugehen, mufs ich mir an diefer j des Bachja find nur die Auszüge aus der erften Pforte
Stelle vertagen, weil dies nur in einer Detailunterfuchung | — nicht, wie der Herausgeber angiebt, aus den beiden
gefchehen könnte, für die ich den Raum diefer Zeit- erften Pforten — der Ueberfetzung des Jehuda ibn Tibbon
fchrift nicht in Anfpruch nehmen darf. entnommen, die Auszüge aus den fpäteren Theilen diefer

Am bekannteften ift unfer Berachja als Verfaffer der ! Schrift liegen uns hingegen in einer anderen Ueberfetzung
zuerft Mantua 1557—58 und feitdem öfters, unter Anderem vor, wahrscheinlich der des Jofef Kimchi, von der uns
Prag 1661 mit einer lateinifchen Ueberfetzung von Melch. 1 anderweitig nur ein kleines P'ragment erhalten ift. Da