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Ausgabe:

1903

Spalte:

69-71

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Peters, Norbert

Titel/Untertitel:

Die sahidisch-koptische Uebersetzung des Buches Ecclesiasticus auf ihren wahren Werth für die Textkritik untersucht 1903

Rezensent:

Smend, Rudolf

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6g

Theologifche Literaturzeitung. 1903. Nr. 3.

die Compofition des Buches des Ifa hat manche be- |
ftechende Einzelheiten; ob fie (ich im Ganzen bewähren
wird, bedarf noch, wie er felbft einräumt, zahlreicher
Detailunterfuchungen. Angenommen fie befteht die Probe,
fo würde zunächft nur folgen, dafs der Autor zu feiner
Zeit eine perfönliche Auffaffung der Ebedjahvc-Stücke
vertreten hat; der Verfaffer jener Abfchnitte 100 Jahr
früher braucht diefe Auffaffung nicht gehabt zu haben
und hat fie thatfächlich auch nicht gehabt.

Breslau. Max Lohr.

Peters, Prof. Dr. Norbert, Die sahidisch-koptische Ueber-
setzung des Buches Ecclesiasticus auf ihren wahren
Werth für die Textkritik unterfucht. (Biblifche Studien
. Herausgegeben von Prof. Dr. O. Bardenhewer.
3. Band, 3. Heft.) Freiburg i. B. 1898, Herder. (XI,
69 S. gr. 8.) M. 2.30

Der heutigen katholifchen Theologie fehlt es nicht
an Gelehrten, die auf dem Boden der Philologia sacra
der katholifchen Wiffenfchaft ihren Platz erhalten wollen.
Sie fuchen ihr Arbeitsfeld mit Vorliebe in der Gefchichte
des Bibeltextes, deren Erforfchung mancherlei Sprach-
kenntnifse erfordert, und was die Ausdehnung ihrer
Sprachkenntnifse angeht, brauchen fie den Vergleich mit
den proteftantifchen Theologen nicht zu fcheuen. In erfreulicher
Weife zeigen das zwei Schriften von Peters
und eine von Herkenne, die z. Th. fchon vor Jahren
erfchienen find, die ich aber aus gefundheitlichen und
anderen Gründen jetzt erft befprechen konnte.

Die koptifche Ueberfetzung des Sirach ift zuerft für
den Commentar von Edersheim (in Wace's Apocrypha II
1888) verglichen, wobei die Wichtigkeit diefes Textzeugen
zu Tage kam. Ich habe mich darauf um eine
genauere Collation bemüht, und Georg Steindorff hatte
im Jahre 1896 die grofse Güte, den fahidifchen Text
Lagarde's (Aegyptiaca 1883) vollftändig für mich durchzufeilen
. Er bezeichnete die umfangreichen Notizen, die
er mir zur Verfügung ftellte, nur allzu befcheiden als
blofse Lefefrüchte. Obendrein überrafchte mich die
Freundfchaft Richard Pietfchmann's, der von Steindorff's
Bemühung nichts wufste, mit einer wörtlichen Ueberfetzung
des fahidifchen Textes Lagarde's von 11—1024
und 22 1-—23 s, des fahidifchen Textes Ciasca's (Band II
S. 218) von 1 14—210, des bohairifchen Textes Lagarde's
{Orientalin I S. 89) von 2i—9 und des achmimifchen
Textes Bouriant's {Mission archeol. francaisc au Caire I
255) von 22i7—23 g. Auf Grund diefer Arbeiten von
Steindorff und Pietfchmann habe ich die vorliegende
Schrift nachprüfen können. Mein College Sethe hat
mich dabei über die Differenzen, die zwifchen den Angaben
Steindorff's und Pietfchmann's auf der einen und
Peters' auf der anderen Seite beftanden, mit gröfster
Bereitwilligkeit aufgeklärt. Peters, der neben den
1 exten Lagarde's und Ciasca's auch Berliner Fragmente
der fahidifchen Ueberfetzung {Cod. ms. or. Nr. 409 od)
benutzen konnte, erörtert eingehend das Verfahren, das
der fahidifche Ueberfetzer befolgte (S. 5—30), zählt fo-
dann die Varianten auf (S. 30—57), um fchliefslich den
Werth diefes Textzeugen feftzuftellen (S. 57—64). Daneben
intereffirt ihn der koptifche Text als folcher
(S. 65-69).

Bei Arbeiten diefer Art find kleine Verfehen und
Ungenauigkeiten faß unvermeidlich. So bleibt zu 32t
unklar, welches oov, zu 13«, welches fir), zu 1713,
welches avzcöv, zu 3630, welches ovx der Verf. meint.
Ferner fleht 123 kein dyad-6v, 271 kein ydn, 2Q6 kein
fioXiq im griechifchen Text (Swete);' hier find überall
Kopte und Grieche verwechfelt. Das zu 3421 notirte
egyoiq gehört nach 3422, die zu 25 s verzeichneten Varianten
zumeift nach 257, das bei 287 aufgeführte xdi
zavza könnte nach 2730 gehören. 2710 lefen SA 23. 55 etc.

dfiaozla (nicht dpaozlav), 2919 lefen 296. 308 hjut&Ooi für
iustsamv (nicht für ifiJtEöElzai), 4520 hat S* stqcözov
yEvrjfiazoq für Iv stomzoiq (nicht für ^jtQOJZoyEvrj/uäzcov),
1420 laffen B und der Kopte zeXevztjOei nicht aus, fondern
fie lefen es beide.

Uebrigens kann ich nach meinen Gewährsmännern
die vom Verf. aufgeführten Varianten nicht unerheblich
vermehren, manchen feiner Angaben mufs ich aber auch
widerfprechen. Ich zähle hier nur folche Stellen auf, die
von Intereffe find. 210 hat der Kopte ivzoXalq (= Chry-
foft. und Lat.) für (poßcp, 3 1 das wahrfcheinlich urfprüng-
liche t^rjzE (= Syr.) für a'co&y)zE, 9« Schönheit, die nicht dein
Eigenthum ift (= Hebr. Syr.), für xaXXoq aXXozpiov, 102t
läfst der Kopte dvzcöv nicht aus, Iii hat er dvwpcöösi
(viele griech. Hff., Lat. Syr. Hebrdh 1211 ,und er wird
fein' für Ion avzm, 1420 iv övveöei avzTjq für i. 0. avzov,
1425 om., 179 i. f. add. xdi xavyäoöai iv vav/xaötotq
avzov (Gr. Hff.), 1713 öoLynq avzov (Lat. Syr.), 1826 läfst
er zdyiva nicht aus, fondern überfetzt: nichtige Dinge,
22e co<pia (S* Lat. Syr.) für Oogjiaq, 2227 ,durch meinen
Mund' für dst avzrjg, 287 läfst er ayvoiav nicht aus,
fondern überfetzt: verlaffe deine Unwiffenheiten, 2814
hat er nicht diOOrj für zq'izo , fondern: wiederfpruchs-
liebende, 30 23 ,tröffe' für dyästa (vgl. das dstdza
vieler Hff. und Hebr. Syr.), 312 das Geficht der Träume

r- « c , , y ' t n ' »

lur ovzmq o EJitymv BWXVlOiq, 3123 vvGimv avzmv
(Lat Syr.), 32 2g om. avzov (70 248 S. Maximus Con-
fcssor, Lat. Syr. Hebr.), 33 11 xE<paXrv (Lat. Hebr.) und
iyd-Qov (Syr. Hebr.), 341 oaQxaq avzov (Hebr.), 344
ßiov avzov (Syr. Hebr.), 40 27 xaXvtyEi (nicht ixaXvipEv),
442 wahrfcheinlich zjj fiEyaXwövvy avzov (Gr. Hff.), 4417
,durch diefen' (Syr. Hebr.) für öia zovzo i°, 4421 ,zu
(teilen' für dvvrpmOai, 45 3 ,vor dem Könige' (Hebr.), 45 22
,denn er ift dein Theil und dein Antheil', 48 in z>)v yElga
avzov (Gr. Hff. Lat. Syr. Hebr.), 50 21 iniÖE^add-ai (Gr. Hff.),

50 22 stdvzcov (Gr. Hff. Lat.) für jtdvzsq, 513 nicht tg
izoi/iov, fondern: aus dem Munde deffen, der bereit war,

51 16 fetzt er zu jtaiÖEiav: wegen ihrer.
Sodann ift die von Peters unternommene Retroverfion

der koptifchen Varianten ins Griechifche öfter anfechtbar
. Er macht S. 30. 31 den Vorbehalt, dafs die von ihm
conftatirten Abweichungen zu einem guten Theil dem
Ueberfetzer zur Laft fallen könnten. Aber manche
feiner Retroverfionen hätten doch unterbleiben, andere
nach den übrigen Textzeugen anders lauten müffen,
einige find überhaupt unrichtig. 63 ift keineswegs deutlich
, dafs der Kopte xazacpdyovzai und djioXiöovöiv las.
Wenn der Kopte bei uaxgdv dtpiOzävai dreimal (913.
2720. 30 23) uaxoäv nicht ausdrückt, fo folgt daraus nicht,
dafs er nicht las. 10 2 las er nicht Jtävzeq xazoixovvzsq,
fondern stavzEq 01 xazoixovvzEq, 137 hat er für xaza-
XsirpEi ,er wird vergeffen', was fchwerlich = xaXvxpEt
ift. 209 las er für xaxolq fchwerlich ayad-olq, fondern
wohl xaXolq (= 296. 308). 23 18 las er nicht iv zy xXivn,
fondern ini zrjq xXivnq (= Clem. Alex, und Syr.). 3217
drückt er ftatt IxszElav nicht öovXEiav, fondern oIxezeIüv
aus. Vgl. 519, wo Peters denfelben Fehler überfehen hat.
35 9 las er ficher nicht Iv zcö zöstop zcöv ysQÖvzcov, fondern
o'jrou yiqovzEq (Compl. Lat. Syr.). 366 hat er für
£tc oyElav: (ein Pferd), das unter einem xanovyiov ift.
Das^ ift aber nicht = iv xaQovyim. 3730 nimmt Peters
XoXrj für xoXeqa an, 3420, wo der KApte ebenfo überfetzt,
fchweigt er. Vielleicht las der Kopte doch beide Mal
XoXeqü. 4221 ift nicht öq sOzi, fondern avzoq iözi anzunehmen
. 439 drückt er nicht xoöficöv (pmzlC,ovzaq.
fondern xoö/iwv qjojzi^mv aus. 4615 geht ,in einem
Traum' wohl auf oodotcoq zurück, 4814 ift gar kein
Grund anzunehmen, dafs er etwas anderes als ZEXevzjj
{— als er todt war), gelefen habe.

Ich bemerke übrigens, dafs Peters an mehreren
Stellen feines kürzlich erfchienenenCommentars fich felbft
corrigirt (z.B. zu 359. 45s. 4817. 5021.22). Er giebt jetzt
(a. a. O. S. 43) auch zu, dafs er die textkritifche Be-