Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1902 Nr. 5

Spalte:

145-146

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Baljon, J. M. S.

Titel/Untertitel:

Grieksch-theologisch woordenboek hoofdzakelijk van de oud-christelijke letterkunde. 6. stuk (slot) 1902

Rezensent:

Blass, Friedrich

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

145

Theologifche Literaturzeitung. 1902. Nr. 5.

146

difche Aufzeichnungen der Bevölkerung und ihres Ver- j gleichgültig. Awtfoc wird von vico dchwimmen' abge-

mögensftandes forgten. — Die Infchriften auf welchen
Agrippa I oder II vorkommt, find durch einige vermehrt
worden (S. 588, 596). — Bei Emmaus find mehrere
Grabfchriften von Soldaten der legio V Macedonica gefunden
worden, vermuthlich aus der Zeit des grofsen
jüdifchen Krieges, in welchem diefe Legion faft 2 Jahre

leitet, ficher falfch; denn vico hat den Stamm vev-, und
vtjaoq väooq hat nichts als das v damit gemein. Aber
ob richtig oder falfch, derartige Etymologien haben hier
gar keinen Platz. Infoweit fie jedoch Platz haben, müffen
fie natürlich dem gegenwärtigen Stande der Wiffenfchaft
angepafst werden, alfo nicht z. B. qjjtcoq von prco abgelang
, 68_70 n. Chr., ein fefles Lager bei Emmaus inne j leitet, welches nie exiftirt hat, fondern von ge- gr]-{gr)ua,

hatte (S. 620). — Die Zeit des ägyptifchen Statthalters grjß-rjvai). Ein Zweites ift, dafs der Verf. die neutefta-
M. Rutilius Lupus, unter welchem im Jahre 115 der grofse | mentliche Grammatik beffer ausnutzen müfste. Unter vovc
Ju'den-Aufftand ausbrach, kann jetzt auf Grund neuer ] bemerkt er, dafs das Wort im fpäteren, befonders dem
Funde noch genauer benimmt werden als früher (S.6631.). j kirchlichen Griechifch nach der^ 3. Declination abgewan-

_ Intereffantes Material über die Befchneidung der delt werde; nur der Accufativ vöa fei dem neuteftament-

ägyptifchen Priefter haben einige von Krebs und Reitzen- | liehen Griechifch fremd. Er fieht alfo nicht die ratio der

Hein publicirte Papyrus-Texte geliefert (S. 678). Die
Befchneidung durfte zur Zeit der Antonine in jedem einzelnen
Falle nur auf Grund jedesmaliger befonderer
behördlicher Erlaubnifs, und zwar nur an den zum
Priefterdienfte Tauglichen, vollzogen werden, war alfo
fonft verboten. Es wird damit beftätigt, dafs das von

Umbildung: vovc, nach ßovg, und natürlich vovv wie ßovv,
nicht vöa, fo wenig wie ßöa. Unter (paiveo verzeichnet
er als Aorift s(pvva: etpäva war zu fetzen, indem alle
Verba auf -aivm jetzt -äva bilden. ,Xgioxiavöa ver-
fchrieben zu Xgrjör. bei Juftin, Tertullian, Clemens Alex."
Als Herausgeber des griechischen N. T. weifs der Verf.

Hadrian erlaffene Verbot der Befchneidung ein allge- : doch, dafs an allen drei Stellen des N. T., wo diefe Be-
meines, nicht nur auf die Juden befchränktes war. — j Zeichnung vorkommt, fct* das r hat, und da er des Ref.
Neue Infchriften find auch bekannt geworden über die | neuteftamentliche Grammatik kennt und anderweitig
cokottes Ituraeorum (S. 721 f.), die nabatäifchen Könige J citirt, fo hätte er aus diefer (S. 9. 63) entnehmen können,
(S. 726 ff.) und über die Statthalter, Strafsen und Grenzen ! dafs diefe weitverbreitete Schreibung allen Anfpruch hat,

als urfprüngliche zu gelten, und weshalb. Es zeigt fich
bei dem Verf. viele Benutzung neuefler Literatur und
neuefter Forfchung; aber fie ift, wie man fieht, nicht
fyftematifch und erfchöpfend. Zweifellos indefs ift der

der römifchen Provinz Arabia (S. 743 h). — Die Keil
fchriftforfchung hat gelehrt, dafs die Babylonier fchon
lange vor Chr. ebenfo genaue aftronomifche Kenntnifse
hatten, wie die Griechen (S. 748f.). Die Juden wären

daher von verfchiedenen Seiten her in den Stand gefetzt j gegenüber den erften Lieferungen vorhandene Fortfehritt
gewefen, einen genauen fixirten Kalender aufzuteilen, zum Befferen.

Wenn fie es trotzdem noch in den erften Jahrhunderten
nach Chr. nicht thaten, fo erklärt fich dies nur aus dem
Zufammenhange des Kalenders mit dem religiöfen Cultus
und aus der Sprödigkeit des letzteren gegen alle wiffen-
fchaftlichen Neuerungen.

Ich habe mir erlaubt, hier nur diejenigen Zufätze zu-
fammenzuftellen, welche durch neue Funde veranlafst
find. Finen viel gröfseren Raum nehmen die weit zahlreicheren
Ergänzungen ein, welche durch fortgefetzte
eigene Studien und neue Arbeiten und Forfchungen
Anderer hervorgerufen find.

Göttingen. E. Schürer.

Baijon, Prof. Dr. J. M. S., Grieksch-theologisch woordenboek
hoofdzakelijk van de oud-christelijke letterkunde. 6. stuk
(slot). Utrecht 1899, Kemink & Zoon. (S. 321 —1105
u. VIII S.).

Etwas mit Verfpätung komme ich dazu, von dem
Schlufsbande des Baljon'fchen Wörterbuches eine Anzeige
zu geben, von dem ich die t.—3. Lieferung in
diefer Literaturzeitung 1897, Nr. 2, die 4.— 5. daf. 1898
Nr. 17 anzeigte. Das vollftändige Lexikon ift ungefähr fo
lang geworden, wie ichesdamals fchätzte,gegen2i5oSeiten,
wenn man alles rechnet. Natürlich ift auch die Einrichtung
mit ihrem gemifchten Syfteme der Anordnung diefelbe
geblieben. Hervorzuheben ift aber mit Anerkennung,
dafs die Correctheit jetzt eine mehr befriedigende ift
als in den erften Lieferungen, und dafs die in diefer fich
findenden Fehler, foweit fie dem Verf. bekannt geworden
waren, in den Addenda et corrigenda berichtigt find.
Es fchliefst dies allerdings nicht aus, dafs auch in der
letzten Lieferung der Philologe manches zu erinnern
findet; er kommt nur mit feinen Erinnerungen etwas zu
fpät, wenn nicht etwa einmal eine neue Auflage nöthig
werden follte. Für eine folche würde Ref. erftlich
rathen, fämmtliche Etymologien, die in der claffifchen
Sprache nicht mehr durchfichtig und fühlbar waren,
radical zu befeitigen. Ob vaöq einmal vaoföo gelautet
hat, ift nicht einmal ficher, und wenn es ficher wäre, fo
wäre es für ein theologifches Wörterbuch vollftändig

Halle. F. Blafs.

Mitius, Dr. Otto, Jonas auf den Denkmälern des christlichen
Altertums. Mit 2 Tafeln und 3 Abbildungen im Text.
(Archäologifche Studien zum chriftl. Altertum und
Mittelalter, herausgegeben von Johs. Ficker. 4. Heft.)
Freiburg i. B. 1897, J. C. B. Mohr. (VII, 114 S. gr. 8.)

M. 3.60

Wenn auch verfpätet, möchte ich doch nicht ver-
fäumen, auf die ftoffreiche und forgfältige Studie hinzuweifen
, die dem Jonasbilde in der altchriftlichen Kunft
gewidmet ift. Nach einer allgemein orientirenden Einleitung
befpricht der Verfaffer die einfehlägigen Gemälde
in den Katakomben, die Sarkophagfculpturen, die Erzeug-
nifse derKleinkunft und die Miniaturen, um fchliefslich auf
die allgemeinen Fragen nach dem Urfprunge und der Bedeutung
des Bildes einzugehen. Ein genaues Verzeichnifs
der Denkmäler ift angehängt.

Von Haufe aus mit Gefchmack und Kritik ausgerüftet,
hat der Verfaffer fein Urtheil durch Anfchauung an Ort
und Stelle gefchärft; einige Beobachtungen, wie die über
die Entwickelung des Jonasbildes in den Katakomben:
von detaillirter Breite der Erzählung zu andeutender
Kürze, oder die andere, dafs der Cyklus urfprünglich aus
drei Bildern beftand, werden für die Gefchichte der chrift-
lichen Kunft von Bedeutung bleiben. Da die chriftlichen
Denkmäler noch immer nicht in genügenden Ausgaben
vorliegen, find Irrthümerund Mifsverftändnifse verhältnifs-
mäfsig leicht möglich. Wilpert's Sacramentscapellen konnte
Mitius noch nicht benutzen; zuweilen habe ich den Eindruck
, als ob er von den Abbildungen Garrucci's mehr
abhängig wäre, als gut ift; auch fchenkt er den üblichen
Datirungen viel zu fchnell Glauben. Der von der Sonne
geplagte Jonas S. 37 Z. 20 befindet fich nicht auf einem
Deckengemälde, fondern auf einen Arkofolbogen. Wenn
S. 16f. der bekannte Schiffbruch in S. Callifto auf die
Jonasgefchichte gedeutet wird, fo kann ich das nicht annehmen
. Die Katakombenmaler haben fich präcifer ausgedrückt
, als es bei diefer Deutung der Fall wäre. Das
Bild mufs ein Erlebnifs des Befitzers der Grabkammer