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Ausgabe:

1903 Nr. 14

Spalte:

401-404

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Nau, F.

Titel/Untertitel:

La Didascalie 1903

Rezensent:

Nestle, Eberhard

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Theologifche Literaturzeitung. 1903. Nr. 14.

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Von den vorangehenden Praxcis fchliefsen fich (aufser II
— hebräifche Schwurformeln) VIII und IX enger an den
Schlufstheil an, da hier fchon Mariamne (Marthafchwefter)
und Bartholomäus als Begleitfiguren auftreten und Fr. VIII
überhaupt mit einer neuen Einleitung (Apofteltheilung)
beginnt. Freilich auch fchon in Fr. VI (c. 80ff.) ift wohl
die Nachbildung einer Scene der Petrusacten (Actus Vercell.
c. 28 — Auferweckung eines Jünglings durch den Apoftel
im Wettftreit) zu erkennen. Bonnet giebt Fr. XVff. in
doppelter, das eigentliche Martyrium c. 123fr. in dreifacher
Recenfion. Den von B. unter dem Texte verzeichneten
Bibelftellen dürften vielleicht noch zu p. 123 vgl. Act. 917?,
p. 1711.11 vgl. Mt. 1425. 82s, 24 vgl. 1 Petr. 57, p. 40*f.
vgl. Mt. 1O16. 28 (?) beizufügen fein. Der nach Clem. Alex.
strom.in.4, 25 an Philippus gerichtete Herrnfpruch Lc.960:
Mt. 822 findet fich in den neuveröffentlichten Stücken nicht
vor. Auf einen alten Kern diefer Apoftellegende, in dem
er enthalten gewefen fein könnte, wird man getroft Verzicht
leiften können. Denn wir haben auch fonft Fälle,
wo der Zeuge Clemens mit einer an fich unverdächtigen
kirchlichen Tradition allein fleht. Ein fchon von Lipfius
behandeltes Hypomnema über das Leben des Phil., das
die Gefchichten der erflen Praxcis in theilweife anderer
Anordnung enthält, ift p. 91—98 beigegeben; ein Rück-
fchlufs auf die fehlenden Fr. X—XIV läfst fich daraus
fchwerlich ziehen.

Zu vol. II 1 giebt Bonnet p. XXXI ff. noch Addenda
et Corrigenda, desgl. p. XXXVI—XXXVIII bereits zu dem
vorliegenden Theilbande. Wie grofs die Mühe ift, der er
fich in jahrelanger Arbeit an zum Theil recht minder-
werthigem Stoffe unterzogen hat, läfst das am Ende angehängte
Verzeichnifs der benutzten Hff. (ich zähle 108
,griechifche und 25 lateinifche) erkennen. Man mufs ihn
zur Vollendung diefes Doppelbandes beglückwünfchen,
der eine tüchtige, unentbehrliche Grundlage für jede
Weiterarbeit an diefen Stoffen abgiebt. Möchte uns der
Name diefes Herausgebers auch noch bei anderen Stücken
der altkirchlichen Literatur begegnen!

Betheln (Hann). Edgar Hennecke.

Gibson, Margaret Dunlop, M. R. A. S., LL. D., The Di-
dascalia Apostolorum in Syriac. Edited from a Meso-
potamian manuscript with various readings and colla-
tions of other mss. (Horae semiticae No. I). London
1903, C. J. Clay and Sons. (X, 236 p. 4.) 15 s.

Gibson, Margaret Dunlop, M. R. A. S., LL. D., The Di-
dascalia Apostolorum in English. Translated from the
Syriac. (Horae semiticae No. II.) London 1903, C. J.
Clay and Sons. (XVIII, 113 P- 4-) 4 sh.

Nau, Prof. F., La Didascalie c'est-ä-dire L'Enseignement
Catholique des douze Apötres et des saints disciples
de notre Sauveur. Traduite du Syriaque pour la
premiere fois. Ancienne litterature Canonique Syriaque
Fascicule I. (Extrait du Canoniste contemporain,
fevrier 1901 ä mai 1902.) Paris 1902, P. Lethielleux.
(172 p.) M. 3.20.

Funk, F. X., Le Date de la Didascalie des Apötres. (Revue
d'histoire ecclesiastique II, 4.) Louvain 1901.

Wenn die an erfter und zweiter Stelle genannten
Veröffentlichungen, deren Befprechung in diefem Blatte
mir obliegt, auch nur das eine Verdienft hätten, Lagarde's
Ausgabe der Didascalia von 1854 zu wiederholen,
fo wäre das fchon allen Dankes werth. Denn diefe einft
in nur 100 Exemplaren gedruckte Schrift ift fo feiten,
dafs mir im Lauf von einem Vierteljahrhundert aufser
dem in meinen Befitz übergegangenen Exemplar aus
Gildemeifter's Bibliothek nur ein einziges Exemplar im
Buchhandel aufgeftofsen ift, das von Williams & Nor-

gate mit 25 shil. angefetzt wurde. Und auch Bunfen's
Werk ,Christianity and Mankind1, in deffen 6. Band Lagarde
's griechifche Bearbeitung der Schrift erfchien, ift
zumal in Deutfchland, fo feiten, dafs ich auch dies nur
einmal (von Fock in Leipzig zu 100 M.) ausgeboten fand.
Alfo find auch die an zweiter und dritter Stelle genannten
Ueberfetzungen ins Englifche und Franzöfifche fehr willkommen
. Aber die Textausgabe bietet mehr. Sie ruht
auf einer neuen, von Rendel Harris nach Europa gebrachten
Abfchrift. Der fündige Schreiber Jacob bar
snmr vom Gefchlecht ISO tTO, der fie ihm Jahr 1899
für ihn anfertigte, fagt in feiner Schlufsfchrift (I. 212),
dafs feine Vorlage in ibSTno (! Eftrangelo) vor 1347
Jahren gefchrieben worden fei; das wäre im Jahre 552.
Ob man diefer Angabe trauen darf, weifs ich nicht. An
einzelnen Stellen hat er uns jedenfalls eine beffere Lesart
erhalten, als die von Lagarde wiedergegebene Parifer
Handfchrift, die dem 9. Jahrhundert zugewiefen wird. An
andern freilich wären wir fchlimm daran, wenn nur die
mefopotamifche Handfchrift uns zur Verfügung wäre;
denn namentlich gegen den Schlufs fehlen in derfelben
viele, zum Theil lange Abfchnitte, und bald nach dem
Anfang ift ein Fremdkörper in den Text eingedrungen,
und hat eine Blattverfchiebung Verwirrung angerichtet.
Was wir 16, 17—32, 10 lefen, find Stücke aus dem Testa-
ntentum Domini, der Lehre der Apoftel und der Lehre
Addai's, die, von Rahmani, Lagarde, Cureton und Arend-
zen fchon veröffentlicht, zwar mit diefer Literatur zu-
fammengehören, nicht aber ein unmittelbarer Beftand-
theil der Didascalia find. Dafs fie in fie hineingerathen
konnten, erklärt fich um fo leichter, als fie auch in der
durch Rahmani bekannt gewordenen Borgia-Handfchrift
hinter der Didascalia fich finden. Die Blattverfchiebung
hatte die Folge, dafs was wir jetzt 63, 15—68, 10 lefen
vor 55t 1 gehört. Namentlich in der Ueberfetzung hätte
Mrs. Gibfon beffer gethan, die richtige Reihenfolge her-
zurtellen oder wenigftens II, 35 darauf aufmerkfam zu
machen. Dagegen hat uns nun die neue Ausgabe eine
Einleitung erhalten, die in Lagarde'sText fehlte und
die mit der wichtigen Mittheilung beginnt, dafs die in
Jerufalem mit Paulus dem Apoftel der Heiden und mit
Bifchof Jacobus verfammelten 12 Apoftel diefe Didascalia
aufgeftellt und durch ihren Genoffen Cl emens au
die Kirchen gefandt hätten. Da des letzteren Name hier
als oiMWbpx erfcheint — ift dies x protheticum oder
hat der fyrifche Ueberfetzer AI 'AKAIIMENT02 abgetrennt
? — fo ift jeder Zweifel darüber ausgefchloffen,
dafs diefe Einleitung fchon zum griechifchen Text gehört
hat. Zugleich ift damit auch fchon die Didascalia,
die Grundfchrift der Apoftolifchen Conftitutionen, mit
aller wünfchenswerthen Deutlichkeit in den Kreis der
Fälfchungen hineingeftellt, die an den Namen des römi-
fchen Clemens anknüpfen. Sonft bietet der neue Text,
foweit ich gefehen habe, keine wefentlich neuen Auf-
fchlüffe. Die ausführlichen Ueberfchriften, welche die
mefopotamifche Handfchrift zu jedem Capitel giebt, find
jedenfalls fpäteren Urfprungs. Die Zahl der eigentlichen
Varianten ift, wenn wir von den fchon berührten Lücken
abfehen, nicht fehr grofs; der Text war uns bisher fchon
in der Hauptfache richtig überliefert; immerhin wird
eine Reihe innerfyrifcher Verderbnifse und Verfchlimm-
ungen durch die neue Handfchrift richtig geftellt;
an einem Ort ergiebt fich auch, dafs die Vorlage mit
einer zweiten Hdf. verglichen worden war, die an der
betreffenden Stelle die Lesart bot, welche Lagarde hatte.
Da ich für Mrs. Gibfon ihre Collation der Lagarde'fchen
Ausgabe controllirte und da Mrs. Gibfon ihrerfeits
Lagarde's Druck noch einmal mit der Parifer Handfchrift
verglich, flehen wir in diefer Hinficht auf völlig ficherem
Boden. Zu den wenigen Verfehen in Lagarde's Druck, die
S. 236 vermerkt find, können noch die 76 d, 188 r vermerkten
gefügt werden: eine fpäte glänzende Recht-
I fertigung für das Buch, über das Bernftein nach Lagarde's

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