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Ausgabe:

1903 Nr. 20

Spalte:

545-547

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Klostermann, Erich

Titel/Untertitel:

Eusebius Schrift Peri ton topikon onomaton ton en te theia graphe 1903

Rezensent:

Achelis, Hans

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Theologifche Literaturzeitung. 1903. Nr. 20.

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liehen Entftehung des Hirten, fowie in der Datirung der
Didache. Neu in die kurze Notiz über die Apokalypfe
des Petrus, fowie die ausführlichere Erörterung über die
clementinifchen Homilien und Recognitionen, die aber
doch eigentlich nicht mehr hierher gehören. Auch ift
es mir, wie Headlam {Dictionary of the BibleW, 524f.),
je länger je mehr zweifelhaft geworden, ob wirklich
unter der Maske des Simon Magus auch nur nebenher
Paulus bekämpft wird.

Der letzte, fünfte Abfchnitt, der ebenfalls neu hinzugekommen
ift, behandelt die urchriftliche Apologetik,
zunächft die einzelnen Schriften, dann die ihnen gemein-
fame Theologie. Ich weifs nicht, ob ihre (freilich fchon
von Krüger und gewiffermafsen auch Wrede geforderte)
Hereinziehung ein glücklicher Griff war; denn thatfäch-
lich tritt in ihr doch — wenngleich nothwendig und
nicht unvermittelt — ein Factor hervor, der früher keine
folche Rolle fpielte: die griechifche Philofophie.

Aber auch die Entwicklung bis dahin läfst fich
m. M. n. nicht fo erklären, wie Pfl. jetzt will. In der
erften Auflage war es ja der Hellenismus, der das leiften
follte; jetzt wird als Hauptfactor die fynkretiftifche My-
fterienweisheit und Gnofis Vorderafiens bezeichnet, die
doch, wenn man nicht alles Mögliche dazu rechnet, was
auch' fonft vorhanden war, beffimmend eben nur auf den
Gnofticismus eingewirkt haben dürfte.

Mufs ich fo den Grundgedanken des Pfl.'fchen Buches
ablehnen fo möchte ich doch auch zum Schlufs nochmals
betonen, wie hoch feine Arbeit anzufchlagen ift.
Sie bildet ja nicht nur, was den Standpunkt angeht, das
entgegengefetzte Extrem zu Zahn's Einleitung: dort
vor allem fubtile Einzelunterfuchungen, hier umfaffende
Gefammturtheile. Auch fonft hat die Verbindung der
urchriftlichen Literatur- und Religionsgefchichte (zu der
freilich noch manches Andere gehört, als Pfl. bringt)
gewifs viel für fich. Vor allem aber möchte ich die Ge- i
rechtigkeit des Urtheils hervorheben, die er auch hier
bewährt; die zweite Auflage hat in der That nicht minder
geleiftet, was der Schlufs des Vorworts zur erften ver- I
langte: ,Nicht mit den Vorausfetzungen einer beftimmten ■
Dogmatik, fei es der kirchlichen oder auch feiner eigenen, j
foll der theologifche Gefchichtsforfcher an feine Arbeit
gehen; wohl aber mit jener fympathifchen Achtung vor
dem Gegenftand, welche überall, zumeift aber in der j
Gefchichte der Religion, die Bedingung wahren Ver- j
ftehens ift. Dafs es mir an diefer Liebe zum Gegenftand
nicht gefehlt hat, dafs ich den verfchiedenen Formen, in
welchen das Urchriftenthum fich ausgeprägt hat, gleich-
mäfsig gerecht zu werden, redlich beftrebt war, das
werden die Lefer, hoffe ich, aus jeder Seite diefes
Buches erfehen1.

Halle a. S. Carl Clemen.

Harnack, Adolf, Über verlorene Briefe und Actenstücke, die
sich aus der Cyprianischen Briefsammlung ermitteln lassen.

(45 S.)

Klostermann, Erich, Eusebius Schrift negl xAv xoxtxAv

övofiäxov xAv iv x% &eia ygacpfi- (28 S.)

Bonwetsch, G. Nathanael, Hippolyts Kommentar zum Hohenlied
. Auf Grund von N. Marrs Ausgabe des grufini-
fchen Textes herausgegeben. (108 S.)

In: Texte und Unterfuchungen zur Gefchichte
der altchriftlichen Literatur, herausgegeben von O.
von Gebhardt und A. Harnack. Neue Folge. Achter
Band, Heft 2. Der ganzen Reihe XXIII, 2. Leipzig
1902, J. C. Hinrichs'fche Buchh. (gr. 8.) M. 5.50

Bonwetfch fchenkt uns die ältefte exegetifche Predigt
der Kirche und eröffnet uns zugleich die Ausficht auf j
einen demnächft bevorftehenden Zuwachs an exegetifch-

homiletifchen Werken des Hippolytus, der das Meifte,
was wir von ihm befitzen, in den Schatten ftellt. Schon
1901 hat er in diefer Zeitung Col. 574 f. über den neuen,
grofsen Hippolytfund berichtet, der in einer georgifchen
Handfchrift zu Tage getreten ift. Sie befindet fich im
Befitz der ,Gefellfchaft zur Verbreitung der Bildung unter
den Grufinern' in Tiflis, und flammt aus Schatberd, einem
vermuthlich in der Nähe gelegenen Klofter (oder Städtchen
?), deffen genaue Lage zu ermitteln mir bis jetzt nicht
gelungen ift. Ihr zweiter Theil enthält auf 178 Foliofeiten
lediglich Hippo/ytea, und zwar folgende Schriften:

1. ,Die Erklärungen der Segnungen Mofe's'

2. ,Das Wort über die Segnungen Jakobs'

3. ,Die Erklärung von David und Goliath'

4. ,Die Erklärung des Hohenliedes'

5. De antichristo

6. ,Die Abhandlung über den Glauben'

7. ,Die Abhandlung über die Geftalt des Gelübdes'.
Bonwetfch theilt S. 6 ff. Anfang und Schlufs von 1. 2. 3.
6 und 7 mit. Von diefen Schriften befitzen wir voll-
ftändig in griechifcher Sprache nur Nr. 5; von Nr. 2
und 4 waren Fragmente erhalten, die in der Hippolyt-
Ausgabe der Berliner Akademie abgedruckt find; Nr. 1.
3. 6 und 7 find ganz neu, felbft dem Titel nach. Je
mehr man von Hippolyt kennen lernt, um fo erftaun-
licher wird der Umfang feiner Schriftftellerei. Welche
Perfpective eröffnet fich, wenn wir mit einem Male fechs
feiner Werke erhalten, von denen wir bis dahin nichts
oder nur wenig wufsten, nachdem wir gerade jeden
Fetzen feiner Exegefe geprüft und, fo gut es anging,
gereinigt und vorgelegt haben. Welch eine Bereicherung
der altchriftlichen Literatur aber fleht uns jetzt bevor:
ein ganzer Band von Schriften aus dem Anfang des
dritten Jahrhunderts! Aus diefem Schatze hat N.J. Marr,
ein emeritirter a. o. Profeffor in der orientalifchen Eacultät
der Univerfität St. Petersburg, vorläufig Nr. 4, den Com-
mentar zum Hohenliede, herausgegeben, georgifch und
in ruffifcher Ueberfetzung, alfo jene Schrift, der Bonwetfch
in der Ausgabe der Berliner Akademie neben
dem Daniel-Commentar feine Kräfte gewidmet hatte.
Dort theilte er aufser einem fchon bekannten griechi-
fchen, die altflavifchen, armenifchen und fyrifchen Fragmente
zum Hohenliede in deutfeher Ueberfetzung mit;
auch hier hat er fie feiner Ueberfetzung aus dem
Ruffifchen Marr's wieder beigefügt. Indem er einer,
fchon früher gefundenen Spur nachging, ift es ihm
ferner gelungen, einen neuen Zeugen für den Hippolyt-
Commentar zu finden: Ambrofius fchreibt in verfchiedenen
Schriften, fpeciell in feiner Erklärung des 118. Pfalms,
den von ihm viel gelefenen Hippolytus derartig aus,
dafs wir ihn jetzt noch brauchen können, um den Text
Hippolyt's wiederherzuftellen. Die altflavifche Verfion
hat Bonwetfch durh Dorpater Freunde aufs neue einfehen
laffen, wie dies nach dem Funde Marr's nothwendig war.
Die flavifche Ueberlieferung liegt nämlich in einer Ca-
tene vor, aus der Bonwetfch bisher nur die mit dem
Lemma ,Hippolyt' bezeichneten Stücke überfetzt hatte.
Nachdem jetzt der vollitändige Text des Commentars
vorliegt, liefs fich nachweifen, dafs der Slave noch mehr
hippolytifches Gut enthält, als es den Anfchein hat, da
öfter das Lemma vergeffen oder vertaufcht wurde. Es
wird alfo jetzt zum erften Mal mitgetheilt, was der flavifche
Text aus Hippolyt's Schrift ausgezogen hatte.
Andererfeits wird S. 14 f. nachgewiefen, dafs vier in einer
Handfchrift mit .Hippolyt' bezeichnete Fragmente vielmehr
dem Philo von Carpafia und Gregor von Nyffa
gehören.

Da wir Hippolyt's Werk auf dem langen Wege einer
deutfehe n — ruffifchen — georgifchen — armenifchen
— (fyrifchen?) Ueberfetzung aus dem Griechifchen erhalten
, find die Nebenzeugen nicht ohne Bedeutung
Sie dienen aber vor Allem dazu, uns die Gewifsheit zu
befeftigen, dafs wir Hippolyt's Erklärung zu Cant. Ii—37

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