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Ausgabe:

1903 Nr. 25

Spalte:

686-687

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Lietzmann, Hans

Titel/Untertitel:

Die drei ältesten Martyrologien 1903

Rezensent:

Knopf, Rudolf

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Theologifche Literaturzeitung. 1903. Nr. 25.

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fertigten Anfätze chriftlicherFormelbildung beobachten.
Aber es ift intereffant und wichtig, diefen erften Anfätzen
nachzugehen. Es liegen doch in ihnen die wirklichen
Anfänge zu fpäterer Entwicklung. S. hat das ganze

Lietzmann, Priv.-Doc. Lic. Hans, Die drei ältesten Marty-

rologien. Bonn 1903, A. Marcus und E. Weber's Verlag
. (16 S. gr. 8.) M. —.40

ihm ziehen.

jena H. H. Wendt

Maienll aus dem -NT.,la^ Priv.-Doc. Lic. Dr. Erich, Apocrypha. L

fammelt und feine Bearbeitung diefes Materials ift, wie I Refte des Petrusevangeliums, der Petrus-Apokalypfe
man auch über das erftrebte Hauptergcbnifs urtheilen und des Kerygma Petri. Ebd. 1903. (16 S. gr. 8.)
möge, jedenfalls originell und anregend. Wenn man fein M. —.30

Buch nur mit einiger Kritik lieft, wird man Lewinn aus | 0rjgenes Homj|ie x über den propheten Jeremias. Herausgegeben
von Priv.-Doc. Lic. Dr. Erich Kloftermann.
Ebd. 1903. (16 S. gr. 8.) M. —.30

= Kleine Texte für theologifche Vorlefungen und
Übungen. Herausgegeben von Hans Lietzmann,
2—4. [4. = Ausgewählte Predigten L]

Die Fortfetzung des fehr fchätzenswerthen, durch
Lietzmann's Muratorianum inaugurirten, Unternehmens
der ,Kleinen Texte' ift rafch erfolgt. Heft 2—4 liegen
mir zur Anzeige vor. In Heft 2 hat Lietzmann felber
die drei älteften Martyrologien zufammengeftellt, nämlich
1) Die Dcpositio Episcoporum und die Depositio
Martirum des römifchen Chronographen von 354. Abgedruckt
find die beiden Stücke aus Mommfen's Ausgabe
in den Monnmenta Gcrmaniac (1892). 2) Das
Martyrologium [beffer Kalcndarium Cart/iaginensc, im
Wefentlichen nach Mabillon's editio prineeps der verloren
gegangenen Blätter, doch mit Ergänzung — in Klammern
— der Lücken, vor allem in den Datumszahlen, foweit
folche Ergänzung bisher möglich ift. 3) Das fyrifche,
arianifche, Martyrologium, das im Codex Add. 12 150 des
Britifchen Mufeums (a. 411,12) fteht. Die deutfehe Üeber-
fetzung diefes Stücks, die L. bietet, ruht auf der Ausgabe,
die Graffin und Duchesne in den Acta Sanctorum Nov. II 1
veröffentlicht haben. Die Namen der Märtyrer, deren
fichere Lefung im Syrifchen oft Schwierigkeiten macht,

Longinus, Über das Erhabene. Verdcutfcht und eingeleitet
durch D. Fr. Hashagen. Gütersloh 1903, C.
Bertelsmann. (118 S. 8.) M. 1.20

In der etwas lofe componirten Einleitung (S.. I—32)
bekennt der Uebcrfetzer u. a., dafs er durch Fr. Marx
von der Autorfchaft des Longin überzeugt fei. Dadurch
wird natürlich auch im Einzelnen die Auffaffung der
Schrift wefentlich beftimmt. Ich zweifle, ob H. an diefer
Anficht feilgehalten hätte, wenn er die gründliche Widerlegung
durch Kaibel, Hermes XXXIV 1899 S. 107—132
gelefen hätte. Er hätte daraus ein lebendigeres Ver-
itändnifs des Zweckes und Charakters der Schrift gewonnen
(vgl. auch Norden, Antike Kunftprofa S. 246 fr.).
Dann hätte er wohl auch nicht uncorrect von einem
Zeugnifs der Ueberlieferung für Longin geredet (S. 19. 20,

Kaibel S. m).

Die Ueberfetzung lieft fleh wie ein Original und ift
durchaus geeignet, gebildeten Laien das Verftändnifs der
Schrift zu vermitteln. In der Zerlegung der Perioden
zeigt lieh H. fehr gefchickt. Aber er hat fleh m. E.
ohne Noth oft zu weit vom Wortlaut des Originales
entfernt (z. B. 2, 25. 26'), wo nicht richtig conftruirt
zu fein fcheint). Zu viel des Guten ift gethan, wenn

S. 5, 7, s zs&oXcozcu ( zy <pnäott xai ztironvßqzai tö?c j bat L. fehr verftändig in der griechifchen Form wiederge
qcavzaalaiq fiäXXov // öeötivoozai wiedergegeben wird: [ geben, zu deren Ermittlung das Martyroloo-atm Hure
,fo macht uns alles den Eindruck des Aufgeblähten, ! WtHiamim gute Dienfte Ieiftet. Der Apparat unter dem"
Uebertriebenen, Bombaftifchcn. Solche Ausdrücke ent- Texte bezieht fleh faft durchweg auf die Eigennamen
fpringen nicht aus wahrer und tief empfundener leiden- I des Stückes.

fchaftlicher Erregung. Sie ftören und verwirren den Kloftermann will für das Unternehmen u. a. die Refte

Lefer, während fie ihn ergreifen und erheben follen'. apokrypher Evangelien zufammenftellen. Im vorliecen-
Warum wird S. 7,16 cueb zov nariavofirjS-tvzog fjv über- j den Hefte hat er die Fragmente der apokryphen Petruspetzt
,der ein Nachkomme des Hermes war', nicht ,des 1 jehriften {Ev., Apok., Kerygma) abgedruckt. In der
beleidigten Gottes'. — Gewifs bedarf es oft der Peri- ; Recenflon der beiden umfangreichen Bruchflücke des
fhrafe, um die fchwellende, attieiftifcher Correctheit noch Codex von Akhmim berückfichti K.? der auf das photo
fpottende Wortfülle des Autors wiederzugeben. Aber ! graphifche Facfimile von Gebhardts (1893) zurückm-eift"
die Einfchaltung ganz neuer Gedankenglieder ift unbe- f-_,e Lesarten und Vorfchläge der Gelehrten die den
rechtigt (f. z. B. S. 51, e). Umftändliche Periphrafe fcheint *ext e°brt und fleh über ihn geäufsert haben. Eine
mir nicht angebracht bei pointirten, epigrammatifchen Menge folchcr Vorfchläge verzeichnet der Apparat. Von
Wendungen, wie fie der Autor liebt. Hier giebt der 1 den Lesarten, die K. abweichend von den z Z in Deutich
glatte Flufs der Ueberfetzung öfter die Schärfe der I land wohl am meiften verbreiteten Ausgaben Harmrf»
Antithefe nicht wieder (f. z. B. S. 3, 5. 4, »-* 18, 4.). und 1 reuuf, enf bietet, halteich folgende für richtm oder

Die Ueberfetzung einzelner Wörter ift zu beanftanden. doch lehr bcachtenswerth: Ev. 35 Streichung des zweien
53, * novozovmg nicht ,in demfelben Tone', fondern i ow• (was freilich Ilarnack fchon vorgefclilagen harte!
,in ftets gleicher Spannung'. 53,13 dutXsi heifst ,zum ,' 5° Einfügung von » vor cpoßovutvr/; Apok. 17■ mmr'',, ' ,'
Beifpiel' (fo fchon bei Plato), wie Wilamowitz, dereinen «• pmzuvmv: 20 adtXepmv ft. d»xi£Qtmv 26 SchlnU f
gröfseren Abfchnitt unterer Schrift in fein Lefebuch 1 «7«,««»? ra ßotrprj z£xo}toat, 33 Schlufs <n,Vn, Ah JL-«

> , -i-u* m----V Sehr zweifelhaft erfthe5„f u:__ . °E" .0

01----). Sehr zweifelhaft erfcheint mir hingegen Ev 18

(xal) vo/jiCovzeg ort vv£ ioziiv dv ejtavoavzo; 20 avzo-
öojqck;. Die übrigen Bruchftücke aus Ev. und Apok
druckt K. nach den bellen Ausgaben ab, Emendations-

^enommen" hat, "bemerkt, zajiuvbg ^™^ng %
in der Einleitung S. 2. ^ff™^ jch

Umfang gering' haben, und tur xomzixv-, d(vi1i.~r „------ —, ----■--------

auf die grundlichen Ausfuhrungen von , vorfchläge, die Beachtung verdienten, flehen am untern

T einziger Studien XV S. 172 ff. - Die fchart hervor , Rande Uasfelbe gilt von den Reften des Kerygma
oehobene Capiteleintheilung wirkt öfter itoreno. , Petri> fur dje aufger 0rig Comm. in Joh. XIII 17 nur

g Paul Wendland. , Stellen aus Clem. Alex, in Betracht kommen.

Kiel. m Abdruck des griechifchen Textes der 10. Jeremias-

, ,. „ . , ,wpiten Ausgabe von Jahn-Vahlen 1887 und , bomjiie des Origenes fufst K. auf feiner eigenen Aus-
r* a>C stalle1 o'rd u w und pLf des Ganzen fehen w.r nicht m jeremias-Homilien in in der Berliner Kirchen-

'SS^JÜfSb^K im ganzen Zufammenhange der Dar 1 J^^^ Def dort gegebene Apparat

lVllung beb offenbaren'. ! jft im vorliegenden Hefte bedeutend reducirt worden,

wie es dem Zwecke der Sammlung entfprach. Den