Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1903 Nr. 1

Spalte:

515-516

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Holtzmann, Joseph

Titel/Untertitel:

Die Peschitta zum Buche der Weisheit 1903

Rezensent:

Nestle, Eberhard

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

5i5

Theologifche Literaturzeitung. 1903. Nr. 19.

hielt, abfchrieben, ift voreilig. Die Serie ana ittisu,
welche unter andern die fog. fumerifchen Familiengefetze
enthält, diente lediglich literarifchen Zwecken. — S. 120a.
Die hier erwähnten .eigentlichen affyrifchen Gefetze' find
ebenfalls altbabylonifche. Ich hatte das fchon früher
angenommen, jetzt ift diefe Annahme durch den Codex
Hammurabi bewiefen. — S. 127a. Die Behauptung, dafs
zu Bauten in ältefter Zeit kein Holz verwandt wurde,
wird fich nicht fo leicht erweifen laffen. Das Palmenholz
ift zwar kein befonders gutes Bauholz, doch wurde
es ficher im hohen Alterthum ebenfo wie noch heutzutage
als Bauholz benutzt. — S. 134. ,Den Tag am
Hofe Sardanapals' würde ich gern miffen. Er gehört
nicht in diefes Buch und beweift nur, dafs nicht jeder
Gelehrter ein Romanfchreiber ift. Grofse Palmenhaine
wird es übrigens auch im Alterthum wohl in Ninive
nicht gegeben haben. Jetzt ift die Palmengrenze am
Eufrat bei Ana, am Tigris bei Tekrit. Viel anders
werden die Verhältnifse auch im Alterthum nicht gelegen
haben. Gewifs hatte nur der König und reiche
Leute einige nicht tragende Luxuspalmen in ihren Gärten.

Berlin. Bruno Meifsner.

Holtzmann, Jofeph, Die Peschitta zum Buche der Weisheit.

Eine kritifch-exegetifche Studie. Freiburg i. B. 1903,
Herder. (XII, 152 S. gr. 8.) M. 4.—

Die hier anzuzeigende Arbeit fchliefst fich einerfeits
an die zahlreichen Unterfuchungen an, welche in letzter
Zeit über die fyrifche Ueberfetzung einer Reihe alttefta-
mentlicher Bücher erfchienen find — warum werden die
neuteltamentlichen nicht ebenfo unterfucht?-—, und bildet
andererfeits eine erwünfchte Ergänzung zu den Textkri-
tifchen Materialien zum Buch der Weisheit, welche Feldmann
aus der fahidifchen, fyrohexaplarifchen und ar-
menifchen Ueberfetzung gefammelt hat (f. Th. Lz. Nr. 1).
Wie das Vorwort mittheilt, ift die Arbeit fchon vor längerer
Zeit der theologifchen Facultät in Würzburg als
Inaugural-Differtation eingereicht und nur die Drucklegung
durch eine mehrjährige fchwere Erkrankung bisher
verzögert worden. Schon der Umfang zeigt, dafs die
Arbeit gründlicher als manche andere ift, und vieles in
ihr ift fehr nützlich; es finden fich aber auch mancherlei
Schäden. Der Verf. weifs, dafs der gedruckte Text der
Polyglotte fchlecht ift; wie fchlecht er ift, hat erft 1897
der Apparat von Barnes zur Chronik jedermann vorgeführt
. Er vergleicht daher den Ambrofianus, die Moffuler
Ausgabe, eine Berliner Hdf, ,Nr. 90 des Sachaufchen
Katalogs' d. h. 30 in dem neuen grofsen ,Verzeichnifs'
(1899, S. 127) und die von Lagarde gebotenen Materialien,
S. 13—22. Da ich eine Collation des Ambrofianus in
mein Exemplar von Lagarde's Ausgabe eingetragen hatte,
konnte ich diefen Theil leicht controliren und vermifste
Lesarten des Ambrofianus zu 6, 21; 7, 10. 12. 22; II, 10;
13, 3- 4- IL 19; 15, 5- 25; IS, 9. 10; 16, 6; 17, 19; 18,
22, 24; 19, 20. Schlimmer ift, dafs die Sigel a — Ambrofianus
mehrfach bei der falfchen Lesart eingetragen
ift, z. B. 5, 9. 14 (vgl. auch S. 82) 6, 6. 8; 13, 18; 18, 5. 6,
oder dafs die Lesart nicht richtig angegeben ift. In 12,
27 z. B. hat a beide Lesarten mni» und mni»; in 15, 27
KU»« N1B3-Q ptt, nicht S©i13 KT»:-Ü "pK: 17, 12 ftatt
KJp-p üb vielmehr ay-p tfbi; 19, 12 pnnitonEbn (ohne 1
nach S). Trotzdem ift diefer Theil eine recht nützliche
Vorarbeit für den künftigen Herausgeber der fyrifchen |
Bibel. Dann wird die Ueberfetzung felbft unterfucht mit
dem Ergebnifs, dafs 11, 13—15; 17, 4—16 und 18, 5 bis
zum Schlufs von einem andern Ueberfetzer herrühren
tollen. Mir ift das unwahrfcheinlich. Weiter wird gegen
Margoliouth noch einmal der Nachweis geführt, dafs die
fyrifche Ueberfetzung nur auf dem griechifchen, nicht
auf einem femitifchen Text ruhe. Dabei ift 11, 14 ein
befonders fchlagender Beleg überfehen, dafs nämlich der

Syrer mit den Handfchriften 106. 261 fncpiöavtEg für
ÖLfrjßavTEg gelefen hat. Im vierten Capitel ,Kritik und
Exegefe der Einzelftelle' fehlt es nicht an guten Bemerkungen
, aber auch nicht an Mifsverftändnifsen. 12, 5
fcheine der Syrer aipazoo, nicht überfetzt zu haben, Nüm
wird darum in geändert, während das Blut doch in
xmm fleckt. 14, 4 giebt der Syrer xtvodogia durch
das intereffante quid pro quo ,magnittido abdominis'; Holtzmann
vermuthet dafür XDIp doloris. Bei der Frage nach
der Recenfion, welcher der Syrer folge, wird richtig fein
nahes Verhältnifs zu 106. 261, aber auch zu 23. 253 erkannt
. Dies Ergebnifs ift fehr lehrreich, da es uns das
Alter der in den gr. Hdff. fich findenden Textverderb-
nifse und Textmifchungen beweift. Endlich wird das
Verhältnifs zur lateinifchen Ueberfetzung unterfucht
und eine Beeinfluffung des Lateiners durch den Syrer
angenommen. Mich haben die dafür angeführten Bei-
fpiele nicht überzeugt. Ganz falfch ift jedenfalls 18, 10,
wo inconveniens vox—aOvp(pmvoq..r/ ßofj aus dem fyrifchen
SP1 IIB Stb erklärt wird, das einerfeits non Concors, non ae-
qualis = äövficpmvoq, andererfeits non dignus, nondecens =
inconveniens fei. Dafs einem katholifchen Theologen ein
Sprachgebrauch, wie er beifpielsweife Mc. 14, 56. 59 vorliegt
: ,non erat conveniens testimonium eorum' fremd fein
follte, ift unbegreiflich. Trotz diefer und anderer Mifs-
griffe ift aber die vorliegende Unterfuchung als ein nützlicher
Beitrag zu dem keineswegs leichten und noch
durchaus nicht allgemein verftandenen Buch der Weisheit
mit Dank zu begrüfsen.

Maulbronn. Eb. Neftle.

Goguel, Lic. en lettres, Maurice, La notion johannique de
l'Esprit et ses antecedents historiques. Etüde de theologie
biblique. Paris 1902, Fischbacher. (IX, 171 p. Lex. 8.)

Diefe anziehende und angenehm zu lefende Studie
bedeutet keinen F'ortfchritt über die Erkenntnifse hinaus,
die wir bereits befitzen, und die z. B. von Holtzmann
(Neut. Theol. II, 458fr.) muftergültig formulirt find. Es
tritt hier fogar die Hauptfache nicht genügend hervor,
dafs ,der Geift' für Johannes theoretifch und praktifch
nicht im Vordergrunde des Intereffes fleht. Wie man
von einer ,pneumatocentrifchen' Grundanfchauung des
Evangeliums reden kann, ift unbegreiflich. Es mufs hierbei
entweder der Begriff des Geiftes in einer fehr un-
präcifen Weife aufgefafst, oder es müffen Umdeutungen
und Eintragungen vollzogen werden, gegen die ein gefunder
exegetifcher Sinn fich fträuben wird. — Zum Ver-
ftändnifs der johanneifchen Anfchauung gehört ebenfo
fehr eine Erkenntnifs des inneren Zufammenhanges feiner
allgemeinen religiöfen Begriffe, wie eine lebendige Vor-
ftellungder älteren Auffaffungen des Geiftes im Urchriften-
thum, Judenthum und A. T. Diefen Anforderungen fucht
der Verfaffer zu genügen durch eine knappe Ueberficht
über die Vorausfetzungen der johanneifchen Theologie
und eine Skizze des johanneifchen Syftems. Jener Rückblick
bewegt fich im Allgemeinen in der von Gunkel und
Weinel bezeichneten Richtung. Die Darfteilung der
johanneifchen Weltanfchauung ift bereits zu fehr auf die
folgenden Erörterungen zugefchnitten, als dafs man fie
richtig finden könnte. So ift es entfchieden willkürlich,
den Gegenfatz der ,beiden Welten' fo zu formuliren, dafs
die ,Welt des Geiftes' der des Fleifches gegenübergeftellt
wird. Gewifs ift die obere Welt die Welt Gottes, der
feinem Wefen nach Geift ift (421), und gewifs ift nach 3«
das vom Fleifche Geborenfein ein Attribut derer, die
,von unten her' find, aber es ift eben fehr bemerkenswerth,
dafs diefer Gegenfatz von Fleifch und Geift durchaus
nicht der von Johannes bevorzugte Ausdruck ift; nur gelegentlich
kommt diefe Betrachtung vor. Was bei Paulus
wirklich ein Centraigedanke ift, das erfcheint hier als ein
vorübergehend benutztes Mittel, andere Gedanken zu