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Ausgabe:

1903

Spalte:

67-69

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Rothstein, J. Wilhelm

Titel/Untertitel:

Die Genealogie des Königs Jojachin und seiner Nachkommen (I. Chron. 3, 17 - 24) in geschichtlicher Beleuchtung 1903

Rezensent:

Löhr, Max

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6y Theologifche Literaturzeitung. 1903. Nr. 3. 68

tigc Charakterzüge diefer Recenfion behandelt er vor
allem 1. Doublets, conflate readings etc. 2. approxima-
tions to the MT., hervorgegangen find diefe aus dem
Streben, alles zu erhalten, was fich in LXX und MT
darbot.

Von befonderer Bedeutung ift dem Verf. die alt-
lateinifche Verfion, weil fie, wenigftens in ihrer reinften
Geftalt, ein wichtiges Kriterium für die echte LXX bietet.
Intereffant find einige der angeführten Lesarten: zu I 1
Sermones Arnos quos vidit super Hierusalcm. Darnach
meint Verf., habe der urfprüngliche LXX-Text Aoyoi
'Aucoq ovq eIöev vjceq %gov6aXnu gelautet. Diefe LA.
hat ja gegen MT unzweifelhafte Vorzüge, bedenklich ift
aber, wie Verf. felbft zugiebt, das Jerusalem (LXX. VL)
gegen 3551©i des MT. Jerusalem macht, falls nicht einfach
Verfchreibung vorliegt, den Eindruck einer bewufs-
ten Correctur; dann ift aber wohl auch die kürzere
Faffung planmäfsig hergeftellt, das Ganze alfo textkritifch
unverwerthbar. — Zu VI 5 vermuthet Verf., die über-
einftimmenden Texte von LXX und VL. hätten als
hebräifche Vorlage ftatt TTD gelefen TVS. Erfteres könne
ja auch unmöglich original fein. Es gehört das ,wie
David' allerdings nicht zum urfprünglichen Text, es ift
eine Randgloffe. Aber kein andrer Text als 1713 ift hier
verwerthbar. — Zu VIII 14 et vivit deus tuus Bersabee
VL., xal tj) o&eöqöov ßagoeeßss LXX, 2>2©1552 fn TU MT,
bemerkt Verf., the LXX and OL are right, 7jn in the
MT being a Substitute, on doctrinal grounds, for the original
T^lbtt. Ich geftatte mir die ketzerifche Meinung,
dafs der griechifche Ueberfetzer (im Blick auf das vorhergehende
£fj 0 &eoq 6ov, öäv) einfach gerathen hat,
und VL. ift d'iefem Beifpiel gefolgt. "711 des MT. ftellt
vielleicht eine alte Textverderbnifs dar, "7 wäre dann
wahrfcheinlich Suffix, entfprechend dem voraufgehenden
liJlbS. Auch hier ift die LXX nicht verwerthbar. — Die
vorliegende Arbeit ift, foweit ich die Details nachgeprüft
habe, forgfältig gemacht (S. 111 im summary Z. 6 v. u.
lies 47. 162 ftatt 62. 147). — Wir haben von Hirfcht in
der Zeitfchrift für wiffenfehaftliche Theologie, 1901 S. 11 ff.
eine tüchtige Arbeit zur Textkritik des Arnos; theilweife
kann O.'s Unterfuchung als Ergänzung dazu angefehen
werden.

Breslau. Max Lohr.

Rothstein, Prof. DD. J. Wilh., Die Genealogie des Königs
Jojachin und seiner Nachkommen (1. Chron. 3, 17—24)
in geschichtlicher Beleuchtung. Eine kritifche Studie zur
jüdifchen Gefchichte und Litteratur. Nebft einem
Anhange: Ein überfehenes Zeugnifs für die meffia-
nifche Auffaffung des ,Knechtes Jahwes'. Berlin 1902,
Reuther & Reichard. (VI, 162 S. gr. 8). M. 5.—

Bekanntlich werden Reg. ß 24, 15 unter den exi-
lirten Mitgliedern der Familie des achtzehnjährigen Jojachin
keineSöhne erwähnt. Dagegen werdenChr a 3,17 f.
fieben Söhne des Jechonja, des Gefangenen, namentlich
angeführt. Ed. Meyer hatte gelegentlich vermuthet, dafs
ihm diefe Söhne nach feiner Befreiung aus fechsund-
dreifsigjähriger Gefangenfchaft geboren feien. Wohl nicht
mit Unrecht will R. diefe Annahme nicht recht gefallen.
Es ftellt darum folgende Hypothefe auf: die Bedeutung
des Namens des Erftgeborenen b55Tl355© mache es wahrfcheinlich
, dafs die Königin fchon mit dem Kinde unter
dem Herzen ins Exil gegangen fei. Der König wird
bald nach Vermählung und Regierungsantritt Gott um
einen Stammhalter gebeten haben. Als ihm das Kind
dann geboren wurde, hat er, auch im Exil noch auf eine
Wiedereinnahme feines Thrones hoffend, ihm obigen
Namen beigelegt. — Der Name des Zweiten DT33©. ift
abfichtlich als ein zweideutiger gewählt. Während die
Babylonier ihn als eine Huldigung für ihren König Ne-
bukadnezar auffaffen konnten, mochte Jechonja dabei an

den König der Könige denken. — An den Namen des
Dritten rTHB knüpft R. folgende Combinationen : Jechonja
fei, mit Rückficht auf die Jer. 27 erwähnten Vorgänge,
von Nebukadnezar aus Argwohn in ftrengere Haft genommen
und feine beiden Söhne auf Befehl des Grofs-
königs getödtet. Als Amel Marduk alsdann den Jechonja
befreite, fei ihm fein dritter Sohn geboren, dem er darum
den obigen Namen verliehen habe. Diefer iTHB
habe gleichzeitig einen babylonifchen Namen bekommen
12553© oder mit der richtigen Form 123©©. R. nimmt
an, Chr. a 3,18 habe der urfprüngliche Text "© 551Ü rTHB
gelautet. Im Weiteren erweckt es R.'s Theilnahme, dafs
Pedaja nur zwei Kinder hat und damit fo fehr hinter
feinen Verwandten zurückfteht. Er vermuthet, dafs der
Aermfte früh politifchen Intriguen zum Opfer gefallen
fei. Befonders legt R. fich für die Thefe ins Zeug und
glaubt, dafs fie als haltbares Ergebnifs feiner Unterfuchung
angefehen werden wird, dafs nämlich Serubbabel
ein Sohn Pedaja's und nicht Schealtiel's fei. Mit Recht
reducirt er das Vorkommen der Angabe ,Sohn Scheal-
tiels' auf folgende Stellen: Agg. 1,1. 12. 14. 2,2. 23. Esr.
3,2.8.5,2. (Neh. 12,1). Auch gegen die bisher allgemein
herrfchende Meinung, dafs Aggaeus fein Buch in der
uns vorliegenden Geftalt felbft verfafst habe, bringt er
beachtenswerthes Material vor. Trotzdem bleibt es aber
doch fraglich, welche der beiden Traditionen über die
Herkunft Serubbabel's die richtige ift, zumal R. felbft die
im Agg. für die ältere erklärt. Endlich wird noch die
Nachkommenfchaft Serubbabel's behandelt und fpiegeln
auch hier wieder die Namen die Zeitgefchichte wieder.

R. glaubt (S. 118f.) für die Methode der Beurtheilung
und zeitgefchichtlichen Verwerthung der Namen Zuftim-
mung erwarten zu dürfen. Es ift gewifs begreiflich, dafs
wir bei unferer fragmentarifchen Ueberlicferung alles
verfuchen, um Erkenntnifse zu erfchliefsen. Aber was
R. uns giebt, find keine wirklichen Erkenntnifse, fondern
Phantafien. Seine Verwerthung der Namen befteht in
haltlofen, theilweife bedenklichen Vermuthungen. Nur
zu "© Xlri "B fei bemerkt, dafs 1) kein Textzeuge diefe
Aenderung ftützt; 2) die in Dan erwähnte Zweinamigkeit
doch die Üebertragung einer Sitte der griechifchen
Periode in die Exilszeit ift; fomit für letztere nicht
beweifend. An einer Reihe von Vorfragen geht er einfach
vorbei: Sind die Namenliften ftreng authentifch? —
Hat man damals noch die Namen mit genauem Bedacht
auf ihre Bedeutung gegeben? — Spiegeln fie wirklich die
politifche Situation jener Tage oder rein private religiöfe
Stimmungen des Namengebers wieder? — Es ift anzuerkennen
, dafs R. felbft den hypothetifchen Charakter
feiner Aufhellungen immer wieder betont. Wenn er
meint, fie feien weiterer Erwägung werth, fo erfüllt fich
möglicherweife feine Erwartung und findet fich hierzu
ein phantafievoller Fachgenoffe bereit; ihren vereinten
Kräften hätten wir dann vielleicht einen hübfehen hifto-
rifchen Roman zu danken.

Im Anhang berührt R. die viel erörterte Frage, ob
der Ebedjahve des Dtifa als Individuum oder Collectivum
anzufehen fei und entfeheidet fich für das Erftere. Jeremias
und Ezechiel haben unzweideutig der Gewifsheit
der perfönlich meffianifchen Hoffnung Ausdruck verliehen
. Nach dem Exil fehen Aggäus und Zacharias in
Serubbabel den Ebedjahve. Ein weiteres Zeugnis für
die perfönliche Auffaffung liege nun in dem Jefajabuche
als folchem. Dasfelbe fei in der uns heute vorliegenden
Geftalt ,das Erzeugnifs einer einheitlichen literarifchen,
fammelnden, planmäfsig ordnenden und redigierenden
Arbeit, dazu beftimmt, das überlieferte prophetifche Wort
beftimmten, zeitgefchichtlich bedingten Bedurfniffen an-
zupaffen und dienftbar zu machen'. Der Autor ift mit
feinem Werk in der Zeit des Malachias hervorgetreten,
jedesfalls vor Nehemias. Er erblickt in dem Ebedjahve
der bekannten deuteroifajanifchen Stücke den meffianifchen
König aus Davids Gefchlecht. — R.'s Thefe über