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Ausgabe:

1903 Nr. 11

Spalte:

324-330

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Soden, Hermann Freiherr von

Titel/Untertitel:

Die Schriften des Neuen Testaments in ihrer ältesten erreichbaren Textgestalt hergestellt auf Grund ihrer Textgeschichte. Band I, 1. Abteilung 1903

Rezensent:

Bousset, Wilhelm

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Theologifche Literaturzeitung. 1903. Nr. 11.

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817 der directen Jahwerede ausweichend, durch die äufsere
Gleichheit der Perfonen verführt die Subjecte von ">ri3D3
und mBOX vereinleit. Da fich die Abweichung der LXX
von MT aus begreifen läfst, aber nicht umgekehrt, ift MT,
der lexikalifch und fachlich nicht zu bemängeln, der LXX
vorzuziehen. Darnach wäre 21—9 in 3 Strophen zu zerlegen
: I (1—3) = 7, II (4-6) — 6 und III (7-9) = 7
Reihen. In dem aufserhalb des Parallelismus flehenden
13 iDirrba PCX V. 12, deffen Unechtheit nach Gr. S. 180
Legarmehhinter JpX11 indiciren foll(?), erkannte fchon Ols-
haufen eine liturgifche Zuthat, die m. E. dem Bedürfnifs
entfprang, den Pf. nicht mit dem Drohwort 3SX zu beenden
(f. auch Grimm, Euphem. liturgic. Appendixes
1901 S. 13). Ein ähnlicher Umfland führte auch zur Ver-
fchmelzung von Pf. 1 und 2. Betreffs "O" 3pB3 V. 12 ftimmen

für 3 s keinen anderen Rath, als dafs ich l-firP iittlp und
i«T3N WHBIrl als 2 zweihebige Reihen anfehe und in der
Fortfetzung mit Gunkel bei Sievers S. 582 nx als Verdopplung
der 2 letzten Confonanten von npri ftreiche;
vielleicht ift auch bD vor P^X zu tilgen. Nach LXX ift
33 D^nbxa in PHbXB, zu ändern, cf. Pf. 419.

So könnte ich Pfalm für Pfalm mit Grimme rechten
und ihm nachweifen, dafs er häufig die Verfionen, auf die
er fich nützt, mifsverfteht, oder wo er diefe verlaffend zur
Conjecturalkritik greift, Pech hat! Die Benützung der alt-
teftamentlichen Verfionen ift eine Kunft, deren Ausübung
man nicht von den Semitiften von Fach erwarten darf —
S. 21 verräth übrigens Grimme mit der Bemerkung, dafs
Pf. 2 ,im erften und älteften Pfalmbuch' fteht, dafs er
mit altteftamentlichen Einleitungsproblemen nicht ganz

unabhängig drei nach Neigung und Können verfchiedene j vertraut ift, doch ift das ein Ausnahmefall — und alt-
Gelehrte: Marti (bei Duhm, Pff), Sievers (Metr. Stud. l teftamentliche Conjecturalkritik ift auch fo eine Sache, die
S. 582) und Grimme überein, dafs beide Worte nach II | man vom Semitiften nicht allein abhängig machen darf!

Ende gehören. Mit Recht unterläfst Gr. den fchwierigen,
nach allgemeiner Annahme verderbten Text nach LXX
ÖQä^aO&e staiöslag nach den bekannten Vorfchlägen
Lagarde's zu verbeffern. Müfste doch die von MT abweichende
Lesart der LXX noch T gekannt haben, das,
XD&blX Tb'Üp überfetzend, mit LXX ftimmtü Beide Verfionen
identificiren vielmehr, worauf gut fchon Baethgen
wies, Ii mit dem 27 von Jahwe gezeugten p, der ihnen
als Gottes ,Sohn' = der mit der Tora identifchen Weisheit
, d. i. Gottes erftem und vornehmftem Gefchöpf ift
Pr. 822 JSir 2423 Bar 41 (Weber, Jüd. Theol. i6ff. 153).
Grimme's eigene Verbefferung S. 21 1p8J3 rTWiai bPD
"Q3t kann ich nicht billigen, da fie ein zwar philologifch
elegantes, aber im ganzen AT nirgends vom göttlichen
Oberherrn vorkommendes Tpa enthält und den Text zudem
überfüllt. So lange nichts Befferes geboten wird, ergänze
ich nach LXX aus ib^J ein 35 und fehe in Iptt);
beffere Variante zu ib^Ä, indem ich mit Marti *Q als
Abbreviatur für rTWO faffe: Küffet ihn mit Zittern! Der

Aber an all den von Grimme befprochenen Pfalmftellen
wird man fein Urtheil als nicht leichthin gefällt, gern hören
und es auch häufig acceptiren, und auch da, wo der Alt-
teftamentler, von feinen Hausrechten Gebrauch machend,
Grimme's Verbefferungen hinausfegt, wird er durch
Grimme wenigftens zur befferen Reinhaltung des eigenen
Haufes veranlafst werden. So verdient Grimme mannigfachen
Dank für feine forgfältige Arbeit, die, richtig ausgenützt
, zurbefferenCompafsftellung des altteftamentlichen
Schiffleins dienen kann, um es nicht von der femitifchen
Philologie Verfehlungen werden zu laffen.

Strafsburg i/E. Georg Beer.

Soden, Dr. theol. Hermann Freiherr von, Die Schriften
des neuen Testaments in ihrer ältesten erreichbaren Textgestalt
hergestellt auf Grund ihrer Textgeschichte. Band
I, 1. Abteilung. Berlin 1902, A. Duncker. (XVI, 704 S.

erzwungeneVufsk^ j gn Lex" 8") CPU- M' 5°—5 geb. M. 55.-

igung der ftolzen Heidenkönige! Ungezwungen erhalte
ich fo ein Gedicht, von dem Strophe I und III 7, II und
IV 6 reihig find. V. 7 wird man nach LXX, vgl. auch
P ,<^. tnp pn zu lefen haben, dann aber gegen

LXX und P n3rT> vor -rast nicht wiederholen dürfen. V. 9 1.
nach LXX Xc.a ARa 153 ft. ibB. Sämmtliche Stichen find

3 hebig. Nur V. 7 Hr3X an PX las macht einige, und
V. 8 ,rbrß DPI ranai aaa bx» noch weitere Schwierigkeiten
. Ob man fie durch Aenderung von PX in ib und
durch Streichung von aaa bxtt) befeitigen darf?

Für Pf. 3 wird Grimme gewifs vielen Beifall finden
mit der Abtrennung von 39 als liturgifches Epiphonem
und mit der ähnlich vonBickell,Duhm,Ley undSievers
befolgten Auftheilung des Uebrigen in ein Gedicht von

4 Strophen zu je 4 dreihebigen Reihen. Nur Gr.'s Behandlung
von 38 ift zu widerfprechen. Er reftituirt nämlich
38 fo:

inbx nw naip
■oix bsa wom
Brfinb rran nnx P
rraiB aiy«-i a»

Für inbx rTWi, rran nnx und anaib kann er fich
allerdings mit einigem Recht auf P ^.atV Ur*t A - »v SJl?
und ^oavA^is Vi, berufen. Da aber an den 2 erften Stellen
LXX = MT ift, hat P einfach MT ifibx umgeftellt und
mit nach man als rix gelefen. MT inb ift in LXX
(laraicoq — fiinb. Nun ift irjb durch das parallele at?
gefchützt; ergo LXX's Qjnb falfche Auflöfung eines
als Abbreviatur verftandenen 'nb in Ü3rVb. P

ift weiter nichts als verdeutlichende Ueberfetzung von
MT inb — hat doch auch T, der gewifs nicht anders als
MT las, Jinnoai b? = P! Da ich nicht den Muth befitze,
mit Grimme neue Pfalmverfe zu dichten, weifs ich vorab

Von dem grofsen Unternehmen von Soden's, deffen
Beendigung man feit längerer Zeit mit Spannung ent-
gegenfieht, liegt nun der erfte Halbband vor. Und wie
auch das Urtheil im Einzelnen ausfallen möge, — dafs
wir es hier mit einem Werk allererften Ranges, mit einem
Markftein in der bisherigen Gefchichte der neuteftament-
lichen Textkritik zu thun haben, beweift bereits diefer
erfte Band, obwohl er vielfach nichts Weiteres enthält,
als eine einfache Regiftrirung des Materials. Denn das
dürfte Jedem, der fich in den erften Band vertieft hat,
klar fein, dafs es v. Soden vergönnt ift, mit einem
Material zu arbeiten, wie es auch nur annähernd Keiner
vor ihm befeffen hat. Durch eine für deutfehe Verhält-
nifse feltene königliche Freigebigkeit der Dame, deren
Namen das Widmungsblatt diefes Bandes trägt, durch
fyftematifches Zufammenarbeiten einer ganzen Reihe
namentlich jüngerer namhafter Forfcher, welche die Vorrede
nennt, unter einer einheitlichen und planvollen Leitung
ift das Material gefammelt. Dafs v. Soden auch der
Verarbeitung diefes riefenhaften Stoffes gewachfen ift.
beweift er durch eine Reihe von Unterfuchungen am
Schluffe des Bandes, die uns bereits etwas von der Methode
der ganzen Arbeit und der Fülle und dem Reichthum der
neuen Beobachtungen und Enthüllungen, die unferer im
zweiten Bande harren, verrathen.

Verfaffer beginnt mit einer kurzen Skizzirung der
Gefchichte der bisher geleifteten textkritifchen Arbeit und
fkizzirt im Anfchlufs daran den Plan des neuen Unternehmens
. Von Soden beabfichtigt nichts Geringeres, als
unter Heranziehung des gefammten vorhandenen Materials
der griechifchen Handfchriften, vor allem auch der in der
letzten Phafe neuteftamentlicher Textkritik fo arg vernach-
läffigten Minuskeln, eine vollftändige Gefchichte der Entwicklung
des neuteftamentlichen Textes zu geben und in
einer Darftellung fämmtlicher Gaffen und Gruppen neu-