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Ausgabe:

1903 Nr. 9

Spalte:

260-262

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hölscher, Gustav

Titel/Untertitel:

Palästina in der persischen und hellenistischen Zeit 1903

Rezensent:

Schürer, Emil

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Theologifche Literaturzeitung. 1903. Nr. 9.

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zeugt ift diefe Lesart nicht nur durch einige gute Itala-
Codices und durch Nicetas von Remefiana (Ende des 4.
Jahrh. n. Chr.), fondern auch durch Origenes, der zwar
feinerfeits der LA Magicta: folgt, aber auch die LA 'Eli-
ödßer kennt. Dafs Spitta S. 91 die darauf bezügliche
Notiz fowohl dem Origenes als feinem lateinifchen Bearbeiter
(Hieronymus) abfpricht und fie nur einem
fpäteren Interpolator des lateinifchen Textes zufchreiben
will, ift unbegründet; folche textkritifche Bemerkungen
entsprechen ja ganz der Art des Origenes. Für Elifabeth
als Sängerin des Magnificat ift neuerdings auch KöftHn
eingetreten (Zeitfchr. für die neuteftamentl. Wiffenfch. III,
1902, S. 142—145. Herzog-Hauck, Prot. Real-Enc.
3. Aufl. XII, 1903, S. 71 — 75). Nicht bekannt ift mir:
Lepin, Le anagnificaf doit-il etre attribue a Marie ou
a Elisabeth? [Univ. cath. 1902,/. 213—242).

4. Anrieh, Clemens und Origenes als Begründer
der Lehre vom Fegfeuer (S. 95—120).
Geht davon aus, dafs die Lehre vom Fegfeuer eine
Sonderlehre der römifchen Kirche bildet, welche von der
griechifchen Kirche abgelehnt wird. Und doch find die
beiden grofsen griechifchen Theologen Clemens und Origenes
die eigentlichen Begründer diefer Lehre. Sie
wurzelt in der Idee, dafs Gottes Strafe niemals vindi-
cative Bedeutung hat, fondern immer nur pädagogifcher
Abficht entfpringt. Bei wem der Zweck der Läuterung
im dieffeitigen Leben noch nicht erreicht worden ift, der
mufs einem folchen Läuterungsprocefs nach dem Tode
noch unterworfen werden. Das letzte Motiv der Lehre
vom Fegfeuer ift demnach die Vorausfetzung, dafs Gott
fchliefslich alle Menfchen zum Heil führt. Und das ift
echt alexandrinifch. Dagegen fpielt in der Einzelausführung
manches fremdartige, griechifche und jüdifche
herein, wodurch Unebenheiten entliehen, die dann wieder
durch Umdeutung möglichft befeitigt werden. Nur ein
Reil diefer urfprünglichen Conception ift es, der von
Auguftin aufgenommen und von andern Gefichtspunkten
aus neu ausgebaut worden ift.

5. Lucius, Das mönchifche Leben des vierten
und fünften Jahrhunderts in der Beleuchtung feiner
Vertreter und Gönner (S. 121 —156). Der inzwifchen
verdorbene Verfaffer fchildert hier fehr anfehaulich Motive
, Wefen, Mittel und Ziel der mönchifchen Askefe nach
den Schriften ihrer Vertreter und Gönner im 4. und 5.
Jahrhundert.

6. Lobftein, Zum evangelifchen Lebensideal
in feiner lutherifchen und reformierten Ausprägung
(S. 157—181). ,Der Zug der lutherifchen Kon-
feffton geht dahin, dafs in erfter Linie die Heils Verwirklichung
betont wird; die reformierte Konfeffion
dagegen betont vorwiegend den Heilsgrund' (S. 165).
Beide Confefflonen leiten daher zu einer verfchiedenen
Weife der Selbftbeurtheilung an: /Während der Lutheraner
die Heilsgewifsheit als Troft und Friede vorwiegend
in der Geftalt ruhender Zuftändlichkeit in fleh trägt,
äufsert fleh die certitudo salutis bei den Reformierten als
Thatkraft und Lebensenergie, durch welche fleh der
Heilswille Gottes in dem Gläubigen verwirklicht' (S. 170).
Daraus ergeben fleh dann mannigfaltige Confequenzen,
die zugleich mit ihren Gefahren und Verirrungen von
dem Verf. in feiner Weife charakterifirt werden, wobei
er fleh durchaus deffen bewufst bleibt, dafs alle Formulirungen
das wirkliche Leben immer nur annähernd erreichen
. Licht und Schatten find auf beide Confefflonen
in gleicher Weife vertheilt.

7. E.W.Mayer, Ueber die Aufgaben der Dogmati
k (S. 183—210). Was hat dieDogmatik zu fchildern:
den Glauben? oder die Lehre? oder das eine und das
andere? (S. 190). Unter Hinweis auf die praktifche Aufgabe
der Theologie: zur rechten Verkündigung des Evangeliums
anzuleiten, bejaht der Verf. die dritte Frage: die
Dogmatik hat den Glauben und die Lehre zu fchildern;
das letztere ift nicht möglich ohne das erftere (S. 192).

Der Dogmatiker hat daher ,zuerft gegebene autoritative
Lehrtypen auf ihr religiöfes Subftrat, den zu Grunde
liegenden Glauben, zurückzuführen, dann daraus wieder
den Inhalt des Kerygma's zu entwickeln und endlich die
neuen fo abgeleiteten Formen mit den überlieferten zu
vergleichen' (S. 203). Zu gewiffen Zeiten, und fo in der
Gegenwart, wird aber der Dogmatiker fleh auch der Aufgabe
nicht entziehen können, den chriftlichen Glauben
und die chriftliche Weltanfchauung ,mit der Wiffenfchaft
und Philofophie der Gegenwart auseinanderzufetzen'
(S. 205).

8. Smend, Zur Frage der Kultusrede (S. 211—
241). Verf. befpricht zunächft die wichtigften Klagen
und Anklagen, welche man gegen die Predigt, wie fie
gegenwärtig durchfehnittlich geübt wird, zu erheben
pflegt. Den Grund ihrer Decadence fleht er in der Verbindung
von Predigt und Gottesdienft (S. 220). Der
Cultus hat die Rede ruinirt und die Rede hat den
Cultus ruinirt (S. 221). Er empfiehlt daher 1. Predigt-
lofe Gottesdienfte, in denen das Gebet vorwaltet;
2. Predigten, in denen die Betrachtung herrfcht;
daneben aber doch auch noch 3. Predigtgottesdienfte, in
denen Gebet und Betrachtung auf einander angelegt und
eingeftimmt find (S. 234). Ift mit Empfehlung diefer
dritten Veranftaltung nicht indirect wieder zugegeben,
dafs der Grund des Uebels doch anderswo zu fuchen ift
als in der Verbindung von Predigt und Gottesdienft?

9. Ficker, Das Konftanzer Bekenntnifs für
den Reichstag zu Augsburg 1530 (S. 243—297).
Im Stadtarchiv zu Konftanz befindet fleh unter den
dortigen Reformationsacten ein ,Bekenntnifs', das für den
Reichstag zu Augsburg 1530 beftimmt war, aber dort
nicht übergeben worden ift. Ficker druckt dasfelbe
S. 245—249 ab und giebt dann zur Erläuterung eine ausführliche
Darftellung der Konftanzer Reformationsge-
fchichte bis 1530. Den Schlufs bildet S. 287—292 eine
Charakteriftik des ,Bekenntnifses', das ,in feiner Einfachheit
und Knappheit am eheften dem Memminger vergleichbar
ift' (S. 292). Als Verfaffer ift im Wefentlichen
Blaurer zu betrachten.

Die neun Abhandlungen, deren Inhalt wir hier nur
ganz kurz fkizziren konnten, find in ihrer Gefammtheit
ein fchönes Zeugnifs der wiffenfehaftlichen Arbeit an der
Strafsburger Facultät.

Göttingen. E. Schürer.

Hölscher, Guftav, Palästina in der persischen und hellenistischen
Zeit. Eine hiftorifch-geographifche Unter-
fuchung. (Quellen und Forfchungen zur alten Ge-
fchichte und Geographie. Herausgegeben von W. Sieg-
lin. Heft 5.) Berlin 1903, Weidmann. (XII, 99 S.
gr. 8.) M. 3.-

Mit diefer Erftlingsfchrift tritt der Verf. als ein wohl-
gerüfteter auf den Plan. Der bleibende Werth feiner
Arbeit würde jedoch gröfser fein, wenn er gewagte
Hypothefen und unfichere Meinungen mit etwas weniger
Sicherheit hingeftellt hätte. — Seine Abficht ift, wie das
Vorwort fagt: ,Die Entwicklung der territorialen Verhält-
| nifse Paläftinas von der Perferzeit ab bis zur Einrichtung
der römifchen Provinz darzuftellen'. ,Auf Zweierlei ift
dabei das Intereffe des Verfaffers gerichtet, nämlich auf
eine Fixirung 1. der politifchen Grenzen, welche zu ad-
miniftrativen Zwecken von der perfifchen, feleucidifchen
oder ptolemäifchen Regierung gefetzt wurden, und 2. der
ethnographifchen Grenzen einzelner Stämme innerhalb
jener adminiftrativen Bezirke; an letzteres fchliefst fich dann
eine Unterfuchung über die Ausbreitung des Judenthums
innerhalb Paläftinas an'.

Abfchnitt I behandelt ,die perfifche Satrapie' und
fucht dabei auch den Urfprung des terminus Kölln Evquc
zu ermitteln. Leider ift es dem Verf. nicht gelungen, das