Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1902 Nr. 6

Spalte:

164-165

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Furrer, Konrad

Titel/Untertitel:

Vorträge über das Leben Jesu Christi 1902

Rezensent:

Holtzmann, Heinrich Julius

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

163

Theologifche Literaturzeitung. 1902. Nr. 6.

164

zelnen Perfonen. — Ueber Hebrew Language handeln in
der Kürze Robertfon Smith und Bevan (letzterer ift im
Verzeichnifs der Mitarbeiter aus Verfehen nicht aufgeführt
). — Aus dem Gebiete der Alterthümer mit Ein-
fchlufs der Naturgefchichte feien hervorgehoben:
Education (Box), Family, Fasts, Feasts (fämmtlich von
Benzinger), Fish (Shipley, Kennedy und Cook), Food
(Kennedy), Fortresse (Whitehoufe), Genealogies (O. T.
von Cook, N. T. von v. Soden), Government (Benzinger),
House (Cook). — Aus dem Gebiete der Völkerkunde:
Edom (Nöldeke), Egypt (W. M. Müller), Ethiopia (W. M.
Müller), Hittites (M. Jaftrow jun.), Jshmael (Nöldeke),
Kenites (Cheyne).— Aus dem der Geographie: Ephe-
sus (Woodhoufe), Galilee (Cheyne), Gaza (Cheyne), Geo-
graphy (Francis Brown, fchildert namentlich die allmähliche
Erweiterung der geographifchen Kenntnifse der
Israeliten, mit einer Karte, welche vier Hauptftufen der-
felben darfteilt: die hebräifche Geographie zur Zeit der
Richter, im zehnten, achten und fünften Jahrhundert
vor Chr.), Gerizim (Cheyne), Gezer (die Literaturangaben
hierüber dürften etwas vollftändiger fein, f. meine Ge-
fchichte des jüd. Volkes 3. Aufl. I, 246), Gilead (Cheyne),
Gilgal (G. A. Smith), Goshen (W. M. Müller), Jerusalem
(Robertfon Smith, G. A. Smith, Conder; über einen der
controverfeften Punkte, die Lage der Akra, werden
Sp. 2426 f. drei verfchiedene Anflehten mitgetheilt, wobei
die zweifellos richtige, dafs fie füdlich vom Tempel gelegen
hat, mit befferer Begründung und gröfserer Sicherheit
hätte vorgetragen werden follen), Jordan (Cheyne?),
Kadesh (Cheyne und Cook), Kirjath-Jearim (Cheyne).

Die neuteftamentlichen Artikel treten der Zahl
nach zurück; doch find darunter einige, die durch Umfang
und Gediegenheit den erften Rang einnehmen,
freilich auch aus dem Rahmen eines folchen Wörterbuches
allzu fehr heraustreten; ich meine die Artikel
von Schmiedel über den Galaterbrief und die
Evangelien. Im Artikel Galatia ift die Gefchichte der
Provinz von Woodhoufe behandelt (Sp. 1589—1592),
und von demfelben auch das erörtert, was zu Gunften
der ,füdgalatifchen' Hypothefe fich vorbringen läfst (Sp.
1592—1596). Dagegen tritt Schmiedel dann für die ,nord-
galatifche' Hypothefe ein (Sp. 1596—1616) und behandelt
weiter die Entftehungsverhältnifse des Galaterbriefes überhaupt
(Sp. 1617—1626). Da kürzlich auch Mommfen (in
feinem Auffatze über die Rechtsverhältnifse des Apoftels
Paulus in der Zeitfchr. f. d. Neuteft. Wiffenfch. II, 86) ein
entfehiedenes Wort gegen die ,füdgalatifche' Hypothefe
gefprochen hat, fo ift zu hoffen, dafs diefe ihre Blüthezeit
nunmehr überfchritten hat. Ein Buch für fich bildet
der Artikel Gospels, wozu auch der Artikel John gehört
, der vermuthlich nur aus äufserlichen Gründen von
jenem getrennt ift. Beide zufammen umfaffen 196 Spalten
(1761 —1898 und 2503—2562), was in gewöhnlichem Drucke
etwa 300 Seiten geben würde. Der Artikel Gospels zerfällt
in zwei Hälften. Die erfte, von E. A. Abbott ver-
fafst, behandelt den Gegenftand descriptive and analytical,
und zwar in Bezug auf alle vier Evangelien (Sp. 1761 —1839);
die andere Hälfte, von Schmiedel verfafst, ift historical
and synthetical, giebt aber nur die Unterfuchung der
Synoptiker (Sp. 1839—1898), während die des vierten
Evangeliums erft unter dem Stichworte John folgt
(ebenfalls von Schmiedel). E. A. Abbott giebt eine
vergleichende Ueberficht über den Inhalt (was je drei
gemeinfam haben, was je zwei haben, was nur je einer
hat) und behandelt dann fehr eingehend die äufseren
Zeugnifse. Es fei geftattet, hieraus den Schlufsfatz über
Juftin's Stellung zum vierten Evangelium herauszuheben
(Sp. 1837 § 104): These three distinet lines of evidence con-
verge to the conclusion that Justin either did not knoiv
Jn., or, as is more probable, knew it but regarded it
zvith suspicion, partly because it contradicted Lk., his fa-
vourite Gospel, partly because it was beginning to be
freely used by his enemies the Valentinians. Schmiedel's

Unterfuchung des vierten Evangeliums verhält fich fehr
fkeptifch gegenüber der Annahme johanneifcher' (d. h.
von den Synoptikern unabhängiger) Traditionen in diefem
Evangelium, und entfeheidet fich auch bei der Differenz
über den Todestag zu Gunften der Synoptiker (Sp. 2522 ff.
§ 21—24). icn geftehe, dafs ich hier über ein non liquet
1 nicht hinaus komme. Es ift richtig, was Schm. bemerkt
1 (§ 24): ,Nur in einem Falle müfste man das johanneifche
Datum annehmen: wenn das fynoptifche als unmöglich
erwiefen wäre.' Ich kann aber nicht beiftimmen, wenn er
dann mit Entfchiedenheit bemerkt, dafs letzteres keineswegs
der Fall fei, da die entgegenftehenden Schwierigkeiten
theils nur fcheinbare feien, theils durch einen verzeihlichen
Irrthum der Tradition erklärt werden könnten.
Die Gerichtsverhandlung am Fefttag bleibt eine grobe
Gefetzesverletzung, die fchwer denkbar ift, da die Pharifäer
den entfeheidenden Einflufs im Synedrium hatten (Jos.
Antt. XVIII, 1, 4 /in.). Und es waren nicht nur die
j Pharifäer, die das Gerichthalten am Sabbath (und Feft-
j tag) verpönten (Mischna Beza V, 2). Auch ein Mann
wie Philo rechnet das öixäLuv zu den am Sabbath
verbotenen Dingen (De migrationc Äbrahami § 16, ed.
Mangeyl, 450); und die Juden in Kleinafien legten grofsen
Werth darauf, dafs fie am Sabbath nicht gezwungen
wurden, vor Gericht zu erfcheinen (f. meine Gefch. des
jüd. Volkes 3. Aufl. II, 211). Diefe Inftanz wird nicht
dadurch befeitigt, dafs man fagt, die Verhandlung vor
dem Synedrium fei nur eine vorläufige Unterfuchung
! gewefen, welche das Urtheil des Pilatus vorbereiten
! follte (Schm. § 22, nach Brandt). Es war doch unter
allen Umftänden eine Gerichtsverhandlung mit vorläufigem
Urtheil. Und wozu überhaupt die Eile? Sie bleibt nur
j verftändlich, wenn man noch vor Anbruch des Feftes
fertig werden wollte. Auch die Freilaffung des Barabbas
gerade zumFeft hat nur unter der Vorausfetzung einen Sinn,
dafs dem Freigelaffenen die Möglichkeit verfchafft werden
follte, das bevorftehende Feft mitzufeiern. — Doch ich
darf auf diefen Punkt hier nicht weiter eingehen, und
möchte zum Schlufse nur noch folgende neuteftament-
| liehe Artikel hervorheben: Elements (Deifsmann), Episto-
I lary Literature (Deifsmann), Eschatology (Charles, von
j demfelben ift auch in Hafting's und Selbie's Dictionary
1 der Artikel Eschatology of the apocryphal and apocalyptic
Liter ature bearbeitet; hätte fich diefe Selbft-Copie nicht
vermeiden laffen?), Eucharist (Robinfon), Gnosis (Jülicher),
Hebrews, epistle to (Robertfon Smith und von Soden),
Hellenism, Heresy (beide von Jülicher), LIerod, family
of (Woodhoufe), Ilosanna (Cheyne), James, epistle (Cone,
fehr verftändig, für Abfaffung des Jakobusbriefes im
; zweiten Jahrh. n. Chr.), Jesus (Bruce).

Göttingen. E. Schürer.

Furrer, Dr. Konrad, Vorträge über das Leben Jesu Christi.

Zürich 1902, Müller, Werder & Co. (VIII, 264 S. 8.)

Den Verf. braucht man in Deutfchland nicht erft be-
< kannt zu machen. Man erwartet von ihm immer Gutes,
j auf gewiffen Gebieten Beftes. Wie er fchon feit einer Reihe
| vonJahren gemeinverftändliche und gemeinnützige Vorträge
! gehalten hat über religionsgefchichtliche, naturwiffenfehaft-
j lich-apologetifcheundconfeffionell-polemifcheThemata, fo
; bietet er nunmehr in 15 Vorträgen, die auch vor einem
j fehr gemifchten Publicum gehalten find und oft auf aus
! deffen Mitte erfolgte Anfragen und Bedenken Bezug
nehmen, zwar keine Vermehrung unferer Leben-Jefu-Lite-
| ratur im ftreng wiffenfehaftlichen Sinne, dafür aber eine
1 Leiftung, die den durchaus praktifchen Zweck verfolgt,
den Ertrag ernfter wiffenfehaftlicher Arbeit dem Volke zu
vermitteln, und zwar dem Volke in möglichft weitem
Umfange. Denn Jefus Chriftus ift im Volke viel zu wenig
bekannt und noch viel weniger verftanden' (S. VI), wie
uns das bezüglich derjenigen Kreife, von welchen man es
am wenigften erwarten follte, foeben eine kundige