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Ausgabe:

1903 Nr. 3

Spalte:

77-82

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Cohn, Leopoldus (Ed.)

Titel/Untertitel:

Philonis Alexandrini opera quae supersunt. Vol. IV 1903

Rezensent:

Heinrici, Carl Friedrich Georg

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Theologifche Literaturzeitung. 1903. Nr. 3.

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85 nach ecu'tv iv imxiuloiq, 8e nach av&Q<onov iv yrgtu
avxov, 1326 nach xagöla iv dya&olq ufw.

Auch grammatifche Verfehen laufen unter. Der
Imperativ des Piel heifst nicht U5>72, wie Peters 319 und 35k
vocalifirt, und rP2t5PI3 ifl 315 die oft vorkommende Fort-
fetzung des Verbum finitum durch den Infinitiv.

Oefter ift die Ueberfetzung zu beanftanden. 310 heifst
-annt"! b8fuche nicht deine Ehre (nicht: prahle nicht), 31328
iniaibDr, = befchäme ihn nicht (ftatt: fchmähe ihn nicht), 314
28 rpi2 = das Wohlverhalten gegen den Vater (ftatt:
das Almofen an den Vater), 322 rreit-r» mal = das,
worüber dir Macht gegeben ift (ftatt: was dir erlaubt ift). —
49 Inn "ilpn b8 = fei nicht unwirfch (ftatt: fei nicht
kleinmüthig). ■— 32G "irmn8 B82n = fein Ende ift übel
(ftatt: fein Ende ftinkt). Man mufs fich in den Aramais-
raus 8582 hier finden. Das nachfolgende tTOita ift dann
aber nicht anzufechten.

Die Textausgabe S. 319—434 ift unpraktifch, weil der
Verf. weder im Text noch in Anmerkungen unter dem
Text feine Emendationen und Conjecturen kenntlich gemacht
hat. Der Lefer mufs deshalb für jedes Wort des
Textes aus dem Commentar feftftellen, ob es handfchrift-
lich bezeugt ift oder nicht.

Hei alledem enthält das Buch fehr viele richtige Beobachtungen
, in denen ich mich freue, mit dem Verf. übereinzustimmen
, und jeder, der die Schwierigkeit der Aufgabe
kennt, wird feiner Leiftung aufrichtige Achtung zollen.

Veranlafst durch eine Bemerkung von Peters (S. 77*)
erlaube ich mir bei diefer Gelegenheit mitzutheilen, dafs
der von mir angekündigte griechifch-fyrifch-hebräifche
Index zum Sirach nahezu druckfertig vorliegt. Uebrigens
hoffe ich zugleich mit einer Ausgabe des hebräifchen
Textes auch eine hebräifche Concordanz, die ich vor
Jahren für c. 39—49 ausgearbeitet habe, in Ausdehnung
über alle Fragmente veröffentlichen zu können.

Göttingen. R. Smend.

Philonis Alexandrini opera quae supersunt. Ediderunt
Leopoldus Cohn et Paulus Wendland. Vol. IV. Con-
tinens: De Abrahamo; de Jofepho; de vita Mosis lib.
I et II; de Decalogo. Edidit Leopoldus Cohn. Berlin
1902, G. Reimer. (XXXIV, 307 S. gr. 8.) M. 10.—

Für den vierten Band der grofsen kritifchen Philo-
ausgabe hat Cohn die Hauptarbeit geleiftet, während von
Wendland hauptfächlich die Ermittelungen für die indirecte
Ueberlieferung aus Catenen und Florilegien beigefteuert
wurden. Er enthält De Abrahamo, De Josepho, De vita
Mosis I, II, De Decalogo. In den beiden erften Schriften
wird das Normative der Lebensführung diefer Patriarchen
herausgearbeitet; ihr Leben fei die Verkörperung des
ungefchriebenen Gefetzes, des befeelten und vernünftigen
Gefetzes (S. 2, Z. 7. 2685), in dem die Menfchennatur nach
ihrer Vollendung erfcheine und das die Vorausfetzung
fei für das fpäter codificirte Gefetz. Abraham wird demnach
dargefiellt als Typus der rechten Weife des Erkennens
^fid&rjacq), Jofeph als Typus des Staatsmannes
{jtoXixixoq). Zwei in diefe Reihe gehörende Schriften
find verloren gegangen; die eine fchilderte Ifaak als
Typus des Autodidakten {avxouad-rjq) (616), der fein
Wefen {(pvoiq) ebenmäfsig ausbildet, und Jakob als Typus
des Asketen, das will hier fagen, des Helden felbftver-
leugnender und erfolgreicher Thatkraft. Das Hauptftück
aber diefer biographifchen Idealbilder ift das Leben des
Mofes, in dem der Held als der vollkom mene Gefetzgeber
, der zugleich als König, Priefter und Prophet fich
bewährt, gefeiert wird. Die Schrift De Decalogo fchlofs
fich nach den Angaben ihrer Einleitung an die Reihe der
vouoi ayoa<poi an (2694 f.). Sie verherrlicht die ewige
fittliche Wahrheit, die unmittelbar von Gott feinem Her-
meneuten mitgetheilt fei, als die Grundlage aller weiteren
Gefetzgebung. Eben um diefes Gefichtspunktes willen

hat fie Philo felbft wohl dem Leben des Mofes voran-
geftellt, in welchem er befonders von deffen mehr felbft-
ftändigen gefetzgeberifchen Thätigkeit handelt. Mit Rückficht
auf die üblich gewordene Buchfolge in den älteren
Ausgaben hat diefe Schrift jedoch auch in der neuen
den Platz nach der Vita Mosis behalten.

Für die Herftellung des Textes der einzelnen Schriften
find die Handfchriften in ziemlich gleichmäfsiger Reichhaltigkeit
vorhanden; bei keiner liegt, wie z. B. bei De
somniis II, nur eine Quelle vor. Neu benutzt find heben
Handfchriften. Sie werden in den Prolegomena mit gewohnter
Sorgfalt befchrieben. Unter ihnen ragt ein
wiener Codex (V) aus dem 12. Jahrhundert hervor, der
zugleich als die Vorlage für fechs weitere nachgewiefen
wird. Das Intereffe diefer Handfchrift liegt fowohl in
dem verhältnifsmäfsig guten Text, als auch in den zum
Theil fehr verfehlten Textveränderungen eines willkürlich
eingreifenden Gelehrten des 13. Jahrhunderts. Noch
werthvoller ift ein Laurentianer Codex (K) für Vit. Mos. I,
De Josepho, De Abrahamo, De Fortitudine, zum Theil
auch wegen der Correcturen, die mit denen in V zu-
fammenftimmen. Die armenifche Ueberfetzung von De
Abrahamo und De Decalogo (von Conybeare collationirt)
leiftet auch hier gute Dienfte. Die indirecte Ueberlieferung
giebt nur an vereinzelten Stellen, z. B. 1557
{dem, Alex.), eine Ausbeute für Textverbefferung. Ueber-
blickt man das weitfehichtige Material, fo darf man fagen,
die Handfchriften flehen in Vorzügen und Fehlern nicht
weit von einander. Ein Abftand an Güte, wie zwifchen
der Papyrushandfchrift von Quis rerum divinarnm haeres
und den anderen Quellen liegt hier nicht vor. Einzelne
Gruppen laffen fich unterfcheiden in der Maffe. Ihre
Gruppirung verfchiebt fich aber für die einzelnen Schriften.
Für die Feftftellung der relativ bellen Lesart ift daher
ein eklektifches Verfahren angezeigt.

Angefichts diefes Sachverhaltes ift es felbftverftänd-
lich, dafs bei aller Anerkennung des Tactes und des
Scharffinns in der Abwägung der verfchiedenen Lesarten
dem Nachprüfenden fich auch abweichende Vorfchläge
aufdrängen. So möchte ich S. 222 für avEv um des Zu-
fammenhanges willen ix {Arm.) vorziehen. Beachtlich
ift 62 awoova (Arm.), das einen guten Sinn giebt, aber
nicht ohne weiteres in das Satzgefüge fich einpafst. Vielleicht
darf cupQovQslv conjicirt worden. Aber warum
foll ebenda iotovQidöaq {BC) nicht flehen bleiben? 2013 ift
bei der läftigen und ungewöhnlichen Häufung der Dative
für cpvaei bequemer cpvaiv (67) zu lefen. 27is—19 erfcheint
mir der überlieferte Text, der einen erträglichen Sinn
giebt, den vorgefchlagenen Conjecturen vorzuziehen.
3120—21 ift die vulgata doch wohl beffer als der neue
Text. Sie lautet: ovyl xalq iv td-ei xcuvovnylcaq 6°
cxxQscoiq xdl jianrjXXayuivaiq xiumplaiq {ex)£xiumnTjöaxo.
In dem recht gefchraubten Paffus 362 möchte ich eveq-
yovöi, 57 ig dvEgaXEutxoq {Arm) für das kahle dväypajtxoq
ein fetzen. Darf man yrjd-elv für vj)&siv (46 s) als Con-
jectur bezeichnen? Das bei Philo ungewöhnliche
Ö£X£a£,ousvr) (9012) giebt einen kräftigeren Sinn als das
von ihm oft gebrauchte Ö£xaC,o[i£VTj. 9012 ift jrgpl ixctOxov
fachgemäfs; es bedarf der Conjectur ixäoxmv nicht.
11911 möchte ich das geringer beglaubigte 61a Jtaiötäq
(67), das eben die Negation voti( onovörj ift (i66e), für
öia Jtcaddaq einfetzen; denn övvdueiq entfpringen nicht
aus dem Unterricht, fondern wurzeln in der cpvöiq. 12017
für (poQaq wp&ovlav nach KZ (poQOV dmlrovov. 16422
macht die Lesart jtoi£tv Conjecturen überflüffig, auch
ift xqcöxov beffer wie das conjicirte jiQoö&ev. 161 k ziehe
ich die Conjectur Mangey's oder Cohn's dem Text vor;
zur Antithefe vergl. 18123?. Zu De Decalogo ift die Ueber-
fchrift befonders mannigfach überliefert. Xoylmv, das
auch Eufebius hat [jcsqI öixa Xoyimv), entfpricht mehr
dem Sprachgebrauch Philo's, als Xdymv (vergl. z. B. 11911,
33 ?- 85 xa Xoyia rntjalv). Daher hat er auch das Be-
dürfnifs, wenn er einmal Xöyoi gebraucht, den Sinn