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Ausgabe:

1903

Spalte:

475-476

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Stählin, Otto

Titel/Untertitel:

Clemens Alexandrinus und die Septuaginta 1903

Rezensent:

Koetschau, Paul

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Seite 1

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475

Theologifche Litcraturzeitung. 1903. Nr. 17.

476

Stählin, Gymnafiallehrer Dr. Otto, Clemens Alexandrinus können. Nur dürfte unter Nr. 4 (S. 77) das ,Durchweg'
und die Septuaginta. Nürnberg 1901, Gymnafialprogr. durch Hinzufügung eines ,faft' zu mildern fein. Befon-
(77 S. 8.) deres Lob verdient die Correctheit des Druckes. Die

Stellenangaben des Verf.s aus Dindorf's Ausgabe find ab-
Während die nt. Citate bei Clemens Alex, mehrfach, folut zuverläffig, denn kleine Verfehen, wie S. 18 Z. 2
zuletzt von P. Mordaunt Barnard (I. Theil Evgg. und v. o. (9 ftatt 10), S. 70 Z. 17 v. o. (8 ftatt 5), S. 78 Nachtr.
Apg.) unterfucht worden find, fehlte es bisher an einer zu S. 42 (ftatt 41), kommen nicht in Betracht. S. 50 Z.
ähnlichen zufammenfaffenden Unterfuchung der at. Citate. 17 v. u. 1. dxagctfiovov, S. 70 Z. 13 v. o. 1. XrppExai. Möge
Otto Stählin (jetzt Gymnafialprofeffor in München) hat j der Verf. für feine entfagungsreiche Arbeit, die nur der
fich diefer mühevollen Arbeit mit Ausdauer und Sorg- [ richtig zu fchätzen weifs, der eine ähnliche Arbeit ge-
falt unterzogen und die geficherten Ergebnifse in der, ! leiftet hat, durch fleifsige Benutzung feiner Refultate und
Wilhelm Chrift zum 70. Geburtstage dargebrachten Feft- ' durch das Bewufstfein belohnt werden, der Vollendung
fchrift des Neuen Gymnafiums in Nürnberg vorgelegt, feiner Clemensausgabe nun ein gutes Stück näher ge-
Die Arbeit bildet einen fehr werthvollen Beitrag zur Text- i rückt zu fein.

kritik der Septuaginta, fie wird von allen Bibelforfchern
mit aufrichtiger Dankbarkeit begrüfst und mit Nutzen
und Förderung ftudiert werden.

Auf Grund eigener Collationen und mit Hilfe eines
neu angefertigten Regifters der Bibelnellen bei Clemens

Jena. Paul Koetfchau.

Bornhäuser, Lic. theol. Prof. K., Die Vergottungslehre des
Athanasius und Johannes Damascenus. Ein Beitrag zur
Alex. (Dindorf's Regifter ift ebenfo unbrauchbar wie fein Kritik von A. Harnacks „Wefen des Chriftentums".

Apparat) hat der Verf. die LXX-Citate geprüft und dabei
die Frage, welcher Gewinn für die Kenntnifs der
LXX aus den Citaten bei Clemens zu erzielen fei (S. 8),
zu beantworten gefucht. In der Einleitung (S. 5—Ii)
theilt der Verf. u. a. allgemeine Beobachtungen mit, die
für alle derartigen Unterfuchungen von Wichtigkeit find.
Benutzung einer HS. durch Clemens ift da anzunehmen,
wo directe Citate fich häufen; fehr viele Stellen find
aber ,nur dem Gedächtnifs nach citirt' (S. 9), wobei fich
Clemens willkürliche Aenderungen erlaubt hat, die der
Verf. S. 10 f. in 8 Gruppen eintheilt; manchmal hat
Clemens, wie ficher zu beweifen ift, ,verfchiedene HSS.
für diefelbe Stelle' benutzt (S. 10 u. 69); als Autorvarianten
find folche Abweichungen vom LXX-Text anzu-
fehen, welche ,fich nirgends fonft bezeugt finden' (S. 11);
all' dies trifft, wie Ref. gegenüber Preufchen nachgewiefen
zu haben glaubt (ZfwTh. N. F. VIII (1900) Nr. XIII), im
Ganzen auch für Origenes zu. Auf S. 12—74 folgt die
Befprechung einzelner Stellen. Die einzelnen
Gruppen der von den LXX überlieferten Schriften werden
mit Recht gefondert befprochen. In den Pentateuch-
Citaten (die meiftens aus Philo übernommen find) berührt
fich der Clemenstext befonders mit AF und nur zweimal
mit B allein, in den Pfalmen-Citaten vor allem mit
U (bezw. mit dem von Wallis Budge edirten fahidifchen
Pfalter), auch mit T und K<:a Bei der eingehenden
Unterfuchung der Proverbien-Citate, wo der Verf. u. a.
die Arbeiten P. de Lagarde's weiter führt, ergiebt fich,
dafs Clemens an ca. 16 Stellen den urfprünglichen Text

(Beiträge zur Förderung chriftlicher Theologie. Herausgegeben
von A. Schlatter und H. Cremer. Siebenter
Jahrgang. 1903. 2. Heft.) Gütersloh, C. Bertelsmann.
(III, 118 S. gr. 8.) M. 2.—

Der Verfaffer fucht in diefer Studie zu zeigen, dafs
nach Athanafius und Johannes Damascenus ,die Vergottung
in der Lebensgemeinfchaft mit Gott durch Chriftus im
Heiligen Geifte liegt', dafs die d-eojcotrjOiq, welche identifch
mit der vtojcoh/Oiq fei, nach Athanafius mit der Taufe
gegeben wird, dafs das höchfte Gut für Athanafius und
dem Damascener nicht als drp&agata bezeichnet werden
dürfe, und dafs aus diefen Gründen meine Darftellung
der griechifchen Erlöfungslehre falfch fei. Der Verfaffer
hat fich viel Mühe gegeben, aus zahlreichen Stellen die
Begründung, Bewahrung und Vollendung des Chriften-
flandes bei den beiden grofsen morgenländifchen Theologen
darzulegen und fetzt die hier gefundenen Ergebnifse
theils neben die nunmehr faft verfchwindende Vergottungslehre
, theils fafst er fie — das ift wohl feine eigentliche
Meinung — als den Inhalt derfelben. Da er aber in diefen
Partien nichts oder fo gut wie nichts ,Phyfifches* gefunden
hat — die unbequeme Abendmahlslehre des Damas-
ceners wird fchliefslich auch überwunden —, da beide
Theologen ein wirkliches ,Wahrhaftiger Gott Werden' be-
ftimmt abgelehnt haben, fo gilt die Frage für entfchieden:
&eoJtob]6iq ift nichts anderes als die Lebensgemeinfchaft
mit Gott, dfp&agoia fpielt keine oder eine ganz untergeordnete
Rolle (nämlich als Folgeerfcheinung der Aderhalten
hat; S. 42 f. wird eine Anzahl geficherter Er- optio) und die jetzt verbreitete Vorftellung von der Er
gebnifse, darunter (S. 43) dies feftgeftellt, ,dafs Clemens ! löfungsauffaffung der Griechen ift unrichtig,
felbft ohne Bedenken entweder aus verfchiedenen HSS. Aber was fagt die Formel .{reoxoirjciiq1 oder die volle

citirte oder wenigftens die verfchiedenen Lesarten einer , Ausgeftaltung: ,0 &eoq £vav&ga>nr)ö£V, iva i/fiEiq ftsoxoitj-
HS. unterfchiedslos anwandte', eine Thatfache, die man j #m/i£v' an und für fich? Der Verfaffer bemerkt in einer
z. B. bei Unterfuchung der Origenes-Citate im Auge be- Anmerkung, die Knappheit fei diefer Formel gefährlich;

halten mufs. Ausführlicher behandelt find auch die Citate

denn fie fcheine in fich fo deutlich zu fein, dafs man fich

aus Sirach. (Die Probleme, die durch Vergleichung der eine längere Bemühung um ihre Erläuterung nur zu leicht
Clemenscitate mit der LXX entliehen, finden nicht j erfpare. Scheint es nur fo? Warum benützt denn der
in allen Fällen durch den hebr. Text eine befriedigende Proteftantismus die Formel nicht mehr? Hat fie nicht
Löfung' (S. 48). ,Die von Clemens und Lat. bezeugte j wirklich einen ehernen und unmifsverftändlichen Gehalt, der
Recenfion hat uns mehrfach das Urfprüngliche erhalten' ; Erläuterungen mit Hülfe der Lehren ,von der Begründung,

(S. 57). ,Hinfichtlich der Gloffen fleht Clemens den
Hss. H und 248 am nächften' (S. 58). Die Citate aus
Jefaia und Jeremia ftimmen auffallig mit Q (= Hefychius
nach Ceriani); für Ezech. 18, 4-9 weift der Verf. auf die
zwei bei Clemens (I 203, 2 ff. II 233, 18 ff. Dind.) überlieferten
Recenfionen hin (S. 69), von denen die zweite
wohl richtig auf Theodotion zurückgeführt wird; denfelben
Ueberfetzer hat Clemens auch für die Daniel-Citate be

Bewahrung und Vollendung des Chriftenftandes' überflüffig
macht? Pleifst ,0 &£oq £vav&-gc6jt7]6£Vt Gott ift in Lebensgemeinfchaft
mit der Menfchheit getreten? Darf alfo ,'iva
rjttBlq d-£OJcoi?]tym/i£v' überfetzt werden ,damit wir mit Gott
in Lebensgemeinfchaft verfetzt werden?

Der Verfaffer überfieht, was ich nicht überfehen habe,
dafs für den Griechen der Einzelne immer in doppelter
Hinficht in Betracht kommt, als Glied und Repräfentant

nutzt (S. 74). der Menfchheit und als freies, felbftändiges, den-

Die ganze Unterfuchung ift mit folcher Umficht und kendes Einzelwefen. Fafst der Grieche das letztere ins

Sorgfalt durchgeführt, dafs wir ihre Refultate, die S. Auge, fo befteht ungefähr das zu Recht, was der Ver-

75—77 zufammengefafst find, als durchaus ficher anfehen 1 faffer als Begründung, Bewahrung und Vollendung des