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Ausgabe:

1903 Nr. 22

Spalte:

600-602

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Holzapfel, P. Herbert

Titel/Untertitel:

Die Anfänge der Montes Pietatis (1462 - 1515) 1903

Rezensent:

Grützmacher, Georg

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Theologifche Literaturzeitung. 1903. Nr. 22.

600

diefen und anderen Fällen Gifford's Bemühen, einen ver-
dändlichen Text herzudellen, gewifs zu billigen, wenn
auch nicht alle feine Textänderungen überzeugend find.
Sehr zweckmäfsig ifl es, dafs die durch Conjectur her-
geflellten Formen und Worte im Text durch eckige
Klammern deutlich gemacht find.

Einige Fälle, in welchen mir Gifford's Entfcheidung
nicht zutreffend fcheint, feien zum Schluffe noch genannt.
428 d4 lieft er mit BO xaxög, während I xctXog hat.
Letzteres ift nothwendig mit Stephanus, Viger und
Anderen aufzunehmen, denn ,daraus, dafs die Sichemiten
keinen zureifenden Böfewicht ehrten, konnte ihnen doch
wahrhaftig kein Vorwurf erwachfen' (Ludwich, De
Theodoti carmine S. 8). — 430b3 hat auch Gifford die
überlieferte Lesart F'iXcov iv xy 16' beibehalten. Es ift
aus inneren Gründen fehr wahrfcheinlich, dafs xy 6' zu
lefen ift. — 455 b5 giebt Gifford mit den Handfchriften
xyv xmQav Ig avxyg vstb xyv avxcbv ßaOiXeiav estoiydaxo.
Der Satz fleht in einem Stuck des Berofus und will fagen,
dafs Nabuchodonofor (Nebukadnezar) im Auftrage feines
Vaters Nabopalaffar das abgefallene Land (Aegypten,
Coelefyrien, Phönizien) wieder unterworfen habe. Die
Stelle ift von Eufebius aus Jofephus contra Apion. I, 19,
136 entnommen und wird von ihm auch in der Chronik
(ed. Schoene I, 45) citirt. In Jos. c. Apion. hat die einzige
uns erhaltene griechifche Handfchrift ftatt Ig avxyg vielmehr
Ig aQxyq (ebenfo auch Syncell. 1,416); der lateinifche
Ueberfctzer giebt die Stelle folgendermafsen wieder
(Jos. opera ex versione latina ed. Boysen P. VI, 1898):
provinciam, quae ab initio eorum fuerat, ad proprium
revocavit Imperium. In der Chronik des Eufebius aber
hat die armenifcne Ueberfetzung: regionem denuo, ut
antea jam ab initio erat, sub rcgnum suum subegit.
Hiernach könnte es fcheinen, als ob uie griechifche Textüberlieferung
fowohl bei Euseb. Praep. ev. als bei Jos.
c. Apion. lückenhaft wäre und der urfprüngliche Text etwa
gelautet hätte sgavxig cbg yv Ig aQXy? (bei Jos. Antt.
X, 221, wo die Stelle ebenfalls citirt wird, haben die Handfchriften
ex xavxyg xyg ag'/yg). Allein Ig agxy"? heifst
nicht nur ,von Anfang an', londern auch ,von Neuem'
(f. die Lexika und Gutfchmid, Kleine Schriften IV, 499,
im Commentar zu Jos. c. Apion). Diefen Sinn wollen augen-
fcheinlich fowohl Jofephus als Eufebius ausdrücken. Bei
Jofephus ifl daher nichts zu ändern, bei Eufebius aber
ftatt Ig avxyg (was heifsen würde ,fogleich') zu lefen
egavxig (Gaisf. e£,av&ig). — Zu corrigiren ift wohl auch
S. 423 b6 das *PovßyX der Handfchriften in 'Povßiv, wie
Demetrius fonft überall fchreibt (423a4, d40, 425 b7),
während 435 d5 die Aenderung von oxvlepaq codd. in
öxvlsxag nicht nöthig war. — Im erften Fragment aus
Alexander Polyhiftor (IX, 17) interpungirt auch Gifford
S. 418c7 wie die Meiden: EvxöXeuoq de sv reo siegl
'iovöaioov xyg 'Aoovglac gpyol, nöXiv BaßvXcbva etc. Das
ift irreführend, denn xyg Aoovgiaq gehört ficherlich nicht
zu 'lovöaicov, fondern zu jtoXiv. Die irrige Komma-
Setzung ift von Gifford felbd in den Corrigenda (vol. 1
fin.) und in den Anmeikungen (vol. IV) berichtigt.

Eine werthvolle Beigabe find die einen ganzen Band
(vol. IV) füllenden fachlichen Anmerkungen, welche in
mancher Hiificht mehr geben, als die von Gaisford abgedruckten
Anmerkungen Viger's; namentlich verweift
Gifford vielfach auf neuere Literatur. Doch id hier nicht
immer das Wichtigde genannt. So id mir aufgefallen,
dafs für die Fragmente aus griechifchen Hiftorikern
(Manetho, Berofus u. A.) nicht auf das Hauptwerk, Müller's
Fragmenta historicorum graecorum, verwiefen wird. —
Enghfche Lefer werden dem Verf. noch befonders dankbar
fein für das grofse und muhevolle Werk einer eng-
lifchen Ueberfetzung, mit welcher diefe Ausgabe ausge-
dattet id (vol. III in 2 Theilen). Vorangefchickt ift der-
felben eine allgemeine Orientirung über Eufebius und
fein Werk.

Göttingen. E. Schürer.

Holzapfel, P. Herbert, O.F. M.,St. Dominikus und der Rosenkranz
. (Veröffentlichungen aus dem Kirchenhiftori-
fchen Seminar München. Herausgegeben von Alois
Knöpfler. Nr. 12.) München 1903, J. J. Lentner. (II,
47 S. gr. 8.) M. —.60

Die für alle berufenen Forfcher längft entfehiedene
Frage, dafs der Stifter des Predigerordens nicht der Erfinder
der Rofenkranzandacht ift, unterzieht H. in der vorliegenden
Arbeit einer erneuten Unterfuchung. Die Viten
des heiligen Dominicus, die Gefchichtsfchreiber des Albi-
genferkrieges, überhaupt kein Werk des 13. oder 14. Jahrhunderts
weifs etwas von einer Beziehung des Dominicus
zum Rofenkranz zu berichten. Der erde Zeuge, der von
dem wunderbaren Sieg über die Albigenfer bei Touloufe
erzählt, den Dominicus durch das Rofenkranzgebet herbeigeführt
haben foll, id der franzöfifche Dominikaner
Alanus de Rupe (Alan de la Roche) |I475. Der Erfinder
des Rofenkranzes id nach ihm allerdings derApodel
Bartholomäus, der aus Privatandacht den 150 Ave Maria
noch weitere 50 beifügte. Durch befondere Offenbarung
kam der Rofenkranz hierauf bei den hl. Vätern in der
Wüde in Uebung, bis ihn Benedict von Nurfia im Abendland
verbreitete. Dominicus id nur der Redaurator diefer
Andacht. Für das wunderbare Ereignifs zu Touloufe
beruft fich Alanus auf zwei angebliche Augenzeugen
Johannes de Monte und Thomas de Templo, beides
Perfönlichkeiten, die fond völlig unbekannt find. Dafs
wir es hier mit freien Erfindungen des durch und durch
unzuverläffigen Alanus zu thun haben, unterliegt keinem
Zweifel und id fchon vor Holzapfel von Quetiv-Echard
in feinen Scriptores 0. Praedicatorum I, 850 vermuthet
worden. Was nun die Entdehung des Rofenkranzes
betrifft, fo dofsen wir frühdens im 12. Jahrhundert auf
Zeugnifse für eine Gebetsform, die einigermafsen mit
dem Rofenkranze verglichen werden kann. So wird z. B.
von dem Inclufen Aybert (+1140) erzählt, dafs er täglich
150 Ave Maria betete, aber es id noch keine Rede von
Decaden und Geheimnifsen wie beim Rofenkranzgebet.
Sicher nachweisbar id erd die Form der Andacht bei
Alan de la Roche; diefe zweifelhafte Perfönlichkeit fcheint
ihr Erfinder zu fein. Durch die Bemühungen der Dominikaner
id dann die Rofenkranzandacht am Ende des
16. Jahrhunderts zum chridlichen Volksgebete geworden.
Die Refultate der klaren, methodifch mudergültigen Unterfuchung
verdienen meines Erachtens völlige Zudimmung.
Dafs der katholifche Forfcher dafür, wie er mittheilt,
Schmähungen und Untei fli Hungen verletzender Art hat
erleiden müffen, id verdändlich. Dafs er deshalb bisweilen
etwas gewunden und verclaufulirt feine Refultate
vorträgt, id begreiflich. Dafs er fich aber trotzdem nicht
hat abfehrecken laden, die feit 400 Jahren fad allgemein
getheilte und durch zahlreiche päpftliche Kundgebungen
approbirte Legende mit den Mitteln der hiftorifchen
Forfchung zu widerlegen, beweid den Wahrheitsmuth
des katholifchen Forfchers.

Heidelberg. Grützmacher.

Holzapfel, P. Heribert, O. F. M., Die Anfänge der Müntes
Pietatis (1462—1515). (Veröffentlichungen aus dem
Kirchenhidorifchen Seminar München. Herausgegeben
von Alois Knöpfler. Nr. II.) München 1903, J. J.
Lentner. (VIII, 140 S. gr. 8.) M. 160

Ein den Nationalökonomen ebenfo wie den mittelalterlichen
Hiflonker intereffirendes Inditut find die Montes
Pietatis. Ihre Entdehung und Einrichtung, ihre Hauptbeförderer
und ihren Siegeslauf durch Italien darzulegen
id der Zweck der vorliegenden Arbeit. Die er-
giebigde Fundgrube für die Einrichtung der Montes
Pietatis liegt in den zum Theil noch ungeordneten flad-
tifchen und bifchöflichen Archiven vor, daneben kommen