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Ausgabe:

1903 Nr. 24

Spalte:

661-663

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Sillem, C. H. W.

Titel/Untertitel:

Briefsammlung des Hamburgischen Superintendenten Joachim Westphal aus den Jahren 1530 bis 1575 1903

Rezensent:

Cohrs, Ferdinand

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Theologifche Literaturzeitung. 1903. Nr. 24.

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identifch find, 1528 gedruckt find. Haben fie auch das
Lied: ,Ein fefte Burg'enthalten, fo ift dasfelbe bereits 1528
gedruckt. — Dies im wefcntlichen Zelle's Argumentation,
die man S. 39—47 nachprüfen mag. Mir fcheint fie, wie
bereits angedeutet, beachtenswerth. Ob damit aber
bereits das letzte Wort gefprochen, wird fraglich bleiben.
Nicht erwähnt hat Zelle das Vorkommen des Liedes in
dem Augsburger Gefangbuch 1529. — Ich würde gern
noch auf einige andere Bemerkungen in Zelle's Arbeit
eingehen, z. B. woher es fich erkläre, dafs weniger Abweichungen
in den Melodien, als in den Texten der
Ausgaben vorkommen; aber der zur Verfügung flehende
Raum verbietet es. Ich erwähne nur noch, dafs von 32
der 34 befprochenen Bücher S. 75 f. die Bibliotheken angegeben
werden, in denen fie zu finden find, und zwar
allemal nur je eine Bibliothek, was ja genügt. Unerwähnt
will ich auch nicht laffen, dafs von 11 diefer Bücher die
Titelblätterfacfimilirt find, undausder Valentin Babft'fchen
Prachtausgabe 1545, von der übrigens auch die Göttinger
Bibliothek ein Exemplar befitzt, aufserdem noch ein
Holzfchnitt wiedergegeben ift, die Auferftehung der
Todten und das jüngfte Gericht darftellend. Wozu diefe
Beigaben, welche den Preis des Buches vertheuern und
feinen Text hin und wieder ftörcnd unterbrechen, nöthig
waren, fieht man nicht recht ein. Werth hätten diefe
Zugaben für wiffenfchaftliche Forfchungen doch nur erft
dann, wenn die Titel der fämmtlichen hier aufgeführten
Bücher facfimilirt wären; und für das Befehen derfelben
wäre es zweckmäfsiger gewefen, wenn fie alle am Schluffe
des Buches in chronologifcher Reihenfolge aufträten.

Göttingen. K. Knoke.

Sillem, C. H. W., Briefsammlung des Hamburgischen Superintendenten
Joachim Westphal aus den Jahren 1530 bis
1575, bearbeitet und erläutert von S. Erfte Abteilung.
Briefe aus den Jahren 1530 bis 1558 mit vier Fak-

fimiles, herausgegeben von der Bürgermeifter Kelling- : Störend empfindet man zuweilen, dafs die erklärenden

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ift es, dafs wir ftatt der Brieffammlung nicht einen Brief-
wechfel Weftphal's befitzen, denn von ihm felbft ift nur
ein einziger an einen Hamburger Prediger gerichteter
Brief vorhanden, der vielleicht nur zufällig in diefe Sammlung
gerathen ift.

Die grofse Mehrzahl der veröffentlichten Briefe ift
bisher noch nicht benutzt worden. Nur Greve (in feiner
.Memoria Westphali', Hamburg 1749), Wilh. und Karl
Krafft (in den /Briefen und Dokumenten aus der Zeit
der Reformation', Elberfeld 1875), W. Crecelius und —
worauf der Herausgeber in der Einleitung nicht hinweift
— Vogt in feinem Briefwechfel Bugenhagen's und Bret-
fchneider im Corp. Ref. haben fchon einige Briefe herausgegeben
.

Unter den Brieffchreibern, deren Briefe bisher nicht
gedruckt find, find wohl die bekannteften Matth. Flacius
(6 Briefe ungedruckt), Joh. Draconites (4 Br.), Herrn.
Hamelmann (4 Br.), Joh. a Lasco (1 Br.), der Lüneburger
Schulmann Luc. Loffius (6 Br.), der Frankfurter Buchdrucker
Peter Braubach (9 Br.) und Joh. Freder, der durch
den berüchtigten Ordinationsftreit mit dem General-
fuperintendenten Knipftro einen Namen bekommen hat.
Diefen fog. Freder'fchen Handel betreffen in unferem
Bande 19 Briefe, denen noch weitere 19 im 2. Bande
folgen werden (S. 135). Wie aus den Aeufserungen des
Herrn Herausgebers zu fchliefsen ift, werden die noch
ausftehenden Briefe nicht gerade neue Auffchlüffe über
die Streitigkeiten bringen, doch wird Freder's Charakter
durch die Briefe gegen verdächtigende Urtheile gefichert,
wie fie wohl gegen ihn laut geworden find.

Manche unbekannte oder zunächft nur die Local-
gefchichte intereffirende Namen find vertreten, doch hat
Sillem fich keine Mühe verdriefsen laffen, über diePerfön-
lichkeiten der Brieffchreiber und über die Verhältnifse,
unter denen die Briefe entftanden find, aufzuklären.
Dennoch ift es ihm nicht immer geglückt, fichere Auskunft
zu fchaffen: vgl. z. B. S. 175, 178 f., 181 Ann). I.

hufens Stiftung. Hamburg 1903, L. Gräfe & Sillem.

(XXII, 338 S. gr. 8.) M. ic-

Joachim Weftphal, der vom 23. October 1540 an in
feiner Vaterftadt Hamburg als Paftor an der Katharinenkirche
wirkte und in den letzten Jahren feines Lebens
nach Paul von Eitzen's Tode die Hamburger Super-
intendentur bekleidete, gilt in der Kirchengefchichte für
einen Streittheologen ärgfter Art. Und daran wird,
fürchte ich, auch die Edirung feiner Brieffammlung
nichts ändern: dazu liefert fie gerade diefer Beurtheilung
wieder zu viel neues Material. Aber — und darin fehe
ich mit dem Herrn Herausgeber einen Hauptwerth vorliegender
Edition — fehr wohl ift feine Correfpondenz
geeignet, uns den ftreitbaren Recken mehr menfehlich

Beigaben nicht immer in gleicher Weife dargeboten
werden; fo fieht man beifpielsweife nicht recht ein, wefs-
halb die Nachrichten über Loffius oder Sandfurt nur in
Form einer Anmerkung (S. 58 Anm. 1) oder in kleinem
Druck (S. 123) gegeben werden, während bei anderen
die betreffenden Angaben in grofsem Druck theils ein-
leitungsweife voranftehen (S. 125, 134 ff, 148 u. ö.), theils
den Briefen folgen (S. 3, 6, 10 f. u. ö.).

Einige Einzelheiten find mir aufgefallen. Dafs die
Worte S. 31, ig ff. auf eine neu in Wittenberg entstandene
Peftgefahr gehen (vgl. S. 32 Anm. t), beftätigt Buchwald,
Zur Wittenberger Stadt- und Univerfitätsgefchichte S. 139f.,
auch Köftlin, Martin Luther Iii S. 446. Nicht ganz verständlich
ift mir geworden, wie die Worte S. 66, g auf
Christ. Hegendorfer's (denn fo lautet nach Günther,

nahe zu' bringen Wenn wir fehen, wie er aus feinen J Plautuserneuerungen in der deutfehen Literatur, Leipzig

Mitteln armen Studenten Unterstützung gewährt, wie er
nicht nur in Fragen der rechten Lehre, fondern auch in
Dingen des täglichen Lebens feinen Freunden und

1886, S. 70 Anm. 3 der Name richtiger) Tod zu beziehen
fein follen, denn Hegendorfer starb doch, nachdem er
aus Rostock fchon wieder nach Lüneburg zurückgerufen

Schutzbefohlenen ein Berather ift, wie er an ihren haus- war; alfo nicht erft durch feinen Tod ift die Roftocker
liehen Angelegenheiten offenbar warmen Antheil nimmt, Profeffur für Weftphal frei geworden. Zu S. 182, 21 ff.
weil fie ihn immer wieder auch darüber unterrichten, fo vermifst man eine Anmerkung: welcher Sohn Pleinrich's
gewinnt fein Bild doch ganz von felbft eine mildere j des Jungeren ift gemeint? Philipp Magnus und Karl Victor
Färbung. fielen am 9- Jul' L553 bei Sievershaufen. Wird hier eine

Die Originale der Briefe, von denen Sillem zunächft j falfche Nachricht über einen plötzlichen Tod feines dritten
die erste Hälfte darbietet — der er in Jahresfrist die | Sohnes Julius verbreitet, ebenfo wie die Frage nach dem
Briefe von 1559—1575 folgen laffen will—, bewahrt die Tode des Kafpar Aquila (S. 182, r.ff.) — wenn wenig-
Kirchenbibliothek der Hamburger Katharinenkirche. Der ' ftens der Brief Nr. 101 wirklich fchon 1554 gefchrieben
Prediger Arnold Greve (f 1774) hat fie vor dem Unter- , ift — auf irgend einem Alarmgerücht zu beruhen fcheint?
gang bewahrt, wenigstens vermuthet Sillem trotz der Der Brief bleibt unklar; auch die Deutung von Nova
Jahreszahl 1606 auf dem Einband, dafs diefer erft auf Lupina (S. 182, 25) leuchtet nicht recht ein; nimmt etwa
Greve's Veranlaffung hergestellt worden fei; kann die der Herr Herausgeber einen Schreibfehler an? Nach
Art des Einbandes, der 1606 doch ganz anders einge- Anm. 4 zum Briefe Nr. n4 (S. 206) fcheint es, als feien
richtet fein würde, als in der Mitte des 18. Jahrhunderts, Urbanus Rhegius' Werke, deren Sammlung und Druck-
darüber nicht entfeheidend aufklären? Sehr bedauerlich legung Peter Braubach hier — im Jahre 1555 — anregt