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Ausgabe:

1903

Spalte:

513-515

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bezold, Carl

Titel/Untertitel:

Ninive und Babylon 1903

Rezensent:

Meissner, Bruno

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Theologische Literaturzeitung,

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. in Berlin, und D. E. Schürer, Prof. in Göttingen.

Jährlich 26 Nrn. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig. Jährlich 18 Mark.

Nr. 19. I2- September 1903. 28. Jahrgang.

Bezold, Ninive und Babylon (Meifsner).
Holtzmann, Jof., Die Pefchitta zum Buche

der Weisheit (Neflle).
Goguel, La notion johannique de l'Esprit et

ses antecedents historiques (Joh. Weifs.)
Widmann, Die Echtheit der Mahnrede Juftins

d. M. an die Heiden (Gaul).
Vignon, Le linceul du Christ (v. d. Goltz).

Jacob, Johannes vonCapiftrano, I.Teil (Lempp).

Kapp, Religion und Moral im Chriftentum
Luthers (Koehler).

Schultz, H., Grundrifs der chriftlichen Apologetik
, 2. Aufl. (Lobftein).

Niebergall, Ein Pfad zur Gewifsheit (Lobftein
).

Koenig, De la sincent(5 dans l'enseignement

de l'histoire sainte de l'Ancien Testament aux
enfants (Lobftein).

Schultz, H., Aus demUniverfitäts-Gottesdienfte,
Predigten (E. Chr. Achelis).

Schoen, Quid boni periculosive habeat Goe-
thianus liber qui affinitates electivae inscribi-
tur (Eck).

Bezold, Prof. Dr. C, Ninive und Babylon. Mit 102 Abbildungen
. ( Monographien zur Weltgefchichte. In Verbindung
mit Anderen herausgegeben von E. Heyck.
XVIII.) Bielefeld 1903, Velhagen & Klafing. (143 S.
Lex. 8.) Geb. M. 4.—

Populäre Darflellungen aus dem Gebiete der Affyrio-
logie fcheinen jetzt fehr begehrt zu fein. Diefem Wunfche
des grofsen Publicums ift der Verfaffer nachgekommen
und hat in einer Reihe von Capiteln (Ausgrabungen und
Entzifferung, Gefchichte, die Bibliothek von Ninive, die
affyrifche Gefchichtsfchreibung, Aftrologie und Aftrono-
mie, Heilkunde, die Religion, Legenden, Lehrbücher in
Keilfchrifr, die KunfL) das Wiffenswerthefte aus der Gefchichte
und Cultur des alten Zweiftromlandes zufammen-
geftellt. Ob er dem Gefchmack des Laienpublicums
immer gerecht geworden ift, weifs ich nicht genau. Mir
ist mehrfach verfichert worden, dafs weniger Namen und
mehr Thatfachen erwünfcht gewefen wären. Und ich
felbft mufs geflehen, dafs ich gerade die gefchichtliche
Darffellung plaftifcher und pragmatifcher erhofft hätte.
Ein Eingehen auf die Parallelereignifse der anderen
Staaten, fpeciell Palästinas, wäre gewifs wünfchenswerth
gewefen; denn die weiten Schichten des gebildeten
Publicums haben doch befonders für die Refultate der
Keilfchriftforfchung ein Intereffe, weil fie zur Aufhellung
biblifcher Erzählungen dienen. Defshalb fteht man den
Grund nicht recht ein, wefshalb B. das Heranziehen anderer
Quellen direct von der Hand weift (S. 61). Wirklich
Neues bringt er vielfach bei Befchreibung der
Schätze der Bibliothek Afurbanipal's. Hier liegt die
Stärke des Verfaffers des Catalogue of the K. Collection.
Speciell bei Befchreibung der meift unedirten Omina-
texte ift er die einzige Quelle, die wir bis jetzt haben.
Hoffentlich findet er bald Zeit und Gelegenheit, einige
diefer Serien zu veröffentlichen, die nicht nur für die
Gefchichte des Occultismus, fondern auch für Medicin,
lexikalifche Studien etc. äufserft wichtig find. Was befonders
fchön an dem Buche ift und ihm einen dauernden
Werth giebt, ift die grofse Anzahl forgfam ausgewählter
und gut reproducirter Abbildungen.

Im Einzelnen fordert viel zum Widerfpruch heraus,
fo fällt z. B. das Ignoriren vieler neuer, wenn auch ganz
geficherter Refultate der Wiffenfchaft auf. Vielleicht ift
das ein Zeichen von Vorfichtigkeit, aber B. erreicht dadurch
, dafs fein Buch nicht über den neueften Stand der
Wiffenfchaft orientirt. Auf einige Einzelheiten erlaube
ich mir hinzuweifen, die vielleicht bei einer Neuauflage
berückfichtigt werden könnten. S. 9a. Mofful liegt nicht
im Vilajet Bagdad, fondern ift, wie B. ein Blick in jedes
Handbuch, etwa Cuinet, La Turquie d'Asie II, 760fr.

Moful und Bafra vereint und faft als unumfchränkter
Fürft beherrfchte, find lange vorüber. — S. 14b. Hat
Layard (S. 121b werden Layard und Rawlinfon genannt
) die Bibliothek Afurbanipal's entdeckt? Raffam
nimmt diefen Ruhm für fich in Anfpruch; s. Raffam,
Asskur and the land of Nimrod 31. — S. 19 b. Die
chronologifchen Daten find mit Vorficht aufzunehmen.
Das gilt auch für S. 27b. — S. 20a. Die Auffindung
der Amarnatafeln wird z. B. von Niebuhr, Die Amarna-
zeit 3 anders dargeftellt. — S. 2ib. Die Ausgrabungen
in Sendjirli wurden nicht ,von einzelnen Gelehrten', fondern
von dem Deutfchen Orient-Comite unternommen.

— S. 22b. Die Speculationen über die Urheimath der
Semiten hätten m. E. wegbleiben können. — S. 28a.
Der Canal wird nicht Pallakopos, fondern Pallakopas
oder Palakottas genannt. — S. 28a. Die Unterfuchungen
Thureau-Dangin's haben, fo denke ich, deutlich be-
wiefen, dafs man nur eine Dynaftie von Ur anzufetzen
hat. — S. 29b. Ob man von einer Doppelftadt Babylon-
Sippar reden kann? Abu-Habba liegt von Qasr doch
immerhin 60 Km. entfernt. — S. 31a. Affyrien und die
Hauptftadt Affur werden fchon zur Zeit der erften baby-
lonifchen Dynaftie erwähnt. — S. 37. Ift die Unterfchrift
des Bildes auf S. 37 wirklich fo gemeint? Die Infchriften
am Nahr elKelb waren doch immer bekannt, und
brauchten nicht erft ,entdeckt' zu werden. — S. 39b.
Von Tiglat-Pilefer II kennen wir nichts als feinen Namen,
defshalb find B.'s Angaben über feine Regierungsthätig-
keit unbeweisbar. — S. 44b. Der Berg Sanir heifst nicht
heute noch fo, fondern führt in der Bibel diefen Namen.

Es ift der Hermon, heute Djebel efchfcheich genannt._

S. 46a. Wie paffend wäre bei dem Zuge Adadnirari's III
nach dem Weftlande ein Hinweis auf II Koen. 13, 5 gewefen
, wo Affyrien ,der Heiland' ift! Die ganze Situation
in der Bibel wird klar durch den keilinfchriftlichen Bericht
. — S. 51b. Es hätte vielleicht doch wenigftens auf
die Hypothefe der beiden Feldzüge Sanherib's nach

dem Weftlande hingewiefen werden können. _ S 55a

Die .glückliche Hand' ift Afurbanipal nur fehr bedingt
zuzugeftehen. Wenn es ihm auch gelang, fich mit grofsen
Opfern feinen Feinden gegenüber zu behaupten, fo ging
aus diefem Kampfe Affyrien fo gefchwächt hervor, dafs
es fchon bald nach feinem Tode zufammenbrach. —
b. 72 b. Der Eigenname ift nicht Abupiam, fondern
Abu-pikar oder Abu-wakar zu lefen. — S. 97. Von
welchen Texten könnte man mit Sicherheit fagen, dafs
fie rein fumenfch find? Die Schilderung fumerifcher
Sitten und Gebrauche gründet fich nur auf Speculation.

— S. 107, 109. Die hier abgebildeten Särge find nicht
altbabylonifch, fondern der Form nach ganz jung, par-
thifch. — S. 119b. Der Schlufs, dafs die Affyrer nach

hätte belehren können, Hauptftadt eines eigenen Vilajets. j altbabylonifchem Gefetz richteten, weil fie eine aram
Die Zeiten, wo Da'ud Pafcha die Vilajets Bagdad, matifche Serie, welche auch altbabylonifche Gefetze ent

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