Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1903 Nr. 19

Spalte:

530-531

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schultz, Hermann

Titel/Untertitel:

Aus dem Universitäts-Gottesdienste. Predigten. Von Advent bis Himmelfahrt 1903

Rezensent:

Achelis, Ernst Christian

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

529

Theologifche Literaturzeitung. 1903. Nr. 19.

530

Koenig, De la sincerite dans l'enseignement de l'histoire ' Phis/oire saintc et la foi re/igieuse,vgl.Publicatious diverses

sainte de l'ancien Testament aux enfants. Paris 1903
Fischbacher. (68 p. 8.) Fr. —.75

,Die von Tag zu Tag fich vergröfsernde Kluft
zwifchen den — wirklichen, nicht blofs angeblichen —
Refultaten der Bibelwiffenfchaft einerfeits und dem landläufigen
Betrieb des Religionsunterrichts auf allen Stufen
andrerfeits begründet einen Nothftand, der dringend nach
Abhilfe ruft'. Diefe Worte Kautzfch's (Bibelwiffenfchaft
und Religionsunterricht, Halle 1900, S. 4) bringen
eine Empfindung zum Ausdruck, die fich auch in allen
Kreifen des franzöfifch redenden Proteftantismus regt.
Bereits vor zwölf Jahren gab A. Weftphal, Profeffor
an der theologifchen Facultät zu Montauban, die ergreifende
Erklärung ab: ,Ce n'est pas en vain que la
fermentation Interieure, provoquee par les Cultes anciens,
a lenaille l'Eglise pendant de longucs annees. Si eile n'a
pas reussi a foumir la renovation theologique que Fon
attendait d'elle, le travail de dislocation des idecs tradi-
tionnelles ne s'en est pas moins aecompli. Peu a peu
Fahime Fest creuse entre le catechismc du Temple et la
theologie de FEcole. Le jour vient ou deux Bit les seront
en presence: la Bible du fidele et la Bible du savant. Ce
jour-lä le choc se produira, violent; car le reveil des
troupeaux sera un reveil d} Indignation, et nul ne peut
prevoir ce que deviendrait la foi dans cette revolte des
consciences' {Les Sources du Pentateuque, Tom. I, 1).
Von dem durch den Franzofen geweisfagten Zufammen-
ftofs giebt uns die gegenwärtige Babel- und Bibelbewegung
ein Vorfpiel, denn diefelbe hätte niemals die
Proportionen und den Charakter angenommen, welche
fie aufweifen, wenn die Theologie ihre Pflicht der Gemeinde
gegenüber erfüllt und den Laienkreifen die
Dienfte geleiftet hätte, die fie ihnen fchuldig ift. In nicht

sur le fideisme 1900, pag. 354—386) hat Pfr. T. Fallot in
einem geiftvollen Schriftchen {Le Dieu masque, 1902)
die pädagogifche Seite des Problems in Angriff genommen
: in der Form eines Gefprächs zwifchen einer
frommen, um die religiöfe Unterweifung ihres Knaben
beforgten Mutter mit ihrem Geiftlichen hat er nicht nur
feinfinnige Bemerkungen gemacht, fondern zugleich höchft
werthvolle Anregungen gegeben. Syftematifcher verfährt
der Profeffor der altteftamentlichen Disciplinen an
der theologifchen Facultät zu Paris Ad. Lods: fein in
den Februar- und Märzheften der Revue chretiennc 1903
veröffentlichter Vortrag, FEnseignement de Fanden Testament
a Fficole du dimanche zeichnet fich durch Frcimuth
und Pietät in gleicher Weife aus. Diefen Arbeiten (teilt
fich die Schrift des um die Popularifirung der israeli-
tifchen Religionsgefchichte fehr verdienten Pfrs. von
Tonneins, Lic. König, an die Seite. Die Ueberfchrift
derfelben entfpricht dem Inhalt nicht vollkommen. Zu-
nächft entwirft der Verf. das Bild des Entwicklungsganges
der israelitifchen Gefchichte auf Grund der durch
die neuere Forfchung gewonnenen Erkenntnifse; hierauf
giebt er einen Lehrplan, nach welchem in 50 Unter-
richtsftunden der gefammte Stoff der israelitifchen Religionsgefchichte
disponirt ift. Der Verf. beginnt mit
Abraham und fafst in den 5 erften Unterrichtsftunden
die Sagenhaften Ueberlieferungen' zufammen; die zweite
Gruppe, die den Titel ,das Epos' führt, geht von Mofes
bis Saul und nimmt 8 Stunden in Anfpruch; die dritte,
den Hauptftamm bildende Gruppe, ,die Gelchichte', um-
fafst 36 Stunden, und ftellt zunächft die Propheten in
den Vordergrund, um dann in 12 Stunden von dem Gefetz
und dem Judenthum zu handeln. Diefe Tabelle
bildet zugleich das Inhaltsverzeichnifs der biblifchen
Gefchichte, welche der Verf. zu veröffentlichen im

geringerem Mafse als unter uns erwacht und erftarkt j Begriff ift. Erft aus dem ausgeführten Werke wird fich
bei unfern Nachbarn das Bewufstfein einer ebenfo mit voller Klarheit und auf Grund eines genügenden

dringenden als heiligen Verantwortlichkeit, welche fie
nach den Mitteln fuchen läfst, dem immer tiefer empfundenen
Nothftande abzuhelfen. Freilich geftaltet fich
die Lage dort etwas verfchieden als bei uns, infofern als
der Religionsunterricht ausfchliefslich in den Händen
der Geiftlichen ruht und aus dem Lehrftoff der niederen
und höheren Schulen völlig verichwunden ift. Einerfeits
erwächft aus diefer Lage ein beklagenswerther Uebel-
ftand, indem die Zeit, die für den Religionsunterricht
übrig bleibt, eine fehr befchränkte ift; anderfeits fällt
eine Hauptfchwierigkeit weg, nämlich die bei uns in
höchft einfeitigem Geift gepflegte feminariflifche Vorbildung
der Elementarlehrer, die mit der auf den Univer-
fitäten vertretenen hiflorifch-kritifchen Wiffenfchaft in
fchreiendftem Widerfpruch fteht. Die Ueberleitung der
Schüler zu einer gefchichtlichen Auffaffung der Bibel
und die Einführung in ein lebendigeres, zugleich reli-
giöfes und hiftorifches Verftändnifs der Offenbarung ift
unter den dort obwaltenden Umftänden mit geringeren
Schwierigkeiten verbunden, da die Unterweifung von der
Perfönlichkeit ausgeht, die vor allem dazu berufen und
gewifs in den meiften Fällen dazu befähigt ift, die Glau-
bensintereffen zu wahren und das religiöfe Leben zu
wecken und zu vertiefen. In wachfender Zahl treten
denn auch bei den franzöfifch redenden Proteftanten die
Verfuche hervor, jene Kluft zwifchen der ,Laienbibel'
und der .Theologenbibel' zu überbrücken. Nicht nur
die für die gebildeten Laien beftimmten religions-
gefchichtlichen Werke laffen es fich angelegen fein, die
neueren Refultate der altteftamentlichen Disciplinen
einem weiteren Kreife von Lefern zugänglich zu machen.
Von verfchiedenen Seiten ift auch die in dem oben
genannten meifterhaften Referate Kautzfch's behandelte
Frage in Flufs gebracht und zur Discuffion geftellt
worden. Nach den zugleich principiellen und praktifchen

Materials ein Urtheil über diefes Unternehmen fällen
laffen. Zu gleicher Zeit wird unter dem charakteriftifchen
Titel ,Lcs etapes de la revelation religieuse en Israel' ein
für den Religionsunterricht beftimmtes Lehrbuch von
Prof. Weftphal erfcheinen.

Pfr. König hat fich damit begnügt, die allgemeinen
Grundfätze anzugeben und die leitenden Gefichtspunkte
zu entwerfen; die pädagogifche Seite der ganzen Frage,
auf welche Kautzfeh und Lods näher eingehen, hat
er unberückfichtigt gelaffen; damit hat er das in der
Ueberfchrift feines Büchleins gegebene Verfprechen nicht
voll eingelöft; namentlich hat die viel umftrittene Frage
nach der sincerite keine weitere Beachtung erfahren.
Nichtsdeftoweniger verdient der hier gemachte Verfuch
alle Anerkennung, und fei zumal als Einleitung zu der
in Ausficht geftellten biblifchen Gefchichte auch der
Aufmerkfamkeit der deutfehen Lefer empfohlen.
Strafsburg i. E. P. Lobftein.

Schultz, D. Hermann, Aus dem Universitäts-Gottesdienste.

Predigten. Von Advent bis Himmelfahrt. Göttingen
1902, Vandenhoeck & Ruprecht. (IV, 220 S. gr. 8.)

M. 2.80; geb. M. 3.60
Die letzte literarifche Gabe des hochverehrten Ver-
faffers und die letzte reife Frucht eines gefegneten
Predigerlebens liegt vor uns. Die dies Bändchen ab-
fchliefsende Predigt ift am Himmelfahrtsfefte unter dem
Thema: ,Himmel und Erde eins geworden' über Act. 1
6-11 gehalten: fie fchliefst mit den Worten: ,auf Erden
tragen wir des Gekreuzigten Todesbild . .. Wir follen
auch die Herrlichkeit des Auferftandenen empfangen und
da fein, wohin er uns vorangegangen ift. Dann wird erfcheinen
, was wir fein werden. Dann wird die inwendige

nnh? (Du rahbort entre I Himmelsherrlichkeit der rechten Chriften offenbar werden
Erörterungen von Prot, ivienegoz y«