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Ausgabe:

1903 Nr. 18

Spalte:

504-508

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Külpe, Oswald

Titel/Untertitel:

Die Philosophie der Gegenwart in Deutschland.(Aus Natur und Geisteswelt. 41. Bändchen.) 1903

Rezensent:

Goedeckemeyer, Albert

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503 Theologifche Literaturzeitung. 1903. Nr. 18. 504

auf den altchrifüichen Gewändern fo benannten (vgl. die Hilf deinem Nächften; innerhalb diefer beiden Haupt-
Ausgabe Franchi's S. 45 ff.). — Die Krebsfcheeren auf 1 theile find wiederum verwandte Sprüche zufammenge-
dem Haupt des Jordan, die Kurth fo viel Kopfzerbrechen flcllt, Kernworte durch Sperrdruck herausgehoben. Ein
machen, dafs er gar auf germanifchen Urfprung des paar Bedenken möchte ich doch nicht unterdrücken:
Motivs räth, trägt fchon ein Oceanus in den Katakomben j Verf. citirt nach der Erlanger Ausgabe, noch dazu der
(de Rossi R. S. II t. 27. 28.). erften Auflage; daneben ift die fogen. Braunfchweiger
Die angedeuteten Mängel äufsern ihren Einflufs auf Ausgabe herangezogen worden. Wenn die Ignorirung
die Erklärung der Bilder, obwohl ich Kurth gern zuge- der Weimarer Ausgabe fchliefslich bei einem populären
liehen will, dafs er an einigen Stellen die Auffaffung ! Werke nicht allzuviel fchadet, fo hätte doch unter jedem
gefördert hat. Er zeigt hier wieder feine fchöne Fähig- Citat angegeben werden müflen, wo (in welchem Werke)
keit, fich in die Gedankenwelt der alten Meifter zu ver- und wann Lth. das gefagt hat. Das zu erfahren, darf
fetzen. Das grofse Conchamofaik in 5. Apollinare in man beanfpruchen, die ,Chriftliche Welt' giebt Beides
Classc als eine Vifion des heiligen Apollinaris zu er- mit Recht an, und für das Verftändnifs Lth.'s ift Beides
klären, ift wenigftens eine gute Idee. Bei der Bücher- nicht gleichgültig. Endlich: Verf. hat, wie ich an Stichverbrennung
im Maufoleum ift er auf dem richtigen proben feftftellte, mitunter Citate ftark zufammengezogen,
Wege: es ift das Titelbild für ein Decretum de libris j zur Verbindung felbft Worte eingefügt, die im Original
reezpiendis et non reeipiendis. Sonft hat er aber wohl I nicht flehen — ohne das irgendwie kenntlich zu machen,
noch viel zu thun übrig gelaffen. Um den Schmuck des ; Auch in der an fich zu billigenden Modernifirung der
orthodoxen Baptifteriums zu verftehen, mufs man die j Lth.'fchen Ausdrucksweife, jedoch möglichft ohne die
gallikanifche Liturgie in die Hand nehmen und fich urwüchfige Klangfarbe des Originals zu verwifchen', fcheint
die Lehre von der Taufe vergegenwärtigen. Das hat Verf. etwas fehr weit gegangen zu fein. Oder hat, um ein
Wiegand gut gezeigt; kennt Kurth deffen Auffatz gar Beifpiel zu nennen, Lth. wirklich felbft gefchrieben: ,Diefe
nicht? Die fein ausgewählten Wandfprüche find ebenfo Auslegung wäre famos' (Nr. 55)? Oder diefes: ,Der
aufzufaffen; es ift intereffant, dafs dabei Joh. 13 citirt j Wein und die Weiber bringen manchen in Jammer
wird, da die Fufswafchung ein Ritus der gallikanifchen | und Herzeleid' (Nr. 5)? Vielleicht berückfichtigt Verf.
Taufliturgie war, die auch in Ravenna galt (Duckesne, diefe Defiderien bei einer zweiten Auflage, die dem Buche,
Origines du culte c/iretien1 314). — Durch das ganze Buch j das als Confirmations- oder Feftgefchenk, überhaupt als
ziehen fich Citate aus einem Auffatz Barbier's de Mon- populäre Einführung in Lth. fehr zweckdienlich ift, zu
tault, die wefentlich den Zweck haben, fich über den j wünfehen wäre. Jetzt wird man wiffenfehaftlich aus ihm
Vertreter der herkömmlichen Auffaffung der Mofaiken 1 nicht citiren dürfen, weil man nicht immer weifs, wo des
zu mokieren. Das ift nicht fchwer, aber auch nicht Verf'.s Hand an Lth. gemodelt hat.

fchön. Seine Lefer würden ihm dankbarer gewefen fein, 1 n.r „ ,

r ■ j a 1 -.. j rrj ' Lrielsen. Kohler.

wenn er fie in den Anmerkungen mit den treffenden

Charakterifliken Hotho's, Robert Vifcher's oder Alois 1

Riegl's bekannt gemacht hätte. Riehl, Alois, Zur Einführung in die Philosophie der Gegen-

Die Vorarbeiten für die Fortfetzung des Werkes j wart. Acht Vorträge. Leipzig 1903, B. G. Teubner.
find fchon gemacht. Der Dank der Fachleute, hoffent- /y^ 2^ g gr g jyj ^ _. ]yj , ^

lieh auch vieler Liebhaber, ift ihr von vornherein gewifs. ' j . ' '

Kulpe, Oswald, Die Philosophie der Gegenwart in Deutschland
. Eine Charakteriffik ihrer Hauptrichtungen nach
Vorträgen, gehalten im Ferienkurs für Lehrer 1901
Luther, Martin, Denn der Herr ist dein Trotz. Auszüge zu Wurzburg. (Aus Natur und Geifteswelt. 41-Bänd-
aus feinen Werken. Gewählt von Fritz Bredow.

Königsberg i. Pr. H. Achelis.

(Lebende Worte und Werke. 2. Band.) Düffeldorf
(1903), K. R. Langewiefche. (199 S. 8.)

M. 1.80; geb. M. 3.—

Von Lefern der ,Chriftlichen Welt' ift der Wunfeh
geäufsert worden, es möchten die .Lutherworte', die feit
vergangenem Jahre faft an jeder Nr.-Spitze flehen, ge-

chen.) Leipzig 1902, B. G. Teubner. (VI, 115 S. 8.)

Geb. M. 1.25

Riehl'sWerk, das fich nach des Verf.'s Anficht einem
weitverbreiteten philofophifchen lntereffe gegenüber-
fieht (2, 236), will diefem lntereffe anregend entgegenkommen
, indem es nicht, wie der Titel zunächft ver-
muthen läfst, über die verfchiedenen Strömungen in der

fammelt und herausgegeben werden. Der Herr Herausgeber i modernen Philofophie unterrichtet, fondern vielmehr auf
vertröftete damals auf fpäter. Unabhängig von ihm bietet hiftorifchem Wege (1.—7. Vortrag) in die Philofophie der
nun Fritz Bredow, Verf., wie auf der Titelrückfeite bemerkt Gegenwart, die für den Verf. freilich wefentlich mit feinem
wird, eines ,Offenen Briefes an die Mecklenburgifche [ eigenen philofophifchen Standpunkt zufammenfällt, einzu-

I .andeskirche' (Leipzig, Eugen Diederichs, 1902), eine Auswahl
von Lutherfprüchen. Sie erfcheinen in einer Sammlung
.Lebende Worte und Werke', in der führende

fuhren fucht (8. Vortrag, vgl. auch das Ende des 5.).

Dabei geht es aus von der Beftimmung des Begriffs
der Philofophie, den die Gefchichte zu liefern hat (S. 5).

Geifter in Auszügen aus ihren Werken zu den Lebenden : Sie zeigt, dafs fich die Philofophie niemals damit be-
fprechen follen; aufser dem vorliegenden Bande ift ein j gnügt hat, blofs Wiffenfchaft zu fein, fondern dafs fie
folcher von Worten Carlyle's fowie von Ernft Moritz Arndt , daneben als ,Philofophie der geiftigen Dinge', die es mit
erfchienen —alle in hübfeher Ausftattung, gutem Druck Werthen zu thun hat, keine reine Wiffenfchaft, fondern
und zu mäfsigem Preife. .Kunft der Geiltesführung' ift (8 f.). Damit gliedert fich

Was in dem Profpecte unteres Bandes gefagt ift: : das ganze Werk in zwei Abfchnitte, deren erfter es mit
,Ueber die Jahrhunderte hinweg redet der Gewaltige hier der Philofophie als Wiffenfchaft zu thun hat, während
zu uns, den Kindern einer neuen Zeit. Man wird ihn i der zweite die Philofophie als Lebensführung behandelt;
hören. Denn grofs ift die Kraft und Schönheit feiner j und zwar tritt uns diefe Eintheilung fowohl in dem
Worte. Da wird nicht die Frage fein: „orthodox" oder hiftor. Theile entgegen (S. 10ff., bezw. S. 169ff.), als auch
„liberal", „kirchlich" oder „entkirchlicht" . . — das erfüllt in dem wefentlich des Verf.'s philof. Standpunkt ent-
der Inhalt vollauf. Die Citate find fehr gefchickt ausge- haltenden Schlufsvortrage (S. 236 ff., bezw. S. 250 ff.),
wählt, und es ift nicht nur ein äfthetifcher Genufs, fondern , Der Abficht des Werkes entfprechend werden uns
eine hlrhebung und Erbauung, die germanifche Kraft- j nun in dem hift. Theile die Vorftufen von Riehls philof.
natur Luther's aus diefen Worten auf fich wirken zu laffen. I Standpunkte vorgeführt. Es berückfichtigt daher zu-
Verf. hat gruppirt: I. Denn der Herr ift dein Trotz! II. ! nächft der Abfchnitt, der es mit der Ph. als Wiffen-